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Aufstieg und Fall des Osmanischen Reiches - Ottoman Empire 1300 - 1922
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Österreich im 18. Jh.
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Biografien

Die Sultane 1
Von Gazi (noch kein Sultan) Osman (geb. 1258) bis Osman III. (gest.
1757).
Mit Bildern und Quellenmaterial
Von Uwe Becker
osmanischesreich.com

Die Sultane 2
Von Murad III. bis Selim II. (gest. 1574).
Mit Bildern und Quellenmaterial
Von Uwe Becker
osmanischesreich.com

Die Sultane 3
Von Mustafa III. (gest. 1774) bis Mehmed VI (Vahideddin) (reg. bis
1922) und dem letzten Kalifen Abdülmecid II (-1924).
Mit Bildern und Quellenmaterial
Von Uwe Becker
osmanischesreich.com
Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden - Der Türkenlouis
bad-bad.de
Prinz Eugen von Savoyen
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Fragestellungen
zum Thema
- Einführende Aufgabe: Herkunft
der Türken und vorosmanische Reiche (Basiswissen
1-3)
- Europa und Osmanenreich im
Vergleich (Basiswissen 4-12):
- Lehenswesen / Feudalsystem
- Soziale Gliederung
- Staat und Religion
- Religiöse Toleranz
- Wirtschaft
- Militär
- Ursachen für den Rückfall hinter den Westen
(Basiswissen 13)
- Ergebnis: Türkenkriege als Wende
(Basiswissen 13)
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Basiswissen:
1. Die Herkunft der Türken
Neben Arabern und Persern wurden die Türken das dritte große Volk im Islam.
Die ursprüngliche Heimat der Türken lag in Zentralasien an der Grenze zu China. Sie lebten dort als primitive Nomaden und praktizierten zunächst verschiedene Formen des Schamanismus. In einer ersten Migrationswelle (Wanderungswelle) zogen sie seit dem 9. Jahrhundert nach Westen und betraten dabei das Gebiet des Abbasidenkalifats von Bagdad, wobei sie Beutezüge unternahmen und plünderten. Im Laufe desselben Jahrhunderts nahmen die meisten Turkstämme den Islam an.
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2. Die Bildung von türkischen Reichen
Die Abbasidenkalifen rekrutierten Türken für ihr Heer und umgaben sich mit einer türkischen Garde. Ende des 9. Jahrhunderts lagen die meisten militärischen Kommandostellen und viele politische Ämter in türkischer Hand. Diese entmachteten in der Folge den Kalifen von Bagdad und reduzierten ihn auf ein geistliches Oberhaupt der Umma (Gemeinschaft aller muslimischen Gläubigen), der als Kalif 1058 den seldschukisch-türkischen Warlord Togril-Beg als "Sultan der westlichen und östlichen Welt" anerkennen und diesem Gehorsam leisten musste: Das Reich der Großseldschuken war entstanden. Die Seldschuken- Sultane eroberten bereits 1071 Jerusalem von den ägyptischen Fatimiden.
Parallel dazu entstand im Inneren Kleinasiens auf ehemals byzantinischem Gebiet nach der Schlacht von Mantzikert 1071 ein weiteres Seldschukenreich, das Sultanat von Rum (Sultanat von Ikonion/ Konya), gegen das die Byzantiner Hilfe aus dem Westen herbeiriefen und so ungewollt die Kreuzüge einleiteten.
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3. Die zweite türkische Migrationswelle, Mongoleneinfall, türkische Kleinherrschaften und Osman
Inzwischen - seit dem 11. Jahrhundert - wanderte eine zweite Welle türkischer Migranten aus Zentralasien nach Westen, die noch nicht, so wie ihre Vorgänger, seßhaft georden war. Diese konnten nicht integriert werden, galten als räubersch und wurden sowohl dem abbasidische- arabischen Kalifen, den Seldschuken als auch Kreuzfahrern und Byzantinern gefährlich.
