Die Auswirkungen der Französischen Revolution und der napoleonischen Herrschaft auf Deutschland; Befreiungskriege
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Mitteleuropa um 1789
de.academic.ru


Der Rheinbund 1806
de.wikipedia.org


Territoriale Entwicklungen in Südwestdeutschland von 1789 bis 1806
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Quellen


Vier verschiedene Definitionen von "Nation" und "Vaterland"
aus Quellen des 19. Jahrhunderts
lwl.org


Judenemanzipation: Quellen des 18. und 19, Jahrhunderts
lwl.org


Die Rigaer Denkschrift des Reformers Hardenberg 1807
lwl.org


An mein Volk 1813
Friedrich Wilhelm von Preußen über das Offensiv- und Defensivbündnis mit Russland
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Inhalt:

Arbeitsmittel

Basiswissen
Basiswissen
mit einführendem Video

1 - Französische Besatzung
2 - Neue Leitideen Nationalismus, Liberalismus und Konservatismus
2a - Nationalismus

Quellen zum Nationalismus:


2b - Liberalismus

2c - Konservatismus


3 - Territoriale Folgen der napoleonischen Herrschaft für Deutschland

4 - Reformen in Deutschland
4a - Verfassungen in einigen deutschen Einzelstaaten
4b - Preußische Reformen
4c - Code Napoleon
5 - Befreiungskriege 1813 - 1815

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Quellen  
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Basiswissen:


Supermacht Preußen
Bei Weiterleitung in die ZDF Mediathek bitte Suchbegriff "Supermacht Preußen" eingeben



Intro
Ab 01:34 min Burg Hohenzollern, Friedrich der Große
Ab 12:52 min Preußen unter Napoleon. Befreiungskriege
Ab 20:46 Revolution von 1848
Ab 25:53 Deutsche Einigung und Gründung des Kaiserreichs
Ab 31:32 Kaiserreich
Ab 36:02 Erster Weltkrieg und Ende der Hohenzollern

zdf.de

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1 - Französische Besatzung



Die Franzosen in Berlin nach 1806
Eine preußische Oberhofmeisterin notiert Ereignisse aus der Zeit der französischen Besatzung in Berlin
schule-bw.de


Der Frieden von Tilsit 1807
Eine Quelleninterpretation
schule-bw.de

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2 - Neue Leitideen Nationalismus, Liberalismus und Konservatismus


Als Reaktion auf die Frz. Revolution und Napoleon entstehen in Europa die politischen Strömungen   "Nationalismus", "Liberalismus" und "Konservatismus", wobei sich der Liberalismus teils an der gemäßigten Phase der Frz. Revolution orientiert (Liberale im eigentlichen Sinne), teils an der radikalen Phase der Frz. Revolution (z.B. "Demokraten von 1848" in Deutschland). Der Konservatismus ist eine Gegenreaktion auf die Frz. Revolution.

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2a - Nationalismus


Vorbemerkung: Jede Nation braucht Nationalhelden. Hier 2 besonders bekannte deutsche sowie eine Ruhmes- und Ehrenhalle für deutsche Geistesgrößen:


Friedrich Schiller (1759 - 1805)
Gemälde von Ludovike Simanowiz, 1794
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Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

Gemälde von Joseph Karl Stieler, 1828
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Walhalla bei Donaustauf bei Regensburg
Innenansicht
Errichtet von König Ludwig I. von Bayern als Ruhmes- und Ehrenhalle für die deutschen Geistesgrößen
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Walhalla bei Donaustauf bei Regensburg
Ansicht von außen, nach dem Vorbild des Parthenontempels auf der Akropolis zu Athen
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Was ist eine Nation?

Eine Nation ist eine Gruppe mit gemeinsamer nationaler Identität. Das traditionelle Verständnis dieser Identität in Deutschland beruht auf gemeinsamer Geschichte, Kultur und Sprache. In der französischen Tradition ruht der historische Teil der nationalen Identität stark auf den liberalen Errungenschaften der Französischen Revolution.

Prinzipiell ist eine Bevölkerung von einer Nation zu unterscheiden, eine Bevölkerung bezeichnet nur eine Vielheit von Personen ohne gemeinsame Identität.

Was ist ein Nationalstaat und was ist seine Aufgabe?

Der Nationalismus erhebt den Ruf nach dem Nationalstaat, eine Bevölkerung dagegen braucht keinen Nationalstaat, sondern nur ein Territorium. Ein Nationalstaat dagegen ist ein
Staat auf der Grundlage der Nation. Er umfasst im Idealfall alle Mitglieder einer Nation und vertritt deren Interessen

Gerade die Geschlossenheit und Macht der französischen Nation zur Zeit der Französischen Revolution und noch mehr  Napoleons machte es möglich, dass Frankreich seine Vorherrschaft in Europa errichten, Besatzungen in anderen Ländern stationieren, Kriegsbeiträge einziehen, über fremde Truppen verfügen und territoriale Veränderungen in seinem Interesse auf Kosten anderer vornehmen konnte. Die Völker Europas und auch Deutschlands verlangten daher die Bildung von Nationalstaaten - soweit sie noch keine besaßen - um ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen zu können und ihre Interessen besser vertreten zu können. Nationale Schwäche bedeutete, dass andere über das eigene politische Schicksal bestimmten, und zwar in deren Interesse, nicht im Interesse der eigenen Nation.

Ausprägungen des Nationalismus

Ob eine Nation bzw. ein Nationalstaat sich demokratisch organisieren sollte, blieb im 19. und 20. Jahrhundert umkämpft. 

Der Nationalismus hat im Laufe der Zeit viele Ausprägungen erfahren, auch undemokratische, insbesondere wenn er wie im Nationalsozialismus rassisch begründet wurde und sich aggressiv gegen andere richtete. Bei den Nationalsozialisten gründete die Zugehörigkeit zur deutschen Nation auf der biologischen Zugehörigkeit zu der angeblich überlegenen sogenannten arischen Rasse. 

