Aufstieg und Krise des Osmanischen Reiches

Intern


Home


Zurück zum Geschichtszentrum
 

Kartenraum


Aufstieg und Fall des Osmanischen Reiches - Ottoman Empire 1300 - 1922
Interaktive Karte
Encyclopaedia of the Orient
lexicorient.com


Das Byzantinische Reich kurz vor dem Fall im Jahr 1453
upload.wikimedia.org


Karten Türkenkriege
PDF-Datei
V.a. Schlachten
tuerkenbeute.de


Österreichische Militärgrenze 1600 - 1800 
4international.files.wordpress.com/


Europa 1792
emersonkent.com


Österreich im 18. Jh.
hipkiss.org

Nach oben


Biografien


Biografien
Osmanische Herrscher und andere Persönlichkeiten im Zusammenhang mit der osmanischen Geschichte
tuerkenbeute.de


Die Sultane 1
Von Gazi (noch kein Sultan) Osman (geb. 1258) bis Osman III. (gest. 1757). 
Mit Bildern und Quellenmaterial
Von Uwe Becker
osmanischesreich.com


Die Sultane 2
Von Murad III. bis Selim II. (gest. 1574). 
Mit Bildern und Quellenmaterial
Von Uwe Becker
osmanischesreich.com


Die Sultane 3
Von Mustafa III. (gest. 1774) bis Mehmed VI (Vahideddin)  (reg. bis 1922) und dem letzten Kalifen Abdülmecid II (-1924). 
Mit Bildern und Quellenmaterial
Von Uwe Becker
osmanischesreich.com


Der Türkenlouis
tuerkenbeute.de


Prinz Eugen von Savoyen
aeiou.at

Nach oben


Impressum


Impressum

Das Geschichtszentrum ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich.

Nach oben

Inhalt

Arbeitsmittel

Roter Kasten
Fragestellungen zum Thema

Basiswissen
1. Die Herkunft der Türken
2. Die Bildung von türkischen Reichen
3. Die zweite türkische Migrationswelle, Mongoleneinfall, türkische Kleinherrschaften und Osman
4. Der Aufstieg des Osmanenreiches
5. Osmanische Wirtschaft
6. Millet - System
7. Der osmanische Staat

8. Die Ulema
9. Timar- System und orientalischer Feudalismus
10. Die osmanische Armee
11. osmanli (Oberschicht) und raya (Untertanen)

12 - Die Krise

13 - Tiefer reichende Ursachen für den militärischen, technologischen und wirtschaftlichen Rückfall hinter den Westen
14 - Die Türkenkriege als Wende
15 - Hauptsächliche Quellen für den Basiswissen- Artikel

Linke Spalte
Kartenraum  
Biografien
Impressum

Rechte Spalte
Arbeitsmittel
Thematisch verwandte Seiten  

Osmanenreich: Geschichte ausführlicher
Krieg und Militär
Kunst, Kultur, Alltag
Recht
Buchtipp

Nach oben

 
Fragestellungen zum Thema  
  • Einführende Aufgabe: Herkunft der Türken und vorosmanische Reiche (Basiswissen 1-3)
  • Europa und Osmanenreich im Vergleich (Basiswissen 4-12):
    - Lehenswesen / Feudalsystem
    - Soziale Gliederung
    - Staat und Religion
    - Religiöse Toleranz
    - Wirtschaft
    - Militär
  • Ursachen für den Rückfall hinter den Westen (Basiswissen 13)
  • Ergebnis: Türkenkriege als Wende (Basiswissen 13)

Basiswissen:

1. Die Herkunft der Türken

Neben Arabern und Persern wurden die Türken das dritte große Volk im Islam.
Die ursprüngliche Heimat der Türken lag in Zentralasien an der Grenze zu China. Sie lebten dort als primitive Nomaden und praktizierten zunächst verschiedene Formen des Schamanismus. In einer ersten Migrationswelle (Wanderungswelle) zogen sie seit dem 9. Jahrhundert nach Westen und betraten dabei das Gebiet des Abbasidenkalifats von Bagdad, wobei sie Beutezüge unternahmen und plünderten. Im Laufe desselben Jahrhunderts nahmen die meisten Turkstämme den Islam an. 

Nach oben

2. Die Bildung von türkischen Reichen

Die Abbasidenkalifen rekrutierten Türken für ihr Heer und umgaben sich mit einer türkischen Garde. Ende des 9. Jahrhunderts lagen die meisten militärischen Kommandostellen und viele politische Ämter in türkischer Hand. Diese entmachteten in der Folge den Kalifen von Bagdad und reduzierten ihn auf ein geistliches Oberhaupt der Umma (Gemeinschaft aller muslimischen Gläubigen), der als Kalif 1058 den seldschukisch-türkischen Warlord Togril-Beg als "Sultan der westlichen und östlichen Welt" anerkennen und diesem Gehorsam leisten musste: Das Reich der Großseldschuken war entstanden. Die Seldschuken- Sultane eroberten bereits 1071 Jerusalem von den ägyptischen Fatimiden. 