Der Mongoleneinfall in Vorderasien blieb dagegen Episode. Die Mongolen eroberten 1243 Konya und bereiteten der Seldschukenherrschaft ein Ende. 1258 eroberten und zerstörten sie Bagdad, was auch das Ende des Abbasiden- Kalifats bedeutete. Da sie aber keine dauerhafte Herrschaft errichteten, andererseits dasSeldschubenreich zerstört hatten, bildeten sich in Asien eine Reihe von kleinen Herrschaften unter mongolisch- und turkstämmigen Warlords, die "Gazi" (Eroberer) hießen. Einer von ihnen im Nordwesten Kleinasiens war Osman (gest. 1324), der ein einfacher Emir und kein Sultan war. Seine Nachfolger erhoben ihn nachträglich zum Begründer des nach ihm benannten Osmanenreiches, das einen Eroberungskrieg gegen das spätbyzantinische Reich führte. Seine eingewanderten Steppenkrieger besaßen aber keinen intensiven Kontakt mit der arabischen und mitelmeerischen Kultur.
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4. Der Aufstieg des Osmanenreiches
Nach Osmans Tod 1324 erobert sein Sohn Orhan (1324 - 1362) Bursa. 1330 überquerte er die Dardanellen. Murad I. (1359 - 1389) erobert 1361 Adrianopel (Edirne) und macht es zu seiner neuen Hauptstadt. 1389 besiegt er die Serben auf dem Amselfeld, verliert dabei aber das Leben. Die Osmanen haben sich nun aber endgültig auf dem Balkan festgesetzt.
1453 erobert Mehmed II. (Mehmed Fatih = der Eroberer, 1451 - 1481) Konstantinopel und begründet jetzt erst eigentlich ein imperiales Großreich. Er nimmt den Sultanstitel an, Konstantinopel / Istanbul wird nun Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Waren die bisherigen Kriege der Osmanen nur Unternehmungen in der Tradition vorislamischer Beute- und Eroberungskriege (Gaza), geführt von "Gazi" (Leute, die Gaza betrieben), so betreiben Mehmed Fatih und seine Nachfolger nun "Djihad" im Sinne heiliger Kriege zur Ausbreitung des Islam. Dies bedeutete eine neue Legitimation für die militärischen Unternehmungen und eine Wiederaufnahme arabischer Traditionen des Djihad gegen Europa (vgl. Ummayaden!). Wer Djihad betreibt und dabei Eroberungen macht, ist nicht mehr einfach "Gazi", sondern "Fatih".
Selim I. (1512 - 1520) wird nach der Eroberung Ägyptens (Ende der dortigen Mamlukenherrschaft) der erste osmanische Kalif und Beschützer der Heiligtümer von Mekka und Medina. Konstantinopel wurde Sitz des Kalifats und damit Zentrum der islamischen Welt. Daneben existierte aber noch das islamisch- schiitische Reich der Safawiden in Persien, das sich dem osmanischen Machtanspruch nicht unterwarf, die daraufhin die Perser des Unglaubens bezichtigten und bekämpften.
Den Höhepunkt erreicht das Reich unter Süleyman dem Prächtigen (1520 - 1566), der 1521 Belgrad einnimmt, 1522 die Johanniter aus Rhodos vertreibt (Übersiedlung der Johanniter nach Malta), 1526 nach der Schlacht von Mohacs Ungarn erobert und 1529 Wien belagert (Erste Belagerung Wiens; Angst vor den Türken!). In Nordafrika reicht sein Reich bis nach Algerien, im Osten grenzte es an Persien und umfasste das Nordufer des Schwarzen Meeres. Er verfügt im Mittelmeer über eine mächtige Flotte, die diese Meer zu einem türkischen Gewässer zu machen versuchte. In die osmanische Geschichte geht er als großer Gesetzgeber (Kanuni) ein.
