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Inhalt:

Basiswissen Entstehung und Aufstieg des Christentums aus historisch- kritischer Sicht

Vorbemerkung
1 – Die Quellenlage
2 - Der historische Jesus

2a – Glaubensüberzeugungen Jesu
2b - Der historische Jesus war Mensch
2c - Jesus und die Frauen
2d - Bewertungen

3 - Die Urgemeinde - Hebräer gegen Hellenisten
4 - Der paulinische und johanneische Jesus

4a – Glaube an Jesus statt Glaube Jesu
4b – Der johanneische Christus

5 – Die paulinische Erlösungslehre
6 – Pauli Menschenbild und Praxis. Frauen
7 - Der synoptische Jesus
8 - Der Frühkatholizismus
9 - Jesus hat keine Kirche gegründet, Petrus war nicht der erste Papst
10 – Wie kommt es zum Kanon des Neuen Testaments?
11 – Einheit der Kirche und Widerspruch über Widerspruch?
12 – Von der Christenverfolgung zur siegenden Kirche  

12a - Die alte römische Religion
12b - Mithraskult und Christentum
12c - Christentum und Kaiserkult
12d - Christenverfolgung
12e - Wende 313 n.Chr.

13 - Der  christliche Staat und die verschiedenen Formen der Theokratie  
14 - Warum konnte sich das Christentum durchsetzen?

Der 1. Petrusbrief – eine Konstruktion aus Jes. 53, dem Vorbild für die Leidensgeschichte Jesu

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a - Die verfolgte Kirche: Bilder

b - Die siegende Kirche: Bilder
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Basiswissen Entstehung und Aufstieg des Christentums aus historisch- kritischer Sicht

„Die Kirche lebt davon, dass die Ergebnisse der wissenschaftlichen Leben- Jesu- Forschung in ihr nicht publik sind.“
(Der Theologe Conzelmann, zitiert nach Deschner, S. 141)

Sapere aude! Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen! 
(Der Aufklärer Immanuel Kant. Die historisch- kritische Bibelforschung steht in der Tradition der Aufklärung)

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Vorbemerkung

Dieser kleine Überblick über das Christentum

  • versteht sich historisch – kritisch. Er fragt also danach, wie sich das Christentum historisch entwickelt hat, wie und warum z.B. aus dem Menschen Jesus ein Gott wurde, wer die Kirche gegründet hat, wie und wann das Neue Testament entstanden ist und vieles mehr, vgl. Inhaltsverzeichnis.

    Es geht um eine Darstellung, die nicht den kirchlichen Dogmen, sondern dem geschichtlichen Verlauf verpflichtet ist. Deshalb unterscheidet sie sich erheblich von der im Religionsunterricht üblichen Darstellung, die von kirchlich gebundenen Religionslehrern gegeben wird.

    Der vorliegende Überblick richtet sich v.a. nach den von Karlheinz Deschner in dessen Standardwerk Abermals krähte der Hahn“ verarbeiteten Forschungsergebnissen sowie nach Joachim Kahl: „Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott“. Außerdem wird Franz Buggles Buch "Denn sie wissen nicht, was sie glauben oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann" zitiert.

  • versteht unter Christentum das, was in den Texten des Neuen Testaments steht. Dies unterscheidet sich sehr deutlich von dem, was sehr viele heutige Gläubige als ihren Glauben ansehen. Erfahrungsgemäß kennen die meisten die neutestamentlichen Texte entweder gar nicht oder nur in kleinen, aus dem Zusammenhang gerissenen Schnipseln. Die meisten legen sich ihren Glauben selbst zurecht, so wie sie ihn brauchen, vgl. hierzu neue Forschungen zum Glauben in Deutschland unter dem folgenden Link


    "Was glaubt, wer glaubt"
    Untersuchungen der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid)

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1 – Die Quellenlage

Die Schriften des Neuen Testaments sind die entscheidenden Quellen für Leben und Lehre Jesu wie für die Bedürfnisse der christlichen Gemeinden der Frühzeit. Andere historische Quellen zu Jesus, z.B. Tacitus, sind unergiebig und kaum vorhanden, war das Urchristentum doch von einer jüdischen Sekte kaum zu unterscheiden.

Entscheidend ist, dass die christliche Überlieferung zunächst mündlich einsetzt. Wir besitzen keine unmittelbare Lehre Jesu, sondern eine jahrzehntelange mündliche Tradition. Die Urchistenheit erwartete wie Jesus das nahe, unmittelbar bevorstehende Reich Gottes, also eine Zeitenwende durch Gottes unmittelbares Eingreifen, den Anbruch eines völlig neuen Zeitalters und den Untergang der bisher gekannten Welt. Wer das erwartet, schreibt keine Missionsbücher (und gründet keine Kirchen). „Zunächst waren [...]nach dem Tode Jesu nur Einzelstücke über ihn im Umlauf, kleine Einheiten, Gleichnisse, Sprüche und Spruchgruppen, isolierte knappe Geschichtchen, die man später aneinandergereiht, summiert, wie ein Mosaik zusammengesetzt hat.“ ( Deschner, 42) Außerdem stammten die ersten Christen aus den untersten Gesellschaftsschichten, die Bücher weder schreiben wollten noch konnten.

Die frühesten Schriftzeugnisse sind die echten Paulusbriefe, die aber erst nach Christi Tod entstanden sind. Sie fallen alle in die 50er Jahre des 1. Jahrhunderts, sind also älter als das erste Evangelium. Paulus hat den geschichtlichen Jesus jedoch nicht gekannt.

Das älteste Evangelium ist entgegen der katholischen Lehre das des Markus. Es entstand etwa 40 Jahre nach Christi Tod (in Rom oder eher in Syrien?), also um 70 n.Chr. Das jüngste Evangelium, das des Johannes, entstand frühestens um 100 n.Chr. 

Das Markus-, das Matthäus- und das Lukasevangelium bilden die sogenannten synoptischen Evangelien (Synopse = Zusammenschau), diese drei Evangelisten bezeichnet man als Synoptiker. Das Matthäus- und Lukasevangelium wird meist auf die Jahre zwischen 80 und 100 n.Chr. datiert. ( Deschner, 25)

Das Verhältnis des Markusevangelium zu dem des Matthäus und Lukas wird durch die weithin anerkannte Zwei- Quellen- Theorie erklärt. Danach war Markus die Quelle für Matthäus und für Lukas, daher die Übereinstimmungen, die eine Synopse ermöglichen. 

Matthäus und Lukas benutzen darüber hinaus eine Sammlung von Sprüchen Jesu, die in der Forschung so genannte Quelle Qu, die aus den bei Markus fehlenden und bei Matthäus und Lukas gemeinsamen Stellen erschlossen werden kann.

Darüber hinaus bieten Matthäus und Lukas noch ein Sondergut, das entweder auf Überlieferung beruht oder vom Schriftsteller selbst dazugedichtet wurde.

Zahlreiche Abweichungen und sachliche Widersprüche schon zwischen den Synoptikern sprechen deutlich gegen eine göttliche Inspiration. Das Evangelium des Johannes ist eine mit den Synoptikern völlig unvereinbare griechisch- hellenistisch inspirierte Lehrschrift, die durch Überarbeitung erst kirchenfähig gemacht wurde. 

Die Schriften des Neuen Testaments sind keine historischen Dokumente, sondern Erbauungs-, Missions- und Propagandaschriften, die alte Anhänger im Glauben bestärken und neue dazugewinnen wollen. Es sind Gemeindeschriften aus dem letzten Drittel des 1. Jahrhunderts.

Jesus sprach aramäisch, einen hebräischen Dialekt, die Evangelien sind griechisch verfasst. Weder blieb „ein neutestamentliches, noch überhaupt ein biblisches Buch in seinem ursprünglichen Wortlaut erhalten. Doch liegen auch die ersten Abschriften nicht vor. Es gibt nur Abschriften von Abschriften von Abschriften. Der heutige Text des Neuen Testaments ist ein Mischtext, das heißt er wurde aus den verschiedensten Überlieferungen zusammengestückelt. Er beruht 1. auf griechischen Handschriften, 2. alten Übersetzungen und 3. den oft aus dem Gedächtnis angeführten neutestamentlichen Zitaten der Kirchenväter.“ ( Deschner, 159f.)