In der Form eines demokratischen Patriotismus ist der Nationalismus jedoch für den Nationalstaat und als Kitt für eine Gesellschaft unentbehrlich. Er beeinträchtigt die kultivierte Austragung von Interessengegensätzen im Rahmen demokratischer Verfahren nicht und ist nach außen offen, ohne andere Nationen in ihren Leistungen herabzusetzen.

Die Schwäche oder das Fehlen einer nationalen Identität führt unter den Bedingungen von Masseneinwanderung zu gesellschaftlicher Desintegration im Rahmen des Multikulturalismus.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung wird heute gerne das Konzept eines Verfassungspatriotismus betont, um gegenüber der gesellschaftlichen Desintegration in verschiedene Parallelgesellschaften im Zuge des Multikulturalismus wenigstens noch ein Minimum an Gemeinschaftsbewusstsein (gemeinsamer Identität) zu erhalten. Danach gilt das Bekenntnis zur Verfassung und allenfalls noch die Kenntnis der Sprache als ausreichend für die Mitgliedschaft in der Nation. Kritiker wenden ein, das sei zuwenig.

Folgen des Nationalismus im 19.Jahrhundert

In der logischen Folge führte der Nationalismus im 19. Jahrhundert zu einer Umwälzung der Landkarte, siehe unten Territoriale Folgen der napoleonischen Herrschaft für Deutschland.  Er richtete sich gegen eine Vielzahl kleiner Staaten, z.B. in Deutschland und Italien, ebenso gegen Vielvölkerstaaten wie das habsburgische Österreich, das Osmanische Reich und das zaristische Russland. Im Zeitalter des Nationalstaats, wie das 19. Jahrhundert auch genannt werden kann, gehen die multiethnischen bzw. multikulturellen Vielvölkerstaaten unter bis auf Russland, das im 20. Jahrhundert nur durch den brutalen Zwang einer kommunistischen Partei zusammengehalten werden kann. Künstlich geschaffene multiethnische oder multikulturelle Vielvölkerstaaten des 20. Jahrhunderts in Europa wie Jugoslawien oder die Tschechoslowakei scheiterten nach dem Zusammenbruch des Kommunismus noch in den 1990er Jahren.

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Quellen zum Nationalismus


Ein bedauernswürdiges Volk

Aus: Moser: Vom deutschen Nationalgeist, zitiert nach Friedrich Ludwig Jahn, S. 72

[...] So wie wir sind, sind wir schon Jahrhunderte hindurch ein Rätsel politischer Verfassung, ein Raub der Nachbarn, der Gegenstand ihrer Spöttereien, ausgezeichnet in der Geschichte der Welt, uneinig unter uns selbst, kraftlos durch unsere Trennungen, stark genug, uns selbst zu schaden, ohnmächtig, uns selbst zu retten, unempfindlich gegen die Ehre unseres Namens, gleichgültig gegen die Würde der Gesetze, [...] misstrauisch unter einander, unzusammenhängend in Grundsätzen, gewaltig in deren Ausführung, ein großes und gleichwohl verachtetes, ein in der Möglichkeit glückliches, in der Tat aber sehr bedauernswürdiges Volk.

(Sprachlich vorsichtig modernisiert.)

Aufgabe:

Erläutere diese Sätze Mosers.


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Zur Abhängigkeit herabgesunken

Aus: Johann Gottlieb Fichte: Reden an die deutsche Nation, Seite 31

Keine Nation, die in diesen Zustand der Abhängigkeit herabgesunken (ist), kann durch die gewöhnlichen und bisher gebrauchten Mittel sich aus demselben erheben. War ihr Widerstand fruchtlos, als sie noch im Besitze aller ihrer Kräfte war, was kann derselbe sodann fruchten, nachdem sie des größten Teils derselben beraubt ist? Was vorher hätte helfen können, nämlich wenn die Regierung derselben die Zügel kräftig und straff angehalten hätte, ist nun nicht mehr anwendbar, nachdem diese Zügel nur noch zum Scheine in ihrer Hand ruhen, und diese ihre Hand selbst durch eine fremde Hand gelenkt und geleitet wird. [...]

(Sprachlich vorsichtig modernisiert.)

Aufgaben:
  1. Erläutere diese Sätze Fichtes im Hinblick auf die Situation in Deutschland nach der preußischen Niederlage von Jena und Auerstätt 1806.

  2. Warum kann der Nationalismus seit dem Zeitalter Napoleons zu einer Massenbewegung werden? Beziehe zur Beantwortung auch den Text Mosers ein.

  3. Welche Aufgabe des Nationalstaats lässt sich aus den Aussagen von Jahn und Moser folgern?


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Vercingetorix oder Herrmann?

Aus: Friedrich Ludwig Jahn: Über Volkstum

Wodurch erlag Vercingetorix [Führer des gallischen Aufstands gegen Caesar] samt seinen Volksgenossen? Wodurch erstand Herrmann [Armin der Cherusker, vernichtete die Römischen Legionen 9 n.Chr. in der Schlacht im Teutoburger Wald, was zum Rückzug der Römer aus dem größten Teil der rechtsrheinischen Gebiete führte] immer glorreicher? Weil Vercingetorix und der Bundesrat der Gallier sich nicht über Aeduer, Sequaner, Averner usw. [gallische Einzelstämme] erhoben, Hermann aber nicht beim Cherusker [germanischer Stamm] stehen blieb, sondern bis zum Germanen vorschritt, was ein ganzes Volkstum gegen die Heeresflut der Römer in Wehrstand setzte.

(Sprachlich vorsichtig modernisiert.)

Aufgabe:

Was will Jahn uns mit diesen geschichtlichen Beispielen zeigen? Die Germanen galten damals übrigens als Deutsche.


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Erneuerung der Nation

Aus: Johann Gottlieb Fichte: Reden an die deutsche Nation, Seite 37

So ergibt sich denn also, dass das Rettungsmittel, dessen Anzeige ich versprochen, bestehe in der Bildung zu einem durchaus neuen, [... nationalen] Selbst und in der Erziehung der Nation, deren bisheriges Leben erloschen und Zugabe eines fremden Lebens geworden [ist], zu einem ganz neuen Leben. [...] Mit einem Wort: Eine gänzliche Veränderung des bisherigen Erziehungswesens ist es, was ich als das einzige Mittel, die deutsche Nation im Dasein zu erhalten, in Vorschlag bringe.