Parallel dazu entstand im Inneren Kleinasiens auf ehemals byzantinischem Gebiet nach der Schlacht von Mantzikert 1071 ein weiteres Seldschukenreich, das Sultanat von Rum (Sultanat von Ikonion/ Konya), gegen das die Byzantiner Hilfe aus dem Westen herbeiriefen und so ungewollt die Kreuzüge einleiteten.

Nach oben

3. Die zweite türkische Migrationswelle, Mongoleneinfall, türkische Kleinherrschaften und Osman 

Inzwischen - seit dem 11. Jahrhundert - wanderte eine zweite Welle türkischer Migranten aus Zentralasien nach Westen, die noch nicht, so wie ihre Vorgänger, seßhaft georden war. Diese konnten nicht integriert werden, galten als räubersch und wurden sowohl dem abbasidische- arabischen Kalifen, den Seldschuken als auch Kreuzfahrern und Byzantinern gefährlich. 

Der Mongoleneinfall in Vorderasien blieb dagegen Episode. Die Mongolen eroberten 1243 Konya und bereiteten der Seldschukenherrschaft ein Ende. 1258 eroberten und zerstörten sie Bagdad, was auch das Ende des Abbasiden- Kalifats bedeutete. Da sie aber keine dauerhafte Herrschaft errichteten, andererseits dasSeldschubenreich zerstört hatten, bildeten sich in Asien eine Reihe von kleinen Herrschaften unter mongolisch- und turkstämmigen Warlords, die "Gazi" (Eroberer) hießen. Einer von ihnen im Nordwesten Kleinasiens war Osman (gest. 1324), der ein einfacher Emir und kein Sultan war. Seine Nachfolger erhoben ihn nachträglich zum Begründer des nach ihm benannten Osmanenreiches, das einen Eroberungskrieg gegen das spätbyzantinische Reich führte. Seine eingewanderten Steppenkrieger besaßen aber keinen intensiven Kontakt mit der arabischen und mitelmeerischen Kultur.

Nach oben

4. Der Aufstieg des Osmanenreiches

Nach Osmans Tod 1324 erobert sein Sohn Orhan (1324 - 1362) Bursa. 1330 überquerte er die Dardanellen. Murad I. (1359 - 1389) erobert 1361 Adrianopel (Edirne) und macht es zu seiner neuen Hauptstadt. 1389 besiegt er die Serben auf dem Amselfeld, verliert dabei aber das Leben. Die Osmanen haben sich nun aber endgültig auf dem Balkan festgesetzt. 

1453 erobert Mehmed II. (Mehmed Fatih = der Eroberer, 1451 - 1481) Konstantinopel und begründet jetzt erst eigentlich ein imperiales Großreich. Er nimmt den Sultanstitel an, Konstantinopel / Istanbul wird nun Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Waren die bisherigen Kriege der Osmanen nur Unternehmungen in der Tradition vorislamischer Beute- und Eroberungskriege (Gaza), geführt von "Gazi" (Leute, die Gaza betrieben), so betreiben Mehmed Fatih und seine Nachfolger nun "Djihad" im Sinne heiliger Kriege zur Ausbreitung des Islam. Dies bedeutete eine neue Legitimation für die militärischen Unternehmungen und eine Wiederaufnahme arabischer Traditionen des Djihad gegen Europa (vgl. Ummayaden!). Wer Djihad betreibt und dabei Eroberungen macht, ist nicht mehr einfach "Gazi", sondern "Fatih". 

Selim I. (1512 - 1520) wird nach der Eroberung Ägyptens (Ende der dortigen Mamlukenherrschaft) der erste osmanische Kalif und Beschützer der Heiligtümer von Mekka und Medina. Konstantinopel wurde Sitz des Kalifats und damit Zentrum der islamischen Welt. Daneben existierte aber noch das islamisch- schiitische Reich der Safawiden in Persien, das sich dem osmanischen Machtanspruch nicht unterwarf, die daraufhin die Perser des Unglaubens bezichtigten und bekämpften.

