Lernumgebung Völkerwanderung und Germanenreiche

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Personen, Ereignisse, Begriffe

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Kartenraum


Die Dreiteilung der Mittelmeerwelt um 750 n.Chr. 
Blau: Franken; Gelb: Byzanz; Grün: Islam
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Die Dreiteilung der Mittelmeerwelt um 750 n.Chr.
Kolorierte Karte und Umrisskarte
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Völkerwanderung: Die Wanderung der Germanen



planet-schule.de


Die Germanenreiche nach dem Zerfall der weströmischen Herrschaft (476)
novaesium.de



Das Hunnenreich
zdf.de


Staatenbildung beim Untergang des Weströmischen Reiches (Zweite Hälfte 5. Jh.)
MGH Droysens Handatlas
141.84.81.24


Ausdehnung des Frankenreichs unter  Chlodwig (481 - 511)
Clovis = Chlodwig
databaseblb.unblog.fr


Die Entwicklung des Frankenreiches
novaesium.de


Europa beim Tode Theoderichs des Großen 526
MGH Droysens Handatlas
141.84.81.24


Alamannisches Siedlungsgebiet um 450 und um 600 n.Chr.
Karten
Mike Pantel
pantel-web.de


Interaktive Karte: Von Justinian bis zur Dreiteilung der Mittelmeerwelt



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Kartenpuzzle Byzanz 553 n.Chr. unter Kaiser Justinian



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Ravenna


Ravenna
italien-inseln.de


Ravenna - Byzantinische Mosaiken
Unglaubliche Bildersammlung



ravenna.de.ki

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Inhalt:

Arbeitsmittel

Basiswissen

A -  Das Wichtigste

B -  Die Geschichte der Westgoten bis einschließlich Alarich in erzählenden Quellen (Ammianus Marcellinus und Isidor von Sevilla)

C -  Die Völkerwanderung am Beispiel der Ostgoten

D - Die Zustände am weströmischen Kaiserhof 

Linke Spalte
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Ravenna  
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Rechte Spalte

Sonderausstellung "Die Ostgoten - Schutzherren der Alamannen")
Arbeitsmittel    

Verwandte Seiten  
Hunnen  
Alamannen  
Franken  
Ostgoten / Theoderich  

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Basiswissen 


A - Das Wichtigste



 


Grabmal König Theoderichs in Ravenna

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Sarkophag König Theoderischs in
seinem Grabmal in Ravenna
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Die Wanderung der Germanen



planet-schule.de

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Sturm über Europa - Die Erben des Imperiums
44:04 min

Nach dem Intro: Westgotenreich in Spanien
Ab 18:22  Ostgoten in Italien. Ravenna
Ab 22:15 min Angelsachsen. Germanisches Gefolgschaftswesen
Ab 38:45 Franken. Taufe Chlodwigs. Karl der Große



zdf.de

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Schon die Germaneneinfälle des 3. Jahrhunderts (vgl. Krise des 3. Jahrhunderts) können streng genommen zur Völkerwanderung gezählt werden. Die eigentliche Völkerwanderung beginnt im Jahre 375 n.Chr. mit dem Einfall der Hunnen, einem asiatischen Reitervolk. Diese trafen am Nordufer des Schwarzen Meeres auf die Ostgoten und unterwarfen diese, während die Westgoten fliehen und sich im Römischen Reich niederlassen.  

Als Ursachen der Völkerwanderung sind Bevölkerungsvermehrung, Bevölkerungsüberschuss und damit verbundene Bodenknappheit, klimatische Veränderungen und Abenteuerlust zu nennen. Die zunehmnende Schwäche des Römerreiches seit dem 3. Jahrhundert zog die Germanen geradezu an. Hinzu kommt die Sogwirkung einer überlegenen, bewunderten Kultur.

Im Ergebnis der Völkerwanderung ging das Weströmische Reich unter, germanische Stämme ließen sich auf dessen Boden nieder: Alamannen, Angeln Sachsen, Franken, Burgunder, Ostgoten, Westgoten, Sueben und Vandalen. Wo sie siedelten, zeigen die Karten. Ein Tiefpunkt war im Bewusstsein der Zeit die Plünderung Roms durch die Westgoten 410 n.Chr. unter ihrem König Alarich.
476 n.Chr. wurde der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustulus durch den Germanen Odoaker abgesetzt. 

Die Germanen gründeten zwar Reiche, änderten aber an der bestehenden Gesellschaft nicht viel. Der Niedergang der Städte schritt im Laufe der Zeit weiter voran, städtisches Handwerk und Handel gingen zurück, v.a. auch, als der Süden des Mittelmeerraums seit dem 7. Jahrhundert islamisch wurde. Da aber alle bis auf die Franken (seit König Chlodwig, vgl. Franken und  Lernumgebung Franken) zur christlichen Richtung des Arianismus gehörten und damit im Gegensatz zum katholischen Glauben der einheimischen Romanen standen, waren ihre Reiche bis auf das Frankenreich kurzlebig. Trotz des teilweise hohen Respekts der Eroberer vor den Leistungen der römischen Kultur und Zivilisation, vgl. z.B. Ravenna, blieben sie den Einheimischen fremd.

Der oströmische Kaiser Justinian eroberte im 6. Jh. das Vandalenreich und das Ostgotenreich, das Westgotenreich fiel 711 n.Chr. dem Islam zum Opfer. Die Franken eroberten oder verdrängten ihrerseits germanische Stämme bzw. Reiche (Burgunder, Alamannen, usw.) und stiegen zur Vormacht in Westeuropa auf (vgl. Karte Dreiteilung der Mittelmeerwelt).

Chlodwig I. (481 - 511 n.Chr.) und Theoderich der Große (+ 526 n.Chr.) im Vergleich.

