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DEPO Deutschland postkolonial;
erinnern und versöhnen
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CD-
Tipp


CD-ROM "Imperialismus und Erster Weltkrieg"
CD erstellt im Auftrag des LMZ für den Bildungsserver SESAM.
Außerhalb Baden- Württ. erhältlich bei medialesson
Aus dem Inhalt:
fertige UE | multimedialer "TA" | elektronische
Arbeitsblätter | flexibel einsetzbare Quellen | original Film-
und Tondokumente | Prüfungsaufgaben mit Antworten | ausdruckbare
Folien | eigene Materialsammlungen
€
10.-- , ab 10 CDs € 8,-- , zuzüglich Versandkosten (für
Bildungseinrichtungen in Baden-Württemberg)
Bestellungen
unter obigem Link
www2.lmz-bw.de |
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Impressum

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Geschichtszentrum ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht
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Ein Platz an der Sonne
Deutsche Kolonialpolitik im heutigen Namibia
Der Artikel bezieht sich auf eine Ausstellung zu Namibia, zeigt aber
indirekt anhand des Rassismus die Kontinuität von Kaiserreich und
Imperialismus bis zum Nationalsozialismus (Konzentrationslager,
Völkermord, medizinische Experimente).
Voice of Germany
netzeitung.de
Aufgaben:
- Wie kommt es laut Artikel zum Erwerb deutscher Kolonien? Ergänze aus
diesem Link: Die deutschen Kolonien. Interaktive Infografik des ZDF -> Deutsche Kolonien in Afrika -> Erwerb
- „Die deutsche Kolonialpolitik war ein Vorläufer der nationalsozialistischen Politik.“ Nimm Stellung zu dieser Behauptung.
- Notiere Fragen zur Kolonialpolitik, die noch zu beantworten wären.
Namibia: Anführer der Herero verlangt finanzielle Entschädigung von Deutschland
shortnews.de
Aufgabe:
- Bereitet ein
Streitgespräch für zwei Teilnehmer(innen) vor. Eine(r) spricht für,
eine(r) gegen eine Entschädigung. Als Grundlage dient je 1
Merkzettel.
|
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Basiswissen
Imperialismus im
Sinne einer Weltreichsbildung gab es in der Geschichte immer wieder. Seit
der letzten Drittel des 19. Jh. betreiben die europäischen Mächte und
die USA systematische eine imperialistische Politik. Dieser sog.
"moderne Imperialismus" ist eine
Erscheinungsform der modernen
Industriegesellschaft.
Beispiel
für eine Koloniegründung:

Gründung der Kolonie Neu-Süd-Wales (Australien)
Aufgabenvorschläge
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Blick auf die Werft von Blohm & Voss, 1909
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Bildnachweis (Kolonie und Heimat in
Wort und Bild)
Als
"Wirtschaftsimperialismus" zielt er auf die Ausfuhr von Waren und
Kapital, auf die Einfuhr billiger Rohstoffe und auf die Vermeidung von
Wirtschaftskrisen. Die Ausweitung des Handels und die Schaffung von
Märkten waren zentrale Anliegen. Das musste notwendigerweise mit dem
Aufbau von Infrastrukturmaßnahmen (Eisenbahnbau, Straßenbau, Telegrafie,
usw.) einhergehen, um Rohstoffe und Handelswege zu erschließen.
Als "Sozialimperialismus"
expandieren imperialistische Mächte nach außen,
um die inneren sozialen Verhältnisse durch Auswanderung und Schaffung von
Arbeitsplätzen zu stabilisieren und mögliche
Revolutionen zu vermeiden: "Wenn man einen Bürgerkrieg vermeiden
will,
muss man Imperialist sein." (Cecil Rhodes).
Der Imperialismus spielt sich ja vor dem Hintergrund eines noch kaum oder
wenig entwickelten Sozialstaats und eines Bevölkerungswachstums ab.
Weitere Motive
imperialistischer Politik bilden nach wie vor strategische und
kulturelle Gründe, dazu mehr im Absatz
"Begründungen".
Die systematische Weltreichsbildung ersetzt das Prinzip "the flag
follows the trade", nach dem im Bedarfsfall Schutz für private
Gesellschaften gewährt wurde.
Bildnachweis (Kolonie und Heimat in Wort und Bild,13. Februar
1910)
Beispiele
für wirtschaftliche Motive

Argumente für eine deutsche Kolonialpolitik

Bevölkerung, Eisenbahn, Post- und Telegrafenanstalten in den deutschen Kolonien

Die Bagdadbahn
Motiv
Mission:

Die christliche Mission in Deutsch- Ostafrika
Aufgabenvorschläge
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Die Expansion wird
ideologisch anders begründet als früher, wo
christlich-missionarische Motive im Vordergrund der Begründung standen.
Mission wird zwar ebenfalls angeführt und auch massiv betrieben, aber
eine wichtigere
Rolle spielt der
Nationalismus in seiner übersteigerten Form des
Chauvinismus, z.B. "right or wrong my country" oder
"Deutschland, Deutschland über alles".
Eine weitere Begründung
liefert auch ein kulturelles Sendungsbewusstsein. Man will den "Wilden" europäische Kultur und Zivilisation
bringen, auch über die Mission.
Die Ehrlichkeit dieses Anliegens zumindest bei Missionaren und
europäischen Philanthropen (Menschenfreunden) zu unterschätzen würde
den Tatsachen nicht gerecht. Noch heute wird ja in den Kirchen für die
Mission gespendet.
Diese kulturellen Motiv klingt aus heutiger Sicht vielleicht überheblich, aber man
muss sich die Zeitumstände vor Augen halten:
In weiten Teilen der Welt
waren Glaube an Geister, Zauberei und Amulette (große Teile Afrikas,
China, Inselwelt des Pazifik, usw.) verbreitet, es gab die Vielweiberei
(islamischer Bereich, China, usw.), Sklaverei (von den Engländern und
anderen im 19.
Jh. massiv bekämpft), Ermordung bzw. Aussetzung weiblicher Säuglinge
(Teile Indiens, usw.), Kastenwesen (Indien), Menschenfresserei
(Kannibalismus z.B. in Teilen der pazifischen Inselwelt), usw.. Man
empfand es als unchristlich und gegen die Gebote der Menschlichkeit
gerichtet, diese Zustände zu dulden und wollte sein Möglichstes
tun, um sie zu ändern, soweit die Umstände es erlaubten. Im Unterschied
zu heute glaubte man in Europa in weiten Teilen der Bevölkerung, wenn
auch mit durch Liberalismus und Sozialismus abnehmender Tendenz, trotz und
neben der Aufklärung an die christlichen Lehren in der von den Kirchen
vorgegeben Form (Glaubensbekenntnis, Katechismus, 10 Gebote) und ging
regelmäßig zur Kirche.
Weiterhin war die
nichteuropäische Welt im Vergleich zu Europa auch in anderer Hinsicht völlig unterentwickelt.
Technik, Industrie und Wissenschaft fehlten weitgehend, es mangelte an
Hygiene, der Analphabetismus war weitverbreitet. So war den Zeitgenossen,
Europäern wie NIchteuropäern (!), der Überlegenheit der
europäischen Kultur offensichtlich. Das war der Grund, weshalb die
Nichteuropäer einerseits wissenschaftlich, technisch,
wirtschaftlich und vor allem militärisch nachziehen wollten,
andererseits dabei mit ihrer eigenen Kultur und ihren eigenen
Traditionen in Konflikt kamen. Die Lösung dieses Problems dauerte
unterschiedlich lange und führte bis heute zu unterschiedlichen
Ergebnissen.
Fühlbar wurde die
kulturelle Überlegenheit der Europäer für die Nichteuropäer vor allem militärisch.
Die Nichteuropäer verfügten nicht über die industriell-
hochtechnologischen Waffen der Europäer.
Wichtig war auch
der
Rassismus. Man
ging aufgrund des Augenscheins der kulturellen Überlegenheit der
Europäer von der Überlegenheit der "Weißen"
über die "Farbigen" aus und zog daraus falsche, nämlich
rassistische Schlussfolgerungen.
Buchempfehlung:
Wer das Denken der Zeit und den Zustand der Welt im 19. Jahrhundert
näher kennen lernen will, findet hier einen leicht lesbaren
Einstieg:

Reise der oesterreichischen Fregatte Novara um die Erde, in den Jahren 1857, 1858, 1859
Erster Band: Vorbereitung der Reise, Von Triest nach Gibraltar, Gibraltar, Madeira, Rio de Janeiro, Kap der Guten Hoffnung, Die Inseln St. Paul und Amsterdam, Die Insel Ceylon, Madras, Die Nikobrischen Inseln, Singapore, Java, Manila
Es handelt sich um eine österreichische Forschungsexpedition

Reise der oesterreichischen Fregatte Novara um die Erde, in den Jahren 1857, 1858, 1859
Zweiter Band: Hongkong, Schanghai, Die Insel Puynipet, Die Koralleninsel Sikayana, Sydney, Auckland, Tahiti, Valparaiso, Isthmus von Panama und zurück nach Gibraltar |
Beispiele
anhand von zeitgenössischen Zeitschriftenartikeln unter:

Die christliche Mission in Deutsch- Ostafrika

Eine "kulturelle Begegnung" im kolonialen Afrika oder
Wie funktioniert Rassismus?