 
Widersprüche in der Bibel
bibelzitate.de

 
Und die Bibel hat doch NICHT Recht
Das Buch der Bücher im Licht von Wissenschaft, Vernunft und Moral - Objektive Bibelkritik nach Johannes Maria Lehner
bibelkritik.ch

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2 - Der historische Jesus

„Das wichtigste Ergebnis der dogmatisch ungebundenen Bibelkritik des 19. und 20. Jahrhunderts ist die Erkenntnis der Nichtidentität des Jesus von Nazareth mit dem biblischen und kirchlichen Christus.“ ( Deschner, 152)

Der in Nazareth aufgewachsene Zimmermannssohn Jesus lehrte wohl - Joachim Kahl (Kahl, 68ff.) bestreitet angesichts der Quellenlage, dass wir überhaupt etwas Zuverlässiges über ihn wissen können - als Rabbi und Prophet vor seinem Tod in Galiläa und wurde in Jerusalem nach Auseinandersetzungen mit Pharisäern und Tempelestablishment auf deren Betreiben durch die römische Besatzungsmacht als politischer Aufrührer gekreuzigt, sozusagen fälschlicherweise, da die Römer den unpolitischen Charakter der Überzeugungen Jesu nicht erkannt hätten. Aber das ist umstritten. 

Sicher aber ist die Passionsgeschichte weitgehend legendär. Vorbild sind Jes. 53 und andere, siehe unten Erster Petrusbrief.

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2a – Glaubensüberzeugungen Jesu

Laut dem Theologen Käsemann geht es bei der Frage nach dem historischen Jesus darum, „kritisch rechte von falscher Botschaft zu trennen (siehe dazu unten "Einheit der Kirche und Widerspruch über Widerspruch?"), und dies geschieht eben mit Hilfe dessen, der damals der historische Jesus war.“ (zit. Nach Kahl, 68)

Und dies kommt dabei heraus:

„Neben der Proklamation des nahen Gottesreiches stand offenbar im Mittelpunkt der Predigt Jesu das Gebot der Liebe, Liebe zu Gott und zum Nächsten, auch zum Feind. Eine Tendenz zur äußersten Radikalität scheint ihn beherrscht zu haben: Kampf gegen Kult und zur Schau gestellte Frömmigkeit, gegen die Selbstgerechten und Richtenden, gegen die Unterdrückung der Schwachen, die Ausbeutung der Armen, gegen Gewalt, Wiedervergeltung und Mord. Dies dürften wesentliche Züge seiner Verkündigung gewesen sein.“ ( Deschner, 153)

Nichts daran war neu, weder die Feindesliebe, die z.B. schon die Stoa gekannt hatte, noch Jesu sonstige sittliche Auffassungen noch seine Auffassung eines gütigen Gottes, vielmehr steht Jesus klar in spätjüdischer apokalyptischer Tradition. Es gibt „zu fast jeder ethischen Weisung Jesu eine (oft sogar wörtliche) Parallele in den Rabbinika.“ ( Deschner, 156) Neu war eher die Intensität der Predigt Jesu.

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2b - Der historische Jesus war Mensch

„In der Tat: wie die Propheten, die Essener, die jüdischen Apokalypsen und Johannes der Täufer scheint auch er seine Generation als die letzte betrachtet und mit ungeheurer Intensität das nahe Ende prophezeit zu haben.“ ( Deschner, 30) Die kommende Gottesherrschaft, ein Zentrum der Predigt Jesu, war ein Irrtum, aber Gott irrt nicht.

Für das Menschsein Jesu spricht weiter, dass er beim ältesten Evangelisten Markus weder allwissend ist (keine Kenntnis des genauen Zeitpunkts des Jüngsten Tags, Mk. 13,32), dass er in Nazareth „kein Wunder vollbringen konnte“ ( Mk. 6,5). Nicht umsonst werden viele Fragen Jesu bei Markus („Wie heißt du?“ Mk. 5,9) bei den späteren Synoptikern unterdrückt. Auch ist Jesus nicht absolut gut, fragt er doch bei Markus einen Reichen: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein.“ ( Mk. 10,18) Alle Textstellen, die Jesus als Gottessohn bzw. Gott bezeichnen – bei Markus sehr spärlich -, sind demnach spätere Erfindungen.

 
Bibelzitate: Unerfüllte Prophezeiungen
bibelzitate.de

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2c - Jesus und die Frauen

Jesus sieht die Frauen nicht als minderwertig an. Bei Markus und Lukas verbietet Jesus die Ehescheidung absolut, bei Matthäus erlaubt er sie im Fall der Unzucht der Frau, was aber als Veränderung des judenchristlichen Verfassers gilt. ( Deschner, 212 ff.)

Jesus- Zitate zu den Frauen


Mk. 15, 40f.


Lk. 8, 1ff.


Lk. 10, 38ff.


Lk. 23, 27-29


Lk. 7, 36ff.


Mk. 12, 41ff.

Vergleiche hierzu Paulus

Jesus- Zitate zur Ehe


Mk. 10, 2ff.


Lk. 16, 18

Aber


Mt. 5, 32


Mt. 19, 9

Vergleiche hierzu Paulus

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2d - Bewertungen

Die Ethik eines Menschen, auch diejenige des Menschen Jesus, unterliegt Bewertungen. Hier zwei Beispiele.

Deschner schließt positiv wertend:

„Wirklich singulär ist an der Predigt Jesu so gut wie nichts, was heute wohl jeder vorurteilsfreie Forscher anerkennt. Maßgebliche Theologen nennen den Glauben an die Einzigartigkeit und Absolutheit seiner Lehre eine `naive Vorstellung`. Sie erklären übereinstimmend, dass er in seiner Deutung des historischen Augenblicks, in seinen eschatologischen Vorstellungen (Eschata = Lehre von den letzten Dingen. Glauben an den Anbruch eines Reiches Gottes auf Erden, Cu), sich geirrt habe. [...] Sein Weltbild, wie sollte es anders sein, war eben das seiner Zeit. Mit ihr teilte er auch den Glauben an Geister, an Engel und Teufel (Führt aber später zu Exorzismus und Hexenverbrennungen, Cu). Und auch seine sittlichen Vorstellungen waren nicht neu, was im übrigen ihren hohen Wert nicht mindert.

Überhaupt ist das Charakteristische des synoptischen Jesus nicht die Abhängigkeit von anderen [...], sondern die Intensität seiner Verkündigung. Durch ihre aufs äußerste gesteigerte Konsequenz und Kompromisslosigkeit, durch die Ausschließung des Unnötigen und die Beschränkung auf das Wesentliche, geht Jesus über vieles Frühere hinaus. Er vermochte zu erschüttern und anzuziehen, und er vermag es noch heute. [...] Hinter seiner Predigt aber, das war wohl das Entscheidende, steht der synoptische Jesus selbst. Leben und Lehre stimmen bei ihm überein.“ ( Deschner, 158)

Eine deutlich skeptischere Wertung Jesu stammt von dem Psychologen Franz Buggle:

„Wendet man sich zunächst den synoptischen [...] Evangelien nach Markus, Lukas und Matthäus zu, so stößt der unbefangene Leser [...] auf den [...] Sachverhalt, dass die geschilderten, ethisch und human positiv zu beurteilenden `sympathischen` Züge Jesu – die Heilung von Kranken [...], die Auferweckung eines Toten, Sündenvergebung, die Zuwendung zu Zöllnern und Sündern, die Wendung gegen eine formalistische, starre Handhabung des Sabbatgebotes, die Aufforderung zu einer Haltung des Dienens und nicht des Herrschens und generell zur Gottes- und Nächstenliebe, zum Verzicht auf Gegengewalt bis zur Feindesliebe – eingebettet und eng verbunden sind mit einem offenbar durchgehend für die Bibel charakteristischen Hang zu exzessiv gewalttätigen Strafphantasien und –drohungen (es fällt schwer, nicht an die wesentlichsten Strafen des unter der geistigen Herrschaft der Kirche stehenden Mittelalters zu denken: Ersäufen, Verbrennen ...). [...]