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B - Die Geschichte der Westgoten bis einschließlich König Alarich in erzählenden Quellen
(Ammianus Marcellinus und Isidor von Sevilla)

 
Die Goten werden christlich



Seite aus der Wulfila-Bibel
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Bildnachweis

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Isidor: Geschichte der Gothen, Abschnitt 6 - 8, S. 3ff. (Page n17 online)



Isidor, geboren um 570 n.Chr. als Sohn eines Provinzialen aus dem Distrikt Cartagena, war seit Anfang des 7. Jahrhunderts katholischer Bischof von Sevilla, also im Westfrankenreich. Er starb 636. Neben vielen anderen Werken schrieb er auch eine „Geschichte der Könige der Goten, Vandalen und Sueben“.

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6. Im 5. Jahre der Herrschaft des (römischen Kaisers) Valens (= 368 n. Chr.) gelangte zuerst Athanarich zur Königsherrschaft über die Gothen. Er regierte dreizehn Jahre. In grausamer Glaubensverfolgung wandte er sich gegen diejenigen seiner eigenen Untertanen, welche für Christen galten, und machte sehr viele, die den Götzenbildern zu opfern sich weigerten, zu Märtyrern. Die Übrigen verfolgte er zwar auch auf mancherlei Weise; ihre große Zahl hielt ihn aber davon zurück, sie umzubringen. So schenkte er ihnen zwar das Leben, zwang sie dagegen, aus seinem Reiche zu weichen und in die Provinzen des römischen Reiches auszuwandern.

7. Im 13. Jahr der Herrschaft des Valens (= 375 n. Chr.) spalteten sich die Goten an der Donau in zwei Teile, die sich unter Athanarich und Fridigern auf das Heftigste befehdeten. Athanarich aber überwand den Fridigern mit Hilfe des Kaisers Valens. Aus Dankbarkeit hierfür schickte er Gesandte mit Geschenken an selbigen Kaiser und forderte von ihm Lehrer zur Unterweisung in der christlichen Glaubenslehre. Valens aber, der von der Wahrheit der katholischen Lehre abgewichen und der Verkehrtheit arianischer Ketzerei ergeben war, sandte ketzerische Priester, durch deren Überredungskunst er die Goten für seine verruchte Irrlehre gewann. So impfte er diesem erlauchten Volke das verderbliche Gift ein; so bekam es die Irrlehre, die es begierig einsog, und behielt sie lange.

8. Damals erfand Gulfilas (Wulfila), der Bischof dieser Goten (318 - 388), ein Alphabet und übersetzte die Schriften des Neuen und Alten Testaments in ihre Sprache. Sobald aber die Goten anfingen, das Alphabet und das Gesetz zu kennen, richteten sie sich Kirchen ihres Bekenntnisses ein und hatten, dem Beispiel des Arius folgend, solche Lehrsätze über die Gottheit selbst, daß sie glaubten, der Sohn sei geringer an Herrlichkeit als der Vater und sei jünger als dieser in der Ewigkeit. Ferner meinten sie, der Heilige Geist sei nicht Gott, auch nicht dem Vater wesensgleich, sondern vom Sohn erschaffen, dem Vater und Sohn dienstbar und zu Gehorsam verpflichtet. Sie hielten Vater und Sohn und Heiligen Geist für dem Wesen nach verschieden, so dass nicht mehr, wie die heilige Schrift überliefert, ein Gott und Herr angebetet, sondern wie in heidnischer Götzendienerei drei Götter verehrt wurden. Dieser schlimmen Gotteslästerung blieben sie ergeben durch lange Zeit, unter einer ganzen Reihe von Königen, 213 Jahre. Endlich dachten diese an ihr Seelenheil, sagten sich von dem tiefeingewurzelten Irrglauben los und gelangten durch Christi Gnade zum allein selig machenden katholischen Glauben.
[589 unter Rekkared I. auf dem 3. Konzil von Toledo]

Aufgaben:
  1. Wie schildert Isidor das Verhältnis zwischen gotischen Heiden und gotischen Christen? 

  2. Wieso wird Athanarich laut Isidor mit seinen Goten christlich, und zwar in der arianischen Form? Was hältst du von dieser Begründung?

  3. Schaue unter dem Stichwort Athanarich“ bei Wikipedia nach, welche Ergebnisse die moderne Forschung erbracht hatt. Wie könnte der Irrtum des Isidor begründet sein?

  4. Wie bewertet Isidor, der Verfasser des Textes, die Arianer und welche Rückschlüsse lässt das auf den Verfasser zu? Welche Glaubensgegensätze zwischen Arianern und  Katholiken werden genannt? Welche Gründe kannst du für die Schärfe der Gegensätze zwischen Arianern und Katholiken finden?

  5. Erkundige dich bei Wikipedia nach der Wulfilabibel. Worin besteht ihre Bedeutung?


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Warum lassen die Römer die Westgoten auf ihr Gebiet?



Sturm über Europa: Kampf um Rom
43:58 min
Ab 01:17 Hunnen vetreiben die Westgoten. Die Hunnen.
Ab 12:25 min Beginn der Wanderung der Westgoten, Überschreiten der Donau 376 n.Chr.
Ab 19:10 Wandalen bestzen Nordafrika. Geiserich. Trasamund
Ab 30.27 Westgoten in Italien. Plünderung Roms, Westgotenreich in Südfrankreich. Katalaunische Felder



zdf.de

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Ammianus Marcellinus: Römische Geschichte, Stuttgart 1827, S. 898ff.
Bitte Seitenzahl 898 eingeben.



Ammianus Marcellinus (um 330 - um 395 n.Chr.) war gebürtiger Grieche. Er diente unter den Kaisern Constantius II. und Julian in der Armee  und erlebte viele der von ihm geschilderten Ereignisse selbst mit. Sein Geschichtswerk schrieb er in Rom in lateinischer Sprache. Er war Heide und ist der wichtigste Geschichtsschreiber des 4. Jahrhunderts. 

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Sie (die gotische Abteilung der Thevinger) besetzten also unter Anführung des Alavius die Ufer der Donau und schickten eine Gesandtschaft an Valens mit der demütigen Bitte um Aufnahme und dem Versprechen, sich nicht nur ruhig zu verhalten, sondern auch nach Erfordernis der Umstände Hilfstruppen zu stellen.