Den Höhepunkt erreicht das Reich unter Süleyman dem Prächtigen (1520 - 1566), der 1521 Belgrad einnimmt, 1522 die Johanniter aus Rhodos vertreibt (Übersiedlung der Johanniter nach Malta), 1526 nach der Schlacht von Mohacs Ungarn erobert und 1529 Wien belagert (Erste Belagerung Wiens; Angst vor den Türken!). In Nordafrika reicht sein Reich bis nach Algerien, im Osten grenzte es an Persien und umfasste das Nordufer des Schwarzen Meeres. Er verfügt im Mittelmeer über eine mächtige Flotte, die diese Meer zu einem türkischen Gewässer zu machen versuchte. In die osmanische Geschichte geht er als großer Gesetzgeber (Kanuni) ein. 

Nach oben

5. Osmanische Wirtschaft

Als Eroberer waren die Osmanen nur an der Beute interessiert, nicht an der wirtschaftlichen Weiterentwicklung der von ihnen eroberten Gebiete. Handel und Gewerbe blieben daher in der Hand von europäischen Kaufleuten und nicht- muslimischen und ethnischen Minderheiten wie Griechen, Armeniern und Juden. Es gab also eine ethnische- religiöse Arbeitsteilung im Reich.

Nach oben

6. Millet - System

Eine "Millet" im Osmanischen Reich war eine christliche oder jüdische Religionsgemeinschaft mit Minderheitenstatus. Juden und Christen galten als Schutzbefohlene (dhimmi) gemäß Koran Sure 9, Vers 29, weil sie die islamische Herrschaft anerkannten, aber Waffen durften sie nicht tragen. Das hieß praktisch: Angehörige einer Millet mussten nicht an den Kriegen teilnehmen, was ihnen die Ausübung von Handel und Gewerbe im Unterschied zu den Muslimen, die ständig für Kriege bereit stehen mussten, erleichterte. Als Gegenleistung für die Befreiung vom Militärdienst mussten Millet- Angehörige eine Kopfsteuer (Cizye) bezahlen. 

Die Millet besaßen das Recht auf Selbstverwaltung und Rechtsprechung unter die Leitung religiöser Oberhäupter. Sie durften ihre Religion frei ausüben, aber wirksamer Rechtsschutz für ihr Eigentum existierte ebenso wenig wie für die Muslime selbst. Der Boden gehörte formal dem Staat.

Nach oben

7. Der osmanische Staat

Der Sultan stand als absoluter Herrscher an der Spitze des osmanischen Staats. Seit Mehmed II. (1451- 1481) wurde gesetzlich festgelegt, dass beim Regierungsantritt des neuen Herrschers dessen zahlreich Brüder (Polygamie!) ermordet wurden, um Thronstreitigkeiten zu verhindern. Seit dem 17. Jh. sollte der jeweils älteste lebende Osmanenprinz Herrscher werden. Regierungssitz war das Topkapi Saray. Dem Sultan standen der Staatsrat (Diwan) und die Wesire beratend zur Seite. Der Großwesir war der Vertreter des Sultans. Die Residenz des Großwesirs (seit dem 17. Jahrhundert)  hieß "bab-i ali" bzw. "Hohe Pforte", ein Begriff, mit dem man dann die osmanische Regierung benannte. Die Staatsverwaltung bestand aus einem umfangreichen Beamtenapparat., die meisten Beamten waren in der Provinzialverwaltung tätig. 

Die vom Osmanischen Reich abhängigen Vasallenstaaten zahlten meist Tribut,  leisteten Heeresfolge, wurden aber von einheimischen Herrschern regiert. 

Das Rechtssystem beruhte auf dem Religionsgesetz der Scharia. Weltliche Gesetze (kanun), z.B. auf militärischem Gebiet oder auf dem Gebiet des Finanzwesens, erließ der Sultan.

Nach oben

8. Die Ulema

Die Ulema, die islamischen Gelehrten mit theologisch-juristischer Ausbildung, achteten auf die Einhaltung der Scharia. Die vom Sultan ernannten Muftis unter ihnen waren berechtigt, auf der Basis des Religionsgesetzes Rechtsgutachten (fetwa) auszustellen, die für die Gerichte maßgebend waren. Jedenfalls hatten die Ulema eine unanfechtbare Stellung, weil sie allein die Autorität hatten, den Koran bindend auszulegen und ihn in die gerichtliche Praxis eingehen zu lassen. Außerdem besaßen sie ein Bildungsmonopol. Von der Religion unabhängige weltliche Bildung, wie sie in Europa sich seit den Zeiten von Humanismus und renaissance und v.a. seit der Aufklärung  durchzusetzen begann, gab es im Osmanenreich nicht.

Der oberste Mufti war der Scheich-ül-Islam, er stand in der Theorie sogar über dem Sultan. 