Jesus führt so eine für das Neue Testament spezifische Strafvorstellung ein, nämlich von der ewigen Höllenstrafe, eine Strafandrohung, deren unheilvolle, psychisch verheerende Wirkung in der Geschichte des Christentums auf unzählige Menschen gar nicht übertrieben werden kann [...] Man versuche, sich von aller Gewöhnung durch religiöse Erziehung einmal frei und sich klarzumachen, was eine Drohung mit ewig dauernden extremen Qualen psychologisch bedeutet; dagegen verblassen alle sonst bekannten Folterungen und Strafen, weil diese immerhin zeitlich endlich sind. Bei aller Anerkennung der positiven Züge Jesu (und bei aller Schonung der Gefühle von Gläubigen): Kann ein ethischer und religiöser Lehrer, der solche Strafandrohungen wie selbstverständlich heranzieht und mit ihnen umgeht, der solche Strafphantasien offenbar unproblematisch akzeptiert und entwickelt, kann ein solcher Mann heute noch als Verkörperung des absolut Guten, der absoluten Liebe, als Gott verkündet werden?“ (Franz Buggle, 119ff.)

Andere fragen z.B. nach der Praktikabilität der Ethik Jesu. 

 
Zum ethischen Vergleich: Die in der Tradition der Aufklärung säkular begründeten Menschenrechte in der rechtsgültigen Form der Grundrechte (Artikel 1 - 19 GG)
Die Grundrechte: eine 1:1-Übersetzung der Ethik Jesu in geltendes Recht?
bpb.de


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3 - Die Urgemeinde  – Hebräer gegen Hellenisten

Die Urgemeinde tritt uns in der Apostelgeschichte gegenüber, die aber die Gegensätze in der Gemeinde verharmlosend darstellt.

Die Anhänger Jesu waren Juden. Es gab zwei Gruppierungen. 

Auf der einen Seite standen die sogenannen Hebräer, geführt von Petrus und Jakobus, dem Bruder Jesu. Es waren ethnische Juden, 

  • die gesetzestreu waren (Jesus hatte sich vom Gesetz nicht vollkommen losgesagt, sondern nur seine starre Auslegung bekämpft und das Grundsätzliche über den Buchstaben des Gesetzes gestellt)

  • am Tempel und den jüdischen Festen festhielten,

  • die Speiseregeln und Reinigungsriten beibehielten und 

  • die Beschneidung zur Voraussetzung für die Taufe machten, 

  • eine ausgeprägte Bußstimmung pflegten und 

  • eine weitgehende, aber freiwillige Gütergemeinschaft praktizierten.

Sie unterschieden sich von den Juden im Grunde nur dadurch, dass sie die baldige Wiederkunft des Messias erwarteten, als den sie Jesus nun ansahen. Aus Jesus war der Messias geworden. 

Von anderen Juden, die ebenfalls den Messias und das Ende der bestehenden Welt erwarteten, waren sie kaum zu unterscheiden, waren vielmehr im Kern eine jüdische Sekte. Dies und die ausbleibende Schriftproduktion erklärt, warum sie in außerchristlichen Quellen kaum vorkommen. Das judenchristliche Matthäusevangelium spiegelt sogar eine gewisse weitere Annäherung an das jüdische Gesetz wieder.

Auf der anderen Seite standen die Hellenisten, geführt von Paulus. Es handelte sich ursprünglich um hellenisierte ethnische Juden bzw. um ethnische Griechen, die zum Judentum übergetreten waren, sogenannte Proselyten. „Diese Hellenisten, die in der Urgemeinde bald zahlreich vertreten waren, wussten sich den nationalen und religiösen Traditionen der übrigen Juden weniger verbunden und traten deshalb gelegentlich gegen sie auf.“ ( Deschner, 171)

„Einen Hauptgegensatz zwischen den Hebräern und Hellenisten bildete die Eschatologie. Für die Judenchristen stand die Hoffnung auf die nahe Wiederkehr des Gekreuzigten im Zentrum ihres Glaubens. Bei den Heidenchristen wurde die Enderwartung früh verdrängt durch rituale Frömmigkeit, Mystik, Ekstase, Glossolalie (Ausstoßen unverständlicher Laute in religiöser Ekstase, Cu), durch den Glauben an einen auf Erden erlebten und auferstandenen Gott, den man, wie die Götter in den Mysteriengottesdiensten, im Kult verehrt, und an dessen Auferstehung man durch Empfang der Sakramente teilnimmt. [...] Sie lehnten das jüdische Gesetz ab, gaben den Zusammenhang mit dem Tempel auf, verlangten keine Beschneidung vor der Taufe, betonten den Freudencharakter des neuen Glaubens und legten auf das Armutsideal kein großes Gewicht.“ ( Deschner,, 173f.) 

Zentral ist außerdem: Die Judenchristen wollten keine Heidenmission, die Hellenisten mit Paulus aber doch. „Die peinlichste Tatsache [...] besteht darin, dass das Jerusalemer Urchristentum – die historische Basis jeder Form von Christentum – vom später siegreichen hellenistischen Heidenchristentum sehr bald als häretisch (ketzerisch) verfemt wurde. Bereits Paulus schleuderte gegen den konservativen Flügel der Jerusalemer den Bannfluch, weil sie die Heidenmission ablehnten. Später wurde dieser Tatbestand verschleiert. Die Judenchristen wurden als „Ebioniten“ in die Ketzerkataloge einsortiert und verteufelt: Sie seien vom wahren Evangelium abgefallen. Obwohl sie nur das ursprüngliche bewahrten.“ ( Kahl, 84)

In der Diaspora lebten dreimal so viele Juden wie in Palästina. In der hellenistischen Diaspora entstand das eigentliche Christentum als Mysterienreligion. Dort lebte und missionierte auch Paulus unter den hellenistischen Heiden.

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4 - Der paulinische und johanneische Jesus

4a – Glaube an Jesus statt Glaube Jesu

„Christentum ist die durch Paulus begründete Religion, die an die Stelle des Evangeliums Jesu ein Evangelium von Jesus setzt.“
(Wilhelm Nestle, zitiert bei Deschner, S. 190)

Paulus stammte aus Tarsos in Kleinasien, der heutigen Türkei, einer kulturell bedeutenden, ganz von griechischem Geist geprägten Stadt. Sein Vater, offenbar wohlsituiert, gehörte zur Sekte der Pharisäer und besaß das römische Bürgerrecht, das auf Paulus überging. [...] Er wuchs in hellenistischer Umwelt auf und wurde in jüdischer Religion erzogen, wohl die beiden entscheidenden Komponenten seines Denkens.“ ( Deschner, 177)

Die echten Paulusbriefe gehören zu den ältesten Teilen des Neuen Testaments und entstanden bereits vor dem Markusevangelium. Sie fallen alle in die 50er Jahre des 1. Jahrhunderts.

Die Apostelgeschichte zeigt Paulus (übertrieben?) als Christenverfolger und Christenhasser, der bei Damaskus seine Bekehrung erlebte.

