|
Giotto:
Bardi- Kapelle in Santa Croce
Außen über dem Bogen
des Kapelleneingangs: Gewölbe: Fensterwand: Die Fresken entstanden um
1316 bis wohl 1320. Dabei stammen nach
Mehrheitsmeinung die Entwürfe von Giotto, die Ausführung wohl überwiegend
von den Mitarbeitern. Mit Giotto beginnt in
Italien die Abwendung von der byzantinischen Tradition. Dem Stil der
internationalen Gotik, wie er von seinem großen Konkurrenten, dem
Sieneser Maler Simone Martini, oder von Orcagna vertreten wird, schließt
er sich nicht an, sondern er leitet die Entwicklung ein, die dann mit
Masaccio und anderen zur Renaissance führt. Insofern ist er in der abendländischen
Kunstgeschichte eine der entscheidenden Gestalten überhaupt. Die Kapelle war barock
umgestaltet. 1852 Freilegung und Ergänzung der Fresken, 1958/59
Entfernung der Übermalungen. Daher sieht man heute wieder die Umrisse der
barocken Grabmäler als Leerstellen in den Fresken. Wir stehen in einer Franziskanerkirche. Über die Bettelorden, zu denen die Franziskaner gehören, und ihre Baukunst vgl. Kloster San Marco. Figuren
mit Gefühlen Die Figuren Giottos
zeigen lebendige Menschen mit ganz verschiedenartigen Gefühlen. So muss
der Vater des Heiligen im Bild links oben (Verzicht auf die Habe)
zurückgehalten werden, dass er den Sohn nicht zur Umkehr zwingt.
Franziskus handelt nämlich ohne Einwilligung des Vaters, wird aber vom
Bischof höchstpersönlich unter den Mantel genommen. Gott kommt vor der väterlichen
Autorität. Bei der Erscheinung in Arles (Bild darunter) ist ein Mönch ganz in sich versunken und stützt den Kopf mit der Hand. Das Begräbnis des Heiligen (linke Wand unten) zeigt die Mönche in größtem Schmerz, teils mit erhobenen Armen, und die muselmanischen Priester, die der Sultan zur Feuerprobe befiehlt (mittleres Bild der rechten Wand), wenden sich voll Angst ab. Architektur
als Bühne Die Architektur ist zum Betrachter hin offen, bezieht diesen dadurch ein
und wirkt wie eine Bühne. In die Tiefe führende Linien erzeugen
eine illusionistische Raumtiefe. Auch der symmetrische Bildaufbau, in dem Vertikale und
Horizontale vorherrschen, unterstreicht die Bühnenwirkung der Fresken.
Auch Überschneidungen (Erscheinung in Arles, Mitte links)
schaffen Bildtiefe. Orientierung
auf den Betrachter Die Bilder sind zum
Betrachter hin orientiert. Die obersten sind in starker, die mittleren in
schwacher Unteransicht gegeben, die unteren wenden sich an einen
Beschauer auf gleicher Höhe. Die Engel beim Begräbnis werden verkürzt
von unten gezeigt. Die symbolische
Verwendung der Farbe tritt im Vergleich zur gotischen Malerei zurück und
weicht einer Orientierung an der Natur, der auch die Linie und v.a.
die Verwendung der Perspektive untergeordnet wird. Damit wird er
wegweisend für die Kunst bis weit ins 19. Jahrhundert. Erst im 19. und
20. Jahrhundert verwirft die moderne Kunst dieses Prinzip und verwendet
Farbe, Linie usw. wieder unabhängig von der Natur. |
Fresko über dem Eingang
Rechte Wandseite:
|