(Sprachlich vorsichtig modernisiert.)

Aufgaben:
  1. Erläutere Fichtes Ansatz für eine Erneuerung der Nation. Worin sieht er eine wichtige Ursache für den Niedergang Deutschlands nach den Niederlagen gegen Napoleon?

  2. Vergleiche auch die Preußischen Reformen!


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Sprache

Aus: Friedrich Ludwig Jahn: Deutsches Volkstum, S. 289

In seiner Muttersprache ehrt sich jedes Volk. In der Sprache Schatz ist die Urkunde seiner Bildungsgeschichte niedergelegt, hier waltet [...] `das Sinnliche, Geistliche, Sittliche. Ein Volk, das seine eigene Sprache verliert, gibt sein Stimmrecht in der Menschheit auf und ist zur stummen Rolle auf der Völkerbühne verwiesen. Mag es dann aller Welt Sprachen begreifen und übergelehrt bei Babels Turmbau zum Dolmetscher taugen: Es ist kein Volk mehr, nur ein [Ge]mengsel von Staatmenschen.`

(Sprachlich vorsichtig modernisiert.)

 
Aufgaben:
  1. Worin besteht für Jahn die Bedeutung der Sprache? 

  2. Diskutiert darüber.


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Geschichte

Aus: Friedrich Ludwig Jahn: Deutsches Volkstum, S. 173

Mit unserer Sprache sind wir lange schlecht umgegangen, schlechter noch mit unserer Geschichte. `Nichts ist mehr zu wünschen, als dass Deutschland gute Geschichtschreiber haben möge; sie allein können machen, dass sich die Ausländer mehr um uns bekümmern`, lautet Lichtenbergs Wunsch und Lehre. (Vermischte Schriften I, 250 ff.) Vaterländische Geschichte ist Tatenerhalterin des Volkes und Tatenentzünderein durch lebendiges Beispiel. Es wird Zeit, Verfügungen zu machen, dass nicht mit dem Deutschen Reich [= Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, aufgelöst 1806] die Deutsche Geschichte aussterbe und die Tatkraft des Volkes hinterher.

(Sprachlich vorsichtig modernisiert.)

Aufgaben:
  1. Worin besteht für Jahn die Bedeutung der Geschichte? 

  2. Diskutiert darüber.


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"Wehrlos, ehrlos!"

Aus: Friedrich Ludwig Jahn: Über Volkstum, S. 245

Erst wenn alle wehrbare Mannschaft durch Leibesübungen waffenfähig geworden ist, streitbar durch Waffenübungen, schlagfertig durch erneuerte Kriegsspiele und Immergerüstetsein, kriegskühn durch Vaterlandsliebe, kann ein solches Volk ein wehrhaftes heißen. "Wehrlos, ehrlos!" So sagten unsere Ahnen, und den Sinnspruch sollten wir in alle Landwehrbanner setzen.

(Sprachlich vorsichtig modernisiert.)

 

Aufgaben:

  1. Inwiefern passen diese Aussagen zu Jahns Auffassung vom Nationalstaat?  

  2. Diskutiere über diese Aussagen.


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Zweierlei Nationalismus

Aus: Heinrich Heine: Über Ludwig Börne, S. 227ff., Hamburg 1840. Der Text entstand kurz nach der Revolution von 1830.

Sonderbar! trotz ihrer Unwissenheit hatten die sogenannten Altdeutschen von der Deutschen Gelahrtheit [=Gelehrtheit] einen gewissen Pedantismus [=Pedanterie] geborgt, der ebenso widerwärtig wie lächerlich war. Mit welchem kleinseligen Silbenstechen und Auspünkteln diskutierten sie über die Kennzeichen deutscher Nationalität! Wo fängt der Germane an [Man hielt die Germanen bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts allgemein für Deutsche]? Wo hört er auf? Darf ein Deutscher Tabak rauchen? Nein, behauptete die Mehrheit. darf ein Deutscher Handschuhe tragen? Ja, jedoch von Büffelhaut. (Der schmutzige Maßmann [Kellner] wollte ganz sicher gehen und trug gar keine.) Aber Bier trinken darf ein Deutscher, und er soll es als echter Sohn Germanias; denn Tacitus [Römischer Geschichtsschreiber, schrieb unter anderem ein Buch "Germania"] spricht ganz bestimmt von deutscher Cerevisia [=Bier]. Im Bierkeller zu Göttingen musste ich einst bewundern, mit welcher Gründlichkeit meine altdeutschen Freunde die Proskriptionslisten [Listen mit politischen Gegnern, die während der römischen Bürgerkrieg verfolgt und getötet werden durften] anfertigten für den Tag, wo sie zur Herrschaft gelangen würden. wer nur im siebenten Glied von einem Franzosen, Juden oder Slawen abstammte, ward zum Exil verurteilt. Wer nur im mindesten etwas gegen Jahn ["Turnvater" Jahn, deutscher Nationalist] oder überhaupt gegen altdeutsche Lächerlichkeiten geschrieben hatte, konnte sich auf den Tod gefasst machen, und zwar auf den Tod durchs Beil, nicht durch die Guillotine, obgleich diese ursprünglich eine deutsche Erfindung und schon im Mittelalter bekannt war, unter dem Namen die `welsche Falle`. [...]

Ja, im Heere der deutschen Revolutionsmänner [während der Juli-Revolution 1830] wimmelte es von ehemaligen Deutschtümlern, die mit sauren Lippen die moderne Parole nachlallten und sogar die Marseillaise [= französische Nationalhymne sangen. ... Sie schnitten dabei die fatalsten Gesichter ... Jedoch es galt einen gemeinschaftlichen Kampf für ein gemeinschaftliches Interesse, für die Einheit Deutschlands. [...]