Paulus rechnet zunächst ebenfalls mit der baldigen Wiederkehr Christi und dem Anbruch des Reiches Gottes, aber als diese Ereignisse ausblieben und viele Christen starben und die Zweifel an der Lehre wuchsen, ändert Paulus deshalb und unter dem Einfluss seiner hellenistischen Umgebung seine Glaubensauffassung. „Während die Urapostel mit ihrer ganzen Gemeinde glaubten, der Anbruch des neuen Äons (Weltalter, Cu) stehe unmittelbar bevor, verbreitet in direktem Gegensatz dazu nun Paulus, dieser Äon sei mit Jesu Tod und Auferstehung bereits angebrochen. Christus kommt nun nicht mehr auf die Erde, sondern der für ihn leidende und sterbende Christ erhält durch seinen Tod Zutritt zu ihm.“ ( Deschner, 197)

“Am stärksten wirkte auf die Umformung des paulinischen Glaubens, der anstelle der jesuanischen Reich- Gottes- Predigt (Das Reich Gottes ist nahe, Cu) individualistische Jenseitsgedanken, die Wunschvorstellung einer persönlichen Unsterblichkeit setzt, die heidnische Umgebung des Apostels ein. War er doch von Jesus eben nicht nur durch die Urgemeinde, sondern auch durch die hellenistischen Christen getrennt, von denen er Entscheidendes bezog. Denn den Griechen war die Lehre von der Enderwartung fremd. Sie suchten in der Religion `Erkenntnis`, `Wahrheit`, `Leben`, `Unsterblichkeit`, und diese griechischen Heilsgüter wurden dann auch zu christlichen. [...] Er propagierte nun den schon vor ihm in den heidenchristlichen Gemeinden auf Jesus übertragenen Mythos vom sterbenden und wieder auferstehenden Gottessohn, einen Glauben, der bereits Jahrhunderte bekannt gewesen war. Doch wurden [...] auch historische Gestalten lange vor Jesus als übernatürliche Wesen, als sotéres (Heilande, Cu) und und kyrioi (Herren, Cu) oder gar zu Weltherrschern erklärt.“ ( Deschner, 198)

In der Antike war die Überschreitung der Grenze zwischen Mensch und Gott gängig, man denke an griechische Heroen, griechische Herrscher und nachher den Kaiserkult. Schon römische Kaiser trugen die Titel `Herr` und `sotér`, die nun samt entsprechender Interpretation zur Titulatur des neu entstehenden Gottes gehörten. 

„Identisch mit Gott, wie die Kirche lehrt, ist Jesus für Paulus allerdings nicht. Zumal von einer Trinitätslehre findet sich bei ihm noch keine Spur. [...] Doch zersetzt schon er den alttestamentlichen Eingottglauben und bahnt eine Zweigottlehre an. Und im Anschluss an Paulus stellte die Kirche die Liebesethik Jesu, die im Zentrum seiner Predigt steht, auf den zweiten Platz und statt seines Glaubens den Glauben an ihn, den er nicht verkündet hatte, an die Spitze. Metaphysik statt Ethos, Glaube statt Liebe, Christologie statt Bergpredigt, das war, grosso modo, ihr Weg. Wichtiger als die Ethik wurde die Dogmatik, wichtiger als das rechte Handeln der rechte Glaube.“ ( Deschner, 203)

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4b – Der johanneische Christus

Der Christus des wohl in der 2. Hälfte des 2. Jhs. entstandenen Johannesevangeliums ist die logische Vollendung des paulinischen Christus mit dem ganzen christlichen Heilsdrama – Präexistenz, Inkarnation, Martyrium, Tod, Auferstehung, Höllen- und Himmelfahrt. Es handelt sich um „eine Kombination von Mysterienvorstellungen und hellenistischer Philosophie; eine evidente Parallele zu jenen vorchristlichen, von himmlischer Lichtwelt herabkommenden Gottessöhnen, die auf Erden kämpfen, leiden, sterben, verklärt zu Gott zurückkehren und nun weiter im Kult verehrt werden“ ( Deschner, 200), z.B. Mithras, Adonis, Attis und Osiris.

Das Johannesevangelium beginnt mit folgendem Satz: „Im Anfang war das Wort“ ( Joh. 1,1), wobei der Begriff `logos` mit `Wort` übersetzt wurde. Der Begriff spielte aber eine zentrale Rolle in der hellenistischen Philosophie. „Das Johannesevangelium dokumentiert [...] den Einbruch der hellenistischen Philosophie. Wesentliche Vorstellungen derselben werden übernommen, sogar einer ihrer metaphysischen Fundamentalbegriffe, der Logos, zieht nun in die Kirche ein. [...] Der galiläische Lehrer wurde durch eine Zentralidee der antiken Philosophie interpretiert und mit all den Eigenschaften ausgestattet, die die Heiden dem Weltgedanken, dem das All durchdringenden Geistwesen, beigelegt hatten. Jesus wurde die `fleischgewordene` Erscheinung des Logos.“ ( Deschner, 337)

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5 – Die paulinische Erlösungslehre

Nur eines interessierte ihn (Paulus) am Leben Jesu: sein Tod. Nennt er doch sein Evangelium geradezu `das Wort vom Kreuz` und schreibt überdies: `Ich hatte mir vorgenommen, kein anderes Wissen bei euch zu zeigen als das von Jesus Christus, und zwar dem Gekreuzigten.` ( 1. Kor. 2,2) ( Deschner, 202)

„Gespräch anno 33
A.: Wissen Sie schon das Neueste?
B.: Nein. Was ist passiert?
A.: Die Welt ist erlöst.
B.: Was Sie sagen.
A.: Ja. Der liebe Gott hat Menschengestalt angenommen und sich in Jerusalem hinrichten lassen; dadurch ist nun die Welt erlöst und der Teufel geprellt.
B. Ei, das ist ja ganz charmant.“
Arthur Schopenhauer, zitiert nach Deschner, S. 205

Die Erlösungslehre entsteht in der Absicht, das Ärgernis des Kreuzestodes mit Sinn zu erfüllen, was natürlich eine völlige Abwendung von der Lehre Christi darstellt, der Sündenvergebung nicht von seinem Tod, sondern vom Verhalten des Menschen abhängig macht. Der von Jesus verkündete `Vater` vergibt dem Sünder, der zu Vergebung und Umkehr bereit ist. Einen Mittler zwischen Gott und Mensch braucht es dabei nicht. 

Paulus bezog seine Vorbilder aus dem Heidentum, das ebenfalls vom Himmel herabgestiegene Erlösergötter kannte, z.B. Marduk, Herakles, Dionysos, Mithras. Auch bei den Juden der älteren Zeit und anderen Völkern besänftigte Blut den Gott, weshalb sie Kinder, später Verbrecher zu dessen Besänftigung töteten.

„Derartige Bräuche waren Paulus bekannt, der [...] die ihnen zugrundeliegenden Vorstellungen umso leichter aufgreifen konnte, als man auch Jesus als Verbrecher hingerichtet hatte. Und wie all das Blut der vor ihm geopferten Menschen sühnende Kraft besaß, so auch das seine. Immer wieder predigt Paulus von Versöhnung (katallagé) und Erlösung (apol`ytrosis), von dem Sühnemittel `in seinem Blute`, der Erlösung `durch sein Blut`, der Friedensstiftung `durch sein am Kreuz vergossenes Blut`. Der Gedanke, Gott könnte vielleicht auch ohne `offizielle` Satisfaktion eine Schuld vergeben, kommt ihm offenbar gar nicht.“ ( Deschner, 207)

Zentral für Paulus ist aber wohl auch Jes. 53 mit dem Leiden des Gerechten als einer stellvertretenden Sühne für die Sünden anderer, eine Stelle, die auch im 1. Petrusbrief entscheidend ist, vgl. hier.

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6 – Pauli Menschenbild und Praxis. Frauen

Dabei gilt: Je schlechter der Mensch, desto notwendiger seine Erlösung. Zwar wird die Lehre von der Erbsünde erst im 16. Jahrhundert zum Dogma erhoben und Paulus teilt sie nicht, aber sein extrem pessimistisches Menschenbild unterscheidet ihn deutlich von Jesus. 

„So rückt Paulus die Lehre von der Universalität der menschlichen Verderbnis ganz in den Vordergrund. Die Menschen sind `von Natur` böse, Scheusale, `Kinder des Zornes`, `Knechte der Sünde` Samt und sonders stecken sie im `Schmutz der Unsittlichkeit`, in `schandbaren Leidenschaften`. Es gibt kein Laster, das sie nicht verübten: `Sie sind erfüllt mit jeglicher Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit , voll von Neid, Mordlust, Streitsucht, Arglist und Niedertracht; sie sind Ohrenbläser, Verleumder, Gottesfeinde, gewalttätige und hoffärtige Leute, Prahler, erfinderisch im Bösen, ungehorsam gegen die Eltern, unverständig, treulos, ohne Liebe und Erbamen`.“ ( Deschner, 208)

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Paulus- Zitate zur Schlechtigkeit des Menschen:


Röm. 1, 29 -32


Röm. 3, 9-17


Röm. 5, 12-21


Röm. 6, 17


Röm. 7, 14-25


Eph. 2, 3

Er ergeht sich gegen die Fleischeslust, erlaubt die Ehe nur, damit Prostitution vermieden wird und beginnt ganz im Gegensatz zu Jesus mit der Missachtung der Frauen. ( Deschner, 212, ff.)