Während dieser Ereignisse im Auslande griffen furchtbare neue und ungewöhnlich drohende Bewegungen unter den Völkern des Nordens immer weiter um sich; [...] Aber als das Gerücht von solchen Ereignissen an Stärke gewann und durch die Ankunft barbarischer Gesandter, welche die flehentliche Bitte stellten, einem vertriebenen Volke diesseits des Flusses
[Donau] Aufnahme zu gestatten, seine Bestätigung erhielt, erregte dies mehr Freude als Furcht, indem ausgelernte Schmeichler [am Hofe des Kaisers] das Glück des Fürsten [= des römischen Kaisers Valens] über die Maßen erhoben, welches ihm von den fernsten Ländern der Erde wider Erwarten so viele junge Mannschaft zuführe, dass er durch Vereinigung eigener und fremder Streitkräfte ein unüberwindliches Heer bekäme, während zugleich die Geldsummen, die bisher provinzweise jährlich statt einer förmlichen Truppenaushebung entrichtet wurden, dem Schatze einen ungeheuren Zuwachs brächten.

In dieser Erwartung schickte man verschiedene Personen ab, um die Überfahrt der blutdürstigen Haufen einzuleiten, und trug eifrig Bedacht, dass nicht einer dieser künftigen Zerstörer des Reiches, und wäre er selbst von einer tödlichen Krankheit befallen, zurückbliebe. In Folge der kaiserlichen Erlaubnis, die Donau zu überschreiten und sich in einem Teile Thraziens anzusiedeln, kamen sie nun auf Schiffen, Flößen und ausgehöhlten Baumstämmen Tag und Nacht truppweise herüber; da aber der Fluss an sich sehr gefährlich und zudem gerade durch anhaltenden Regen sehr angeschwollen war, fanden viele, die bei der dicht gedrängten Masse vergeblich gegen den Anprall der Wellen kämpften oder auch zu schwimmen versuchten, ihren Tod im Wasser. Mit so stürmischer Eile betrieb man es, das Verderben über die Römerwelt selbst hereinzuführen.“
[...]

„Als unter den Barbaren nach der Überfahrt große Hungersnot herrschte, verfielen jene abscheulichen (römischen) Generale auf einen niederträchtigen Handel; für jeden Hund, den ihre unersättliche Habgier weit und breit auftreiben konnte, ließen sie sich einen Sklaven geben und schleppten auf diese Weise selbst Söhne von Häuptlingen fort. (...)

[Der Kaiser hatte Befehl gegeben, den Goten einstweilen Lebensmittel und Land zum Anbau zuzuweisen.]

Aufgabenvorschlag

Spielt eine Beratergruppe des Kaisers Valens, die darüber diskutiert, ob man die Westgoten ins römische Reich aufnehmen soll. Überlegt auch, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen das gegebenenfalls gemacht werden sollte. Ihr könnt Argumente aus dem Text "Warum lassen die Römer die Westgoten auf ihr Gebiet?" mit übernehmen. 


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Die Goten plündern den Balkan ...


Isidor: Geschichte der Gothen, Abschnitt 9 ff., S. 3ff. (Page n19 online)



Isidor, geboren um 570 n.Chr. als Sohn eines Provinzialen aus dem Distrikt Cartagena, war seit Anfang des 7. Jahrhunderts katholischer Bischof von Sevilla, also im Westfrankenreich. Er starb 636. Neben vielen anderen Werken schrieb er auch eine „Geschichte der Könige der Goten, Vandalen und Sueben“.

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9. Im 14. Jahre der Herrschaft des Valens (376 n. Chr.) wurden die Goten, welche dereinst die Christen aus ihrem Lande vertrieben hatten, selbst wiederum unter ihrem König Athanarich von den Hunnen vertrieben. Sie überschritten die Donau und unterwarfen sich, weil sie sich dem Kaiser Valens nicht gewachsen fühlten, jedoch ohne ihre Waffen auszuliefern. Der Kaiser wies ihnen Thrazien als Wohnsitz an. Da sie aber bemerkten, dass sie von den Römern ihrer alten Freiheit beraubt wurden, sahen sie sich zum Aufstand gezwungen. Sie verwüsteten Thrazien mit Feuer und Schwert, schlugen das römische Heer und verbrannten den Valens selbst in einer Hütte, in die er sich, durch einen Speer verwundet, geflüchtet hatte. So wurde der Mann von ihnen lebendig mit irdischem Feuer verbrannt, der so schöne Seelen dem ewigen Feuer preisgegeben hatte.“ [...]

„11. Im 3. Jahre der Herrschaft des Spaniers Theodosius I. (381 n.Chr.) begab sich Athanarich, um ein Friedens— und Freundschaftsbündnis mit dem Kaiser zu schließen, nach Konstantinopel und starb dort vierzehn Tage, nachdem er von Theodosius ehrenvoll empfangen worden war. Die Goten schlossen nach dem Tode ihres eigenen Königs, in Anbetracht der Güte des Kaisers Theodosius, ein Bündnis, traten in den Verband des römischen Reiches und blieben darin 28 Jahre.“

„12. Im vierten Jahre der Herrschaft Theodosius` verzichteten die Goten auf den Schutz des römischen Bündnisses und wählten Alarich zum König, weil sie es für unwürdig hielten, den Römern untertan zu sein und denen zu gehorchen, deren Gesetz und Gebot sie schon früher verachtet hatten, deren Bündnis sie in siegreichem Kampfe abgeschüttelt hatten.“

„13. Im 5. Jahre der Herrschaft des Honorius und Arcadius (400 n.Chr.) vereinigen sich die Goten, die bis dahin unter Alarich und Radagais geteilt, einander in mannigfachen Kämpfen zerfleischt hatten, zur Vernichtung des römischen Reiches auf ein gemeinsames Vorgehen und teilen sich zur planmäßigen Ausplünderung aller Landschaften Italiens.