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5. Osmanische Wirtschaft
Als Eroberer waren die Osmanen nur an der Beute interessiert, nicht an der wirtschaftlichen Weiterentwicklung der von ihnen eroberten Gebiete. Handel und Gewerbe blieben daher in der Hand von europäischen Kaufleuten und nicht- muslimischen und ethnischen Minderheiten wie Griechen, Armeniern und Juden. Es gab also eine ethnische- religiöse Arbeitsteilung im Reich.
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6. Millet - System
Eine "Millet" im Osmanischen Reich war eine christliche oder jüdische Religionsgemeinschaft mit Minderheitenstatus.
Juden und Christen galten als Schutzbefohlene (dhimmi) gemäß Koran Sure
9, Vers 29, weil sie die islamische Herrschaft anerkannten, aber Waffen
durften sie nicht tragen. Das hieß praktisch: Angehörige einer Millet mussten nicht an den Kriegen teilnehmen, was
ihnen die Ausübung von Handel und Gewerbe im Unterschied zu den Muslimen, die ständig für Kriege bereit stehen mussten, erleichterte. Als Gegenleistung für die Befreiung vom Militärdienst mussten Millet- Angehörige eine Kopfsteuer (Cizye) bezahlen.
Die Millet besaßen das Recht auf Selbstverwaltung und Rechtsprechung
unter die Leitung religiöser Oberhäupter. Sie durften ihre Religion frei ausüben, aber
wirksamer Rechtsschutz für ihr Eigentum existierte ebenso wenig wie für die Muslime selbst. Der Boden gehörte formal dem Staat.
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7. Der osmanische Staat
Der Sultan stand als absoluter Herrscher an der Spitze des osmanischen
Staats. Seit Mehmed II. (1451- 1481) wurde gesetzlich festgelegt, dass
beim Regierungsantritt des neuen Herrschers dessen zahlreich Brüder
(Polygamie!) ermordet wurden, um Thronstreitigkeiten zu verhindern. Seit
dem 17. Jh. sollte der jeweils älteste lebende Osmanenprinz Herrscher
werden. Regierungssitz war das Topkapi Saray. Dem Sultan standen der
Staatsrat (Diwan) und die Wesire beratend zur Seite. Der Großwesir war
der Vertreter des Sultans. Die Residenz des Großwesirs (seit dem 17.
Jahrhundert) hieß "bab-i ali" bzw. "Hohe
Pforte", ein Begriff, mit dem man dann die osmanische Regierung
benannte. Die Staatsverwaltung bestand aus einem umfangreichen
Beamtenapparat., die meisten Beamten waren in der Provinzialverwaltung
tätig.
Die vom Osmanischen Reich abhängigen Vasallenstaaten zahlten meist
Tribut, leisteten Heeresfolge, wurden aber von einheimischen
Herrschern regiert.
Das
Rechtssystem beruhte auf dem Religionsgesetz der Scharia.
Weltliche Gesetze (kanun), z.B. auf militärischem Gebiet oder auf dem
Gebiet des Finanzwesens, erließ der Sultan.
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8.
Die Ulema
Die Ulema, die islamischen Gelehrten mit theologisch-juristischer
Ausbildung, achteten auf die Einhaltung der Scharia. Die vom Sultan
ernannten Muftis unter ihnen waren berechtigt, auf der Basis des
Religionsgesetzes Rechtsgutachten (fetwa) auszustellen, die für die
Gerichte maßgebend waren. Jedenfalls hatten die Ulema eine unanfechtbare
Stellung, weil sie allein die Autorität hatten, den Koran bindend
auszulegen und ihn in die gerichtliche Praxis eingehen zu lassen.
Außerdem besaßen sie ein Bildungsmonopol. Von der Religion unabhängige
weltliche Bildung, wie sie in Europa sich seit den Zeiten von Humanismus
und renaissance und v.a. seit der
Aufklärung
durchzusetzen begann, gab es
im Osmanenreich nicht.