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Paulus- Zitate zu den Frauen 


1. Kor. 11, 3


1. Kor. 14, 33ff.


1. Kor. 11, 11f.

Vergleiche hierzu Jesus

Es gibt eine fatale Ähnlichkeit zur rabbinischen und moslemischen Missachtung der Frau. Die Emanzipation der Frau ist als Folge der Aufklärung gegen die Kirche errungen worden. Innerhalb der katholischen Kirche gibt es bis heute immer noch kein Frauenpriestertum.

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Paulus- Zitate zur Ehe


1. Kor. 7, 1ff.


1. Kor. 7, 8ff.


1. Kor. 7, 25ff.

Vergleiche hierzu Jesus

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Außerdem vertritt Paulus eine Prädestinationslehre, wonach Gott den Menschen von Anfang an zur ewigen Verdammnis bzw. zur Erlösung bestimmt („Gott erbarmt sich, wessen er will, und verstockt auch, wen er will“), was von Jesus ebenfalls nicht vertreten wird, später aber von Calvin übernommen und rigoros im Islam vertreten wird. Andererseits behauptet Paulus aber auch das Gegenteil („Denn Gott hat alle zusammen in Ungehorsam verschlossen, um allen Erbarmen widerfahren zu lassen.“)

Paulus- Zitate zur Prädestinationslehre


Röm. 9, 16ff.


Röm. 8, 28-30

Aber das Gegenteil in


Röm. 11,32

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Paulus hat mit seiner Diffamierung seiner nichtchristlichen und jüdischen Gegner ein reichlich zwiespältiges Verhältnis zu der von ihm gepredigten Liebe, Zitate siehe hier, ein offensichtliches Toleranzproblem, was im Verhältnis der jeweils sogenannten rechtgläubigen Christen zu sogenannten Ketzern, aber auch zu Ungläubigen oder Andersgläubigen historische Folgen haben wird. Man denke nur an das Vorgehen der in der Spätantike siegenden Kirche, an die ständigen Ketzerverfolgungen, auf die hier für die Antike nicht näher eingegangen werden kann, an Kreuz- und Glaubenskriege, an Judenpogrome und Kreuzzüge und an das Vorgehen der Kirchen gegen Vertreter des Rationalismus und der Naturwissenschaften.

Zitate: Diffamierung der Gegner


Evangelium nach Markus: Mk. 16; 16
diebibel.de


Der Hl. Paulus im Römerbrief, Kap. 1, 18ff. (Gottes Zorn über die Ungerechtigkeit der Menschen)
diebibel.de


2 Petr. 2; 10 ff.
(Zweiter Petrusbrief: Der Weg der Irrlehrer)
diebibel.des 

Der johanneische Christus [...] bittet Gott dann ausdrücklich nur noch für die Christen ( Joh. 17,9), während Feindesliebe für den Vierten Evangelisten überhaupt nicht mehr existiert.“ ( Deschner, 217)

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7 - Der synoptische Jesus

Ein Vergleich der synoptischen Evangelien ergibt den sogenannten synoptischen Jesus. Sie spiegeln die Entwicklung des letzten Drittels des 1. Jahrhunderts. 

Die synoptischen Evangelien zeigen einen zunehmenden Prozess der Vergottung des Menschen Jesus, angefangen von Markus, bei dem der ursprüngliche Mensch Jesus noch stellenweise durchscheint, bis zu Matthäus und Lukas. Die Wunder werden immer zahlreicher und auch inhaltlich gesteigert

Nach seinem Tode ersteht Jesus vom Kreuz auf (Auferstehung) und erscheint seinen Anhängern (Parusie), wobei sich die Einzelheiten zum Teil krass widersprechen, z. B. in der Frage, wem Jesus wo erschienen ist (zuerst Maria Magdalena oder zuerst beiden Marien zugleich? in Galiläa oder in Jerusalem?) oder in der Frage der Zahl der Zeugen (bei Paulus mehr als 500 Auferstehungszeugen, 1. Kor. 15,5ff., dagegen in Apg. 10, 40f. nur 11 Aposteln), usw.

Vorbilder stammen zum einen aus dem Alten Testament. „Tatsächlich stehen im Neuen Testament etwa zweihundertfünfzig Zitate aus dem Alten Testament und mehr als 900 Anspielungen darauf. Indes verhielt es sich so: Die Evangelisten hatten dem Alten Testament viele vermeintliche Fakten des Lebens Jesu entnommen und bewusst in seine Geschichte hineininterpretiert. Jedermann konnte sie also leicht als `erfüllt` herauslesen.“ ( Deschner, 131). V.a. die Psalmen 22  31, 69 und zuallererst Jes. 53 mit der Geschichte vom Gottesknecht, aber auch viele weitere Stellen standen z.B. für die Passionsgeschichte Pate, vgl. auch 1. Petrusbrief unten. Der sogenannte Weissagungsbeweis –Jesu Leben und Sterben sei im Alten Testament vorhergesagt - ist damit erledigt.

Zum anderen dienten wohl eine Menge heidnischer gestorbener und nach drei Tagen wieder auferstandener (Erlöser)götter aus der hellenistischen Umwelt als Vorbilder, siehe oben

Was Wunder anbelangt, so waren sie zur Zeit Jesu üblich, alle Jesus zugeschriebenen Wunder wurden schon in vorchristlicher Zeit vollbracht, sogar Wunder der Gegner wurden allgemein geglaubt.

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8 - Der Frühkatholizismus

Erst im 2. Jahrhundert beginnt sich der Frühkatholizismus, beginnt sich also die Kirche auch organisatorisch zu formieren. Es entstand der Apparat, die katholische Hierarchie. Das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes wurde allerdings erst 1870 auf dem 1. vatikanischen Konzil verkündet. 

Dass Jesus eine Kirche gegründet haben soll und Petrus der erste Papst war, ist ebenso unmöglich wie die Behauptung eines apostolischen, also auf die Apostel zurückgehenden Bekenntnisses, enthält dieses doch nichts von der Lehre Jesu, sondern ausschließlich später entstandene kirchliche Lehrsätze (früheste Fassung wohl zwischen 150 und 175 in Rom, Deschner, S. 195). Taufe und Abendmahl bilden sich nach heidnischen und jüdischen Vorbildern aus.


"Apostolisches" Bekenntnis sowie weitere Bekenntnisse
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Vergleiche mit den Glaubensüberzeugungen Jesu

Der Theologe Carl Schneider kommentiert die Entstehung der katholischen Kirche: „Aus der Gemeinschaft der Liebe wurde die Kirchenzucht, aus dem allgemeinen Priestertum eine juristisch einwandfreie Amtshierarchie, aus dem göttlichen Herrn im Geist der gesetzlich geschützte Bischof. An die Stelle der Ekstatiker traten die Advokaten, und schließlich wurde auch das Verhältnis Gottes zum Menschen durch einen Rechtskodex geregelt.“ (Zitiert nach Deschner, 246)

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9 - Jesus hat keine Kirche gegründet, Petrus war nicht der erste Papst

Eine Kirchengründung Jesu ist mit dessen Glaubensüberzeugung vom Kommen des Reiches Gottes noch in seiner Generation Mk 9,1  Mt 16,28 unvereinbar. Der Textvergleich ergibt, dass Matthäus 16, 18, der einzige Vers, auf den sich diese Legende stützt - er prangt auf Latein auch unter der Peterskuppel in Rom -, ein offensichtlicher Einschub ist.