Während das Eigentum im Osmanischen Reich stets willkürlichem staatlichem Zugriff ausgesetzt war, überließen viele Feudalherren einen Teil ihrer Einkünfte auf unbestimmte Zeit (oder sie vermachten es) den von den Ulema geleiteten Stiftungen (Evkaf, arabisch: Vaqf), weil der Staat auf diese nicht zugreifen durfte, so dass ihr Eigentum dort geschützt war. Die so erwirtschafteten Mittel gehörten den Ulema, was deren wirtschaftlichen und politischen Einfluss stärkte. Selbst der Sultan fürchtete ihre Macht. 

Die Ulema  waren enge Verbündete der Janitscharen. Beide zusammen bildeten feste Bastionen gegen die im 19. Jahrhundert notgedrungen einsetzenden an Europa orientierten Reformen im Reich.

Nach oben

9. Timar- System und orientalischer Feudalismus

"Seit der Herrschaft Mehmets II. (reg. 1451-1481) unterschied man im Osmanischen Reich drei Arten von Grundeigentum: Staatsbesitz (arz-i miri), Stiftungsbesitz (vakf) und Privatbesitz (mülk). Private Ländereien gab es im osmanischen Staat kaum. Nur Gärten, gewerblich genutzte Flächen und Gebäude oder auch Wohnhäuser durften in Privat- bzw. Stiftungseigentum sein. (...)  Ca. 85-90 % des Landes oblag der Verfügungsgewalt von Staat und Sultan. Zum staatlichen Grund und Boden zählten die großherrlichen Staatsdomänen (has-i hümayun), aus denen die Hofhaltung des Sultans finanziert wurde. Der Großteil der Ländereien jedoch wurde vom Staat innerhalb eines Systems von Landzuweisungen, dem sog. Timar-System, als Pfründe vergeben." ( Quelle: Tuerkenbeute.de)

Beim Timar-System handelt es sich um ein System des "orientalischen Feudalismus" oder eine Form des Lehenswesens, das sich vom im christlichen Europa üblichen Lehenswesen unterschied (vgl. hier). Im Osmanischen Reich erhielt ein Beamter oder Militär für seine Dienste Land vom Staat, das aber nicht - wie in vielen Teilen Europas üblich - in dessen Eigentum überging, sondern das dieser nur nutzte, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Dafür verpachtete er das Land an Bauern weiter. Der Timar- Inhaber (Timariot) trat also lediglich als Vertreter des Staates auf. Im Unterschied zu Europa lebte er nicht auf dem Lande auf einer Burg, sondern in der Stadt. Sein Bestreben war nicht, das Land zu verbessern oder den Bauern zu helfen, sondern möglichst viel aus ihnen heraus zu pressen. So wurde in den eroberten Gebieten ein rücksichtsloser Raubbau betrieben. Die meisten Timare gingen an die Sipahis (Lehensritter).

Je mehr Boden der Sultan eroberte, desto mehr Soldaten und Beamte konnte er unterhalten. Der Krieg nährte sich auf diese Weise selbst.

Nach oben

10. Die osmanische Armee

Die Sipahi bildeten die berittenen Kerntruppen des osmanischen Heeres, die berühmtesten Einheiten waren aber die von Murad I. (1360 - 1389) aufgestellten Janitscharen (Yeni Ceri), eine der Pforte direkt unterstellte stehende Infanterietruppe. Die Janitscharen stammten aus christlichen Familien aus Serbien, Albanien, Bosnien, Bulgarien und Griechenland, denen die Kinder im Alter von 12 - 16 Jahren weggenommen wurden ("Knabenlese, türk. devschirme). Auch Tscherkessen waren betroffen. Man erzog die Jungen im Janitscharenkorps oder in der Palastschule und machte aus ihnen fanatische Muslime.  Die Besten wurden in die Zentralverwaltung bis hinauf zum Großwesir übernommen. Diese Art der Aushebung wurde aber 1648 eingestellt.

Nach oben

11. osmanli (Oberschicht) und raya (Untertanen)

Die über die Knabenlese Ausgehobenen bildeten einen Teil der herrschenden Schicht im Osmanischen Reich, der "osmanli". Diese setzte sich zusammen aus Regierungsmitgliedern, der Beamtenschaft (siehe Der osmanische Staat), den Religions- und Rechtsgelehrten (siehe Ulema) sowie den Militärs (siehe Die osmanische Armee), wobei die ethnischen Türken auf Ausbildung und Schule, Rechtswesen, Religion und Reiterei beschränkt wurden. Die osmanli waren also nicht mit den Türken gleichzusetzen - es handelte sich um einen Vielvölkerstaat -, sondern rekrutierten sich aus verschiedenen Völkerschaften des Reiches. Entscheidend waren Leistung und Loyalität gegenüber dem Herrscher, nicht Nationalität oder - wie im christlichen Europa -  familiäre Herkunft (Geburtsadel). Sie waren im Unterschied zu den Untertanen (raya = Herde) von der Steuerzahlung befreit. Die Untertanen bestanden hauptsächlich aus Bauern (85% der Bevölkerung), aber auch aus Handwerkern, Händlern und Kaufleuten, die in Zünften organisiert waren.