Der oberste Mufti war der Scheich-ül-Islam, er stand in der Theorie sogar
über dem Sultan.
Während das Eigentum im Osmanischen Reich stets willkürlichem
staatlichem Zugriff ausgesetzt war, überließen viele Feudalherren einen
Teil ihrer Einkünfte auf unbestimmte Zeit (oder sie vermachten es) den
von den Ulema geleiteten Stiftungen (Evkaf, arabisch: Vaqf), weil der
Staat auf diese nicht zugreifen durfte, so dass ihr Eigentum dort
geschützt war. Die so erwirtschafteten Mittel gehörten den Ulema, was
deren wirtschaftlichen und politischen Einfluss stärkte. Selbst der
Sultan fürchtete ihre Macht.
Die Ulema waren enge Verbündete der Janitscharen. Beide zusammen
bildeten feste Bastionen gegen die im 19. Jahrhundert notgedrungen
einsetzenden an Europa orientierten Reformen im Reich.
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9. Timar- System und orientalischer
Feudalismus
"Seit der Herrschaft Mehmets II. (reg. 1451-1481) unterschied man im Osmanischen Reich drei Arten von Grundeigentum: Staatsbesitz (arz-i miri), Stiftungsbesitz (vakf) und Privatbesitz (mülk). Private Ländereien gab es im osmanischen Staat kaum. Nur Gärten, gewerblich genutzte Flächen und Gebäude oder auch Wohnhäuser durften in Privat- bzw. Stiftungseigentum sein.
(...) Ca. 85-90 % des Landes oblag der Verfügungsgewalt von Staat und Sultan. Zum staatlichen Grund und Boden zählten die großherrlichen Staatsdomänen (has-i hümayun), aus denen die Hofhaltung des Sultans finanziert wurde. Der Großteil der Ländereien jedoch wurde vom Staat innerhalb eines Systems von Landzuweisungen, dem sog. Timar-System, als Pfründe vergeben."
(
Quelle:
Tuerkenbeute.de)
Beim Timar-System handelt es sich um ein System des "orientalischen Feudalismus"
oder eine Form des Lehenswesens, das sich vom im christlichen Europa
üblichen Lehenswesen unterschied (vgl.
hier). Im Osmanischen Reich erhielt ein Beamter oder
Militär für seine Dienste Land vom Staat, das aber nicht - wie in vielen
Teilen Europas üblich - in dessen Eigentum überging, sondern das dieser
nur nutzte, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Dafür verpachtete er
das Land an Bauern weiter. Der Timar- Inhaber (Timariot) trat also
lediglich als Vertreter des Staates auf. Im Unterschied zu Europa lebte er
nicht auf dem Lande auf einer Burg, sondern in der Stadt. Sein Bestreben
war nicht, das Land zu verbessern oder den Bauern zu helfen, sondern
möglichst viel aus ihnen heraus zu pressen. So wurde in den eroberten
Gebieten ein rücksichtsloser Raubbau betrieben. Die meisten Timare gingen
an die Sipahis (Lehensritter).
Je mehr Boden der Sultan eroberte, desto mehr Soldaten und Beamte konnte
er unterhalten. Der Krieg nährte sich auf diese Weise selbst.
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10. Die osmanische Armee
Die Sipahi bildeten die berittenen Kerntruppen des osmanischen Heeres, die
berühmtesten Einheiten waren aber die von Murad I. (1360 - 1389)
aufgestellten Janitscharen (Yeni Ceri), eine der Pforte direkt
unterstellte stehende Infanterietruppe. Die Janitscharen stammten aus
christlichen Familien aus Serbien, Albanien, Bosnien, Bulgarien und
Griechenland, denen die Kinder im Alter von 12 - 16 Jahren weggenommen
wurden ("Knabenlese, türk. devschirme). Auch Tscherkessen waren
betroffen. Man erzog die Jungen im Janitscharenkorps oder in der
Palastschule und machte aus ihnen fanatische Muslime. Die Besten
wurden in die Zentralverwaltung bis hinauf zum Großwesir übernommen.