Eine "kulturelle Begegnung" in Ozeanien: Umgang mit
Menschenfresserei
Aufgabenvorschläge
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4 - Typen
imperialistischer Herrschaft
|

Kiautschou: Deutsche Schiffe im Hafen von Tsingtao, zur
Feier von Kaisers Geburtstag beflaggt.
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Bildnachweis (Kolonie und Heimat in Wort und Bild,13. Januar 1910)
Zu unterscheiden
sind zwei Typen imperialistischer Herrschaft, die aber beide darauf
ausgehen, auf Dauer eine Herrschaft über eine fremde Gesellschaft zu errichten.
Der erste Typus
errichtet eine indirekte Herrschaft (informal empire), d.h. er
erstrebt
keine Territorialherrschaft über fremde Gebiete, sondern v.a. eine
effektive Kontrolle der fremden Wirtschaft. Diese wird an den eigenen
Interessen ausgerichtet und das fremde Land ist gezwungen sich auch
politische Vorschriften machen zu lassen.
Der zweite Typus
errichtet eine direkte oder formelle Herrschaft (formal empire),
d.h.
er erstrebt die Herrschaft über ein fremdes Gebiet, das militärisch
besetzt und vom sog. "Mutterland" verwaltet wird. Es weht die
Flagge
der neuen, beherrschenden Macht. In diesem Falle spricht man von
Kolonialismus, die beherrschten Gebiete heißen Kolonien.
Beispiele für eine indirekte Herrschaft europäischer Mächte über fremde
Mächte:

Ägypten wird faktisch britisch

Informelle Herrschaft über das Osmanenreich

Einbruch des Westens nach China
schule-bw.de

Die Reaktion Chinas bis 1911 auf den Einbruch des Westens
schule-bw.de
Aufgabenvorschläge
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5 - Mittel
imperialistischer Politik
|
Mittel
imperialistischer Politik sind z.B. das Ausnutzen der
Verschuldung fremder Staaten, die Gewährung von Krediten, die
Entsendung von Militärberatern und die Lieferung von Militärgütern,
Missionstätigkeit, die Lieferung von Nahrungsmitteln gegen
Bedingungen, die Lieferung von hochtechnisierten Gütern, auf deren
Ersatzteile man angewiesen ist, usw. Diese Mittel sind aber nur dann
imperialistisch, wenn sie zum Zwecke der Beherrschung fremder Staaten
eingesetzt werden. Die Anwendung militärischer Gewalt ist üblich.
Beispiel
Militärhilfe unter

Deutscher militärischer Einfluss im Osmanenreich
Beispiel
wirtschaftliche Durchdringung unter

Die Bagdadbahn
Aufgabenvorschläge
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6 - Wichtigste
Kolonialmächte und kolonisierte Gebiete
|

Giraffe
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Bildnachweis (Kolonie und Heimat in Wort und Bild, 21. November 1909)
Wichtigste
Kolonialmächte und kolonisierte Gebiete sind
England, Frankreich und Russland (russische Binnenkolonisation). Zu spät
gekommen sind
Deutschland und Italien. Im Niedergang begriffene
Kolonialmächte, die ihren Höhepunkt hinter sich haben, sind Portugal und
Spanien. Kleinere Kolonialmächte sind die Niederlande und Belgien. Die
USA legen den Schwerpunkt auf ein Informal Empire. Japan ist die einzige
asiatische imperialistische Macht.
Afrika
(Kap-Kairo-Linie; Faschoda-Krise) und
Ozeanien werden fast völlig
kolonisiert, Asien teilweise, teils wird es auch informell beherrscht
(
Osmanisches Reich,
China). Der Indische Ozean wird ein britisches
Meer (Karte). Frankreich hat seinen
Kolonialschwerpunkt in Nordafrika und Indochina (Karte).
Wie
die Verhältnisse vor Ankunft der Europäer aussahen, war sehr
verschieden. Folgende Beispiele
geben eine kleine Vorstellung:

Schwierigkeiten beim Eisenbahnbau in China

Bassari in Bild und Wort
Ein Artikel aus dem Jahr 1904 aus:
Illustrirte Zeitung Nr. 3183, 30. Juni 1904
Gekürzte Fassung
Aufgabenvorschläge
zum Basiswissen Imperialismus Punkt 1 - 7

Arbeitsblatt Basiswissen
Imperialismus (Punkt 1 - 7)
Lade das Arbeitsblatt herunter und fülle es mit Hilfe des
Basiswissentextes
aus. Die Zwischenüberschriften im Text entsprechen den
Überschriften in den Spalten des Arbeitsblatts.
- Erläutere deine
Aufschriebe vor der Klasse, auch mit Hilfe von Karten.
Insbesondere die Begriffe sind wichtig.
|
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7
- Aspekte des Imperialismus in Quellen
|
| 7.1
Argumente aus dem Jahre 1866 für eine deutsche Kolonialpolitik |
"Erwacht nur einmal in Deutschland bei fortschreitender Machtentwicklung der Wunsch und das Bedürfnis nach überseeischem Besitztum, sind seine maritimen Mittel ausreichend, denselben zu schützen und zu verteidigen, so wird die Wahl der Örtlichkeiten zwar beschränkt, aber die Aufgabe keineswegs unausführbar sein. Es gibt im Indischen und im großen Ozean [Pazifik] noch verschiedene Inselgruppen, welche sich durch ihre hypsometrischen Verhältnisse, geographische Lage und Fruchtbarkeit des Bodens vollkommen zu Niederlassungen für weiße Arbeiter eignen würden. Das Bedenken gegen die klimatische Beschaffenheit der Mehrzahl jener Inseln fällt weg, wenn man wahrnimmt, welche merkwürdigen Veränderungen in dieser Beziehung der Fleiß und die Rührigkeit der Ansiedler in Singapore und Pulo-Pinang im malayischen Archipel hervorgebracht haben, auf Eilanden [Inseln], welche aus einsamen, wegen ihrer Gesundheitsfeindlichkeit verschrieenen und gemiedenen Waldwüsten zu beliebten Gesundheitsstationen für die reichen weißen Bewohner der Inselwelt Ostasiens wurden. Freilich dürften die Staatsmänner Deutschlands nicht gar zu lange mehr zögern und über die brennenden Fragen der Gegenwart nicht die Zukunft allzu sehr aus dem politischen Auge verlieren; denn die Engländer nehmen geräuschlos.aber systematisch eine um die andere herrenlose Insel in Besitz, wie sie dies noch in neuester Zeit mit der Andomanen-Gruppe im Meerbusen von Bengalen getan haben, oder sie lassen sich, wie von den herrlichen Fidschi- Inseln durch einen einflussreichen Missionar ein verdächtiges Protektorat [Schutzherrschaft, Schutzgebiet] antragen, während der Kaiser der Franzosen [Napoleon III.] mit seinem unwiderstehlichen Hang zu Annexionen unaufhörlich bemüht ist, geografisch oder handelspolitisch wichtige Punkte, wie jüngst erst Neukaledonien und die Loyalitätsinseln, sich anzueignen."

Textnachweis
Karl von Scherzer (Ritter von): Reise der oesterreichischen Fregatte Novara um die Erde, in den Jahren 1857 ...,
Zweiter Band , S. 289.
Aufgaben:
- Welche Voraussetzungen für deutschen Kolonialbesitz werden genannt?
- Mit welchen Argumenten wird hier für deutschen Kolonialbesitz geworben? Nenne weitere Argumente, die damals vorgebracht wurden.
- Stelle den hier genannten Vorteilen von Kolonien mögliche Nachteile gegenüber. Unterscheide nach wirtschaftlichen, politischen und anderen Nachteilen.
- "Freilich dürften die Staatsmänner Deutschlands nicht gar zu lange mehr zögern und über die brennenden Fragen der Gegenwart nicht die Zukunft allzu sehr aus dem politischen Auge verlieren": Welche waren die brennenden Fragen der Gegenwart des Jahres 1866?
|
Nach oben
| 7.2
Gründung der Kolonie Neu-Süd-Wales (Australien) |

Gründung der Kolonie Neu-Süd-Wales
(Australien)
schule-bw.de
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| 7.3
Australien als Beispiel britischer Kolonialpolitik |