Osmanisch war die von den osmanli gesprochene Amtssprache, die zwar den türkischen Satzbau beibehielt, aber sehr stark mit Wörtern persischer und arabischer durchsetzt war, so dass man von einer "Mischsprache" sprechen kann.

Nach oben

12. Die Krise

Solange die Expansion erfolgreich war, funktionierte das System, aber als die Europäer waffentechnisch und taktisch einen militärisch en Vorsprung erlangten und den türkischen Vormarsch stoppen konnten, geriet das Reich im 17. Jahrhundert offensichtlich in die Krise.

Nach oben

12a Verfall des Timar- Systems und militärische Schwächung

Das Timar- System verfiel, da man einerseits den Kreis der Empfänger immer mehr erweiterte (der Staat hatte nicht mehr genügend Geldmittel), da man andererseits bei ausbleibenden Eroberungen die Timare immer mehr verkleinerte, so dass diese ihre Besitzer zuletzt nicht mehr ernähren konnten. So musste die Kavallerie nun besoldet, also mit Geld bezahlt werden, was die ohnehin strapazierten Staatsfinanzen erheblich belastete. Die Söldnertruppen waren aber längst nicht mehr so kampfkräftig wie die alten Sipahitruppen, und auch das Niveau der Ausbildung und die Disziplin der Janitscharen gingen zurück.

Nach oben

12b Wirtschaftliche Krise

Hand in Hand damit ging eine wirtschaftliche Krise. Eine Inflation stürzte den Staat in anhaltende Finanznot. Die Europäer verlagerten durch die Entdeckungen den Welthandelsschwerpunkt vom Mittelmeer auf den Atlantik und betrieben den lukrativen Gewürzhandel ohne türkischen Zwischenhandel direkt zwischen Ostasien und Europa. Den Frühkapitalismus mit entwickeltem Bankwesen und  beginnender Massenproduktion kostengünstiger Güter, der sich in Westeuropa entwickelte, ignorierte man, ebenso den Merkantilismus. So kam es zu erheblichen Steuer- und Zollausfällen. Sondersteuern sollten gegensteuern, beschleunigten aber die Inflation.

Zuletzt kam es zu Massenarmut, damit verbundener Landflucht und Bandenbildung, insbesondere in Anatolien.

Der See- (Ausnahme innerosmanischer Seehandel) und Außenhandel verblieb in europäischen Händen. 

Dies ging mit sogenannten "Kapitulationen" (Kapitelweise abgefassten Verträgen) einher. Die erste Kapitulation wurde 1536 von Sultan Süleyman dem Prächtigen an Frankreich ausgestellt, um den Außenhandel des Reiches anzuregen. Sie enthielt z.B. folgende Zusagen, die nachher auch an andere europäische Mächte vergeben wurden: freie Schifffahrt und freier Handel zwischen den Untertanen beider Reiche. Uneingeschränkte Gerichtsbarkeit französischer Konsuln über französische Staatsbürger auf osmanischem Boden (Strafrecht, Privat-, insbesondere Handelsrecht).

Josef Matuz urteilt:

"Der osmanische Staat kannte nur das fiskalpolitische (steuerpolitische) Konzept der Abschöpfung, nicht aber die Förderung von Handel und Handwerk. So wurden etwa keine Schutzzölle und Einfuhrbeschränkungen zum Schutz der Produktion im eigenen Land verfügt, von den noch weiter entwickelten wirtschaftspolitischen Instrumenten wie Investitionsanreizen und Export- Prämien ganz zu schweigen. Im Gegenteil, aufgrund der Kapitulationen, die - ursprünglich ein Instrument zur Belebung des Außenhandels - im Laufe der Zeit zu einer schweren Belastung für die osmanische Wirtschaft geworden waren, genossen die europäischen Kaufleute im osmanischen Gebiet weitgehende Privilegien. Sie hatten Wettbewerbsvorteile gegenüber ihren osmanischen Konkurrenten, die zudem noch den restriktiven Zunftbestimmungen unterlagen und deren Vermögen - Im Gegensatz zu dem der Europäer - jederzeit beschlagnahmt werden konnte. So wurde das Osmanenreich zunehmend zu einem Absatzmarkt für europäische Produkte und zu einem Rohstofflieferanten für die weiter entwickelten europäischen Staaten. dies konnte nur aufgrund der Stagnation der osmanischen Produktivkräfte eintreten. Der permanente, ja sich verschärfende Zustand der Unterentwicklung der osmanischen (...) Wirtschaft ist in vielerlei Hinsicht primär auf innere Gründe zurückzuführen und wurde nicht allein und nicht in erster Linie von außen her verursacht. Sie ist nicht ausschließlich der - erst sekundären - wirtschaftlichen Durchdringung durch die Europäer und dem von ihnen benutzten politischen Instrument der Kapitulationen zuzuschreiben. Damit soll nicht behauptet werden, dass die begünstigte Lage des europäischen Handels auf osmanischem Territorium und insbesondere die manufakturellen, später industriellen Billigwaren die eigenständige osmanische Entwicklung nicht gehemmt hätten."
( Matuz, S. 207f.)