Markus (Kap. 8)  Matthäus (Kap. 16)
27
Und Jesus ging fort mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Und auf dem Wege fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen: Wer, sagen die Leute, dass ich sei?
13
Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer, sagen die Leute, dass des Menschen Sohn sei?
28
Sie antworteten: Sie sagen, du seiest Johannes der Täufer; etliche sagen, du seiest Elia, etliche, du seiest der Propheten einer.
14
Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes der Täufer, andere, du seiest Elia, wieder andere, du seiest Jeremia oder der Propheten einer.
29
Und er sprach zu ihnen: Ihr aber, wer, sagt ihr, dass ich sei? Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Du bist der Christus!
15
Er sprach zu ihnen: Wer, sagt denn ihr, dass ich sei?

16
Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!
17
Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn, denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
18
Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.
19
Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben; und alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein; und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein.
30
Und er bedrohte sie, dass sie niemand von ihm sagen sollten;
20
Da bedrohte er seine Jünger, dass sie niemand sagen sollten, dass er der Christus wäre.
31
und er hob an, sie zu lehren ...
21
Seit der Zeit fing Jesus an und zeigte seinen Jüngern:

Gegenüberstellung von Deschner, 242f.

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10 – Wie kommt es zum Kanon des Neuen Testaments?

„Der Titel `Neues Testament` (lat. Testamentum, griech. Diatheke, hebr. Berith = Bund, Stiftung) für einen Teil der christlichen Schriften des 1. und 2. Jahrhunderts taucht zum erstenmal im Jahre 192 auf. Doch war sich die Kirche damals über den Umfang des Neuen Testaments noch lange nicht einig.“ ( Deschner, 163)

„Lange schwanken die Urteile, denkt man im Abendland über manches anders als im Orient, zählen die einen zum `Wort Gottes`, was die anderen verwerfen. Die westliche Kirche erkannte die Apokalypse als kanonisch an, die östliche im allgemeinen nicht. Andererseits akzeptierte diese das Hebräerevangelium, das die westliche Kirche bestritt. Erst um die Wende zum 5. Jahrhundert, auf den Synoden von Rom 382, Hippo Regius 393 und Karthago 397 und 419, wurde der Umfang des Neuen Testaments definitiv bestimmt. 27 Schriften galten von nun an als vom Heiligen Geiste inspiriert, als göttlich und irrtumslos, kurz als kanonisch. Der terminus technicus fürs Gegenteil wurde apokryph, Generaletikett für alles, was die Kirche an altchristlichem Schrifttum verwarf.“ ( Deschner, 164) 

Dabei hatte kein einziger neutestamentlicher Autor den Anspruch erhoben, dass seine Produktion göttlich inspiriert sei! Die Schriften des nachmaligen Neuen Testaments galten der Urkirche keineswegs als heilig, was auch erklärt, dass keine Originale erhalten sind. Sie wurden nicht hoch genug geschätzt.

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11 – Einheit der Kirche und Widerspruch über Widerspruch?

Der Theologe „Ernst Käsemann hat in einer berühmt gewordenen These die Ergebnisse der historisch- kritischen Bibelerklärung bündig zusammengefasst: `Der neutestamentliche Kanon begründet als solcher nicht die Einheit der Kirche. Er begründet als solcher [...] dagegen die Vielzahl der Konfessionen.`“ ( Kahl, 85)

So ist es. Kahl zeigt drei Beispiele:

Beispiel 1: Christologie

„Das Matthäus- und das Lukasevangelium lassen Jesus von einer Jungfrau geboren sein ( Mt. 1,18 ff. und Lk. 1,26 ff.). Nach Paulus ( Phil. 2,6 ff. ) und Johannes ( Joh. 1,1 ff.) dagegen war er ein präexistentes Himmelswesen, das auf die Erde hinabstieg, Menschengestalt annahm und nach seinem Heilswerk wieder in die ewige Welt zu Gott zurückkehrte. Beide Vorstellungen schließen sich aus. Im ersten Fall wurde Jesus erst Gottes Sohn bei seiner Geburt nach einer wunderbaren Zeugung durch den Heiligen Geist. Im zweiten Schema lebte er bereits als göttlicher Sohn von Ewigkeit an beim Vater. Eine dritte Auffassung stellt das Markusevangelium dar. Es kennt weder eine Jungfrauengeburt noch eine Präexistenz Jesu. Für den ältesten Evangelisten wurde Jesus erst zu Lebzeiten, und zwar bei seiner Taufe durch Johannes, zum Gottessohn geweiht ( Mk. 1,9 ff.). Eine vierte Form von Christologie schimmert im Neuen Testament nur noch in wenigen alten Bruchstücken durch. So zitiert Paulus ( Röm. 1,3 f.) eine traditionelle Formel, die erkennen lässt, dass in der ältesten Gemeinde die Messianität Jesu erst von seiner Auferstehung ab datiert wurde.

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Beispiel 2: Eschatologie

Schlechterdings unvereinbar sind die Eschatologien des Johannesevangeliums und der Johannes- Apokalypse. Im Evangelium wird gemäß dem gnostischen Vorbild das jüdisch- apokalyptische Enddrama völlig preisgegeben. Gericht und Heil vollziehen sich bereits jetzt in der Gegenwart ( Joh. 5,24 ff.). Unmittelbar nach dem Tode steigt die Seele jedes Gläubigen in die Herrlichkeit der himmlischen Lichtwelt empor ( Joh. 12,32; Joh. 14,2 f.; Joh.17,24). Die Apokalypse dagegen weidet sich an den Phantasmagorien einer massiv vorgestellten Endkatastrophe mit furchtbaren Plagen: satanischen Heuschecken ( Offb. 9,3 ff.), einem Kampf zwischen dem Erzengel Michael und dem großen Drachen im Himmel (  Offb. 12,7 ff.), blutigen Massakern [...] ( Offb. 19,13 ff.), einem tausendjährigen Friedensreich auf Erden ( Offb. 20,1 ff.), einer endgültigen Vernichtung des Teufels und seiner Anhänger im Feuersee ( Offb. 20,7 ff.) und der Herabkunft des himmlischen Jerusalems auf die Erde ( Offb. 21,1 ff.).

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Beispiel 3: Rechtfertigungslehre

Zur Erlösungslehre des Paulus siehe hier

Ein unüberbrückbarer Unterschied, auf den bereits Luther hinwies, besteht auch in der Rechtfertigungslehre des Paulus und der des Jakobusbriefes. Paulus lehrte ( Röm. 3,28): `So halten wir nun dafür, dass der Mensch durch den Glauben gerecht gesprochen werde ohne Werke des Gesetzes.` Im Jakobusbrief steht ( Jak. 2,24): Ihr seht, dass der Mensch aus Werken gerecht gesprochen wird und nicht aus Glauben allein.` Lächerlicherweise berufen sich Paulus ( Röm. 4,3) und der unbekannte Autor des Jakobusbriefes ( Jak. 2,23) für diese gegensätzlichen Aussagen auf dieselbe Stelle im Alten Testament ( 1. Mose 15,6): Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet.`“ ( Kahl, 85f.)

Tatsächlich existierten von Anfang an verschiedene christliche Strömungen (vgl. Urgemeinde oben), die sich teilweise dann wieder in verschiedenen Kirchen organisierten und sich jeweils gegenseitig verketzerten. Die Kirche gibt es in Wirklichkeit gar nicht, auch nicht Rechtgläubige und Ketzer, sondern nur Christen unterschiedlicher Couleur. Sich widersprechende Aussagen, aber auch eine sich widersprechende Praxis in zentralen Fragen des Glaubens und der Glaubenspraxis wie Toleranz – Intoleranz (siehe Paulus), Antijudaismus oder nicht, Liebe oder Rache (siehe Paulus), Gleichberechtigung oder Missachtung der Frau (siehe Paulus), usw. sind mit den Texten durchaus vereinbar. Dies im Einzelnen auszuführen führt hier zu weit. 