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Die Westgoten plündern Italien
Aus dem Bericht des gotischen Geschichtschreibers Jordanes aus dem 6. Jahrhundert, Kapitel XXX
Zum Vergleich

schule-bw.de

Aufgabenvorschläge
  1. Welche Gründe gibt der westgotische Bischof  Isidor von Sevilla im Textabschnitt "Die Goten plündern den Balkan"  für den Abfall der Goten vom römischen Reich an? Schreibe sie heraus und antworte darauf aus römischer Sicht.

  2. Welche Voraussetzungen für eine Integration (einen Einbau) der Goten ins römische Reich fehlten deiner Meinung nach auf römischer und gotischer Seite?


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... und Italien mit seiner Hauptstadt Rom


Fortsetzung Isidor von Sevilla (Page n21 online)



14. Im 11. Jahre der Herrschaft des (weströmischen Kaisers) Honorius und (des oströmischen Kaisers) Arcadius [406 n.Chr.] machte der Gotenkönig Radagais, von Geburt ein Skythe, heidnischem Götzendienst ergeben, ein Barbar von ungezügelter Wildheit, mit 200.000 Mann einen Angriff auf Italien [solche Zahlenangaben sind mit Vorsicht zu genießen, Cu] und verwüstete einen großen Teil davon, indem er gelobte, für den Fall, dass er siegte, das Blut der Römer seinen Göttern zu Ehren und Christo zum Hohn zu vergießen. Sein Heer wurde von Stilico (Stilicho) , dem Feldherr der Römer, in den Bergen Tusziens [der heutigen Toscana, Cu] eingeschlossen und mehr durch den Hunger als durchs Schwert vernichtet. Der König selbst wurde schließlich gefangen und getötet.

15. [
Plünderung Roms] Im 15. Jahre der Herrschaft des (oströmischen Kaisers) Arcadius (410 n.Chr.) machte sich Alarich, dem Namen nach Christ, aber dem Bekenntnisse nach ein Ketzer [Alarich war arianischer Christ, Cu], auf, um den Tod seines Throngenossen Radagais zu rächen, da er zürnte, dass eine so große Menge Goten von den Römern vernichtet worden war, und zog, um seine Rache zu kühlen, gegen Rom. Er belagerte, erstürmte, verwüstete es mit Feuer und Schwert. So erlag die Stadt, die einst alle Völker besiegt hatte, dem Schwerte der Goten und musste sich ihrem Joche beugen. So mild aber zeigten sich die Goten, dass sie ein Gelübde taten, ehe sie die Stadt betraten, dass jeder Römer, der in einem Gotteshause vorgefunden wurde, nicht der Plünderung verfallen solle. Diesem Gelübde gemäß wurde im Sturm auf die Stadt allen denen, die zu den heiligen Schwellen sich geflüchtet hatten, Leben und Freiheit geschenkt. Auch diejenigen, welche außerhalb der Stätten der Märtyrer betroffen wurden und den Namen Christi und der Heiligen anriefen, fanden gleiche Schonung. „ [...]

18. In dieser Zeit nehmen die Goten Placidia, die Tochter des Kaisers Theodosius und Schwester der Kaiser Honorius und Arcadius in Rom gefangen. Dazu einen ungeheuren Schatz an Gold und Silber. Am dritten Tage, nachdem sie die Römer ausgeplündert, die Stadt zum großen Teil in Brand gesteckt und zerstört hatten, brechen sie auf. [...]

(Der Versuch der Westgoten, zu Schiff nach Afrika überzusetzen, scheitert an einem Sturm.) Bald darauf starb Alarich im 28. Jahre seiner Herrschaft in Italien.


Aufgabenvorschläge
  1. Wie beurteilt der westgotische Bischof  Isidor von Sevilla im Textabschnitt "... und Italien mit seiner Hauptstadt Rom" den Gotenkönig Radagais? Was steckt hinter diesem harten Urteil Isidors?

  2. Die Plünderung Roms empfanden die Römer als eine Art Weltuntergang. Wie erscheint die Plünderung Roms bei Isidor von Sevilla? Warum?

  3. Placidia führte gegen ihren Willen ein abenteuerliches Leben. In Ravenna, der Hauptstadt des Weströmischen Reichens, ist ein Grabmal, das die Tradition ihr zuschreibt, mit herausragendem Mosaikschmuck erhalten. Hier nur zwei Bilder davon:


    Bilder: Geschichtszentrum

    Verfasse eine Referat zum Thema "Das abenteuerliche Leben der Galla Placidia und ihr Grabmal in Ravenna". Recherchiere dazu im Internet.


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C - Die Völkerwanderung am Beispiel der Ostgoten

(Leicht umgestellter Text des Alamannenmuseums Ellwangen zur  Sonderausstellung "Die Ostgoten - Schutzherren der Alamannen")

Ausgehend von Skandinavien kommt es im Raum des heutigen Polen zur Expansion der Goten und zur Unterwerfung umliegender Gebiete. Ein Vorstoß führt sie in den südrussischen Raum und auf die Krim, die Bedrohung durch die Hunnen im 4. Jahrhundert zur Flucht und zur Ansiedlung auf römischem Reichsgebiet. In militärischem Auftrag des oströmischen
Kaisers ziehen 70.000 Ostgoten im Jahr 488 unter ihrem König Theoderich nach Italien und übernehmen dort und in den angrenzenden Alpenprovinzen die Herrschaft, siehe oben Karte Die Germanenreiche nach dem Zerfall der weströmischen Herrschaft (476).

