Verkündigung an Zacharias

Grundinformation

Das Bildmotiv nach der Bibel

Die Geschichte steht am Beginn des Lukasevangeliums und bildet die Parallele zur Verkündigung an Maria.

Zacharias, der Gatte Elisabeths, ist Priester. Ihm fällt die Aufgabe zu, im Tempel das Rauchopfer darzubringen. "Während er nun zur festgelegten Zeit das Opfer darbrachte, stand das ganze Volk draußen und betete. Da erschien dem Zacharias ein Engel des Herrn " (Lukas 1.10f.). Zacharias sieht ihn und erschrickt. Die Botschaft, dass seine schon ältere Frau den Johannes gebären werde, und die Vorhersage über die Taten des Johannes glaubt er nicht. Deshalb verstunmmt er, bis die Vorhersagen eingetroffen sind.

Interpretation

Die Darstellung bei Domenico Ghirlandaio

Ghirlandaio zeigt den Moment, in dem der Engel seine Verkündigung ausspricht und Zacharias bei der Opferhandlung sich umsieht und erschrickt. Vor dem Tempel, der in Renaissancearchitektur gehalten ist, mit stark antikisierenden Elementen, stehen zu beiden Seiten die Gläubigen.

Das Bild ist perspektivisch gemalt. Den Fluchtpunkt bildet der Finger des Engels.

Der Auftraggeber und seine Familie

Domenico Ghirlandaio hat in den Gläubigen vor dem Tempel die Familie Tornabuoni mit Verwandten und bekannten Florentiner Persönlichkeiten porträtiert.

Hier sollen nur wenige wichtige Persönlichkeiten herausgegriffen werden. In der Vierergruppe vor dem Pfeiler links neben dem Engel steht der Auftraggeber der Fresken, Giovanni Tornabuoni; ihm gegenüber, dem Engel am nächsten, sein Bruder Leonardo. Die Ähnlichkeit der Brüder ist so verblüffend wie authentisch.

Die Gruppe der Florentiner Humanisten

Viel interessanter aber noch ist die Vierergruppe links, denn sie stellt die Florentiner Humanisten dar, die die europäische Geistes- und Kunstgeschichte mit am nachhaltigsten beeinflusst haben. 

Dargestellt ist links außen Marsilio Ficino, neben diesem, aus der Gruppe und dem Bild herausschauend, Cristoforo Landino, dahinter, den Kopf zu Marsilio Ficino gedreht und die Hand erhoben, Angelo Poliziano. Ganz rechts Gentile de` Becchi.

Herrenmode des 15. Jahrhunderts

Die Herren tragen zeitgenössische Kleidung! Der Auftraggeber trägt einen weiten roten Mantel, der durch Schnitt und Fülle die Figur betont. Bei seinem Bruder sieht man auch ein gerafftes und von einem Gürtel gehaltenes Untergewand.

Als Kopfbedeckung tragen beide den "Mazzocchio" eine ausgestopfte und mit Tuch bedeckte Rolle, an der ein Schal hängt, den man unterschiedlich über die Schulter hängen oder auch bei Bedarf um den Hals legen konnte.

Die Humanisten tragen als Kopfbedeckung einen abgestumpften, kegelförmigen Hut, der den Mazzocchio abzulösen begann.

Who is who unter den Humanisten?

Marsilio Ficino (1433 - 1499)

Leiter der Platonischen Akademie in Florenz
Vertrauter Cosimos des Alten dei Medici
Papsterzieher

Marsilio Ficino (1433 - 1499) war Arzt, Humanist, Philosoph. Mit seinem Kommentar zu den Schriften Platons und seine Übersetzung Plotins knüpfte er an der Antike an, was ein neues Zeitalter in Philosophie und Kunst einleitete.

Als Cosimo der Alte Jahre nach dem Konzil von Florenz, das übrigens in Santa Maria Novella tagte, die Platonische Akademie gründete, wurde Marsilio Ficino ihr Leiter. In dieser Funktion saß er an der Nahtstelle zwischen Altertum und Neuzeit, zwischen Philosophie und Kunst. Er war entscheidend an der Vermittlung antiken, platonischen Gedankenguts an die Florentiner Künstler, Philosophen und Mäzene beteiligt! Ohne diese Akademie, die zum einen ein lockerer Gesprächskreis war, zum andern v.a. aber auch eine Künstlerschule, hätte die Kunst der Renaissance niemals die starke Ausrichtung auf das Ideengut Platons erhalten, die sie nachher kennzeichnet. Noch Michelangelo wird in die Akademie aufgenommen !

Marsilio Ficino unterrichtet aber auch den späteren Papst Leo X. aus dem Hause Medici und ist damit einer der Verantwortlichen dafür, dass das Papsttum und gerade Leo X. so stark humanistisch geprägt wird.

Cristoforo Landino (1424 - 1498)

Lehrer der Rhetorik (Redekunst)
Lehrer der Poetik
Staatskanzler der Republik Florenz

Cristoforo Landino unterrichtet an der Universität Florenz. Er schreibt unter anderem einen Dante-Kommentar. Damals konnten Gelehrte noch Kanzler werden!

Angelo Poliziano (1454 - 1494)

Klassischer Philologe
Dichter
Kanzler der Republik Florenz

Angelo Poliziano ist Kanzler unter Lorenzo il Magnifico (dem Prächtigen) dei Medici und Erzieher von dessen Kindern.

Gentile de` Becchi

Bischof von Arezzo
Lehrer Lorenzos des Prächtigen

Was ist Humanismus?