Diese Art der Aushebung wurde aber 1648 eingestellt.
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11. osmanli (Oberschicht) und raya (Untertanen)
Die über die Knabenlese Ausgehobenen bildeten einen Teil der herrschenden
Schicht im Osmanischen Reich, der "osmanli". Diese setzte sich
zusammen aus Regierungsmitgliedern, der Beamtenschaft (siehe
Der
osmanische Staat), den Religions- und Rechtsgelehrten (siehe
Ulema)
sowie den Militärs (siehe
Die osmanische Armee),
wobei die ethnischen Türken auf Ausbildung und Schule, Rechtswesen, Religion
und Reiterei beschränkt wurden. Die osmanli waren also nicht mit den
Türken gleichzusetzen - es handelte sich um einen Vielvölkerstaat
-, sondern rekrutierten sich aus verschiedenen Völkerschaften des
Reiches. Entscheidend waren Leistung und Loyalität gegenüber dem
Herrscher, nicht Nationalität oder - wie im christlichen Europa -
familiäre Herkunft (Geburtsadel). Sie waren im Unterschied zu den
Untertanen (raya = Herde) von der Steuerzahlung befreit. Die Untertanen
bestanden hauptsächlich aus Bauern (85% der Bevölkerung), aber auch aus
Handwerkern, Händlern und Kaufleuten, die in Zünften organisiert waren.
Osmanisch
war die von den osmanli gesprochene Amtssprache, die zwar den türkischen
Satzbau beibehielt, aber sehr stark mit Wörtern persischer und arabischer
durchsetzt war, so dass man von einer "Mischsprache" sprechen
kann.
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12. Die Krise
Solange die Expansion erfolgreich war, funktionierte das System, aber als
die Europäer waffentechnisch und taktisch einen militärisch en Vorsprung erlangten und
den türkischen Vormarsch stoppen konnten, geriet das Reich im 17.
Jahrhundert offensichtlich in die Krise.
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12a Verfall des Timar- Systems
und militärische Schwächung
Das
Timar- System verfiel, da man einerseits den Kreis der Empfänger
immer mehr erweiterte (der Staat hatte nicht mehr genügend Geldmittel),
da man andererseits bei ausbleibenden Eroberungen die Timare immer mehr
verkleinerte, so dass diese ihre Besitzer zuletzt nicht mehr ernähren
konnten. So musste die Kavallerie nun besoldet, also mit Geld bezahlt
werden, was die ohnehin strapazierten Staatsfinanzen erheblich belastete.
Die Söldnertruppen waren aber längst nicht mehr so kampfkräftig wie die
alten
Sipahitruppen, und auch das Niveau der Ausbildung und die Disziplin
der
Janitscharen gingen zurück.
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12b Wirtschaftliche Krise
Hand in Hand damit ging eine wirtschaftliche Krise. Eine Inflation
stürzte den Staat in anhaltende Finanznot. Die Europäer verlagerten
durch die
Entdeckungen den Welthandelsschwerpunkt vom Mittelmeer auf den
Atlantik und betrieben den lukrativen Gewürzhandel ohne türkischen
Zwischenhandel direkt zwischen Ostasien und Europa. Den
Frühkapitalismus
mit entwickeltem Bankwesen und beginnender
Massenproduktion kostengünstiger Güter, der sich in Westeuropa
entwickelte, ignorierte man, ebenso den
Merkantilismus. So kam es zu erheblichen Steuer- und
Zollausfällen. Sondersteuern sollten gegensteuern, beschleunigten aber
die Inflation.
Zuletzt kam es zu Massenarmut, damit verbundener Landflucht und
Bandenbildung, insbesondere in Anatolien.