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Ein Leben in zwei Kulturen: Theoderich der Große


Der ostgotische Königssohn Theoderich kommt mit sechs Jahren als Geisel an den oströmischen Kaiserhof nach Konstantinopel (Byzanz), damit die Ostgoten auf römischem Reichsgebiet ihre Vertragstreue einhalten. Er wird römisch erzogen und steigt in den Generalstab Ostroms auf. Nach dem Tode seines Vaters übernimmt er die Führung der Ostgoten und zieht im Auftrag des oströmischen Kaisers nach Italien, um das Weströmische Reich zu übernehmen. Er anerkennt formal stets die Oberhoheit des Kaisers. Einerseits ist er gotischer Stammenskönig, andererseits römischer Patricius, der Herr über eine römische Bürokratie. Die Ostgoten beanspruchen nur etwa 20 Prozent des Landes, sodass ein Zusammenleben mit der römischen Bevölkerung möglich ist. Dazu gehört auch, dass für
Ostgoten gotisches Recht und für Römer römisches Recht gilt.

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Ravenna - Hauptstadt des Abendlandes

 
Linkes Bild: Sogenannter Palast des Theoderich in Ravenna 
900 Pixel
Rechtes Bild: Palast des Theoderich: Mosaik in Sant` Apollinare Nuovo in Ravenna, der ehemaligen Palastkirche Theoderichs. Der mittlere, mit Goldmosaik gefüllte Bogen enthielt in gotischer Zeit gotische Würdenträger des Hofes. Nach der Eroberung Ravennas durch Ostrom wurden diese entfernt. Nur in der Vergrößerung sieht man noch zwei Hände an den Vorhängen (Rote Pfeile).
1000 Pixel
Bilder: Geschichtszentrum

Ravenna ist die letzte Hauptstadt des Weströmischen Reiches und wird von den Ostgoten belagert, bis im Jahr 493 ihr König Theoderich und der erste germanische König Italiens Odoaker beschließen, gemeinsam zu herrschen. Jedoch ermordet Theoderich im Palast Odoaker und begründet das ostgotische Reich (493-552) mit der Hauptstadt Ravenna. In dieser Stadt verstarb Theoderich im Jahr 526 und wurde in einem Grabmal beigesetzt, einem einzigartigen architektonischen Baudenkmal in Europa. Das steinerne Zeugnis überdauerte die massive Auslöschung ostgotischer Spuren nach dem Sieg des oströmischen Kaisers. ( Sarkophag Theoderichs in seinem Grabmal)

Weithin berühmt sind die Mosaiken in der Kirche San Apollinare, der Palastkirche Theoderichs (um 500 nach Chr.), sowie die Kuppelmosaiken in der Taufkapelle der katholischen Bischofskirche (um 420 nach Chr.), die ebenso wie Kuppelmosaiken in der Taufkapelle der arianischen Bischofskirche (um 500 nach Chr.) die Taufe Christi zeigen.

 
Linkes Bild: Baptisterium der Arianer in Ravenna
600 Pixel
Rechtes Bild: Baptisterium der Orthodoxen in Ravenna
600 Pixel

Bilder: Geschichtszentrum

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Das arianische Christentum der Ostgoten


Die Bezeichnung geht auf die Auffassung des christlichen Priesters Arius zurück: Christus sei dem Gottvater nur wesensähnlich, aber nicht wesensgleich. Den Heiligen Geist fasste Arius als Geist Christi auf. Als Goten auf dem Gebiet des römischen Reiches angesiedelt wurden, spielte das arianische Bekenntnis eine wichtige Rolle. Bischof Wulfila übersetzte die Bibel ins Gotische und diese blieb bis heute die Hauptquelle für die Sprache. Fast alle germanischen Völker nahmen das Christentum in der arianischen Form an. Deshalb gab es während Ostgotenzeit und Langobardenherrschaft stets je einen katholischen und einen arianischen Bischof in den Städten. Dazu gehörten die entsprechenden Kirchen und Taufkapellen der beiden Glaubensrichtungen.

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Religiöse Toleranz der Ostgoten


Am Hofe Theoderichs diskutieren katholische Römer und arianische Goten bei gegenseitigem Respekt über religiöse Fragen. Der Staat muss auch jene schützen, die im Glauben irren, sagt der Ostgotenkönig gegenüber den Juden von Mailand. In Genua betont er gegenüber den Juden: "Wir können keine Religion befehlen, denn niemand ist durch Zwang zum Glauben zu bringen." Eine niedergebrannte Synagoge müssen die Übeltäter und der katholische Bischof wieder aufbauen lassen. Als Ostrom (= Byzanz, Konstantinopel) ( Karte)Gesetze gegen Andersgläubige erließ, sandte Theoderich den Papst zum Kaiser nach Konstantinopel, um eine Rücknahme dieser Gesetze zu bewirken. Noch ein Jahr vor dem byzantinisch- ostgotischen Krieg, also im Jahr 535, schrieb der Senat von Rom an den oströmischen (= byzantinischen) Kaiser, dass zwar arianische Herrscher regierten, doch der Katholizismus in Italien blühe und der Kaiser nicht mehr tun könne für den Westen.

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Ostgotischer Offizier Rekonstruktion
Bild mit freundlicher Genehmigung des Alamannenmuseums Ellwangen
252 Pixel

 

Ostgotisches Militär


Die Ostgoten bilden in Italien und den verbliebenen Provinzen des Weströmischen Reiches gleichsam eine Militärschicht (493-552). Als Stammeskönig verfügt Theoderich nicht nur über ein gotisches Heer, sondern als römischer General auch über die römischen Truppen im Westen. Das Steueraufkommen des Staates dient wie in den Jahrhunderten zuvor im Wesentlichen für das Militär, sodass für die gehobene soziale Schicht die Ostgotenherrschaft keine zusätzliche Steuerbelastung bedeutet. Theoderich empfiehlt, den Toten ins Grab keine wertvollen Gegenstände mitzugeben, die letztlich nur Grabräuber anlocken. Daher finden wir in den Gräbern von Soldaten keine Waffen, sondern bestenfalls nur den roten Offiziersgürtel als Rangabzeichen. Das Militär hat in der Antike auch Aufgaben der Exekutive durchzuführen. Dazu gehört der staatliche Nachrichtendienst, der eine wesentliche Grundlage für Macht und Herrschaft ist.