Lernumgebung "Entdeckungen und Kolonialreiche"


Lernumgebung "Frühkapitalismus und Verlagswesen"


Interaktiv "Merkantilismus"


Lernumgebung "Industrialisierung"

Nach oben

12c Verfall der Staatsverwaltung

Schon Süleyman der Prächtige stand stark unter dem Einfluss der Haremsdame Roxane. Nach ihm zogen sich die Sultane immer mehr in den Harem zurück und erhielten keine Ausbildung mehr, die sie befähigt hätte, das Großreich angemessen zu führen. Parallel dazu erhielten die Haremsdamen immer mehr Einfluss auf die Politik, insbesondere die jeweilige Sultansmutter. Der Harem begann mit den Wesiren zu konkurrieren, die immer kürzere Amtszeiten hatten. Man spricht in der türkischen Geschichtsschreibung von der "Weiberherrschaft". 

Als der jeweils älteste Prinz Sultan werden konnte, ermordete er seine Brüder und Halbbrüder zwar nicht mehr, sperrte sie aber in sogenannte Prinzenkäfige, was deren Regierungsfähigkeit auch nicht stärkte.

Im Staat drang mit der Abschaffung der Knabenlese (siehe Die osmanische Armee) immer mehr der Ämterkauf durch, selbst für höchste Posten, ungeeignete Amtsinhaber waren durchaus der Normalfall, viele ließen sich vertreten. Dazu grassierten Korruption, Amtsmissbrauch und Nepotismus. Die Köprüli- Wesire - Köprülü Mehmet Pascha (1676-1683) und sein Sohn Köprülü Fazıl Ahmet (1661-1676) - konnten das Blatt trotz Reformen nicht wenden.

Nach oben

13 - Tiefer reichende Ursachen für den militärischen, technologischen und wirtschaftlichen Rückfall hinter den Westen

In Westeuropa setzte mit Humanismus und Renaissance ein Aufschwung von Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Kunst ein. Auch auf dem Gebiet des Militärwesens gab es entscheidende Fortschritte. Es handelte sich um einen Aufschwung des Bürgertums, der mit einer Stärkung des Rationalismus verbunden war, der von der Kirche nicht aufgehalten werden konnte und im 17. und 18. Jahrhundert in die Aufklärung mündete. Diese war das Tor zur Moderne, zur heutigen säkularen Welt. 

Wie kam es dazu, dass das Osmanische Reich dahinter zurückfiel, alle diese Entwicklungen ignorierte und so seit den Türkenkriegen in die Defensive geriet? Neben den oben genannten Gründen gab es tiefer reichende Ursachen. 

Zum einen nahmen die Osmanen ihren Rückfall zunächst noch nicht in seiner ganzen Tragweite wahr, und als dann ein Rückschlag nach dem anderen kam, wirkte die Erkenntnis umso schockierender.

Zum anderen glaubte man lange, von "Ungläubigen" nichts lernen zu können. 

Entscheidender aber war und ist bis heute, dass der islamische Rationalismus als zentrale Voraussetzung für Wissenschaft, Technik und einen erfinderischen, weltzugewandten Geist kreativer Individuen schon im 13. Jahrhundert von der islamischen "Rechtgläubigkeit" abgewürgt worden war und seither nicht mehr auferstanden war. Dagegen wurde Westeuropa von islamischen Rationalisten (Avicenna, usw.), die ihrerseits die Philosophie der alten Griechen (Aristoteles) verarbeitet hatten, angeregt und nahm diese Anregungen erfolgreich an.


Faszination Islam: Der islamische Rationalismus

Es gab und gibt bis heute keine aufgeklärte säkulare Kultur im islamischen Bereich, die die Massen von Grund auf kulturell erfasst und geprägt hätte. Da Wissenschaft auf Wissen und nicht auf Glauben zielt, gibt es immer eine Spannung oder gar einen Konflikt zwischen beiden Bereichen. 