Der See- (Ausnahme
innerosmanischer Seehandel) und Außenhandel verblieb in europäischen
Händen.
Dies ging mit sogenannten "Kapitulationen" (Kapitelweise
abgefassten Verträgen) einher. Die erste Kapitulation wurde 1536 von
Sultan Süleyman dem Prächtigen an Frankreich ausgestellt, um den
Außenhandel des Reiches anzuregen. Sie enthielt z.B. folgende Zusagen,
die nachher auch an andere europäische Mächte vergeben wurden: freie
Schifffahrt und freier Handel zwischen den Untertanen beider Reiche.
Uneingeschränkte Gerichtsbarkeit französischer Konsuln über
französische Staatsbürger auf osmanischem Boden (Strafrecht, Privat-,
insbesondere Handelsrecht).
Josef
Matuz urteilt:
"Der osmanische Staat kannte nur das fiskalpolitische
(steuerpolitische) Konzept der Abschöpfung, nicht aber die Förderung von
Handel und Handwerk. So wurden etwa keine Schutzzölle und
Einfuhrbeschränkungen zum Schutz der Produktion im eigenen Land verfügt,
von den noch weiter entwickelten wirtschaftspolitischen Instrumenten wie
Investitionsanreizen und Export- Prämien ganz zu schweigen. Im Gegenteil,
aufgrund der Kapitulationen, die - ursprünglich ein Instrument zur
Belebung des Außenhandels - im Laufe der Zeit zu einer schweren Belastung
für die osmanische Wirtschaft geworden waren, genossen die europäischen
Kaufleute im osmanischen Gebiet weitgehende Privilegien. Sie hatten
Wettbewerbsvorteile gegenüber ihren osmanischen Konkurrenten, die zudem
noch den restriktiven Zunftbestimmungen unterlagen und deren Vermögen -
Im Gegensatz zu dem der Europäer - jederzeit beschlagnahmt werden konnte.
So wurde das Osmanenreich zunehmend zu einem Absatzmarkt für europäische
Produkte und zu einem Rohstofflieferanten für die weiter entwickelten
europäischen Staaten. dies konnte nur aufgrund der Stagnation der
osmanischen Produktivkräfte eintreten. Der permanente, ja sich
verschärfende Zustand der Unterentwicklung der osmanischen (...)
Wirtschaft ist in vielerlei Hinsicht primär auf innere Gründe
zurückzuführen und wurde nicht allein und nicht in erster Linie von
außen her verursacht. Sie ist nicht ausschließlich der - erst
sekundären - wirtschaftlichen Durchdringung durch die Europäer und dem
von ihnen benutzten politischen Instrument der Kapitulationen
zuzuschreiben. Damit soll nicht behauptet werden, dass die begünstigte
Lage des europäischen Handels auf osmanischem Territorium und
insbesondere die manufakturellen, später
industriellen
Billigwaren die eigenständige osmanische Entwicklung nicht gehemmt
hätten."
(
Matuz, S. 207f.)
Lernumgebung "Entdeckungen und Kolonialreiche"
Lernumgebung "Frühkapitalismus und Verlagswesen"
Interaktiv "Merkantilismus"
Lernumgebung "Industrialisierung"
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12c Verfall der
Staatsverwaltung
Schon
Süleyman der Prächtige stand stark unter dem Einfluss der Haremsdame
Roxane. Nach ihm zogen sich die Sultane immer mehr in den Harem zurück
und erhielten keine Ausbildung mehr, die sie befähigt hätte, das
Großreich angemessen zu führen. Parallel dazu erhielten die Haremsdamen
immer mehr Einfluss auf die Politik, insbesondere die jeweilige
Sultansmutter. Der Harem begann mit den Wesiren zu konkurrieren, die immer
kürzere Amtszeiten hatten. Man spricht in der türkischen
Geschichtsschreibung von der "Weiberherrschaft".