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Alamannen und Ostgoten


Alamannische Bügelfibel vom Hemmaberg
Bild mit freundlicher Genehmigung des Alamannenmuseums Ellwangen
400 Pixel


Nach der "Schlacht bei Zülpich" von 496/497, in der der fränkische König Chlodwig die Alamannen besiegte, und dem Verlust eines zweiten Königs um 506 wurde Alamannien ins Frankenreich integriert. Der Ostgotenkönig Theoderich bat daraufhin Chlodwig, mit dem er seit 493 durch die Heirat seiner Schwester Audofleda verschwägert war, 507 in einem Schreiben um Milde gegenüber den Alamannen und bot deren "erschöpften Resten" seinen Schutz an.

Archäologisch lässt sich dieser Vorgang in Süddeutschland eindeutig nachweisen, etwa durch die Aufgabe von Siedlungen wie in Großkuchen bei Heidenheim sowie die erstmalige Besiedlung des Gebietes zwischen Iller und Lech in Bayerisch Schwaben, das offensichtlich bereits zum Machtbereich Theoderichs zählte. Doch diese Schutzherrschaft währte nur kurz: wenige Jahre, nachdem Theoderich 526 in Ravenna verstorben war, fiel auch dieses Gebiet 536/537 an die Franken.

Dass zu dieser Zeit auch Alamannen im Ostalpenraum lebten, wird durch den Fund einer silbervergoldeten alamannischen Bügelfibel des frühen 6. Jahrhunderts unter einem Kirchenfußboden auf dem Hemmaberg deutlich. Der spätantike Staatsmann und Schriftsteller Cassiodor überliefert uns außerdem ein Dekret Theoderichs aus der Zeit um 507, in der den Bewohnern der norischen Alpenprovinz befohlen wird, mit den durchziehenden Alamannen ihre Rinder zu tauschen.

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Globasnitz: Gräberfeld mit Kirche (Rekonstruktion)
Bild mit freundlicher Genehmigung des Alamannenmuseums Ellwangen
800 Pixel

 

Der Hemmaberg


Auf dem Hemmaberg, einer befestigten Höhensiedlung bei Globasnitz in Kärnten, stand um 510 nach Chr. eine katholische Kirchenanlage der römischen Christengemeinde, bestehend aus einer Kirche für die Eucharistiefeier, einer Taufkapelle sowie einer Kirche für die Firmung und das Gedächtnis eines Heiligen mit einem Reliquiengrab in der Apsis. Direkt daneben befand sich die arianische Kirchenanlage der ostgotischen Christengemeinde ebenfalls mit einer Kirche für die Eucharistiefeier, einem Heiligengrab unter dem Altar und einer Taufkirche. Da die Arianer den Heiligen Geist nicht als eigene göttliche Person betrachten, gab es hier keinen eigenen Firmungsraum. Bis zu den archäologischen Untersuchungen von Franz Glaser waren arianische Kirchen der Ostgotenzeit im Alpenraum unbekannt.

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Der Hemmaberg in der Weltliteratur


1983 erschien im Suhrkamp-Verlag des Werk "Der Chinese des Schmerzes" des aus Kärnten stammenden Schriftstellers Peter Handke, das in 23 Sprachen übersetzt wurde. Handke schreibt dort: "Ohne eigentlich ausgebildeter Archäologe zu sein, habe ich in der unterrichtsfreien Zeit immer wieder an den Ausgrabungsstätten im ganzen Land mitgearbeitet, vor allem auf dem Hemmaberg im südlichen Kärnten, wo ich bei der Abtragung des Fußbodenmosaiks der dortigen frühchristlichen Basilika dabei gewesen bin. An anderer Stelle heißt es: "In einem Glas auf meinem Schreibtisch befindet sich Holzmehl: Überbleibsel einer von mir entdeckten Schwelle, die vom Hemmaberg stammt und der Gegenstand meines ersten Aufsatzes gewesen ist. Schwellen ausfindig zu machen und zu beschreiben, ist meine Leidenschaft geworden".

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Deformierter Schädel eines Ostgoten aus dem Gräberfeld von Globasnitz, Kärnten
Bild mit freundlicher Genehmigung des Alamannenmuseums Ellwangen
400 Pixel

Künstliche Schädelumformung


Bei den Ostgoten werden Kleinkindern die Köpfe mit Binden umwickelt, sodass ein so genannter Turmschädel entsteht. Im Gräberfeld in Globasnitz ist diese Sitte an einigen Schädeln von Männern und Frauen zu beobachten. In Verbindung mit den Funden in den Gräbern lässt sich kein besonderer sozialer Status dieser Personen ablesen. Die Sitte der Schädelumformung wird auf das Vorbild mancher hunnischer Stämme mit dieser Sitte zurückgeführt. Je länger die Ostgoten auf römischem Reichsboden leben, desto seltener wird die Schädelumformung. Diesen Brauch finden wir aber auch bei Westgoten, Alanen, Langobarden und Baiern bis in das thüringische Gebiet.

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Adler und Kreuz


Die bronzenen Beschläge des Militärgürtels zeigen je zwei Adlerköpfe. Der Adler oder dessen Kopf ist bei den Ostgoten ein beliebtes Motiv, mit dem Gewandspangen (Fibeln), Beschläge und Schwertknaufe verziert werden. Für die Einlegearbeit des Adlermotivs werden in der Regel Almandine (= indische Granate) verwendet. Im Fall des Offiziersgürtels aus Globasnitz setzte der Kunsthandwerker durchsichtiges Glas ein und hinterlegte dieses mit rotem Leder. Der Schnallenrahmen zeigt winzige Quadratfelder mit Rosettenkreuzen. Der Schnallendorn ist mit einem silbernem Kreuz verziert, das den Mann als Christen ausweist. Der Träger des Gürtels ist daher Ostgote und arianischer Christ.