Aus dem Zweiten Band dieses
Buchtitels stammt der folgende Text.
Abgebildet ist die Fregatte Novara
Absolut lesenswert!
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Bildnachweis
Der
folgende Text stammt aus einem Buch über die Weltreise der
österreichischen Fregatte "Novara" im 18. Jahrhundert.
Geschildert werden die Verhältnisse vom Dezember
1858.
"England hat es besser als Deutschland verstanden, die Kräfte seiner emigrierenden Söhne sich auch in fremden Weltteilen nutzbringend und dienstbar zu erhalten.; es nahm sich der Auswanderer fürsorgend an, dehnte seine Unterstützung und seinen Schutz auch auf deren Adoptivheimat aus und betrachtete jede neue
Niederlassung nur als eine Erweiterung der Grenzen des britischen Reiches, als eine Vermehrung der Abzugsquellen [=Absatzmärkte] für seine Fabrikate, als einen neuen Stapelplatz für seinen Handel! In allen Teilen der bewohnten Erde wurden auf diese
Weise englische Kräfte tätig, die Bedürfnisse des einheimischen Marktes an Naturprodukten der mannigfaltigsten Art zu befriedigen und dafür im Austausch englische Manufakte [=
Waren] zu beziehen. Englische Schiffe wurden die Vermittler des Welthandels und das englische Idiom [= Sprache] wurde die Nationalsprache aller Seefahrer.
Australien [...] bietet in dieser Beziehung von allen britischen Kolonien das belehrendste Beispiel. [...]
Ursprünglich zu einer Strafkolonie für auf Lebensdauer verurteilte Verbrecher bestimmt und durch diese bedenklichen Elemente gegründet, ist das herrliche Land
jetzt eine der reichsten und wichtigsten Kolonien der britischen Krone, und in der Nähe jener Stelle, wo am 28. Januar 1788 850 Sträflinge landeten, um dort dauernd ihren unfreiwilligen Aufenthalt zu nehmen, erhebt sich gegenwärtig [...] eine Stadt von solchem Glanze [= Sydney] [...], dass man ihr den Beinamen "Königin des Südens" [...] gegeben hat.
Die Bevölkerung der Stadt und Umgebung ist bereits auf 94.000, jene der ganzen Kolonie schon auf 360.000 Seelen gestiegen; der Handel hat eine derartige Höhe erreicht, dass seine Vermittlung über 1.000 Schiffe mit 18.000 Mann Schiffsvolk beschäftigt und der Wert der jährlich ausgeführten Produkte und importierten Manufakte
[= Waren] zusammen mehr als 120 Millionen Gulden beträgt! Die Entdeckung reicher Goldfelder in der benachbarten Kolonie Victoria hat allerdings wesentlich zu diesem riesigen Aufschwung beigetragen und die Einwanderung beträchtlich vermehrt, aber die Entwicklung des Landes ist auch in jenen Teilen nicht minder großartig, wo sich die Bevölkerung der sicheren und solideren Beschäftigung des Ackerbaues und der Viehzucht hingibt. Die Wollproduktion Australiens, welche im Jahre 1820 kaum 1.000
Zentner betrug, hat sich jetzt auf beinahe 50 Millionen Pfunde erhoben, sie wetteifert an Menge und Qualität mit dem gleichen Erzeugnisse des Kaplandes und ist ein gefährlicher Konkurrent für jene europäischen Länder geworden, deren Wollernte sonst am englischen Markte auf so vorteilhaften Absatz rechnen
konnte." (Karl von Scherzer, Bernhard von Wüllerstorf- Urbair:
Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde, Zweiter Band,
Wien, 1866, S. 202)

Textnachweis
Aufgaben:
- Wieso besitzt Österreich
im Jahre 1858 eine Fregatte, also ein Kriegsschiff? Werfe eine
Blick auf die
Karte.
- Worin sieht der Autor den
Vorteil der Kolonie Australien für Großbritannien?
- Was ist im ersten Satz des
Textauszuges mit den "emigrierenden Söhnen"
Deutschlands gemeint?
- Ist der erste Absatz als
Appell für eine deutsche Kolonialpolitik zu verstehen?
Begründe deine Meinung.
|
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Singapore um 1860
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Bildnachweis
"Die Insel Singapore oder Singhapura [Löwenstadt von Singha = im Sanskrit "Löwe" und pura = Stadt] ist an der südlichen Spitze der Halbinsel Malakka gelegen, von welcher sie bloß durch eine durchschnittlich kaum eine Meile breite Wasserstraße getrennt ist. [...]
Bis zum Jahre 1819 war Singapore eine öde Waldwüste und die einzige Ansiedlung auf derselben bestand aus ein paar armseligen malayischen Fischerhütten, der
Schlupfwinkel von Piraten, welche zu jener Zeit die Schifffahrt in diesen Gewässern so gefährlich machten. Da wurde nach der Zurückgabe der holländischen Kolonien im indischen Archipel, welche bekanntlich während des ganzen europäischen Kontinentalkrieges bis zum Jahre 1814 im Besitze Englands geblieben waren, der frühere britische Gouverneur von Java, Sir Stamford Raffles, damit beauftragt, den geeignetsten Punkt in den malayischen Gewässern zur Gründung eines freien Emporiums namhaft zu machen, wo sich der allgemeine Verkehr aller handeltreibenden Völker konzentrieren und entwickeln könnte. England verband damit die Absicht, die seinen Interessen feindlichen Holländer in diesen Gewässernkeinen festen Fuß fassen zu lassen, ein Depot zur Ansammlung für die zum Austausch gegen Tee und Seide in China so wichtigen Produkte des Archipels zu gewinnen, und endlich einen geeigneten Hafen zur Aufnahme und Ausbesserung seiner Kriegsschiffe und Kauffahrer zu besitzen, welcher, in der Nähe von Teakholz liefernden Ländern gelegen, zugleich den Vorteil bieten sollte, seine Kriegsschiffe zu einer Zeit mit Baumaterial zu versehen, wo an Eichenholz in England bereits Mangel eintrat.
Nachdem anfänglich die Aufmerksamkeit Sir Stamford`s auf verschiedene
Lokalitäten gerichtet war, fiel endlich seine Wahl auf Singapore, und bereits am 6. Februar 1819 wehte die englische Flagge von der einsamen Insel,
weithin der seefahrenden Welt den Beginn einer neuen Ära verkündend! Indes kam erst im Jahre 1824 der
Konzessionsvertrag zustande, wonach Holland seine Ansprüche an England abtrat und Singapore, bisher das Besitztum des Sultans von Djohore, gegen eine
Summe von 60.000 spanischen Dollars unbd einer jährlichen Leibrente von 24.000 Dollars völlig in den
Besitz Englands überging. Die Sklaven auf der Insel erhielten die Freiheit, alle Monopole wurden abgeschafft und Singapore zum Freihafen erklärt. [...]
Gegenwärtig ist die Bedeutung aller dieser Häfen [nennen] nur mehr eine historische, während Singapore durch seine außerordentlich günstige geografische Lage und den liberalen Geist seiner politischen Institutionen einen Aufschwung genommen hat, welcher völlig beispiellos dasteht in der Geschichte des Welthandels.
Von einem wüsten, dem Verkehr feindlichen Versteck beutegieriger Seeräuber hat sich die Insel in ein blühendes Emporium verwandelt; an 1000 fremde Schiffe und über 3000 malayische Prahus und chinesische Dschunken laufen jährlich mit Waren und Produkten aller Art beladen ein und aus, und an 110 Millionen österr. Gulden
beträgt der Gesamtwert der jährlich daselbst getauschten Güter! Das hat eine klug berechnete freisinnige [=liberale] Handelspolitik aus einem öden, ungesunden, malayischen Piratennest zu Stande gebracht! Wenn noch ein Zweifel über die glänzenden Resultate eines möglichst freien und ungehinderten Verkehres zwischen Handel treibenden Nationen bestehen könnte, so müsste er durch das Schauspiel gehoben werden, welches sich dem Auge des erstaunten Besuchers im Hafen von Singapore, dem Alexandrien des 19. Jahrhunderts, darbietet!"

Textnachweis
Karl von Scherzer (Ritter von): Reise der oesterreichischen Fregatte Novara um die Erde, in den Jahren 1857 ...,
Erster Band , S. 451
Aufgaben:
- Welche Vorteile versprechen
sich die Briten von der Kolonie Singapore?
- Wie wird Singapore
britisch? Vergleich oben mit der britischen Kolonie
Neu-Süd-Wales (Australien): Wie
wird Neu-Süd-Wales britisch?
- " Das hat eine klug berechnete freisinnige [=liberale] Handelspolitik aus einem öden, ungesunden, malayischen Piratennest zu Stande gebracht!"
Erläutere diesen Satz. Was bedeutet liberale Handelspolitik?
Inwiefern wurde diese in Singapore umgesetzt? Welche Erfolge
sind zu verzeichnen?
- Singapore und
Neu-Süd-Wales (Australien)
repräsentieren 2 verschiedene Typen von Kolonien. Versuche
durch einen Vergleich der Gründungsabsichten und -umstände
herauszufinden, welche.
|
Nach oben
| 7.5
Bevölkerung, Eisenbahn, Post- und Telegrafenanstalten in den
deutschen Kolonien |

Bevölkerung, Eisenbahn, Post- und Telegrafenanstalten in den
deutschen Kolonien
Stand 1909. Anklicken für
Vergrößerung
Bildnachweis (Kolonie und Heimat im Wort und Bild, 13. März 1910)
Bericht 1
"Da die Entwicklung der Kolonien als Rohstofflieferanten und Absatzgebiete gerade mit der Entwicklung der Verkehrswege steht und fällt, so soll hier der Stand des Eisenbahnbaus nach den neusten amtlichen Feststellungen hier wiedergegeben werden. Er ergibt sich aus folgender Übersicht:
|
Im Betrieb |
Im Bau |
|
Anfang |
1909 |
Ende |
Anfang |
1909 |
Ende |
|
Kamerun |
---
km |
|
108
km |
520
km |
|
412
km |
|
Togo |
161
km |
|
196
km |
175
km |
|
143
km |
|
Südwestafrika |
1.486
km |
|
1,599
km |
113
km |
|
---
km |
|
Ostafrika |
338
km |
|
464
km |
744
km |
|
791
km |
Quellennachweis (Kolonie und Heimat im Wort und Bild, 13. März 1910)
Bericht 2
"Schon in den Pugubergen, 20 km hinter Daressalam, zeigte es sich, dass die ostafrikanischen Straßen, die vorher keines Wagens Räder je berührt [hatten], für solche Transporte unzulänglich waren. Der Karren musste erleichtert werden. Die entladenen Gepäckstücke wanderten auf die Schultern der Träger, welche, durch Zurücklassung eines Zeltes freigemacht, gänglich waren. Mit nahezu völlig leerem Wagen und mit insgesamt 12 Trägern zogen die beiden Familien weiter. Nach 12tägiger Reise, während welcher die des Klimas - mit Ausnahme ihres Führers - ungewohnten Leute, stetes im freien nächtigten und mit primitivster Eingeborenennahrung ihr Leben fristeten, erreichte die Karawane Morogoro. Beide Frauen waren bereits von Fieberanfällen heimgesucht und litten außerdem an
Dysentherie."
Quellennachweis (Kolonie und Heimat im Wort und Bild, 13. Februar 1910)