Schon beispielsweise Kirchenvater „Origenes (gestorben 254) gestand, dass `so viele unter denen, die an Christum zu glauben bekennen, nicht nur in nebensächlichen und geringfügigsten Dingen uneinig sind, sondern auch in den bedeutenden und gewichtigsten Hauptpunkten.`“ ( Kahl, 87)

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12 – Von der Christenverfolgung zur siegenden Kirche

12a - Die alte römische Religion

Da sich die Römer vor übermenschlichen Mächten fürchteten, brachten sie ihren Göttern Opfergaben, um ihre Unterstützung zu gewinnen (Grundsatz: Ich gebe, damit du gibst: do, ut des). Das galt selbstverständlich auch für die vergöttlichten Kaiser.

Die Römer opferten in ihrem Haus auf einem kleinen Hausaltar, aber auch in der Öffentlichkeit in Tempeln. Priester waren mit sogenannten Magistraten, also hohen Beamten, gleichgestellt.

Jeder einzelne Römer konnte sich aussuchen, ob und bei welchem Gott er sich "versichern" lassen wollte. Es kam auf das Opfer an, das in der richtigen Form dargebracht werden musste. Es ging nicht um gute Taten. Darauf bestanden erst die Mysterienreligionen (Mysterium = religiöses Geheimnis).

12b - Mithraskult und Christentum

Der Mithraskult zum Beispiel, der sehr viel älter ist als das Christentum, gehört zu den Mysterienreligionen.

Mithras ist ein Sonnengott. Er kam aus Persien und verbreitete die Vorstellung eines Kampfes zwischen Gut und Böse. Seine Anhänger glaubten an Auferstehung und ewiges Leben.

Es gibt eine Reihe von Ähnlichkeiten zwischen dem Mithraskult und dem Christentum:
· Mithras wurde am 25. 12. geboren. 
· Hirten waren bei der ungewöhnlichen Geburt anwesend. 
· Mithras wird beschenkt. 
· Die Gläubigen wurden durch eine Art Taufe in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen. 
Die Christen haben also vieles aus dem Mithraskult übernommen und in ihre Religion übertragen. 

Das gilt auch für andere Religionen. Die Auferstehung nach 3 Tagen, die Verwandlung von Wasser in Wein, die Verfolgung als Kind oder eine plötzlich eintretende Finsternis beim Tod des Gottes waren nicht neu. Auch Himmelfahrten gab es. Schon Herakles schwebte zum Himmel empor.

12c - Christentum und Kaiserkult

Im kaiserlichen Rom gab es einen Kaiserkult: Der Kaiser wird als Gott verehrt. Das Christentum übernahm aus dem Kaiserkult zum Beispiel die geflügelte Siegesgoettin (Viktoria, griechisch: Nike) als "Engel", Triumphbögen und Basilika (römisches Staatsgebäude) zum Kirchenbau (vgl. die Kirche Santa Sabina in Rom), den Lorbeerkranz als Siegeskranz (Vgl. Chrismon). Den Titel "Heiland" führten auch Kaiser. Schon Caesar und Octavian wurden im Orient als Weltheilande gefeiert; dann ebenso Augustus, Claudius, Vespasian, Titus und andere Kaiser. 

12d - Christenverfolgung

Die verfolgte Kirche: Bilder

Die erste Christenverfolgung geschah im Jahre 64 n.Chr.: Nero ließ Rom anzünden und schob die Schuld auf die Christen. Die Christen dienten hier "nur" als Sündenböcke. Christen wurden dann von vielen römischen Kaisern (z.B. Septimius Severus, Decius, Valerian, Diocletian, Galerius) vor allem in 3. Jahrhundert verfolgt, weil sie den Kaisern, die als Götter verehrt wurden, keine Opfer brachten, zum Wohlergehen des Staates also nach römischem Glauben in religiöser Hinsicht nichts beitrugen.

12e - Wende 313 n.Chr.
 


Chrismon
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Die siegende Kirche: Weitere  Bilder

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Ab 313 n.Chr. ist das Christentum mit heidnischen Religionen gleichberechtigt (Toleranzedikt von Mailand, erlassen von Kaiser Konstantin, dem ersten christlichen Kaiser). Tatsächlich bevorzugte Konstantin das Christentum, er bestimmte sogar als zunächst noch heidnischer Kaiser über christliche Dogmen. Erst auf dem Totenbett ließ er sich  taufen.

Mit dem Verbot des Heidentums im Jahre 391 unter Theodosius I. wurde das Christentum Staatsreligion, es durfte also keine andere Religion mehr ausgeübt werden. Nun wurden die Heiden - und Christen anderer Glaubensrichtung - verfolgt, siehe unten.

Auch in anderer Hinsicht traten Veränderungen ein. Das christliche Verbot, Kriegsdienst zu leisten, wurde aufgehoben, noch heute gibt es Militärpfarrer; statt der ursprünglichen Armut wurde die Kirche immer reicher. Nicht mehr die Armen und Ungebildeten gaben den Ton an wie am Anfang, sondern zunehmend die Gebildeten und Reichen. An die Stelle verborgener, privater Versammlungsstätten für die Gläubigen traten prächtig ausgeschmückte Kirchen. Dabei wurden heidnische Tempel geschlossen oder in christliche Kirchen umgewandelt. Christus wurde nach dem Vorbild der Kaiser als Herrscher dargestellt, siehe z.B. Mosaiken vom Triumphbogen der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom, 5. Jh., vgl. oben Christentum und Kaiserkult.

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13 - Der  christliche Staat und die verschiedenen Formen der Theokratie



Reichskrone in Frontalansicht
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Reichsapfel
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Unterrichtseinheit "Reichsinsignien und Reichsidee" 
Mit Aufgabenblättern
schule-bw.de

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Mit Kaiser Theodosius wurde das Christentum Staatsreligion, der Staat verstand sich als christlicher Staat. Das bedeutete,

  • dass in der Folge durch das ganze Mittelalter und die Neuzeit hindurch bis ins 18. Jahrhundert der Staat und die Gesellschaft sich christlich rechtfertigten. Der Kaiser herrschte nun von Gottes Gnaden, die Ständeordnung wurde ebenfalls als Abbild des Himmels gerechtfertigt. Näheres siehe hier.

  • dass in der Folge durch das ganze Mittelalter und die Neuzeit hindurch bis ins 18. Jahrhundert Recht immer von Gott abgeleitet wird, also letztlich christlich- göttliches Recht ist, nicht etwa menschliches Recht.

  • dass in der Folge durch das ganze Mittelalter und die Neuzeit hindurch bis ins 18. Jahrhundert alle nichtchristlichen Gedanken von Staats wegen verboten und verfolgt oder wenigstens dem Christentum angepasst wurden. So wurden z.B. durch Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert die heidnischen Philosophenschulen verboten.  Von bestimmten heidnischen Philosophen und ihren Gedanken oder gar von heidnischen Kritikern des Christentums erfahren wir heute nur noch indirekt  etwas, entweder über fremde Zusammenfassungen oder durch christliche Kritiken am entsprechenden Gedankengut, also oft entstellt. Die Originaltexte sind häufig verschwunden.

  • dass in der Folge durch das ganze Mittelalter und die Neuzeit hindurch bis ins 18. Jahrhundert nur die jeweils herrschende christliche Richtung als legitim gilt, die jeweils anderen Richtungen werden als ketzerisch erklärt und verfolgt. So werden  z.B. die Anhänger des Arius (die meisten Germanenstämme waren arianisch) oder die Monophysiten verfolgt, um nur wenige dem Namen nach zu nennen. Die ganze Spätantike und das Mittelalter hindurch, auch in der Neuzeit während der Reformation und der Glaubenskriege und danach gehört die sogenannte Ketzerverfolgung dazu, die Gegner werden oft aus dem Land gejagt oder getötet, in manchen Zeiten Hunderttausende, vgl. Gegenreformation.

  • dass in der Folge durch das ganze Mittelalter und die Neuzeit hindurch bis ins 18. Jahrhundert die relative Toleranz des heidnischen Polytheismus (Vielgötterei) vorbei ist und die Intoleranz des Monotheismus (Eingottglaube) an dessen Stelle tritt, wie es im Ersten Gebot heißt: "Ich bin Jahwe, dein Gott [...].Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. [...] Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achte, erweise ich Tausenden meine Huld." ( Exodus 20, 1 ff.)