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Feuerzeug


Das Feuerzeug der Völkerwanderung besteht aus einem Feuerstahl (Feuerschläger), Feuersteinen und einem Zunderschwamm. Die Gegenstände werden in einem Täschchen am Gürtel getragen. Manchmal besitzt der Feuerschläger eine Schnalle, durch welche die Verschlusslasche der Tasche gesteckt wird. Diese Art der Feuerzeuge war in Tibet noch im 18. und frühen 19. Jahrhundert gebräuchlich. Mit dem Feuerstahl wird auf die Feuersteine geschlagen, um Funken zu erzeugen. Die Funken fallen auf den vorbereiteten Zunderschwamm, ein Baumschwamm. Der Funke auf dem leicht entzündlichen Schwamm muss durch Sauerstoffzufuhr, das heißt durch Anblasen, zum Glosen gebracht werden.

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Eisen zur Abwehr von Übeln


Eisen gilt als Mittel zur Abwehr von Übeln, von denen der Mensch befallen wird, wie uns Plinius im ersten Jahrhundert nach Chr. berichtet. Daher sind verschiedene Schmuckobjekte und Amulette in Eisen ausgeführt. Frauen tragen einen Eisenschlüssel am Gürtel oder auf der Brust, wie die Grabfunde zeigen. Sextus Pomponius Festus hält im zweiten Jahrhundert nach Chr. fest, dass es bei den Römern Brauch sei, den Frauen einen Schlüssel zu schenken, der als Amulett (des Aufsperrens) die Geburt erleichtern sollte. Eiserne Fingerringe werden einzeln auch neben einem Bronzering getragen. Vom Syrer Lukianos aus Samosata im zweiten Jahrhundert nach Chr. erfahren wir über die besondere magische Wirkung eines Eisenrings, wenn er aus den Nägeln eines Kreuzes gefertigt wurde.

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Ostgotische Frau Rekonstruktion
Bild mit freundlicher Genehmigung des Alamannenmuseums Ellwangen
250 Pixel

 

Frauenarbeit und Frauenschmuck


Wenige der verstorbenen Frauen werden mit ihrem persönlichen Schmuck - wie Ohrringen, Halskette aus Glasperlen, Armreifen und Fingerringen - begraben. Nur eine von ihnen trug einen Mantel, von dem eine Gewandspange (Fibel) stammt. Die großen Glasperlen an den Halsketten von Kleinkindern sollen vermutlich Augen darstellen, die - ebenso wie heute noch im Balkan und Orient - vor Übeln des bösen Blickes schützen sollen. In zwei Gräbern finden wir nicht Schmuck als Statussymbol, sondern je einen Spinnwirtel, ein Gewicht, das die Spindel beschwerte. Seit der Jungsteinzeit hat sich bis heute diese Technik nicht verändert. Die stehende Frau klemmt den Spinnrocken mit der Wolle unter den linken Arm und dreht mit der Rechten den Faden, bis die Spindel fast den Boden berührt.

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Unvollständiges Geschichtsbild


Durch die Ausgrabungen der Jahre 1999-2008 in Globasnitz ließen sich Fragen der Geschichte klären, für die es keine schriftlichen Quellen gibt. Im Ostalpenraum prägten die befestigten Höhensiedlungen des 5. und 6. Jahrhunderts das Geschichtsbild, während Talsiedlungen unbekannt waren. Stattdessen gilt nun, dass gleichzeitig mit der Bergsiedlung auf dem Hemmaberg im Tal die Straßenstation für den staatlichen Nachrichtendienst bestand. Daher war hier auch das Militär, nämlich die ostgotischen Soldaten, stationiert. Durch die neuen Ausgrabungen ist erstmals fast ein halbes Jahrhundert (493-536) der Kärntner Geschichte, Kultur, Kunst und Architektur zu erfassen. Die Erforschung der 422 völkerwanderungszeitlichen Gräber in Globasnitz (weitere ca. 100 liegen unzugänglich unter einer Asphaltstraße) bedeutet, dass wir im Ostalpenraum mit Gräberfeldern der Ostgotenzeit nicht auf den Bergen, sondern im Tal rechnen müssen.

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D - Die Zustände am weströmischen Kaiserhof 

 

Der Tod des Feldherrn Aëtius (um 390 bis 454 n.Chr.) und des Kaisers Valentinian III. (425 - 455 n.Chr.) nach dem spätantiken Historiker Prokop


Prokop von Cäsarea (um 500 - um 562), war spätantiker Historiker und wohlinformierter Rechtsbeistand des oströmischen Feldherrn Belisar, der im Auftrag Kaiser Justinians handelte. Prokop nahm persönlich an den Feldzügen gegen die Sassaniden, Vandalen und Ostgoten teil. Seine Werke verfasste er wohl nach 542 in Konstantinopel. Kaiser Justinian regierte von 527 - 565.

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Prokop berichtet:



Als Kaiser Valentinian III. sich an der Gemahlin seines Ratsmitglieds Maximus vergriffen hatte, verhielt sich dieser so:

"Maximus, über den Vorfall höchst aufgebracht, entwarf sogleich einen verderblichen Plan gegen den Kaiser. Da er aber die große Gewalt des Aëtius betrachtete (Dieser war der erfolgreiche Feldherr des Kaisers. Aëtius gilt als "der letzte Römer"), welcher nur neulich Attila (451 auf den katalaunischen Felder in Gallien zusammen mit verbündeten Germanen) geschlagen hatte, [...] so stellte er sich vor, dass dieser Aëtius ihm bei seinen Unternehmungen im Wege stehen werde. Als er hierüber nachdachte, glaubte er nichts Besseres tun zu können, als zuerst den Aëtius auf die Seite zu schaffen, der weiter nichts getan hatte, als dass die ganze Hoffnung der Römer auf ihm beruhete. Da er aber die Gunst der Verschnittenen (der Eunuchen), welche die Bedienung beim Kaiser besorgten, besaß, so ließ er durch deren Betriebsamkeit dem Kaiser einreden, dass Aëtius eine Staatsveränderung unternehmen wolle. Valentinianus, der aus keinem anderen Grunde die Angabe für richtig hielt, als weil Aëtius Macht und Verdienst besaß, richtete ihn hin. [...]