Auch in Westeuropa gab es einen Kampf zwischen Theologie einerseits und Philosophie / Wissenschaft andererseits, weil auch dort die Wissenschaft religiösen Dogmen und Praktiken den Boden entzog und letztlich die Vorherrschaft der Kirchen beendete. Die Freiheit der Wissenschaft musste dort erst erkämpft werden, Wissenschaftler litten unter der Verfolgung durch die Kirchen, wie etwa Giordano Bruno oder Michael Servet erfahren mussten, die mit dem Leben zahlen mussten. Auch verzichteten die Kirchen nicht kampflos auf Macht und Einfluss, vgl. Französische Revolution.  

Aber im Unterschied zum Osmanischen Reich, wo die Ulema über die Anwendung der Scharia und die Einhaltung der Vorschriften des Koran und der religiösen Tradition wachten, konnte in Westeuropa eine von der Religion unabhängige Philosophie, Wissenschaft und Geisteshaltung gedeihen, die in die Aufklärung mündete. 

Der Preis für die Bindung aller Lebensbereich an die Religion im Osmanischen Reich war deshalb eine wachsende Rückständigkeit auf den entscheidenden Gebieten von Militär, Technik, Wissenschaft und Wirtschaft, die auf Dauer den Niedergang des Reiches entscheidend herbeiführten.


Lernumgebung "Französische Revolution"


Aufklärung


Der Begriff der Moderne
Begriffsdefinition


Nach oben

14 - Die Türkenkriege als Wende

Mehmet IV. und sein Großwesir Kara Mustafa Pascha (1676-1683), der die Fähigkeiten des Osmanischen Reiches völlig überschätzte, folgten einem Ruf des ungarischen Adels (das nördliche Ungarn gehörte zu Österreich), der sich gegen den österreichischen Kaiser Leopold I. erhoben hatte, und belagerte 1683 Wien (Zweite Belagerung Wiens). Er sah sich einer Allianz des österreichischen Kaisers Leopold I. mit König Johann III. Sobieski von Polen gegenüber, die von Papst Innozenz XI. unterstützt wurde. Das polnische Entsatzheer kamen den eingeschlossenen Österreichern zu Hilfe und besiegten die Türken am Kahlenberg, die die Flucht ergriffen. Der Sultan ließ Kara Mustafa erdrosseln.

Von nun an stießen die Österreicher nach Südosten vor und drängten die Osmanen, die dauerhaft in die Defensive gerieten, ständig zurück. 1699 im Frieden von Karlowitz erwirbt Österreich ganz Ungarn sowie Siebenbürgen, 1718 im Frieden von Passarowitz ds Banat, Nordserbien und die kleine Walachei,  die beiden letzteren gehen aber im Frieden von Belgrad wieder verloren. Österreich bleibt trotzdem Großmacht. Große Feldherren auf österreichischer Seite sind Maximilian II. Emanuel von Bayern und der berühmte Ludwig von Baden, genannt "Türkenlouis" sowie Prinz Eugen von Savoyen (1663 - 1736), der Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres.

Nach oben


15 - Hauptsächliche Quellen für den Basiswissen- Artikel


Bassam Tibi: Kreuzzug und Djihad - Der Islam und die christliche Welt
, Kapitel IV, München, Taschenbuchausgabe Dezember 2001
buecher.de


Karlsruher Türkenbeute
Virtuelles Museum
tuerkenbeute.de


Osmanisches Reich
Seite von Uwe Becker
Inhaltlich sehr gut, aber leider extrem viele Fehler in Rechtschreibung und Zeichensetzung, ohne Not auch solche, die sogar ein simples Rechtschreibprüfungsprogramm erkennt. 


Josef Matuz: Das Osmanische Reich - Grundlinien seiner Geschichte, Darmstadt, 1990
buecher.de

Nach oben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Suchen


Ganze Website durchsuchen
mit WebSite-Search


Aktuelle Webseite durchsuchen


Google-Suche


YouTube


Arbeitsmittel


Sultan Mehmet II.
Ausschnitt aus einem 1000 Lira Schein der türkischen Republik
Ganzen Geldschein ansehen. Im Hintergrund die Altstadt von Stambul.


Das Bildnis stammt von:


Gentile Bellini: Sultan Mehmet II.
Öl auf Leinwand, 1480
de.wikipedia.org


Moschee Sultan Süleymans des Prächtigen. Architekt: Sinan

900 Pixel


Hagia Sophia, 6. Jh. - Vorbild für die osmanischen Sultansmoscheen. 
Die Minarette wurden nachträglich von Sinan hinzugefügt.

900 Pixel



Hagia Sophia Inneres: Heute Museum, davor Umwandlung der Kirche in eine Moschee, wie heute noch erkennbar

600 Pixel

Arbeitsmittel

Internet- Klassenzimmer 



Speichern, online zusammen arbeiten, Blog, Forum, Wiki, ...