Unsere Niederlage ist vielleicht ein Glück ... Man hätte als Waffenbrüder treulich neben einander gefochten, man wäre sehr einig gewesen während der Schlacht, sogar noch in der Stunde des Sieges ... Aber den andern Morgen wäre eine Differenz [= ein Unterschied] zur Sprache gekommen, die unausgleichbar und nur durch die ultima ratio populorum [= der Weisheit letzter Schluss der Völker] zu schlichten war, nämlich durch die welsche Falle. [...] Die Wissenden wussten sehr gut, dass es im Heere der deutschen Revolution eigentlich nur zwei grundverschiedene Parteien gab. [...]

Die Wissenden unter den Liberalen verhehlten einander nicht, dass ihre Partei, welche den Grundsätzen der Freiheitslehre huldigte, zwar an Zahl die Stärkere, aber an Glaubenseifer und Hilfsmitteln die schwächere sei. In der Tat, jene regenerierten Deutschtümler bildeten zwar die Minorität, aber ihr Fanatismus, welcher mehr religiöser Art [war], überflügelte leicht einen Fanatismus, den nur die Vernunft ausgebrütet hat; ferner stehen ihnen jene mächtigen Formeln zu Gebot, womit man den rohen Pöbel beschwört, die Worte "Vaterland, Deutschland, Glauben der Väter usw." elektrisieren die unklaren Volksmassen weit sicherer als die Worte "Menschheit, weltbürgertum, Vernunft der Söhne, Wahrheit ...!"

Ich will damit andeuten, dass jene Repräsentanten der Nationalität im deutschen Boden weit tiefer wurzeln als die Repräsentanten des Kosmopolitismus [=Weltbürgertum], und dass letztere im Kampfe mit jenen wahrscheinlich den Kürzeren ziehen, wenn sie ihnen nicht schleunigst zuvorkommen ... durch die welsche Falle.

(Sprachlich vorsichtig modernisiert.)

Aufgaben:
  1. Welche Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede gibt es zwischen Altdeutschen / Deutschtümlern und liberalen Patrioten? Erläutere die Unterschiede. Warum sind sie unvereinbar?

  2. Zu welcher der beiden Gruppen zählt Heinrich Heine?

  3. Heine geht davon aus, dass eine politische Mehrheit einer gut organisierten Minderheit, die über viele Hilfsmittel verfügt, unterlegen ist. Kennst du Beispiele aus der Geschichte, die diese Behauptung unterstützen? Worin könnten diese Hilfsmittel liegen?


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Franzosenhass

Aus: Ernst Moritz Arndt: Katechismus für den deutschen Kriegs- und Wehrmann, worin gelehret wird, wie ein christlicher Wehrmann sein und mit Gott in den Streit gehen soll, 1814

Von dem großen Tyrannen

Und der Abgrund hat sich aufgetan, spricht der Herr, und die Hölle hat ihr Gift ausgespien und die Schlangen ausgelassen, die da giftig sind.

Und es ist ein Ungeheuer geboren und ein blutgefleckter Gräuel aufgestanden.

Und heißt sein Name Napoleon Bonaparte, ein Name des Jammers, ein Name des Wehs, ein Name des Fluchs der Witwen und Waisen [...].

(Sprachlich vorsichtig modernisiert.)

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Aus: Ernst Moritz Arndt: Katechismus für den deutschen Kriegs- und Wehrmann, worin gelehret wird, wie ein christlicher Wehrmann sein und mit Gott in den Streit gehen soll, 1814

Denn du hast wohl erfahren, was ein Franzose ist und wie gütig die sind, welche in Frankreich wohnen. 

Ihre Worte sind glatter als ein schlüpfriger Aal und ihre Gebärden freundlich auf Betrug gestellt.

Doch die Falschheit lauert in dem trügerischen Scheine, und in den freundlichen Blicken brütet das Unglück.

Und ihre Rede schmeichelt süßer als Honigseim, und wenn sie mit Liebe umhalsen, meinen sie Arges.

Du aber sollst tragen ein männliches Herz, einen ernsten Blick und ein redliches Wort.

Denn ein Mann ein Wort, das hieß sonst der Deutsche, und erwar ein gepriesenes Volk, eh er das Fremde gelernt.

(Sprachlich vorsichtig modernisiert.)


 
Die Wacht am Rhein (Liedtext)


Die Wacht am Rhein 



mp3-Datei, zweite Strophe gesungen


Aufgaben zu Ernst Moritz Arndt
  1. Erläutere den historischen Hintergrund für diesen Hass auf Franzosen.

  2. Hältst du diesen Nationalismus für liberal? Hältst du ihn für konservativ? Begründe deine Meinung.

  3. Welche Auswirkungen muss diese Art von Nationalismus nach sich ziehen?

  4. Was hältst du von folgender Meinung? "Nicht weniger vorbildlich wirkte der Dichter Moritz von Arndt. [...] Wegen seiner patriotischen Schriften wurde er von den Franzosen verfolgt. [...] Wegen seiner aufrechten nationalen Haltung wurde er vom preußischen König seines Amtes [als Professor] enthoben." (DDR- Schulbuch Geschichte 7, S. 164) Begründe deine Meinung.

  5. Sollte man Straßen, die nach Ernst Moritz Arndt benannt sind, umbenennen?


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Rassismus

Aus: Friedrich Ludwig Jahn: Deutsches Volkstum, Lepizig 1817, S. 21

Seine [Kaiser Konstantins] neu Residenz [Konstantinopel] zu bevölkern, raffte er Asiaten, Thrakier, Griechen und Römer zusammen. Es entstand ein Volkscharakter, in welchem sich asiatische Weichlichkeit, giechische List und Eitelkeit, thrakische Grausamkeit und römische Selbstgenügsamkeit auf die eunderlichste Art in einander verwebt zeigten.

Das spanische Sprichwort `Traue keinem Maulesel und keinem Mulatten` ist sehr treffend. [...] Je reiner ein Volk, je besser; je vermischter, je bandenmäßiger.

(Sprachlich vorsichtig modernisiert.)


Aus: Friedrich Ludwig Jahn: Deutsches Volkstum, Leipzig 1817, S. 14

Nichts ist ein Staat ohne Volk, eine seelenloses Kunstwerk; nichts ist ein Volk ohne Staat, ein lebloser luftiger Schemen wie die weltflüchtigen Zigeuner und Juden; Staat und Volk in eines geben erst ein Reich, und dessen Erhaltungsgewalt bleibt das Volkstum.