Nach dem Tode des Aëtius plünderte Attila, weil ihm keiner mehr das Gleichgewicht hielt, ohne Schwierigkeit ganz Europa und machte beide Kaisertümer willig, ihm Steuern zu zahlen. Denn jedes Jahr wurden von den Kaisern ihm Geldsummen gesendet. [...]

In der Folge (der Eroberung Aquileias durch Attila) tötete Maximus (454) den Kaiser ohne Schwierigkeiten, ergriff eigenmächtig die Regierung, und weil seine Ehegemahlin nicht lange zuvor gestorben war, so legte er sich der Eudoxia (
der Gemahlin des ermordeten Kaisers Valentinian III.) mit Gewalt bei. [...] Eudoxia, schon früher mit Hass gegen Maximus erfüllt, und begierig, den an Valentinianus verübten Frevel zu rächen, [...] sann auf sein Verderben [...] Sobald der Tag angebrochen war, schickte sie nach Karthago und ließ Gizerich (Geisereich, den König des nordafrikanischen Wandalenreiches) bitten, den Valentinianus [...] zu rächen und sie, welche von dem Tyrannen Gräuel erdulden müsse, zu befreien." Im Ergebnis plündert Geiserich 455 Rom.

( Prokop: Wandalische Denkwürdigkeiten, Seite 22 ff. (444), übersetzt und mit Erläuterungen versehen von Dr. Pet. Friedr. Kanngießer, Greifswald 1828 | Seite 327 eingeben und dann schnell durchklicken)

Aufgabenvorschläge
  1. Welche inneren Gründe für den Untergang des Weströmischen Reiches werden aus dem Bericht  Prokops deutlich?

  2. Meinst du, dass sich bei Valentinian III. ein Fürsprecher für Aëtius hätte finden lassen? Begründe deine Meinung.


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Die Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus 476 n.Chr. nach Prokp von Cäsarea


Prokop von Cäsarea, um 500 - um 562), spätantiker Historiker, wohlinformierter Rechtsbeistand des oströmischen Feldherrn Belisar, der im Auftrag Kaiser Justinians handelte. Prokop nahm persönlich an den Feldzügen gegen die Sassaniden, Vandalen und Ostgoten teil. Seine werke verfasste er wohl nach 542 in Konstantinopel. Kaiser Justinian regierte von 527 - 565.

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"Während Zenon in Byzantium Kaiser war, erhielt (Romulus) Augustus die Obergewalt im Westen. Ihn nennen die Römer mit schmeichelndem Ausdrucke Augustulus (das Kaiserlein), weil er noch als Knabe die kaiserliche Regierung, welche sein Vater (Orestes), ein sehr verständiger Mann, für ihn verwaltete, übernahm. Einige Zeit zuvor hatten die Römer Sciren, Alanen und einige andere gotische Völker in ihre Bundesgenossenschaft gezogen. [...] Je kräftiger aber unter ihnen sich der Zustand der Ausländer zeigte, desto mehr verschwand bereits das Ansehen der römischen Soldaten. Die Römer wurden unter dem anständigen Namen der Bundesgenossenschaft von den angekommenen Fremdlingen willkürlich beherrscht, und dergestalt gewalttätig behandelt, dass jene (die ausländischen Bundesgenossen) von ihnen (den Römern) trotz ihres Sträubens viele andere Vorteile schamlos erpressten, und endlich alle in Italien liegenden Landgüter unter sich zu teilen verlangten. Sie forderten, dass Orestes den dritten Teil derselben ihnen geben solle. Da er sich nicht dazu verstehen wollte, brachten sie ihn sogleich ums Leben.

Unter ihnen befand sich ein Mann namens Odoaker
(ein Scire), der zu den Stabsoffizieren des des Kaisers gehörte. Dieser versprach, ihre Forderungen zu erfüllen, wenn sie ihn an die Spitze der Regierung stellten. Als er auf diese Weise die widerrechtliche Gewalt erlangt hatte, fügte er dem Kaiser weiter kein Leid zu, sondern verstattete ihm, für die Folge im Privatstande zu leben. Da er den Ausländern den dritten Teil der Äcker verschaffte (oder sie an Steueranteilen beteiligte) und sie durch dieses Mittel mit dem festesten Bande 
an sich knüpfte, so behauptete er an zehn Jahre die willkürliche Oberherrschaft."


Odoaker unterstellte sich als "Patricius" dem oströmischen Kaiser. Das alte weströmische Rechts- und Verwaltungswesen bestand weiter. 493 musste er die Herrschaft wenige Tage mit dem Ostgotenkönig Theoderich teilen, wurde dann aber von diesem eigenhändig getötet.

Prokop von Caesarea: Gotische Denkwürdigkeiten, Erstes Buch, übersetzt und mit Erläuterungen versehen von Pet. Friedr. Kanngießer, Greifswald 1829, Seite 1f.

Aufgabenvorschläge
  • Warum verweigerte Orestes wohl die Aufteilung der in Italien liegenden Landgüter?

  • Welche Schwächen des weströmischen Reiches kannst du aus dem Bericht Prokops vom Endes des letzten weströmischen Kaisers erkennen? 

  • Die Zeitgenossen empfanden das Jahr 476 n.Chr. kaum als entscheidendendes Datum für den Untergang des (west)römischen Reiches. Notiere Gründe.


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Sonderausstellung "Die Ostgoten - Schutzherren der Alamannen" 

Bis 19.4.2009
Alamannenmuseum Ellwangen


Foto: Ostgotische Adlerschnalle mit eingelegtem Kreuz auf dem Dorn vom
Hemmaberg in Kärnten (Foto: Museum)
Bild mit freundlicher Genehmigung des Alamannenmuseums Ellwangen

 


Reste des langobardischen Klosters San Salvatore in Sirmione
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Bild: Geschichtszentrum


Brunnen im Kreuzgang von S.Giovanni in Laterano, Rom, mit typisch langobardischer Flechtbandverzierung
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Bild: Geschichtszentrum

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