Begriffe nachschlagen


Begriffe


Politische Begriffe nachschlagen
bpb.de


Artikel finden


Encarta


SPIEGEL Wissen
Wikipedia gleichzeitig abgefragt


Lexikon zur Wirtschaft
chancenfueralle.de


Wörterbücher


Wörterbuch.info
Wörter in vier Sprachen sowie Synonyme


Langenscheidt Fremdwörterbuch


Rechtschreibung


Duden


Geschichtsforen


Geschichtsforum.de 
Die Community für Geschichtsfans


Geschichteboard.de
Das Forum für Geschichte. Kostenlose Hilfen für Geschichte

Nach oben


Thematisch verwandte Seiten


Reformsultane und Ende des Osmanischen Reiches (19. Jh. - 1924)


Lernumgebung Habsburgisches Universalreich


Lernumgebung Reformation in Deutschland


Lernumgebung Absolutismus in Österreich und Russland

Nach oben


Osmanenreich: Geschichte ausführlicher


Das Osmanische Reich - Die Geburt einer Weltmacht
tuerkenbeute.de


Das Osmanische Reich - Ein Imperium im Niedergang
tuerkenbeute.de


Staatswesen und Verwaltung im Osmanischen Reich
tuerkenbeute.de


Osmanische Außenpolitik
tuerkenbeute.de


Wirtschaft und Handel bei den Osmanen
tuerkenbeute.de


Das Timar-System - Eigentum und Grundbesitz bei den Osmanen
tuerkenbeute.de


Die Eroberung Konstantinopels 1453
Moritz Gopon
homepage.ruhr-uni-bochum.de


Die Festung Konstantinopel
Moritz Gopon
homepage.ruhr-uni-bochum.de


Die erste Belagerung Wiens durch die Türken, 1529
wien-vienna.at


Die zweite Belagerung Wiens, 1683
wien-vienna.at


Der Türkenkrieg Mehmets IV. gegen Leopold I. Ende des 17. Jh. (1683-1699)
tuerkenbeute.de

Nach oben


Krieg und Militär


Das türkische und kaiserliche Heer zur Zeit der zweiten Belagerung Wiens durch die Türken
wien-vienna.at


Krieg
Heerwesen, Janitscharen, Ausrüstung der osmanischen Armee, Knabenlese
tuerkenbeute.de


Die osmanische Armee
Von Uwe Becker
osmanischesreich.com


Das osmanische Heerwesen 1
Von Uwe Becker
osmanischesreich.com


Das osmanische Heerwesen 2
Von Uwe Becker
osmanischesreich.com


Janitscharen
Von Uwe Becker
osmanischesreich.com


Die osmanische Marine
Von Uwe Becker
osmanischesreich.com


Seeschlachten
Von Uwe Becker
osmanischesreich.com

Nach oben


Kunst, Kultur, Alltag


Lebenswelten
Der Islam - Weltreligion Muhammads;
Die osmanische Gesellschaft;
Das Topkapi Serail - Der Palast des Großherrn;
Frauen im Osmanischen Reich;
Kleidung und Tracht bei den Osmanen;
Die Tischkultur der Osmanen;
Osmanische Zelte - Mobilität und Repräsentation
tuerkenbeute.de


Kunst und Handwerk
Der osmanische Kunststil;
Osmanische Miniaturmalerei;
Kalligrafie - Die Kunst des schönen Schreibens;
Die Tuğra - Das großherrliche Zeichen;
Die Damaszierung - Ein Verfahren der osmanischen Metallkunst;
Osmanische Metallkunst - Gold- und Kunstschmiedarbeiten;
Die Musik der Osmanen;
Die Literatur der Osmanen;
Das osmanische Schattentheater "Karagöz"
tuerkenbeute.de


Europa & die Osmanen
Das Türkenbild in der Kunst EuropasK;
Turquerie, Turkomanie, "alla turca" - Die Türkenmoden Europas;
Tulpe und Kaffee - Neues aus dem Orient
tuerkenbeute.de

Nach oben


Recht


Scharià (Islamisches Recht)
de.wikipedia.org

 
Die Grundrechte (Artikel 1 - 19 GG)
Zum Vergleich
gesetze-im-internet.de


Artikel 20 GG
Staatsstrukturprinzipen, Widerstandsrecht
gesetze-im-internet.de

 
Artikel 79,3 GG
gesetze-im-internet.de


Neue Lösungen sieht das religiöse Recht des Islam nicht vor
Vorschriften der Scharia stammen aus der Zeit Mohammeds / Dominanz früherer Entscheidungen gilt als Modernisierungsbremse
Von Michael Lüders
fr-aktuell.de

Nach oben

Buchtipp


Bassam Tibi: Kreuzzug und Djihad - Der Islam und die christliche Welt

Nach oben