(Sprachlich vorsichtig modernisiert.)


Aufgaben:
  1. Inwiefern kann man bei diesen beiden Textauszügen von Rassismus reden?

  2. Wohin führt dieser biologische Denkansatz?

  3. Vergleiche hiermit den Patriotismus Heinrich Heines weiter oben: Rufe dir nochmals in Erinnerung, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, dass Nationalismus positiv beurteilt werden kann.

  4. Was geschieht, wenn es KEINEN Patriotismus gibt?


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2b - Liberalismus




Freiheitsbaum mit Jakobinermütze
In der Mosellandschaft an der Grenze zwischen dem Herzogtum Luxemburg und der Französischen Republik mit dem Ort Schengen im Hintergrund
Aquarell über Feder- und Bleistiftzeichnung von J.W. Goethe (1792)
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Bildnachweis

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Der Liberalismus ist eine politische Strömung in der Tradition der gemäßigten Phase der Frz. Revolution . Er ruft nach "Freiheit" in Form einer Verfassung. In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts ist damit eine konstitutionelle Monarchie nach dem Vorbild Montesquieus mit Grundrechten gemeint. Der Liberalismus wird Im 19. Jh. vom besitzenden und gebildeten Bürgertum unterstützt. 

Die Linksliberalen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts heißen Demokraten von 1848 und unterscheiden sich von den Liberalen im engeren Sinn (Rechtsliberale). Sie treten ein für
die Staatsform der Republik, für allgemeines Wahlrecht, sogar in gewissem Maße für den  Sozialstaat. Auch befürworten sie die Anwendung von Gewalt zur Erreichung politischer Ziele. Das Vorbild liegt in der jakobinischen Tradition der Französischen Revolution, also in der der radikalen Phase der Frz. Revolution.

Im 20. Jahrhundert passt sich der Liberalismus an die Verhältnisse an, so dass der Rechtsliberalismus des 19. Jahrhunderts ausstirbt und der Linksliberalismus, der im 19. Jahrhundert noch als radikal galt, liberaler Standard wird.

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Quellen: Wilhelm von Humboldt


Kurzinformation zu Wilhelm von Humboldt

Wilhelm von Humboldt (1767 - 1835) war deutscher Gelehrter, preußischer Bildungsreformer nach der preußischen Niederlage von 1806 und Mitgründer der Universität Berlin (Humboldt-Universität). Er gehört in den Umkreis der Philosophie des Deutschen Idealismus.

Wilhelm von Humboldt: Der wahre Zweck des Menschen

Der wahre Zweck des Menschen – nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt – ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste und unerlässliche Bedingung. [...]

Bewiesen halte ich demnach [...], dass die wahre Vernunft dem Menschen keinen andren Zustand als einen solchen wünschen kann, in welchem nicht nur jeder einzelne der ungebundensten Freiheit genießt, sich aus sich selbst in seiner Eigentümlichkeit zu entwickeln, sondern in welchem auch die physische Natur keine andre Gestalt von Menschenhänden empfängt, als ihr jeder einzelne nach dem Maße seines Bedürfnisses und seiner Neigung, nur beschränkt durch die Grenzen seiner Kraft und seines Rechts, selbst und willkürlich gibt. 

Aus: Alexander von Humboldt: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen

 
Aufgaben zu Humboldts Zweck des Menschen
  1. Worin sieht Humboldt den Zweck des Menschen? Stimmst du ihm zu?
  2. Welche Schulform passt zu diesem Zweck des Menschen: eine Form der Berufschule? die Werkrealschule? das Gymnasium?
  3. Warum ist  ein Staat, der den Menschen eine Weltanschauung aufzwingt (Kommunismus, Nationalsozialismus, bestimmte Religion), mit Humboldts Zweck des Menschen unvereinbar?


Wilhelm von Humboldt: Der Zweck des Staates

Auch bedarf nichts so eines zwingenden Befehls und eines unbedingten Gehorsams als die Unternehmungen der Menschen gegen den Menschen, man mag an die Abtreibung [=Vertreibung] eines auswärtigen Feindes oder an Erhaltung der Sicherheit im Staate selbst denken. Ohne Sicherheit vermag der Mensch weder seine Kräfte auszubilden noch die Früchte derselben zu genießen; denn ohne Sicherheit ist keine Freiheit. Es ist aber zugleich etwas, das der Mensch sich selbst allein nicht verschaffen kann. [...]

Ich glaube daher hier als den ersten positiven – aber in der Folge noch genauer zu bestimmenden und einzuschränkenden – Grundsatz aufstellen zu können: dass die Erhaltung der Sicherheit sowohl gegen auswärtige Feinde als innerliche Zwistigkeiten den Zweck des Staats ausmachen.

Aus: Alexander von Humboldt: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen

[...]

Vielleicht ließe sich [...] der folgende Grundsatz aufstellen: Um für die Sicherheit der Bürger Sorge zu tragen, muss der Staat diejenigen [...] Handlungen verbieten oder einschränken, deren Folgen die Rechte andrer kränken, d. i. ohne oder gegen die Einwilligung derselben ihre Freiheit oder ihren Besitz schmälern, oder von denen dies wahrscheinlich zu besorgen ist.

Aus: Alexander von Humboldt: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen


Aufgaben zu Humboldts Zweck des Staates
  1. Worin sieht Humboldt den Zweck des Staates?
  2. Ist diese Auffassung mit dem modernen Sozialstaat vereinbar? Gibst du Humboldt recht?
  3. Wie steht Humboldt zu der Auffassung, dass der Staat wirtschaftliche Aufgaben übernehmen soll? Gibst du Humboldt recht?
  4. Ist Humboldts Auffassung mit dem fürsorglichen Staat vereinbar, der dem Bürger das Rauchen, das Trinken von Alkohol, usw. untersagt? Gibst du Humboldt recht?