Als der jeweils älteste Prinz Sultan werden konnte, ermordete er seine
Brüder und Halbbrüder zwar nicht mehr, sperrte sie aber in sogenannte
Prinzenkäfige, was deren Regierungsfähigkeit auch nicht stärkte.
Im Staat drang mit der Abschaffung der Knabenlese (siehe
Die
osmanische Armee) immer mehr der Ämterkauf durch, selbst für
höchste Posten, ungeeignete Amtsinhaber waren durchaus der Normalfall,
viele ließen sich vertreten. Dazu grassierten Korruption, Amtsmissbrauch
und Nepotismus. Die Köprüli- Wesire - Köprülü Mehmet Pascha (1676-1683) und sein Sohn Köprülü Fazıl Ahmet (1661-1676)
- konnten das Blatt trotz Reformen nicht wenden.
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oben
13
- Tiefer reichende Ursachen für den militärischen, technologischen und
wirtschaftlichen Rückfall hinter den Westen
In Westeuropa setzte mit Humanismus und Renaissance ein Aufschwung von
Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Kunst ein. Auch auf dem Gebiet des
Militärwesens gab es entscheidende Fortschritte. Es handelte sich um
einen Aufschwung des Bürgertums, der mit einer Stärkung des
Rationalismus verbunden war, der von der Kirche nicht aufgehalten werden
konnte und im 17. und 18. Jahrhundert in die
Aufklärung
mündete. Diese
war das Tor zur
Moderne, zur heutigen säkularen Welt.
Wie kam es dazu, dass das Osmanische Reich dahinter zurückfiel, alle
diese Entwicklungen ignorierte und so seit den
Türkenkriegen
in die Defensive geriet? Neben den oben genannten Gründen gab es tiefer
reichende Ursachen.
Zum einen nahmen die Osmanen ihren Rückfall zunächst noch nicht in
seiner ganzen Tragweite wahr, und als dann ein Rückschlag nach dem
anderen kam, wirkte die Erkenntnis umso schockierender.
Zum anderen glaubte man lange, von "Ungläubigen" nichts lernen
zu können.
Entscheidender aber war und ist bis heute, dass der
islamische
Rationalismus als zentrale Voraussetzung für Wissenschaft, Technik
und einen erfinderischen, weltzugewandten Geist kreativer Individuen schon
im 13. Jahrhundert von der islamischen "Rechtgläubigkeit"
abgewürgt worden war und seither nicht mehr auferstanden war. Dagegen
wurde Westeuropa von islamischen Rationalisten (Avicenna, usw.), die
ihrerseits die Philosophie der alten Griechen (Aristoteles) verarbeitet
hatten, angeregt und nahm diese Anregungen erfolgreich an.
Faszination Islam: Der islamische Rationalismus
Es gab und gibt bis heute keine aufgeklärte säkulare Kultur im
islamischen Bereich, die die Massen von Grund auf kulturell erfasst und
geprägt hätte. Da Wissenschaft auf Wissen und nicht auf Glauben zielt,
gibt es immer eine Spannung oder gar einen Konflikt zwischen beiden
Bereichen.
Auch in
Westeuropa gab es einen Kampf zwischen Theologie einerseits und
Philosophie / Wissenschaft andererseits, weil auch dort die Wissenschaft
religiösen Dogmen und Praktiken den Boden entzog und letztlich die
Vorherrschaft der Kirchen beendete. Die Freiheit der Wissenschaft musste
dort erst erkämpft werden, Wissenschaftler litten unter der Verfolgung
durch die Kirchen, wie etwa Giordano Bruno oder Michael Servet erfahren
mussten, die mit dem Leben zahlen mussten. Auch verzichteten die Kirchen
nicht kampflos auf Macht und Einfluss, vgl.
Französische
Revolution.