Originale
Bildunterschrift: Sieg der Kultur
Anklicken für Vergrößerung
Bildnachweis (Kolonie und Heimat im Wort und Bild, 13. Februar 1910)
Aufgaben:
- Zeige die in der
Grafik eingetragenen deutschen Kolonien
auf der
Karte.
- Errechne für jede Kolonie,
wie viele Prozent der Anteil der weißen Bevölkerung an der
Gesamtbevölkerung beträgt. Wie viele Post- und
Telegrafenanstalten gibt es 1909 in den deutschen Kolonien?
Rechne in der Tabelle die Summen der Bahnkilometer aus.
- Welchem Zweck dient der
Eisenbahnbau gemäß
Bericht 1?
- Mit welchen Beschwernissen
hatte sich der Reisende in Ostafrika gemäß
Bericht 2 vor dem Bahnbau auseinander zu
setzen?
- Teilst du die in der
Bildunterschrift ausgedrückte
Meinung? Begründe.
- Würdest du im Zusammenhang
mit dem Eisenbahnbau und mit dem Bau von Post- und
Telegrafenstationen von "Entwicklung" oder von
"Ausbeutung" der Kolonien sprechen?
Was wäre passiert, wenn die Europäer diese Maßnahmen nicht
ergriffen hätten?
|
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| 7.6
Schwierigkeiten beim Eisenbahnbau in China |
"Die Straße war voller Löcher und nicht mehr als zwei bis drei
Meter breit. Sie unterschied sich in nichts von allen anderen Landstraßen
im riesengroßen Reich: Die Bauern brauchten keine modernen Wege, wie sie
die Weißen besaßen. Ihnen genügten die einfachen, meist nicht mehr als
zwei Fuß breiten Pfade, die vom Heimatdorf zu den Äckern der Lebenden
und Toten führten. Große Wagen waren unbekannt; kleine Karren, bei denen
das einzige Rad nicht am Ende des Gefährts, sondern genau in der
Gestellmitte rollte, hatten bereits vor Jahrtausenden den Ahnen genügt;
Hochzeitssänfte und Sarg ließen sich genau so gut auf einem schmalen
Pfade tragen wie auf einer breiten Straße, die dem fleißigen Bauern doch
nur den wertvollen Boden wegnahm.
Einen Steinwurf weit von der Landstraße entfernt zog sich der Damm mit
dem Schienenstrang hin, vernachlässigt, ohne die gewissenhafte Pflege,
die man in den Ländern der Weißen diesen so wichtigen Verkehrslinien
schenkt. Die Schotterung des Untergrundes war ungleichmäßig angelegt;
ganz selten nur lockerten die Hacken der Bahnarbeiter die Steine auf,
allenthalben wuchs Gras und Unkraut, und die Schrauben und Laschen waren
verrostet.
Auch diese Teufelswege, diese Eisenschienen, die wie bösartige
Drachengeister auf die Dörfer der Bauern zuliefen, gehörten zu den
ungeheuerlichen und sündhaften Errungenschaften, welche die Europäer ins
Land gebracht hatten.
Während die Jungen flott die Landstraße entlang schritten, kamen sie auf
die eigenartigen Widerstände zu sprechen, die vor allem das Landvolk der
Einführung der Eisenbahn entgegengebracht hatte. War es doch überall im
Reich der Mitte zu Aufständen gekommen, und oft genug hatten die erregten
Empörer das Werk der weißen Ingenieure zerstört.
Johannes schüttelte missbilligend den Kopf: "Aber ein Land braucht
doch Eisenbahnen. Das weiß in Europa bereits jedes Schulkind!"
Felix stimmte dem Bruder zu: Die Chinesen hatten eigentlich große
Landstraßen und Bahnlinien noch notwendiger als die Europäer, weil ihr
Reich ja viel größer als jedes andere Land der Erde war. Aber in diesem
ungeheuren Land, dem größten Bauernreich der Welt, kümmerten sich die
Bauern nicht um das, was außerhalb ihrer Dorfgemeinschaft geschah. Sie
lebten nur für ihre Familie, für ihre Äcker, die schon die Vorväter an
der gleichen Stelle bearbeitet hatten. Der Hass gegen die Eisenbahn war
hauptsächlich deshalb gekommen, weil viele Ingenieure keine Rücksicht
auf die Grabstätten der Dörfler genommen hatten.
Johannes unterbrach den Bruder und plauderte nun über das, was er im
Laufe der Jahre gehört hatte. Hierzulande galt ein unerbittlich strenges
Gesetz: Wer die Ruhe der Toten störte, wurde als der schlimmste Frevler
an der menschlichen Gemeinschaft bestraft. Die Verstorbenen, so dachte der
Chinese, waren ja nicht tot: Sie sahen alles, sie hörten alles, sie
nahmen noch immer an allem teil, was in ihrer früheren Welt geschah.
Deshalb legte man auch Speisen und andere Gaben auf die Grabhügel: Die
Ahnen gehörten nach wie vor zur Familie der Lebenden.
Kein Wunder, dass die Bauern die Bahnlinien und Dämme zerstörten, die
über die Felder der Toten führten. Viele Ingenieure und Arbeiter wurden
in den letzten Jahrzehnten von der erbitterten Bevölkerung erschlagen.
Die Regierung musste häufig genug Wachen aufstellen, um die
Verkehrslinien zu schützen." (S. 118 ff.)
[...]
"Ein Sarg stand vor dem Hause. Aber dieses Bild konnte den
Jungen keineswegs erschrecken. Totenladen vor den Wohnungen oder
einsam mitten in einem Feld gelegen, waren hierzulande ein alltäglicher
Anblick. Dieser Brauch hatte für einen Chinesen schon den rechten Sinn:
Die "Glück verheißende Stunde" der Erdbestattung war noch
nicht ermittelt. Diese Aufgabe hatten besonders geschulte Totenmönche zu
erfüllen. Sie bestimmten nach Zahlung einer bestimmten Summe das
Fengshui, das heißt, sie stellten auf Grund oft langwieriger Berechnungen
den Grabplatz fest, an dem der Tote vor den bösen Geistern des Wassers
und des Windes ungestört ruhen konnte. Ehe aber dieser rechte Ort
gefunden war, vergingen oft Wochen und Monate, ja nicht selten sogar
Jahre.
Oh, man brauchte keine Furcht vor dem zerfallenden Körper zu haben: Der
Tote belästigte während dieser langen Zeit seine Anverwandten nicht. Sie
hatten treu und gut für ihn gesorgt. Er lag in einer dicken Kalkschicht
eingebettet, die Bohlen der Sargbretter waren ungewöhnlich dick und
schwer und mit einer dichten Lackschicht überschmiert.
War endlich das Frieden schenkende Fengshui bestimmt, so wurde der Tote
auf ein Feld hinausgetragen. Nicht immer war es jenes, das seiner Familie
gehörte; häufig genug war der Acker Eigentum einer anderen Sippe, die
aber stillschweigend, und ohne Entgelt zu fordern, die Bestattung auf
ihrem Eigentum zuließ.
Die Äcker Chinas sind mit unzähligen Grabhügeln übersät. Auf dem
Weizenfelde der Familie Wu schlief der Bauer Si, und im Reisfeld der Sippe
Si ruhte irgendein Wu. "Im Reich der Mitte nehmen die Toten den
Lebenden das Land weg!" heißt ein chinesisches Wort. Trägt doch
mancher Acker Dutzende von Gräbern; alle sind, wie das Gesetz es
vorschreibt, ohne besonderen Schmuck; eine dichte Grasnarbe bedeckt den
kreisrunden Hügel, unter dem der Verstorbene schlummert. Um das Grab aber
wachsen Reis, Hirse, Mais und Sojabohnen unbekümmert zur Reife und Ernte
heran." (S. 143)
[...]
"In der chinesischen Landschaft stehen viele Götterwohnungen. Der
Glaube des Volkes kennt Millionen heiliger und unheiliger, nützlicher und
schädlicher Geister. Himmel, Erde und Wasser sind von ihnen belebt. Und
vielen ist ein Tempel oder Tempelchen geweiht. da ist der Kriegsgott, der
Gott der Unterwelt, der Beherrscher der Hölle, da sind die Götter, die
die Schwarzen Blattern, die Hungersnöte und die Überschwemmungen
fernhalten, die Gottheiten der Seidenraupenzucht, der Hirse, des Weines -
der Diebe, der Erschlagenen, der Gehenkten ... Wer mag all ihre Namen und
wer ihre Zahl nennen! Unzählige Tempel und Tempelchen stehen in den
Landschaften des ungeheuren Reiches."
(Aus:
Hanns
Maria Lux: Felix und die Gesellschaft der Roten Laternen, Reutlingen,
ohne Jahresangabe,
S.
152. Es handelt sich um ein Jugendbuch.)
Aufgabenvorschläge
zum Text "Schwierigkeiten beim Eisenbahnbau in China"
- Verfasst
ein Streitgespräch zwischen chinesischen Bauern und
europäischen Ingenieuren bzw. deren Dolmetscher. Die Bauern
wollen den Eisenbahnbau verhindern, die Ingenieure wollen eine
Eisenbahn bauen.
Greift auf Argumente zurück, die der
Text liefert.
- Die
Chinesen verfügen heute über modernste Technik und sind zu
einer der großen Wirtschaftsnationen der Welt geworden. Welche
geistigen Veränderungen setzte das offenbar voraus?
|
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Chinesen
(Genrebild des 19. Jahrhunderts)
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Bildnachweis
Der
folgende Text stammt aus einem Reisebericht aus dem Jahre 1866 über die
Forschungsexpedition der österreichischen Fregatte "Novara" um
die Erde:
"Das Opium [...] war bekanntlich bis zum Jahre 1859 ein Monopol der Regierung von
Britisch- Indien, wurde unter der Aufsicht der Agenten der letzteren in verschiedenen Provinzen Ostindiens [an]gebaut und durch den öffentlichen Verkauf großer Quantitäten [Mengen] auf den Märkten von Kalkutta und Bombay in den Handel gebracht. Es scheint bei den Chinesen die Stelle der verschiedenen geistigen Getränke
[= alkoholische Getränke] der Europäer zu vertreten [...]. Dagegen gewinnt der Genuss von Opium immer mehr an Ausdehnung und die jährlich nach
China eingeführte Menge verdickten Mohnsaftes beträgt 75 - 80.000 Kisten oder Chests, welche, je nach dem Tagespreise, einen Geldwert von 76 bis 100 Millionen Gulden repräsentieren! [...]
Die Sitte der Chinesen, Opium zu rauchen, ist verhältnismäßig eine moderne. Erst zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts fing man in China an, Opium mit Tabak vermengt als Schmerzmittel gegen Zahn-. Kopf- und Leibschmerzen zu gebrauchen. Chinesische Matrosen und Kaufleute, welche von den Inseln des Archipels zurückkehrten, hatten es
daselbst von den Eingeborenen als eine betäubende Substanz einatmen gelernt, um sich eine Zeit lang, der Wirklichkeit entrückt, die wunderlichsten, beseligendsten Träume vor Augen zu führen. Unstreitig hat das Weinverbot bei den Dienern des Korans zuerst die Aufmerksamkeit auf diese betäubende Substanz gerichtet, welche die Vorderasiaten in
Pillen verschlucken, die Hindus kauen und die Chinesen rauchen.
Im Jahre 1750 wurden zu diesem wie zum Zwecke medizinischer Verwendung nach amtlichen Angaben 200 bis 250 Kisten Opium (zu 150 Pfund), und zwar größtenteils durch portugiesische Kaufleute aus der Türkei, aus Persien und Bengalen eingeführt. Nichts war dem Reichen willkommener als ein Mittel, das ihm in den Intervallen seiner Schwelgereien die Zeit so wohlig vertrieb, wo er, gleichsam aller Sorgen unbewusst, sich im süßesten Schlummer wiegen mochte!
Im Jahre
1773 unternahm es die englisch- ostindische Compagnie, eine kleine Menge Opium versuchsweise nach China zu senden. Sieben Jahre später gründete sie ein Depot für Opium in Lark`s Bai.
Im Jahre 1781 machte die Compagnie eine Sendung von 2.800 Kisten (zu 140 Pfund) Opium nach Kanton, welche daselbst von einem Hong oder Mitglied der chinesischen Hansa gekauft wurden. Dieser war jedoch gezwungen, den größten Teil davon wieder auszuführen, indem es in jener Zeit in China für eine so große Menge Opium noch keinen Absatz gab.
Regelmäßige Sendungen dieser wichtigen Droge von Seiten der ostindischen Compagnie nach China geschehen erst seit dem Jahre
1798, wo von Kalkutta aus 4.170 Kisten für Rechnung der Gesellschaft nach China geschickt und dort [...] verkauft wurden.
Seit jener Zeit steigerten sich Einfuhr und Verbrauch in geometrischer Progression, und eine uns vorliegende, von Dr. Medhurst mit großem Fleiße entworfene Tabelle belehrt uns, dass vom Jahre
1798 bis 1855 im Ganzen 1.197.041 Kisten Opium aus Bengalen eingeführt wurden, welche der englisch- ostindischen Compagnie nach Abschlag aller Erzeugungs- und Transportkosten einen Gewinn von 678.518.534 Gulden österreichischer Währung einbrachten!
Bei den glänzenden Vorteilen, welche der Opiumhandel ostindischen Kaufleuten sowohl als ihren in China angesiedelten Kollegen gewährt, kümmert man sich ebenso wenig um die verschiedenen Proteste der chinesischen Regierung als um die zahlreichen Anatheme [hier: Bannflüche], welche englische Missionare und Philanthropen [Menschenfreunde] gegen den Opiumhandel und das Opiumrauchen schleuderten. Die sich täglich mehr bereichernden Kaufherren begnügten sich, die heftigen Anklagen ihrer Gegenspieler mit der knappen Bemerkung zu beantworten, dass sie nur bemüht seien, ein aus einer nationalen Sitten entspringendes Bedürfnis zu befriedigen, und dass man den Chinesen wohl ebenso wenig verbieten könne, Opium zu rauchen, als den Europäern, sich dem Genusse geistiger Getränke hinzugeben. Beide, meinten sie weiter, wirken nur durch Unmäßigkeit schädlich, und selbst in einem solchen Falle führe das Opium keine so furchtbaren Verheerungen im Organismus, keine so rasche Katastrophe herbei.
[... Es dürfte] wenigstens tröstlich sein zu erfahren, dass die Zahl der Opiumraucher in China nach den besten Schätzungen unter einer Gesamtbevölkerung von 400 Millionen Menschen kaum mehr als vier bis fünf Millionen beträgt [...].
Sprachlich vorsichtig modernisiert. Aus: Karl Scherzer (Ritter von): Reise der oesterreichischen Fregatte Novara um die Erde, Zweiter Band, S. 121 ff.