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2c - Konservatismus




Schloss Lichtenstein, Schwäbische Alb oberhalb Honau
Das Mittelalter, Schlösser und Burgen wurden auf der Suche nach der nationalen Kultur und Geschichte im Rahmen der Romantik modern.
Parallelbeispiele wären Schloss Hohenzollern, Schloss Sigmaringen, Schloss Neuschwanstein, Wartburg, ...
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Der unfertige Kölner Dom um 1824
Nach Max Hasak: Der Dom zu Köln, 1911

1248 Baubeginn des gotischen Doms
1528 Letzte Baunachricht, danach lange Baupause
1823 Wiedereinrichtung der Dombauhütte
1880 Vollendung des Doms
Weitere im 19. Jahrhundert fertiggestellte gotische Münster und Dome: Dom zu Regensburg, Ulmer Münster, ...

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Bildnachweis


Kölner Dom
Rundgang



koelner-dom.de

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Der Begriff Konservatismus kommt von conservare = lat. bewahren. Der Konservatismus betrachtet den Staat als etwas Individuelles, organisch Gewachsenes, das nicht nach einem (z.B. liberalen) Schema verändert werden darf. Reformen ja, aber langsam und ohne Bruch mit den konservativen Grundsätzen und Werten; es geht bei konservativen Reformen mehr um eine Neuinterpretation der Grundsätze und um eine Anpassung des Überkommenen an neue Verhältnisse, Familie, Religion, Tradition, Herkommen, Brauch, Heimat sind  wichtige Werte. Im 19.Jh. wendet sich der Konservatismus gegen Aufklärung,   Rationalismus, Liberalismus und Nationalismus. In der ersten Hälfte des 19. Jhs. orientiert er sich am Absolutismus, aber mit Zugeständnissen an modernere Zeiten.
Im 20. Jh. findet wie beim Liberalismus eine Anpassung an die Verhältnisse statt, z.B. Republik, allgemeines Wahlrecht, Sozialstaat, aber bei Betonung der oben genannten Werte.

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Quellen: Edmund Burke

Kurzinformation zu Edmund Burke

Edmund Burke (1729 - 1797) irisch-britischen Schriftsteller und Politiker. Er setzte sich kritisch mit der Französischen Revolution auseinander und gilt als geistiger Vater des Konservatismus. Die folgenden Textauszüge stammen aus diesen Werken:

  • Betrachtungen über die Französische Revolution (Textauszug 1 - 4 sowie 6 - 7)

  • Appell der neuen an die alten Whigs (Textauszug 5).

Hinter jedem Textauszug wird auf die Quelle verlinkt. 
Die Quellenauswahl folgt dem Buch "Klassiker der Staatsphilosophie II, herausgegeben von  Dieter Oberndorfer und Wolfgang Jäger, Stuttgart 1971

Edmund Burke: Konservative Werte und Prinzipien

Burke: Textauszug 1:
Unsere bürgerlichen Neigungen müssen in unsern Familien anfangen. Wer die seinige nicht liebt, ist nie ein wahrer Patriot. Von unsern Familien gehen wir zu unsern Nachbarn und zu den Mitbürgern in unserer Provinz über. Dies sind Ruheplätze und Herbergen auf unserer Reise zum allgemeinen Bürgergeist. Alle solche Einteilungen unseres Vaterlandes, die durch alte Gewohnheiten und langes Herkommen, nicht durch einen plötzlichen Rutenschlag einer despotischen Macht entstanden, sind Abbildungen des Ganzen im Kleinen, worin unser Herz etwas findet, daran es sich halten kann. Vaterlandsliebe wird durch diese untergeordneten Neigungen nicht ausgelöscht.
Quelle

Burke:
Textauszug 2:
Wir wissen und setzen unseren Stolz darein zu wissen, dass der Mensch ein zur Religion geschaffenes Wesen ist, dass der Atheismus nicht allein mit unserer Vernunft, sondern sogar mit unseren Instinkten streitet und dass er nie anhaltend die Herrschaft führen kann. Quelle

Burke: Textauszug 3:
Es konnte ihnen [den Gesetzgebern des Altertums] nicht entgehen, dass [...] zahllose Verschiedenheiten unter den Erdbewohnern nach Maßgabe ihrer Geburt, ihrer Erziehung, ihrer Lebensweise, ihres Aufenthalts in Städten oder auf dem Lande, ihrer mannigfaltigen Mittel, Eigentum zu erwerben und zu gebrauchen, entstanden. [...] Hieraus ergab sich die Notwendigkeit, die Bürger in solche Klassen zu verteilen und in solche politische Verhältnisse zu versetzen, dass für eines jeden individuelle Beschaffenheit gesorgt war [...]. Quelle

Burke: Textauszug 4:
[...] Die, welche alles eben zu machen suchen, werden nie alles gleich machen. In jeder Gesellschaft, die aus verschiedenen Klassen besteht, müssen einige Klassen obenauf sein. Die Gleichheitsapostel verändern und verkehren daher bloß die natürliche Ordnung der Dinge. Quelle


Aufgaben zu Edmund Burke, Textauszug 1 - 4 (Konservative Werte und Prinzipien)
  1. Nenne und erläutere die von Edmund Burke vorgestellten konservativen Werte und Prinzipien.

  2. Erläutere jeweils, inwiefern die Französische Revolution gegen von Burke genannte  Werte und Prinzipien verstoßen hat.


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Edmund Burke: Die Rolle der Aristokratie