Aber im
Unterschied zum Osmanischen Reich, wo die
Ulema über
die Anwendung der Scharia und die Einhaltung der
Vorschriften des Koran und der religiösen Tradition wachten, konnte in
Westeuropa eine von der Religion unabhängige Philosophie, Wissenschaft
und Geisteshaltung gedeihen, die in die
Aufklärung
mündete.
Der Preis für die Bindung aller Lebensbereich an die Religion im
Osmanischen Reich war deshalb eine wachsende Rückständigkeit auf den
entscheidenden Gebieten von Militär, Technik, Wissenschaft und
Wirtschaft, die auf Dauer den Niedergang des Reiches entscheidend
herbeiführten.
Lernumgebung "Französische Revolution"
Aufklärung
Der Begriff der Moderne
Begriffsdefinition
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oben
14 - Die Türkenkriege als Wende
Mehmet IV. und sein Großwesir Kara Mustafa Pascha (1676-1683),
der die Fähigkeiten des Osmanischen Reiches völlig überschätzte,
folgten einem Ruf des ungarischen Adels (das nördliche Ungarn gehörte zu
Österreich), der sich gegen den österreichischen Kaiser Leopold I.
erhoben hatte, und belagerte 1683 Wien (Zweite Belagerung Wiens). Er sah
sich einer Allianz des österreichischen Kaisers Leopold I. mit König
Johann III. Sobieski von Polen gegenüber, die von Papst Innozenz XI.
unterstützt wurde. Das polnische Entsatzheer kamen den eingeschlossenen
Österreichern zu Hilfe und besiegten die Türken am Kahlenberg, die die
Flucht ergriffen. Der Sultan ließ Kara Mustafa erdrosseln. Von
nun an stießen die Österreicher nach Südosten vor und drängten die
Osmanen, die dauerhaft in die Defensive gerieten, ständig zurück. 1699
im Frieden von Karlowitz erwirbt Österreich ganz Ungarn sowie
Siebenbürgen, 1718 im Frieden von Passarowitz ds Banat, Nordserbien und
die kleine Walachei, die beiden letzteren gehen aber im Frieden von
Belgrad wieder verloren. Österreich bleibt trotzdem Großmacht. Große
Feldherren auf österreichischer Seite sind Maximilian II. Emanuel von
Bayern und der berühmte Ludwig von Baden, genannt
"Türkenlouis"
sowie
Prinz Eugen von Savoyen (1663 - 1736), der
Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres.
Nach
oben
15
- Hauptsächliche Quellen für den Basiswissen- Artikel

Bassam Tibi: Kreuzzug und Djihad - Der Islam und die christliche Welt,
Kapitel IV, München, Taschenbuchausgabe Dezember 2001
buecher.de

Osmanisches Reich
Seite von Uwe Becker
Inhaltlich sehr gut, aber leider extrem viele Fehler in Rechtschreibung
und Zeichensetzung, ohne Not auch solche, die sogar ein simples
Rechtschreibprüfungsprogramm erkennt.
Josef Matuz: Das Osmanische Reich - Grundlinien seiner Geschichte,
Darmstadt, 1990
buecher.de
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|

Sultan Mehmet II.
Ausschnitt aus einem 1000 Lira Schein der türkischen Republik
Ganzen Geldschein
ansehen.
Im Hintergrund die Altstadt von Stambul.
Das Bildnis stammt von:

Gentile Bellini: Sultan Mehmet II.
Öl auf Leinwand, 1480
de.wikipedia.org

Moschee Sultan Süleymans des
Prächtigen. Architekt: Sinan
900
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Hagia Sophia, 6. Jh. - Vorbild für die osmanischen Sultansmoscheen.
Die Minarette wurden nachträglich von Sinan hinzugefügt.
900
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Hagia Sophia Inneres: Heute Museum, davor Umwandlung der Kirche in eine
Moschee, wie heute noch erkennbar
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Moritz Gopon
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