Textnachweis
Aufgaben:
- Wie steht der Verfasser des Textes zum Opiumhandel? Begründe.
- Stelle
die Opiumeinfuhr nach China in einem Balkendiagramm für die
Jahre 1750, 1781 und 1798 in einem Balkendiagramm dar.
Teile die Anzahl der importierten Kisten der Jahre 1798 - 1855
durch die Anzahl der Jahre, um auf eine Durchschnittszahl zu
kommen, und vergleiche mit den Zahlen von 1798. Was wird bei dem
Durchschnitt nicht berücksichtigt? Welche Entwicklung wird
deutlich?
- Wer unterstützt den Opiumhandel? Wer ist dagegen? Warum?
- Wie
viele Prozent der Bevölkerung Chinas rauchen nach diesen Angaben Opium? Ist das tröstlich?
- Schreibe einen kurzen Leserbrief an eine Zeitung, in welchem du gegen die Argumente der Opiumhändler im vorletzten Absatz Stellung beziehst.
|
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| 7.8
Die Verträge von Tientsin (Tianjing) 1858 und Peking 1860 |

Hauptportal
der englischen Gesandtschaft in Peking im 19. Jahrhundert
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Bildnachweis
Der
Erste Opiumkrieg (1839–1842) hatte China zur Öffnung wichtiger
Häfen und insbesondere zur Duldung des Opiumhandels gezwungen.
Der
Vertrag von Tientsin (Tianjing) 1858 beschließt die erste Phase des Zweiten Opiumkrieges (1856 -
1860).
-----
"Während wir noch im Hafen von Hongkong vor Anker lagen, brachte ein Extrablatt des in Shanghai erscheinenden "North-China-Herald" die Kunde, dass am 26. Juni 1858 der Friedensvertrag mit England von Lord Elgin und den kaiserlichen [chinesischen] Kommissären zu Tien- Tsin unterzeichnet und nach Peking geschickt worden sei, damit diesem wichtigen Dokumente die eigenhändige Unterschrift des Kaisers beigefügt werde. Dieser 56 Punkte umfassende Vertrag gestand den Engländern weit mehr Rechte zu, als sie jemals früher besessen hatten. Namentlich sollte von nun an ein englischer Gesandter mit allen seinem Range gebührenden Ehren am Hofe von Peking residieren dürfen, die christliche Religion ungehindert geübt und gelehrt werden. Britische Untertanen mögen mit von ihren Konsuln ausgestellten und von den chinesischen Lokalbehörden gegengezeichneten Pässen entweder zum Vergnügen oder zu Handelszwecken das chinesische Reich in allen Richtungen durchziehen, die Schifffahrt des Yang-tse-kiang oder großen Flusses wird freigegeben, und außer den bereits durch den Frieden von Nanking dem fremden Handel geöffneten fünf Häfen sollen die Engländer von nun an auch in [weiteren Häfen] ungestört Handel treiben, sich daselbst niederlassen, Häuser mieten und kaufen, Kirchen, Spitäler und Friedhöfe errichten dürfen. Chinesen, welche sich irgend eines Vergehens oder Verbrechens gegen englische
Untertanen schuldig machen, sollen durch einheimische Behörden nach den Gesetzen des Landes
bestraft, englische Untertanen dagegen in einem solchen Falle von britischen Autoritäten nach britischen Gesetzen gerichtet werden. Alle offiziellen Mitteilungen von Seite der englischen Behörden müssen in englischer Sprache an die Regierung des Reiches der Mitte [China] geschehen, und obschon dann noch von einer chinesischen Übersetzung begleitet, soll doch in jedem zweifelhaften Fall der Text des englischen Originals als maßgebend zu gelten haben. [...] Dagegen schweigt der Vertrag von Tien-Tsin gänzlich, ob der Opiumhandel, jener Hauptstreitpunkt und die erste Ursache der verschiedenen Kriege, von nun an verboten oder erlaubt werden solle. Es wird bloß einer Revision des Zolltarifs Erwähnung getan. Offenbar glaubten die britischen Bevollmächtigten eher zum Ziele zu gelangen, wenn sie diese heikle Frage auf eine andere, minder ostensible Weise zu erledigen versuchten. [...] Statt die Gemüter in China neuerdings aufzuregen und durch ein solches offenes Zugeständnis das Ansehen des chinesischen Kaisers bei seinem eigenen Volke noch mehr zu untergraben und trotz Friedensbeteuerungen die Behörden des Reiches noch feindseliger und ränkesüchtiger gegen die Fremden zu stimmen, zog der kluge englische Bevollmächtigte es vor, das Opium stillschweigend unter die andern Einfuhrartikel in den neu revidierten Tarif aufzunehmen und ganz wie diese zu behandeln."