Burke: Textauszug 5:
Eine wirkliche, echte Aristokratie ist keine mit gesondertem Interesse innerhalb des Staates, noch ist sie von ihm abtrennbar. Sie ist ein wesentlicher, integraler Bestandteil jedes großen, richtig verfassten Staates. Eine Reihe von Kennzeichen trifft auf sie zu, von denen man annehmen kann, dass sie stimmen: Abstammung aus vornehmem Geschlecht; von Kindheit an nichts Niedriges und Gemeines kennen lernen; Respekt sich selbst gegenüber lernen; an die tadelsüchtige Beobachtung durch das Auge der öffentlichen Meinung gewohnt sein; auf einem so hohen Standpunkt stehen, dass man befähigt ist, einen weiten Blick über die weit gestreuten und unendlich breit gefächerten Kombinationen zwischen Menschen und Dingen in einer großen Gesellschaft zu werfen; Muße zum Lesen, Nachdenken und Meinungsaustausch haben; fähig sein, die Aufmerksamkeit der weisen und Gelehrten auf sich zu ziehen und diese zu umwerben, wo immer diese zu finden sind; gewohnt sein, in armeen zu befehlen und zu gehorchen; darin unterrichtet sein, Gefahren gering zu schätzen in der Verfolgung von Ehre und Pflicht; vorbereitet sein auf den höchsten Grad von Wachsamkeit, Voraussicht und Umsicht unter Bedingungen, unter denen kein Fehler unbestraft bleibt und der kleinste Fehler die schlimmsten Konsequenzen nach sich ziehen kann; zu einem vorbildlichen und geordneten Betragen geführt werden, in dem Bewusstsein, dass du als ein Lehrer deiner Mitbürger bei ihren wichtigsten Belangen angesehen wirst und dass du als Vermittler zwischen Gott und den Menschen handelst; als Verwalter von Recht und Gesetz tätig sein und so zu den ersten Wohltätern der Menschheit gehören; Professor der Wissenschaft, der freien und schönen Künste sein; unter reichen Kaufleuten weilen, die wegen ihres Erfolges wohl ein scharfes und kühnes Problemverständnis besitzen; und die Tugenden des Fleißes, der Ordnungsliebe, Beständigkeit und Zuverlässigkeit besitzen; sowie eine gewohnheitsmäßige Beachtung der Gerechtigkeit in der Gemeinschaft kultivieren: das sind die Merkmale der Männer, die das bilden, was ich eine natürliche Aristokratie nennen sollte, ohne die es keine Nation gibt.

Der Zustand der zivilen Gesellschaft, der notwendigerweise diese Aristokratie hervorbringt, ist ein Zustand der Natur [...] Der Mensch ist von Natur aus vernünftig; und er ist niemals in seinem Naturzustand perfekt, aber er ist es, wenn er sich dort befindet, wo die Vernunft am besten gepflegt wird.
Quelle (Übersetzung aus dem Englischen durch Geschichtszentrum. Textbeginn: A true natural aristocracy ...)

Burke: Textauszug 6: (Über die Regierung im revolutionären Frankreich)
Eine Regierung von 500 Advokaten und Dorfpfarrern kann nie für eine Nation von 24 Millionen Menschen taugen, sollten auch 48 Millionen sie auserwählt [=gewählt] haben, und eine solche Regierung wird nicht viel gebessert werden, wenn auch eine Handvoll Menschen aus höheren Ständen, die ihresgleichen verrieten, um über die andern zu herrschen, an ihrer Spitze steht. In Frankreich scheint es jetzt darauf angelegt zu sein, die große Heerstraße der Natur in jeder Hinsicht zu verlassen. In Frankreich ist die Regierung nicht in den Händen der Eigentümer. Mithin ist die Vernichtung des Eigentums unvermeidlich und vernünftige Freiheit verschwunden. Quelle



Aufgaben zu Edmund Burke, Textauszug 5 - 6 (Rolle der Aristokratie)
  1. Aristokratie (griech.) bedeutet "Herrschaft der Besten". Lese die Merkmale durch, die Burke der Aristokratie, also dem Adel seiner Zeit, im Textauszug 5 zuschreibt, und erläutere vor der Klasse Punkt für Punkt, inwiefern diese für einen Bauern, zum Teil auch einem Bürger seiner Zeit unerreichbar waren.

  2. Erkläre, inwiefern Burke die Aristokratie, also den Adel, für unverzichtbar hält, und erläutere seine Auffassung. Stimmst du mit seinen Ansichten überein? Begründe. (Textauszug 5)

  3. Erkläre, was Burke mit seiner Kritik an der französischen Revolutionsregierung (Textauszug 6) meint, und schreibe eine Erwiderung aus Sicht der französischen Revolutionsregierung.


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Edmund Burke: Konservative Reform

Textauszug 7
Ein tätiger Geist voll lebhafter und wohlwollender Spekulationen kann wünschen, dass die Gesellschaft, in der er lebt, anders organisiert sein möchte als er sie [vor]findet. Aber ein guter Patriot und ein wahrer Staatsmann sucht allemal aus dem schon vorhandenen Stoff, den ihm sein Vaterland darbietet, soviel zu machen, als möglich ist. Neigung zum Erhalten und Geschicklichkeit zum Verbessern sind die beiden Elemente, deren Vereinigung in meinen Augen den Charakter des großen Staatsmanns bilden. Alles, was hiervon abweicht, verrät den gemeinen [=gewöhnlichen] Kopf und eröffnet den Ruin der Gesellschaft in der Ausführung.


Aufgaben zu Edmund Burke, Textauszug 7 (Konservative Reform)
  1. Was kennzeichnet nach Burke eine konservative Reform? 

  2. Was unterscheidet den konservativen Edmund Burke von einem völlig rückwärts gewandten Reaktionär seiner Zeit?


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3 - Territoriale Folgen der napoleonischen Herrschaft für Deutschland



Kaiser Franz II. von Österreich
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Unter Napoleons Herrschaft erringt Frankreich durch andauernde Kriege die Hegemonie in Europa. In Deutschland führt sein Einfluss zu einer "Flurbereinigung der deutschen Landkarte": Die deutschen Fürsten werden für ihre Verluste auf dem westlichen Rheinufer, das an Frankreich fällt, auf Kosten der geistlichen Fürsten (= Säkularisierung), der Reichsstädte und Reichsritter (= Mediatisierung) 1803 entschädigt, es entstehen mittelgroße, von Napoleon abhängige Staaten, die ihm im Rahmen des Rheinbunds zur Stellung von Truppen verpflichtet sind.  (vgl. Karte "Mitteleuropa um 1789" mit Karte "Der Rheinbund 1806" sowie Karte Territoriale Entwicklungen in Südwestdeutschland von 1789 bis 1806)

Die Gründung des Rheinbunds 1806 führt dazu, dass Kaiser Franz II. die Krone des lehensrechtlich organisierten Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation niederlegt: Ende des Alten Reiches. Nach Lehensrecht waren die deutschen Fürsten Vasallen des Kaisers. Dies war zum Beispiel mit der Truppenstellung für Napoleon unvereinbar. Die Verkleinerung Österreichs und Preußens sind nicht von Dauer.