Der Humanismus ist eine geistige Richtung des 15. und 16. Jahrhunderts, die die Antike als Lehrmeisterin nimmt. Was aus der Antike kommt, gilt als vorbildlich. Platon und Aristoteles, Cicero und Vergil, Ovid und viele andere werden gelesen. Das Lateinische wird gepflegt, wobei man sich an Ciceros Stil orientiert.

Die Folge ist die Übernahme antiker philosophischer, künstlerischer, politischer usw. Vorstellungen, was einhergeht mit einem neuen Menschenbild und Lebensgefühl. Man bejaht das Diesseits und das aktive Leben, ist stolz auf den Menschen und seine Werke, entdeckt den Menschen und seinen Körper. Damit wird das mittelalterliche Lebensgefühl und Menschenbild überwunden. Dem entspricht, dass sich die Wissenschaften von der Bevormundung durch die Theologie zu lösen beginnen.

Es bricht eine leidenschaftliche Sammelwut aus. Gelehrte schwärmen in Klöster aus und forschen nach antiken Handschriften, die dann von Schreibern kopiert werden (vgl. Bibliothek von San Marco bzw. Biblioteca Medicea). Man unternimmt Reisen nach Griechenland und beruft griechische Gelehrte an Universitäten. So lehrt schon um 1400 Manuel Chrysoloas an der Florentiner Universität Griechisch, und Gemisthos Plethon vermittelt wahrend des Florentiner Konzils 1439 den Platonismus nach Florenz mit den oben beschriebenen Folgen.

Als Vorbereiter und Väter des Humanismus gelten Dante, Petrarca und Boccaccio.

Was ist Renaissance?

Unter dem Zeitalter der Renaissance versteht man die Zeit von der Mitte des 14. bis zum frühen 16. Jahrhundert, v.a. in Italien. Im engeren Sinne bezeichnet man damit die Kunstrichtung, die unter dem Einfluss des Humanismus auf antike Vorbilder und Ideen zurückgreift. Das französische Wort bedeutet eigentlich "Wiedergeburt".

Humanisten liefern die Ideen für die Malerei

Marsilio Ficino verbreitet in Anknüpfung an den antiken Philosophen Plotin die Idee der sogenannten Emanation: Die Schöpfung strömt aus dem Göttlichen aus, das Niedere aus dem Höheren, ganz unten steht die Materie. Die Konsequenz: Das Göttliche ist in der Schöpfung zu finden. Für den Maler bedeutet das, dass er religiöse Bilder mit den Mitteln der Naturnachahmung statt zeichenhaft wie in der Gotik malen kann.

Wenn alles von Gott ausströmt, dann auch der Mensch. Er steht über dem Tier und der übrigen Welt, direkt unter Gott. Aus dieser Stellung folgert seine Würde, die in der Malerei zum Ausdruck gebracht wird. Alles Hässliche, Unedle und Unruhige wird verbannt, Harmonie und Vollkommenheit machen den eigentlichen Menschen.

Der Mensch ist frei. Nach Pico della Mirandola steht es dem Menschen frei, zum Tier zu werden oder sich in der Art eines griechischen Heros (Helden) in die höhere Welt des Göttlichen zu erheben.

Will er letzteres, muss er an sich arbeiten, seine körperlichen und geistigen Gaben allseitig entwickeln, d.h. er muss sich bilden. Der ideale Mensch der Renaissance ist der Universalmensch (uomo universale), das Gegenteil des modernen Fachidioten. Die größten Künstler der Renaissance sind alle vielseitig, nicht nur Maler, sondern auch Bildhauer oder Goldschmiede oder Architekten, usw. Sehen Sie sich die Künstlerbiographien an!

Wer an sich arbeitet, sich bildet, führt ein aktives Leben (vita activa). Im Mittelalter war das betrachtende Leben (vita contemplativa) wichtiger (ora et labora), man war jenseitsorientiert und sah das Diesseits als Jammertal. Unter den Humanisten gab es eine Diskussion um die beiden Lebensstile, aber in der Tendenz wurde das aktive Leben aufgewertet. Das Diesseits gewann Bedeutung und man war stolz auf seine Erfolge. Die Arbeit an sich selbst sollte auch äußerlich anerkannt werden. Von daher erklären sich die stolze Selbstdarstellung der Künstler, die Darstellung bedeutender Zeitgenossen selbst in religiösen Bildern, die Verlegung heilsgeschichtlicher Vorgänge in die eigene Zeit, der Aufschwung des Porträts und später der Landschaftsmalerei als Gattungen, usw.

Die letzte bedeutende Idee, die die Humanisten aus der Antike aufgriffen, war die der Schönheit. Schönheit war immer mit Maß und Proportion verbunden, den göttlichen Ordnungsprinzipien des Kosmos. Maß und Proportion waren Erfordernisse sowohl für den inneren als auch für den äußeren Menschen. Der innerlich schöne Mensch war immer der maßvolle, gute, gebildete Mensch, wie ihn Baldassare Castiglione in seinem Buch "Il Cortegiano" (Der Höfling) propagieren lässt. Für die Künste werden Maßverhältnisse, Proportionsstudien und geometrischer Bildaufbau charakteristisch


Begriffe

 


Verkündigung an Zacharias
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Verkündigung an Zacharias. Detail: Giovanni (links) und Leonardo (rechts) Tornabuoni
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Verkündigung an Zacharias. Detail: Florentiner Humanisten
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