Textnachweis
Karl von Scherzer (Ritter von): Reise der oesterreichischen Fregatte Novara um die Erde, in den Jahren 1857 ...,
Zweiter Band , S. 22f.
-----
Die zweite Phase des Zweiten Opiumkrieges:
Der Vertrag von Peking 1860 "Die
Ereignisse, von welchen China bald nach Unterzeichnung dieses Vertrages
der Schauplatz wurde, das feindselige Benehmen der Mannschaft der
Taku-Forts, der bewaffnete Widerstand, welchen man dem britischen
Gesandten entgegensetzte, als dieser, den Stipulationen des neuen
Vertrages gemäß, sich anschickte, nach Peking zu reisen, alles deutete
darauf hin, dass es den Chinesen auch diesmal mit ihren Friedens- und
Freundschaftsversicherungen nicht Ernst war.
Seit jener Zeit hat eine Armee von kaum 20.000 Europäern einer
Bevölkerung von mehr als 400 Millionen Asiaten in ihrer unbesiegbar
geglaubten Hauptstadt den Frieden diktiert, und am 24. Oktober 1860
unterzeichnete Lord Elgin neuerdings einen Vertrag, welcher sämtliche in
dem zu Tien-Tsin vor zwei Jahren getroffenen Übereinkommen enthaltenen
Bestimmungen bestätigt, das Recht des permanenten Aufenthaltes eines
britischen Gesandten in der Hauptstadt des chinesischen Kaiserreiches
sowie eine Kriegsentschädigung von 8 Millionen Taels zugesteht, den Hafen
von Tient-Tsin dem fremden Handel öffnet, den chinesischen Untertanen
ungehindert gestattet auszuwandern und in britischen Kolonien Dienste zu
nehmen, einen Teil des Distrikts von Koloang (Cow-Loon) auf dem der Insel
Hongkong gegenüber liegenden Festlande an Großbritannien abtritt und
für ewige Zeiten einverleibt, und endlich verordnet, dass der
Originalvertrag sowie die verschiedenen Zusätze in allen TTeilen des
Reiches durch Plakate öffentlich bekannt gemacht werden sollen.
Noch niemals früher hatte das chinesische reich solche Demütigungen
erfahren. Zwar musste schon unter der Regierung des vorigen Herrschers
Tao-kuang (Vernunftlicht) das tausendjährige System völliger
Abschließung aufgegeben werden, aber Zugeständnisse, wie sie den
westlichen Nationen durch die Verträge von Tien-Tsin und Peking und
Peking gemacht worden sind, sind unerhört in der Geschichte des Reiches
der Mitte und geben um so deutlicher von seiner Schwäche und seinem
Verfall Zeugnis, als der gegenwärtige Himmelssohn [=Kaiser] Hien-fung ein
eifriger Anhänger der altasiatischen Lehre und Staatsweisheit ist. Nur
äußerste Not und Bedrängnis konnten ihn bewogen haben, vor den Barbaren
des Westens die Waffen zu strecken und zu dulden, dass der Feind in
seiner, fremden Nationen bisher unzugänglich gewesenen, Hauptstadt die
Bedingungen des Friedens diktierte." 
Textnachweis
Karl von Scherzer (Ritter von): Reise der oesterreichischen Fregatte Novara um die Erde, in den Jahren 1857 ...,
Zweiter Band , S. 23f.
Aufgaben:
- Stelle die Ergebnisse des
Friedensvertrages von Tien-Tsin und Peking in einer Tabelle
einander gegenüber. Unterstreiche, welche weiteren
Erschwernisse China durch den Vertrag von Peking gegenüber dem
Vertrag von Tien-Tsin akzeptieren muss.
- Spiele ein fiktives
Gespräch zwischen einem britischen und einem chinesischen
Diplomaten durch, bei dem beide Seiten zu den einzelnen
Bestimmungen der Verträge Stellung nehmen. Die Position der
britischen Opiumhändler und der britischen Missionare sind oben
im Abschnitt "Opiumhandel in China"
hier zu finden.
- Wieso endete der Zweite
Opiumkrieg nicht nach dem Frieden von Tien-Tsin, sondern ging
weiter?
- Notiere in Stichworten die
Beurteilung des Friedens von Peking durch den Verfasser des
Textes und nimm dazu Stellung.
- Vor welcher Aufgabe steht
die Regierung in Peking nach den Verträgen von Tien-Tsin und
Peking? Welche Schwierigkeiten werden sich dabei wahrscheinlich
auftun?
|
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Die
Bagdadbahn
Die
Bagdadbahn war ein zentrales Strukturprojekt des Osmanenreiches. Der hier
verlinkte Artikel aus dem Jahr 1911 zeigt die imperialistischen
Hintergründe.
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| 7.10
Die christliche Mission in Deutsch- Ostafrika |

