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Ablehnung von Joachims Opfer Das
Bildmotiv Die Geschichte stammt
aus dem Protoevangelium Jacobi und dem Evangelium
über die Geburt Mariens, Schriften, die in der Bibel selbst als unecht
nicht enthalten sind. Joachim, der Gemahl der
Heiligen Anna, opfert ein Drittel seiner Einkünfte dem Tempel. Wegen
seiner Kinderlosigkeit wird seine Gabe vom Hohenpriester aber zurückgewiesen,
worauf Joachim in die Wüste geht. Von dort ruft ihn der Engel des Herrn
mit der Verheißung, dass Anna die Maria gebären werde. Darstellung
bei Ghirlandaio Im Tempel, einem
perspektivisch gemalten Renaissancegebäude in der Form einer Loggia,
nimmt der Priester die Tempelgaben entgegen, die von den Seiten
herangetragen werden. Im Vordergrund muss Joachim den Tempel verlassen.
Rechts und links steht wieder eine Gruppe von Zuschauern. Wir befassen
uns mit der rechten. Selbstdarstellung
der Künstler Wie in der Verkündigung
an Zacharias die gelehrten Humanisten, so sind hier die Künstler
dargestellt. Der Freskenzyklus der Chorkapelle wurde nämlich nicht von
Domenico Ghirlandaio allein gemalt, sondern er hatte in seiner Werkstatt
eine Reihe von Gehilfen, deren Namen bekannt sind. Zu nennen sind
insbesondere Domenicos Bruder David, sein jüngster Bruder Benedetto,
sein Schwager Sebastiano Mainardi, Granacci, für kurze Zeit sogar
Michelangelo, dem manche übrigens die drei Männer über der Mauer in
der Heimsuchung Marias zuschreiben, und andere. Die Figur ganz links
nun, mit dunklem Untergewand, rotem Mantel und Kopfbedeckung in Form
eines abgestumpften Kegels, die dem Betrachter den Rücken zukehrt und
breitbeinig fest auf der Erde steht, ist der Maler David Ghirlandaio,
Domenicos Bruder. Der ältere Mann mit
der bereits bekannten Kopfbedeckung, der halb verdeckt ist, ist Alesso
Baldovinetti, Domenico Ghirlandaios Lehrer in der Malerei und
Mosaikkunst. Daneben, selbstbewusst
den linken Arm in die Hüfte gestützt und aus dem Bild
herausschauend, in blauem Gewand mit reichem rotem Mantel, ein
Selbstbildnis Domenici Ghirlandaios. Er soll sich nach dem Spiegel
gezeichnet haben. Der letzte in der
Gruppe endlich, mit langem schwarzem Haar, ist Bastiano Mainardi,
Domenicos Schüler und Schwager. Hier hat sich, in gleicher Größe und Stellung im Bild wie die Familie des Auftraggebers und in einer Reihe mit den größten Gelehrten der Zeit, die Familie des Malers verewigt, die die Fresken des Hauptchors geschaffen hat ! Welch ein Selbstbewusstsein und welch ein Anspruch spricht daraus, der noch durch die Haltung Domenicos und seines Bruders unterstrichen wird ! Vom
Handwerker zum Künstler Hier zeigt sich gegenüber
dem Mittelalter eine enorme Aufwertung des Künstlers. Mehr noch: Im
Mittelalter gab es den Künstler noch gar nicht, sondern die Maler waren
Handwerker im Rahmen einer Zunft mit Werkstätten. Sie malten in guter
Qualität Bilder, deren Motive in Gegenstand und Farbe von vornherein
stark festgelegt waren. Als Handwerker genossen sie wie andere einen
guten Ruf, aber als Künstler, als etwas Besonderes, galten sie nicht. Auch im 15. und 16.
Jahrhundert haben die Künstler Werkstätten, aber sie sind mehr als die
normalen Handwerker und bewegen sich mit Selbstverständlichkeit in den
höchsten gesellschaftlichen Kreisen. In Castigliones Buch
vom Hofmann spiegelt sich das gewachsene Prestige des Künstlers. Dort
lesen wir: "Wahrlich, wer diese Kunst (die Malerei) nicht achtet,
kann nicht viel Verstand besitzen: das ganze Weltgebäude, den weiten
Himmel, erstrahlend im Sternenscheine, in der Mitte, vom Meer umgeben
die Erde, wechselnd geteilt in Berge, Täler und Flüsse, geziert durch
Bäume und liebliche Blumen und Kräuter: Wir können es ein edles und
großes Gemälde nennen, von der Natur und Gott gefertigt. Wer solches
nachahmen kann, verdient das höchste Lob, das aber nicht zu erlangen
ist außer durch Kenntnis gar vieler Dinge, wie jeder wohl weiß, der es
versucht hat." |
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