| Frühkapitalismus und Verlagswesen | ||
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Das Verlagswesen ist eine neue Erscheinung, die neben der traditionellen Werkstatt bedeutend wird. Die traditionelle Werkstatt: Der Handwerker im Mittelalter, z. B. ein Weber, wohnt und arbeitet im gleichen Hause. Er kauft sich auf dem Markt die Rohstoffe, z.B. Garn, und verarbeitet sie in seiner Werkstatt auf dem eigenen Webstuhl zur Fertigware und verkauft diese wiederum in seinem Laden oder auf dem meist lokalen oder auch regionalen Markt. Als Selbstständiger ist er in der Zunft organisiert, deren Zunftzwang und Qualitätskontrolle er unterliegt. Verlagswesen: Zwischen Markt und Werkstatt des Webers tritt der Verleger. Er kauft auf dem Markt, der lokal, regional oder Weltmarkt sein kann, Rohstoffe, z.B. Baumwolle und heimisches Garn, und stellt dieses einem Weber zur Verarbeitung zur Verfügung. Dieser arbeitet in seinem eigenen Haus an einem eigenen oder vom Verleger zur Verfügung gestellten Webstuhl. Das Fertigprodukt liefert er beim Verleger ab, der ihn für seine Arbeit bezahlt. Der Verleger verkauft nun die Fertigware auf dem Markt. Da Webstühle auch auf dem Lande bedient werden konnten und dort ein entsprechende Know How zur Verfügung stand, konnten über das Verlagswesen auch die städtischen Zünfte unter Konkurrenzdruck gesetzt werden. Wegen der Ähnlichkeit des Verlagssystems mit unserem heutigen Wirtschaftssystem spricht man von Frühkapitalismus (Kapitaleinsatz, Gewinndenken, Konkurrenz, Lohnarbeit), obwohl es einige charakteristische Unterschiede gibt (Heimarbeit). Neben dem Verlagssystem gab es auch schon Handelsgesellschaften, z.B. die Ravensburger Handelsgesellschaft, die bereits als Vorstufen moderner Kapitalgesellschaften anzusehen sind. In großem Stil wurde am Ende des Mittelalters und mit der beginnenden Neuzeit auch Geld verliehen. Auch der Bergbau wurde nach kapitalistischen Gesichtspunkten betrieben. Alle diese Erscheinungen gehören zum Frühkapitalismus. Medici: Die bekannteste Firma von Florenz im 15. Jahrhundert war die der Medici. Die Medici wurden die berühmtesten Kunstmäzene ihrer Zeit, sie waren eng verbunden mit dem Aufstieg der Renaissancekunst und dem Aufstieg der Stadt Florenz zur Stadt der Renaissance. Zuletzt rückte diese bürgerliche Familie in den Adelsstand auf, stellte zwei Päpste (darunter Leo X: Papst gegen Luther!) sowie seit dem 16. Jahrhundert die Großherzöge von Florenz. Fugger: Die bekanntesten Gesellschaften in Deutschland waren die der Fugger und Welser in Augsburg. Die Welser waren z.B. an der kolonialen Erschließung Venezuelas beteiligt, die Fugger trugen mit ihrem Geld entscheidend zur Wahl Karls V. zum Deutschen Kaiser bei. Im Gegenzug zur Verleihung von Geld an die Habsburger bekamen sie von diesen Silber-, Kupfer- und Bleibergwerke in Tirol und Kärnten, Ungarn und Spanien zur Ausbeutung. Die Fugger konnten so in verschiedenen Zweigen des Bergbaus Monopole errichten. Sie waren aber nicht nur Bankiers und Schwerindustrielle, sondern waren auch im Textilgeschäft tätig, erwarben landwirtschaftliche Güter und sogar ganze Herrschaften, rückten in den Grafenstand auf, später in den Fürstenstand, organisierten die finanzielle Seite des päpstlichen Ablasshandels in Deutschland und vieles mehr. Sie agierten international. Politisch unterstützten sie natürlich das Haus Habsburg und traten für den Katholizismus gegen die Reformation ein. Augsburg: Die Fugger prägten das Augsburg ihrer Zeit. Die Fugger-Kapelle in der Kirche St. Anna zu Augsburg ist die erste Renaissance-Kapelle nördlich der Alpen, der Damenhof in den Fuggerhäusern von Augsburg der erste Renaissance-Prachthof nördlich der Alpen. Vorbilder liegen südlich der Alpen, vgl. den Hof des Palazzo Medici- Riccardi in Florenz. Jakob Fugger der Reiche ließ sich von Albrecht Dürer porträtieren. Die Fuggerei in Augsburg ist eine heute noch bestehende Sozialeinrichtung. Die Familie Fugger besteht heute noch in verschiedenen Linien, ihre Schlösser in Babenhausen und Kirchheim stehen noch heute.
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