Katholische Mission Karema am
Tanganjikasee
Anklicken für Vergrößerung
Bild- und Quellennachweis (Kolonie und Heimat im Wort und
Bild, 13. März 1910)
"Wenn wir die eingeborenen unserer Kolonien schildern, so geschieht dies hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt ihrer Erziehung zu brauchbaren Mitarbeitern bei unsern wirtschaftlichen und kulturellen Bestrebungen. Bei Erörterung dieser unserer Bestrebungen dürfen wir nicht die Arbeit vergessen, welche die Missionen in dieser Hinsicht namentlich auch in Ostafrika gelistet haben.
Soweit die Bekehrung der Eingeborenen zum Christentum in Frage kommt, ist die Aufgabe der Missionen in Ostafrika nicht leicht. Der intelligentere Teil der Bevölkerung ist vom Geist des Islam durchtränkt und christlichen Lehren schwer zugänglich, da diese dem ausschließlich aufs Materielle gerichteten Sinn des Negers weniger verständlich sind als die Lehren Mohammeds. Letztere sind dem Leben und Ideenkreis des Schwarzen viel mehr angepasst und bequemer als das Christentum, das den Schwarzen zwingt, liebgewordenen und althergebrachten Gewohnheiten zu entsagen, z.B. der Vielweiberei.
Dieser Erkenntnis wird von den Missionen in neuerer Zeit mehr als früher Rechnung getragen. Man sucht den Schwarzen die kulturelle Überlegenheit der weißen Rasse und damit ihrer religiösen Lehren verständlich zu machen, indem man sie durch praktische Schulung an ein sittlich höheres und tätigeres Leben zu gewöhnen beginnt und ihnen allerlei für sie selbst nützliche Handfertigkeiten beibringt.
[...] Erst wenn die Neger die Überlegenheit unserer Kultur der Arbeit und ihre Segnungen begriffen und sich in dieses etwas eingelebt haben, werden sie auch die Lehren des Christentums allmählich begreifen.
Schon jetzt haben die Missionen durch ihr Vorbild auf rein materiellem und sozialem Gebiet durch Anlage von Musterpflanzungen, Handwerkerschulen, auf dem Gebiet der Gesundheits- und Krankenpflege usw. Einfluss gewonnen und sehr nützliche Kulturarbeit geleistet. Wenn sie ihre Tätigkeit in der eben gezeichneten neueren Richtung fortsetzen, so werden sie unserer Kolonialarbeit wertvolle Dienste leisten, und sie selbst werden damit auch ihrem ursprünglichen, rein ideellen Ziel, der Ausbreitung der christlichen Lehre, um so rascher und sicherer näher kommen. [...]
Wichtig ist namentlich, dass die Missionen jederzeit den Schwarzen gegenüber das Ansehen der weißen Rasse hochhalten und die Wichtigkeit und Notwendigkeit aller Maßnahmen betonen, die auf die Nutzbarmachung des Landes unter Mitarbeit der Eingeborenen hinzielen und die letzten Endes auch zum Besten der Schwarzen selbst dienen.
Diesergestalt lernen die Neger die Europäer als ihre Lehrer und Führer, die es gut mit ihnen meinen, verstehen und achten. Wenn den Ansiedlern von den Missionen in dieser Richtung vorgearbeitet wird, so wird sich ein gesundes, ersprießliches Zusammenarbeiten der weißen und schwarzen Rasse mit der Zeit in Afrika schon herausbilden."
Quellennachweis (Kolonie und Heimat im Wort und Bild, 13. März 1910)
Aufgaben:
- Wie wird im vorstehenden
Artikel die Aufgabe der Missionsarbeit definiert?
- Worin bestand die im
Artikel genannte Kulturarbeit der Missionen?
- Gab es eine Alternative zu
handwerklicher, landwirtschaftlicher und gesundheitlicher
Ausbildung für die Kolonisierten? Oder waren die Kolonialherren
moralisch sogar verpflichtet, diese Ausbildungen
anzubieten?
- Kommentiere die Aussagen,
die Europäer meinten es gut mit den Eingeborenen und es werde
sich "ein gesundes, ersprießliches Zusammenarbeiten der weißen und schwarzen Rasse mit der Zeit in Afrika schon
herausbilden".
- Gibt es nach deiner
Kenntnis neben der Aufgabe der Vielweiberei noch andere
kulturelle Gewohnheiten, die mit der Einführung des
Christentums geändert werden müssen?
|
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7.11
Eine "kulturelle Begegnung" im kolonialen Afrika oder
Wie funktioniert Rassismus? |
Der folgende rassistische
Schwank
aus der Zeitschrift "Kolonie und Heimat im Wort und
Bild" soll als Beispiel
dafür dienen, wie Rassismus funktioniert.
"Auf
einem Jagdausfluge an den Abhängen der stolzen Usambaraberge saßen vor ihren Zelten am gemeinsamen Tisch drei vergnügte Europäer. Ringsum kauerten in großer Zahl die neugierig herbeigeströmten Eingeborenen, während ihr Häuptling an den Tisch der Europäer getreten
war, um das landesübliche Gastgeschenk (sawadi) - heute ein Körbchen Hühnereier - gegen einen ausgiebigen Schluck "dawa", d.i. Medizin, d.i. Kognak, freundlichst grinsend einzutauschen.
Der Mann, Munyimwua mit Namen, zu deutsch "Herr des Regens", war als großer Zauberer in der Gegend bekannt, als solcher von seinen Leuten gefürchtet, und die Europäer am Tische waren jetzt nach beendeter Begrüßung bemüht, einen Beweis seiner "Zauberkraft" zu erlangen.
Schlau wich der geriebene Neger allen ihren Anspielungen aus, bis der eine von ihnen ihm kurzer Hand nahe legte: "Willst Du wirklich ein Zauberer sein, so zeige Deine Kunst. Wir sind selbst drei große
Zauberer aus Uleie (Europa) und auch wir wollen Dir Beweise unseres Könnens geben. Wenn Du wirklich Regen machen kannst, wie Du behauptest, so lasse es regnen, aber bitte, sogleich!"
Hierzu müsse er seine Hilfsmittel haben, die er nicht bei sich führe, erklärte nun der in die
Enge getriebene Munyimwua.
"Allah!" meinte ein anderer der Weißen. "Du musst doch wohl auch andere Dinge können als nur das Regenmachen. Einem richtigen Zauberer darf nichts
unmöglich sein. Sag`, kannst Du vielleicht Deine Zähne aus dem Munde nehmen? Nein? Da schau` her!" Sprach`s und legte sein herrlich weißes Gebiss auf die Tischplatte!
Allgemeines Erstaunen bei der schwarzen Korona, einschließlich Häuptling. Das Haupt des Negerhäuptlings deckte ein grauer Wollschopf.
Der zweite der weißen Herren zupfte ihn am Haar und sagte: "Wie ist`s mit Deinem Haar? Vermagst Du es von Deinem Haupt herabzunehmen, ohne Messer und Glasscherben zu gebrauchen, mit der Kopfhaut? Auch nicht? Sieh, für uns ist das eine Kleinigkeit!" - Und schon lag der prächtige schwarze Kopfschmuck des
Sprechers neben dem Gebiss auf dem Tische und sein Haupt erglänzte in elfenbeinerner Kahlheit!
Die Augen Munyimwuas weiteten sich bereits bedenklich und die hockenden Neger waren aufgestanden, voll banger Scheu und sprachloser Verwunderung.
Da erhob sich langsam der dritte der Europäer, der bislang geschwiegen, und sagte feierlichen Tones: "Schauet, das kann ich, der Größte aller Zauberer Europas!" Seine Faust krampfte sich kurze Zeit über dem linken Auge und schon hielt er den in der hellen Sonne funkelnden Augapfel hoch über aller Häupter empor!
Da war kein Halten mehr! Unter schallendem Gelächter der Weißen schob die ganze Bande, an ihrer Spitze Munyimwua, der große Zauberer der Waschambala, im Laufschritt von dannen. Die Legende von diesen drei gewaltigen Zauberern aus Uleia lebt aber fort unter den
Eingeborenen jener Gegend. Der Zufall hatte das "mangelhafte" Trio im afrikanischen Busch zusammengeführt und ihm diesen überwältigenden "Zaubererfolg" gebracht!
Quellennachweis (Kolonie und Heimat im Wort und Bild, 1. Oktober 1909)
Aufgaben:
- Erkläre das Verhalten der Beteiligten.
- Erkläre an diesem Beispiel, wie Rassismus entsteht und funktioniert.
- Ist deiner Meinung nach
moderner Wohlstand, beruhend auf Wissenschaft und Technik, mit einer
auf Zauber, Hexerei und Geisterglaube basierenden Jäger-,
Hirten- oder Ackerbaukultur zu vereinbaren?
- War die Absicht der weißen Kolonialherren, den Eingeborenen europäische Kultur zu vermitteln, falsch oder richtig?
Ist heutige Entwicklungshilfe damit zu vergleichen?
- Gibt es überlegene Kulturen oder pointiert gefragt: Ist Zauber gleichwertig
mit Wissenschaft und Technik?
|
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| 7.12
Eine "kulturelle Begegnung" in Ozeanien: Umgang mit
Menschenfresserei |
"Kommandant Erskine vom englischen Kriegsschiff "Savannah" erzählt einen Fall, wo ein englischer Kauffahrer, der mit Sandelholz Handel trieb, mit seiner ganzen Mannschaft einen wilden Volksstamm zur Unterdrückung eines anderen benachbarten Tribus [Stammes) unter der Bedingung unterstützte, dass ihm aus Dankbarkeit für die geleistete Hilfe gewisse Punkte bezeichnet würden, wo das mit Gier gesuchte Sandelholz noch in reicher Quantität [Menge] vorkommt. Ein Gefecht fand statt und eine Anzahl Gefangener wurde an Bord des Kauffahrers geschleppt, wo dieselben während der Überfahrt nach einer sandelholzreichen Insel von ihren Feinden, Anthropophagen
[Menschenfressern] der Fudschi- Inseln angesichts der europäischen Schiffsmannschaft förmlich geschlachtet und gegessen wurden!!"

Textquelle
Karl von Scherzer (Ritter von): Reise der oesterreichischen Fregatte Novara um die Erde, in den Jahren 1857 ...,
Zweiter Band , S. 190
Aufgaben:
- Wie steht der Erzähler zu dem geschilderten Vorgang? Warum wohl?
Begründe aus dem Text.
- Warum respektierte der Kapitän des Kauffahrers die lokale Sitte der Menschenfresserei?
- Hätte der Kapitän sich über die Tradition der Menschenfresserei hinwegsetzen und deren Ausübung verhindern müssen?
Begründe deine Ansicht.
- Gibt es einen Punkt, von dem ab fremde Sitten nicht mehr respektiert werden können oder dürfen?
Wenn ja: Wo liegt er?
|
Nach oben
| 7.13
Bassari in Bild und Wort |
Das Bassarivolk gehört zu dem großen Sprachstamm der Gyambavölker, welche im Hinterland von Togo.

Bassari in Bild und Wort
Ein Artikel aus dem Jahr 1904 aus:
Illustrirte Zeitung Nr. 3183, 30. Juni 1904
Gekürzte Fassung
Nach oben
8.
Ägypten wird faktisch britisch
|