Staaten, in denen die Religion Grundlage des Staates und der Gesellschaft ist, nennt man Theokratien (Gottesherrschaften). In vielen Lexika wird unter Theokratie nur ein Staat verstanden, dessen Herrscher zugleich Gott oder ein Priester ("Gottkönig", "Priesterkönig") ist. Im christlichen Bereich des Westens traf das nicht zu. Dennoch ist es richtig, hier von Theokratie (Gottesherrschaft) zu sprechen, weil es sich um einen christlichen Staat, eine christliche Gesellschaft und  Kultur handelte. Die Besonderheit der christlichen Theokratien im Westen bestand in einer Doppelspitze aus einem weltlichem, aber chistlichem Herrscher und einem kirchlichem Führer. Es gab im christlichen Bereich drei Varianten:

  • Variante 1: Der Herrscher stand über der Kirche und regierte in die Kirche hinein. Diese Variante nennt man "Cäsaropapismus" und wurde zum Beispiel im Byzantinischen Reich verwirklicht.

  • Variante 2: Kirche und Staat standen auf gleicher Ebene und ergänzten sich gegenseitig. Der Kirche kam das sogenannte geistliche Schwert zu, der weltlichen Gewalt das weltliche Schwert ("Zwei- Schwerter- Lehre" des Gelasius). Diese Variante galt lange Zeit im Westen und der Mitte Europas im Verhältnis zwischen Kaiser und Papst.

  • Variante 3: Bei dieser beansprucht die Kirche, über der weltlichen Gewalt zu stehen. Im Mittelalter wurde diese Lehre von Papst Gregor VII. und anderen Päpsten vertreten, was zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst z.B. im Investiturstreit im 11./ 12. Jahrhundert führte.



Triklinium- Mosaik
Der Hl.Petrus investiert Papst Leo III. und Karl den Großen 
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Bild: Geschichtszentrum

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Teil des ehemaligen Speisesaales des ehemaligen päpstlichen Lateranpalastes in Rom
Hier die Beschreibung. Die Mosaiken an den Seiten zeigen die Auffassung vom christlichen Staat. Welche Variante wird gezeigt?
de.wikipoedia.org

Ob der Herrscher nachher katholisch war oder evangelisch oder reformiert, spielte für das Prinzip keine Rolle. Auch die Frage, ob die jeweiligen Herrscher absolutistisch, also ohne Mitspracherechte anderer Gruppen, oder unter Mitsprache der Stände regierten, ist beim abendländisch- theokratischen Modell unerheblich. Es wirkte immer so, dass alle anderen geistigen Richtungen unterdrückt wurden. Das Christentum war IMMER Staatsreligion. Andere wurden NIE geduldet, außer die Juden in minderem Status, wobei es immer wieder zu Übergriffen kam (siehe beispielsweise Kreuzzüge und Gegenreformation).

Das Ende der christlichen Theokratie kam erst mit den modernen, demokratischen Staatstheorien der Aufklärung im 18. Jahrhundert und deren Umsetzung in der Amerikanischen Revolution (1776 n.Chr.)  und Französischen Revolution (1789 n. Chr.) sowie allen späteren Revolutionen des 19. und 20. Jahrhunderts, die an diese Vorgänger anknüpften.

Der im 7. Jahrhundert entstandene Islam verfolgt übrigens bis heute ein theokratisches Staatsmodell, weshalb er mit der modernen Demokratie unvereinbar ist. 

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14 - Warum konnte sich das Christentum durchsetzen?

Einige Antworten auf diese Frage sind:

  • Im Laufe der Zeit übernimmt das Christentum immer mehr Gedanken und Bräuche aus seiner Umgebung, siehe z.B. der paulinische und johanneische Christus 
  • Das Christentum liegt im Trend der Zeit. In den Krisenzeiten des 3. Jahrhunderts und der Völkerwanderung glauben die Menschen gerne an die Auferstehung vom Tode und an ein Leben im Paradies. Man braucht den Halt des Glaubens, und die alten Götter Roms sprechen die Menschen nicht persönlich an.
  • Die Kirche war gut organisiert, betrieb Mission unter allen Völkern und half den Armen. Es blieb nicht bei schönen Worten. Außerdem wurden auch die Frauen angesprochen.
  • Als das Christentum immer mehr Anhänger bekam, fand es die Unterstützung der Kaiser, die das Reich zusammenhalten wollten. Mit der kaiserlichen Macht im Rücken gelang es zuletzt, alle Konkurrenten auszuschalten.

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Der 1. Petrusbrief – eine Konstruktion aus Jes. 53, dem Vorbild für die Leidensgeschichte Jesu

1.Petr.2, 21ff. Jes. 53
21.wie auch Christus für euch litt und euch so ein Vorbild hinterließ, dass ihr Seinen Spuren folgen solltet: 4.für uns litt er Schmerzen
22.der keine Sünde tat und in dessen Mund kein Trug erfunden ward; 9.er tat kein Unrecht, und Trug ward in seinem Munde nicht erfunden...
23.der nicht widerschalt, wenn er gescholten wurde; der, als er litt, nicht drohte, sondern es Dem anheimgab, der gerecht richtet; (vgl. 7. stumm wie ein Lamm vor seinem Scherer öffnet er seinen Mund nicht)(vgl. 11. er ... wird gerecht machen den Gerechten)
24.der unsere Sünden selbst hinauftrug mit seinem Leibe auf das Holz, auf dass wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit lebten; durch dessen Wunden ihr geheilt seid. 11.und er wird ihre Sünden tragen, (vgl. 4.-6. er trägt unsere Sünden ... er wurde verwundet um unserer Missetat willen ...der Herr hat ihn für unsere Sünden dahingegeben)
25.Denn ihr ginget irre wie Schafe, aber jetzt seid ihr zurückgeführt zu dem Hirten und Hüter eurer Seelen. 6.wir alle gingen irre wie Schafe ...

Gegenüberstellung bei Deschner, 135f.

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Christenhinrichtung durch Tiere im Circus
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Raum eines Privathauses in Dura Europos,
der um 230 n.Chr. zu Taufzwecken umgeformt wurde.

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Sinnbilder der ersten Christen
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b - Die siegende Kirche: Bilder


Rom: Frühchristliche Mosaiken aus Santa Costanza. Der Übergang von heidnischer Ornamentik zu christlicher Symbolik wird deutlich. Die Pracht reflektiert die siegende Kirche.
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Schlüsselübergabe
Der als Weltenherrscher thronende Christus übergibt Petrus die Himmelsschlüssel.
Rom: Frühchristliche Mosaiken aus Santa Costanza.
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Thronende Maria
Triest, Kathedrale San Giusto
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Chrismon
X=CH / P = R
Außerdem die Buchstaben Alpha und Omega, die für Anfang und Ende stehen.
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Santa Sabina, Rom, 422 oder 423
Innenansicht
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Santa Sabina, Rom, 422 oder 423
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Apsismosaik mit Triumphkreuz
Santa Pudenziana, Rom, um 400
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Mosaik vom Triumphbogen der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom, 5. Jh.
Drei Könige aus dem Morgenland (Huldigung der Magier)
paradoxplace.com


Ersatzlink: Mosaik vom Triumphbogen der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom, 5. Jh.
arteefede.com


Mosaik vom Triumphbogen der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom, 5. Jh.
Alle drei Streifen
Alle Größen
Fotos von HEN-Magonza
flickr.com


Streumosaik Santa Costanza, Rom
Erste Hälfte 4. Jh.
Material Geschichtszentrum


Mosaik Santa Costanza, Rom, Erste Hälfte 4. Jh.
Weinernte
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Mosaik Santa Costanza, Rom, Erste Hälfte 4. Jh.
Putten und Bacchantinnen
Material Geschichtszentrum


Erste Darstellung eines gekreuzigten Christus
Rom, Santa Sabina, ca. 430 - 435
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Early Christian and Byzantine Art
Bildersammlung. Bekannteste  Bilder vorhanden, u.a. alte Petersbasilika
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Joachim Kahl: Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott, Reinbek bei Hamburg, November 1968. 
Heute nur in Büchereien oder antiquarisch erhältlich.

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