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4 - Reformen in Deutschland


4a - Verfassungen in einigen deutschen Einzelstaaten 

Nach dem Wiener Kongress gibt es in wenigen deutschen Staaten Verfassungen, zum Beispiel in Baden, die von den entsprechenden Fürsten gnädig gewährt werden. Die Badische Verfassung macht Baden für damalige Verhältnisse zum sogenannten "Musterländle", hier ein Verfassungsschema. Dass sie gewährt wurde, hängt damit zusammen, dass der Großherzog die in napoleonischer Zeit neu gewonnenen badischen Landesteile im Südschwarzwald , am Ober- und Hochrhein und am Bodensee mit den älteren badischen Gebieten dauerhaft verklammern wollte. 

Karte Baden 1801 - 1819

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4b - Preußische Reformen


Wichtig für die Entwicklung in Preußen und damit in Deutschland werden die Preußischen Reformen.

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4c - Code Napoleon  

Der  Code Napoleon (Code Civil) wurde von Napoleon 1804 in Frankreich eingeführt. Dieses Gesetzbuch zum Zivilrecht ist in Frankreich in wesntlichen Teilen noch heute gültig. Wesentliche Grundsätze der Französischen Revolution wie die Gleichheit aller vor dem Gesetz, der Schutz und die Freiheit des Individuums und des Eigentums und die strikte Trennung von Kirche und Staat sind darin enthalten. Der Code Napoleon wird in den von Frankreich bestzten Teilen Deutschlands eingeführt und wird Vorbild für das deutsche Bürgerliche Gestzbuch (BGB)

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5 - Befreiungskriege 1813 - 1815




Befreiungshalle bei Kehlheim über der Donau
Errichtet von König Ludwig I. von Bayern zum Gedenken an die Befreiungskriege
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Inschrift im Zentrum des Fußbodens der Befreiungshalle
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Bild Geschichtszentrum

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Der preußische König Friedrich- Wilhelm III.
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Der preußische General
Yorck von Wartenburg

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Die Befreiungskriege, zeitgenössisch auch Freiheitskriege genannt, richteten sich gegen Napoleon und die französische Vorherrschaft in Europa. die im Ergebnis auch gebrochen wurde.

Schon 1806, vor den eigentlichen Befreiungskriegen, war es in Hessen zu Erhebungen gegen Napoleon, 1809 dann in Tirol zu einer Erhebung gegen Bayern unter Andreas Hofer gekommen. Tirol  war nach österreichischen Niederlagen mit Napoleons Zustimmung Bayern zugeschlagen worden. Schon ab 1806 hatte der preußische Major Ferdinand von Schill einen Kleinkrieg gegen die französischen Besatzungstruppen in Pommern geführt. 1809 hatte er eigenmächtig französische Truppen bei Magdeburg angegriffen. Aber nachdem er die französische Besatzung aus Stralsund vertrieben hatte, erlitt er dort eine Niederlage und fiel im Gefecht.

Nach der Niederlage der französischen Grande Armée im Rußlandfeldzug 1812 schloss der preußische  General Yorck (siehe Bild), Befehlshaber des preußischen Hilfskorps der Grande Armée, am 30. Dezember 1812 einen Waffenstillstand mit den russischen Truppen (Konvention von Tauroggen). Am 17. März 1813 erklärte dann auch Preußen Frankreich den Krieg. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. unterzeichnete den Aufruf "An mein Volk", der zum Freiheitskrieg gegen Frankreich aufrief. Neben preußischen regulären Einheiten (Landwehr und Landsturm) beteiligten sich auch Freiwillige (Freiwillige Jäger) und Freikorps (u. a. Lützowsches Freikorps). Auch Schweden, Österreich und weitere deutsche Staaten erklärten Frankreich den Krieg, Russland und England waren schon länger im Krieg mit Frankreich.


Die Jubelfeier des Übergangs der verbündeten Truppen (31. Dezember 1813 / 1. Januar 1814) über den Rhein bei Kaub. 
Bei dieser Gelegenheit wurde eine Gedenktafel aufgestellt mit folgender Inschrift: "Zur Befreiung Deutschlands von drückender Fremdherrschaft ging hier in der Nacht zum 1. Januar 1814 Feldmarschall Blücher mit der schlesischen Armee über den Rhein, und die Schiffer von Kaub förderten kräftig das Werk der Befreiung bei diesem Rheinübergang. Diese Tafel wurde gestiftet bei der Feier des fünfzigjährigen Gedenktages am 31. Dezember 1863."
Ist diese Gedenktafel es wert, in einem Geschichtsbuch von heute erwähnt zu werden?

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Bild- und Textnachweis

Höhepunkt der Befreiungskriege waren die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813, die mit einer Niederlage Napoleons endete. Der Winterfeldzug 1814 brachte die Abdankung Napoleons und den Pariser Frieden. Napoleon wurde auf die Insel Elba verbannt.

1815 kam Napoleon nochmals nach Frankreich zurück ("Hundert Tage"), aber in der Schlacht bei Waterloo wurde er durch Briten, Niederländer und Deutsche unter Wellington und die mit diesen verbündeten Preußen unter Blücher endgültig besiegt und anschließend auf die Atlantik- Insel St. Helena verbannt, wo er 1821 starb.

 

Arthur Wellesley, 
1. Duke of Wellington

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Generalfeldmarschall von Blücher

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König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Kaiser Napoleon und Zar Alexander I. (v.l.n.r.) treffen 1807 in Tilsit zusammen
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Idealisierte Darstellung des Freiherrn vom und zum Stein, des wichtigen preußischen Reformers, der für die Bauernbefreiung steht.
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Der preußische Bildungsreformer Karl Wilhelm Freiherr von Humboldt
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Der preußische Militärreformer Gerhard von Scharnhorst
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Der preußische Militärreformer August Wilhelm Anton Graf Neithardt von Gneisenau
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Der preußische Wirtschaftsreformer Karl August Freiherr von Hardenberg
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