Moschee
in Kairo
Genrebild des 19. Jhs.
Anklicken für Vergrößerung
Bildnachweis
Der Gouverneur des seit
Muhammad Ali praktisch
unabhängig regierten Ägypten, Ismail, bekam 1867 vom Sultan den Titel
eines Khedive (Vizekönigs) verliehen, durfte Verträge mit anderen
Staaten abschließen und eigene Ausleihen im Ausland aufnehmen. Faktisch
war Ägypten souverän, nach außen gehörte es noch zum Osmanischen
Reich.
Wegen der ägyptischen Baumwollproduktion, des viel versprechenden Marktes
und mit dem Suezkanal drang ausländisches Kapital ins Land. Zugleich
verschuldete sich der ägyptische Staat immer mehr. Gründe waren die
Verschwendungssucht des Khedive, Reformen im Bereich von Bildung und
Verkehr, ein jährlicher Tribut an den Sultan. 1869 war der Bau des
Suezkanals abgeschlossen, aber schon 1875 musste der Khedive seine Aktien
weit unter Wert an England verkaufen, das dadurch die Verfügung über den
Kanal erhielt, der nun die schnellste Verbindung nach Britisch Indien
darstellte.
Wegen des nun folgenden Staatsbankrotts, der auch durch Steuererhöhungen
nicht aufzuhalten war, wurde 1876 wie in Istanbul
eine internationale Schuldenverwaltung eingerichtet, die die ägyptischen
Staatsfinanzen weitgehend kontrollierte. 1878 erzwangen die europäischen
Großmächte eine Regierung, in der ein Engländer und ein Franzose die
für Wirtschaft und Finanzen wichtigen Ämter übernahmen. 1879 wurde
Ismael auf Betreiben der europäischen Mächte wegen finanz- und
wirtschaftspolitischen Unvermögens abgesetzt.
Als Frankreich 1881 Tunesien, einen osmanischen Vasallenstaat, besetzte,
reagierte England 1882 mit der militärischen Besetzung Ägyptens
(Bombardierung Alexandrias, ägyptische Niederlage bei Tell el Kabir) und
der Unterdrückung der national gesinnten Kräfte Ägyptens. Der
Nachfolger Ismails als Khedive durfte weiter regieren, auch die Oberhoheit
des Sultans wurde anerkannt, aber das Sagen hatte von nun an der englische
Konsul. So wird die britische Herrschaft in Ägypten ein weiteres Beispiel
für indirekte Herrschaft (informal empire).
Erst 1922 wird Ägypten selbstständig, erst 1936 ziehen sich britische
Truppen aus der Kanalzone zurück, erst 1956 verstaatlich der ägyptische
Präsident Nasser den Suezkanal, was prompt ein (erfolgloses)
militärisches Eingreifen Englands, Frankreichs und Israels hervorruft
(Zweiter Nahost-Krieg: Suez- Invasion 1956). (Nach Josef Matuz: Das Osmanische Reich - Grundlinien seiner Geschichte, S.
241 f.)
Nach
oben
9
- Informelle Herrschaft über das Osmanenreich
|
| 9.1
Deutscher militärischer Einfluss
im Osmanenreich
|
Ein Kapitel in der imperialistischen Durchdringung des
Osmanischen Reiches besteht in der deutsch- osmanischen
"Waffenbrüderschaft". Schon in den 1830er Jahren waren
preußische Offiziere unter der Leitung von Helmuth von Moltke - bekannt
durch die Deutschen Einigungskriege in den 1860er Jahren - als
Militärberater im Reich tätig. 1883
- 1895 reorganisierte Colmar Freiherr von der Goltz die osmanische
Armee. Die deutsche Firma Krupp übernahm nach der Niederlage im Russisch-
Türkischen Krieg 1877/ 78 die Neuausrüstung der osmanischen Armee.
Osmanische Elite- Offiziere kamen zur Ausbildung nach Potsdam.
"Als Deutschland am 2. August 1914 Russland den Krieg erklärte, war
das Osmanische Reich zu einem Spielfeld deutscher Offiziere geworden, die
sich schon lange nicht mehr damit begnügt hatten, nur als Ausbilder zu
dienen; sie hatten inzwischen Kommandoposten im osmanischen Heer
übernommen." (Bassam Tibi: Kreuzzug und Djihad - Der Islam und die christliche Welt, S. 225)
Im Vorfeld des osmanischen Beitritts zum Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite wurden die deutschen Schiffe "Breslau" und "Goeben"
in die Dardanellen entsandt und am 12. August an die Osmanen übergeben.
Aber "die Befehlshaber der islamischen Streitkräfte (waren) deutsche
Christen, und zwar Admiral Wilhelm Souchon und General von Sanders."
(Tibi, S. 226)
(Nach Josef Matuz: Das Osmanische Reich - Grundlinien seiner Geschichte, S. 219, 247; Tibi S. 225)
Nach
oben
| 9.2 Die wirtschaftliche Durchdringung des Osmanenreiches durch die
europäischen Staaten
|
| 9.2.1
Die "Kapitulation" von 1839
|
Die den europäischen Mächten zugestandenen
"Kapitulationen" (Kapitelweise abgefasste Verträge) öffneten den osmanischen Markt für europäische,
insbesondere englische industriell hergestellte Billigwaren. Die Industrialisierung
hatte in England schon im 18. Jahrhundert begonnen. Nun suchte England nach
Absatzmärkten und zwang das schwache Osmanische Reich zur
wirtschaftsliberalen
Öffnung seiner Märkte. Hierzu diente auch die "Kapitulation"
von 1839, deren Bestimmungen in der Folge auf fast alle wichtigen
europäischen Länder ausgeweitet wurden.
Inhalt der Kapitulation
a
Ungehinderte Handelstätigkeit britischer Kaufleute im gesamten
Osmanischen Reich: Bisheriges osmanisches Binnenhandelsmonopol und
Genehmigungspflicht entfallen.
b
Niedriger Warenzoll bzw. niedrige Warenbesteuerung (maximal 5% des
Warenwerts)
Folgen
Exportzölle von 12% auf Rohstoffe und Grundnahrungsmittel halten den
Abfluss von Rohstoffen und Getreide nicht auf. Das osmanische Handwerk ist
nicht mehr wettbewerbsfähig: Rückgang der handwerklichen Produktion.
Auch ohnehin rare Manufakturen mussten schließen und Kapital wanderte ins
Ausland ab.
(Josef Matuz: Das Osmanische Reich - Grundlinien seiner Geschichte, S. 231 f.)
"Jüdischen und griechischen Handelsherren verblieb nur noch die
Rolle von Kompradoren, d.h. Vermittlern zwischen dem inländischen
osmanischen Markt und dem ausländischen Kapital." "Der
halbkoloniale Status des reiches als Absatzmarkt und Rohstoffquelle wurde
auf diese Weise vollends besiegelt."
(Beide Zitate bei
Josef Matuz: Das Osmanische Reich - Grundlinien seiner Geschichte, S. 232)
Im Laufe der Zeit durften europäische Botschaften und Konsulate sogar
eigene Postämter auf dem Boden des Osmanischen Reiches unterhalten!
Nach
oben
| 9.2.2 Der Staatsbankrott von 1875 und
ausländische Staatsschuldenverwaltung |
Ursachen des osmanischen Staatsbankrotts waren die Verschwendungssucht der
Sultane Abdulmecit (1839 - 1861) und Abdülaziz (1861 - 1876, wegen
Verschwendung gestürzt), die ständigen Kriege sowie die Modernisierung
der Armee, Finanzmanipulationen und Vergeudung von Auslandsanleihen.
"In der ersten Hälfte der 70er Jahre hatte der osmanische Fiskus
rund 80% der Gesamteinnahmen des Staates für die Tilgung der
Auslandsanleihen und die Zinszahlungen zu verwenden. erschwerend fiel noch
ins Gewicht, dass der osmanische Staat über keinen Haushaltsplan
verfügte." So kam es 1875 zum Bankrott. (Nach
Josef Matuz: Das Osmanische Reich - Grundlinien seiner Geschichte, S.
246)
1881 wurde dann eine internationale osmanische Staatsschuldenverwaltung unter
Führung englischer und französischer Finanzkreise eingeführt.
Stempelrecht, Steuer auf Spiritus und Seide, Fischereiabgaben, Salz- und
Tabakmonopol musste das Reich an diese Einrichtung abtreten. Auf
diese Weise wurde das Finanzwesen saniert, ohne dass die Schulden ganz
getilgt worden wären.. Aber weitere Anleihen und Steuerbegünstigungen
verstärkten die völlige Abhängigkeit des Reiches vom europäischen
Finanzkapital. Das Osmanenreich war faktisch Halbkolonie europäischer
Mächte, die dort miteinander um Einfluss konkurrierten. (Nach
Josef Matuz: Das Osmanische Reich - Grundlinien seiner Geschichte, S.
246f.) Zur wirtschaftlichen
Durchdringung des Osmanenreiches gehört auch die
Bagdadbahn, siehe oben.
Nach
oben
| 9.2.3
Territoriale Verluste des Osmanenreiches seit 1815 |
Zwischen 1815 (Wiener Kongress) und
1914 (Beginn des ersten weltkriegs) erlitt die Türkei massive
Gebietsverluste an die europäischen Kolonialmächte Frankreich, England
und Italien sowie, im europäischen Teil - an die neuen Nationalbewegungen
auf dem Balkan. Dass das Osmanenreich schon im 19. Jahrhundert nicht
vollständig aufgelöst wurde, erklärt sich nur daraus, dass die
Europäer untereinander nicht über die Beute einig waren und dass
insbesondere Großbritannien, aber auch andere die Türkei als
Gegengewicht gegen Ruslland brauchten, v.a. auch gegen dessen
Bestrebungen, sich an den Meerengen (Dardanellen, Bosporus) festzusetzen.
Nach 1918, dem Ende des ersten Weltkriegs, teilten sich Frankreich und
England die Konkursmasse des Osmanenreiches im Nahen Osten auf.

Mehr:
Reformsultane und Ende des Osmanenreiches
Aufgaben:
Aufstieg und Fall des Osmanischen Reiches - Ottoman Empire 1300 - 1922
Interaktive Karte
Encyclopaedia of the Orient
lexicorient.com
Rufe die Karte auf und notiere die einzelnen territorialen
Verluste des Osmanenreiches bis 1941.
- Weshalb wollte insbesondere
Großbritannien eine russische Kontrolle der Meerengen
(Dardanellen, Bosporus) vermeiden? Worin lag die strategische
Bedeutung der Meerengen?
The Middle East in 1939
Le Monde diplomatique
mondediplo.com
Rufe die Karte auf. Welche vorher osmanischen Gebiete werden
nach dem Ersten Weltkrieg französisch bzw. britisch?
|
Nach
oben
|

Kaiser Wilhelm II.
Illustrirte Zeitung
Nr. 3107,
15. Januar 1903

Panzerkreuzer Friedrich Karl
Illustrirte Zeitung Nr. 3112
19. Februar 1903
Originale Bildunterschrift: "Von unserer Kriegsflotte: Der im Bau
begriffene neue Panzerkreuzer Friedrich Karl nach seiner Vollendung.
Nach den Plänen gezeichnet von Willy Stöwer"
Zum Vergrößern anklicken
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