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Italienisches Kolonialreich 1940
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Der
Duce (Führer)

Mussolini
gms-reisen.ch

Mussolini (Kurzvideo)
austria-lexikon.at

Mussolini und Hitler
misteriditalia.it

Mussolini (links im Bild) auf dem Balkon des Palazzo Venezia in Rom
Mussolini gibt am 10. Juni 1940 vom Balkon des Palazzo Venezia herab
bekannt, dass die Kriegserklärung an den englischen und französischen
Botschafter ausgehändigt wurde.
correvalanno.rai.it
Mussolini und seine Geliebte Claretta
Petacci
1945 kopfabwärts aufgehängt auf der Piazzale
Loreto in Mailand.
In Mezzegra
waren sie zuvor erschossen worden.
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Faschistische
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Der Duce

Mussolini mit faschistischem Gruß
austria-lexikon.at

Balilla
liceomendrisio.ch

Faschistische Schwarzhemden paradieren vor Mussolini
pallas.cegesoma.be
Faschistische
Kunst

EUR, Rom.
Foto: Benedikt Hotze 1999
EUR ist die Abkürzung für Esposizione Universale di Roma. Diese
Weltausstellung wurde für 1942 vorbereitet, kam aber wegen des Krieges
nicht zustande. Das EUR- Stadtviertel besteht heute noch und ist ein
Paradebeispiel für faschistische Architektur.
hotze.net

Palazzo della Civiltà del Lavoro
Dieses "Colosseo quadrato" liegt am Quadrato della Concordia im
EUR.
In den Bögen Kolossalfiguren.
aviewoncities.com

Museo della Civiltà Romana im EUR in Rom
Gehörte zur Planung für die Esposizione Universale di Roma 1942.
Das Museum enthält die weltweit beste Ausstellung von Rekonstruktionen
und Modellen zur römischen Kultur, darunter das berühmte Modell der
Stadt Rom in der Spätantike. Das antike Rom war Bezugspunkt der
faschistischen Propaganda.
museociviltaromana.it
Galleria
fotografica
Adresse:10 Piazza Giovanni Agnelli, Roma
Autobus: 30, 170, 671, 707, 714, 764, 765, 767, 791
Metropolitana: Linea B - fermata Eur Fermi
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Basiswissen
| Mussolini vor dem Ersten Weltkrieg
|

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Benito Mussolini (1883 - 1945) war vor dem Ersten Weltkrieg Leiter des "Avanti"
(Vorwärts), der Parteizeitung der Sozialistischen Partei Italiens (PSI Partito Socialista
Italiano).
Im Juni 1914 gehörte er zu den Führern des "revolutionären
Massenstreiks, die besonders in der Romagna und in Umbrien in offenen Aufruhr mündeten. Fabriken und Lanfgütern wurden von Arbeitern und Tagelöhnern besetzt und geplündert. Jede staatliche Autorität versank in den betroffenen Gebieten im Chaos."
(if) Diese
"Roten Wochen" (Settimane Rosse) wurden durch den Einsatz von 100.000
(!) Soldaten niedergeworfen.
Italien war noch eine
konstitutionelle Monarchie mit
Zensuswahlrecht.
So hatten „bei den Wahlen von 1909 [...] 8,3 Prozent der gesamten Bevölkerung das Stimmrecht; bei denen von 1913 waren es 23,2 Prozent.“
(Parker, 138)
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| Italien im Ersten Weltkrieg |

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Österreich- Ungarn hatte Italien zu Kriegsbeginn nicht konsultiert und damit gegen den Dreibundvertrag verstoßen.
(if) Durch die italienische
Irredenta- Bewegung, die den Anschluss noch „unerlöster“ Italienisch sprechender Gebiete an Italien forderte und durch den kolonialen Interessenausgleich zwischen Italien und Frankreich im Jahre 1912 hatten sich Italien und Österreich- Ungarn einander bereits entfremdet. Auch dass Großbritannien nach dem deutschen Einmarsch in Belgien in den Krieg eintrat, führte dazu, dass
Italien im Ersten Weltkrieg zunächst neutral blieb. Diese änderte sich aber bis 1915.
Diejenigen, die einen Kriegseintritt Italiens befürworteteten, nannte man
"Interventionisti". Führende Interventionisten seit Ende 1914 waren der Dichter Gabriele D`Annunzio und der Sozialist Benito Mussolini. Neben
sozialistischen
gab es auch
liberale und
konservative Interventionisten. Wichtig ist,
dass sich Mussolini gegen die Sozialistische Partei dem
nationalistischen Lager
anschloss.
Mussolini war noch im Sommer 1914 wie die gesamte Sozialistische Partei gegen den Kriegseintritt Italiens gewesen. Doch im
September 1914 änderte er seine Position und ließ es über dieser Frage zum
Bruch mit der Sozialistischen Partei kommen. Er erklärte, „dass die Kriegsteilnahme (auf Seiten der Westmächte) die bürgerlich- demokratische Revolution vollenden und damit die proletarsche Revolution ermöglichen würde.“
(if)
Mussolini wandelte sich also zum sozialistischen Nationalisten, der die Sozialistische Partei bekämpfte. Die
Sozialistische Partei dagegen blieb im Unterschied zu den französischen, österreichischen, deutschen und anderen europäischen Sozialisten
pazifistisch und verurteilte den Krieg.
Mussolini gründete am 15. November 1914 die Zeitung "Popolo
D´Italia", am 29. November 1914 wurde er aus der Sozialistischen Partei ausgeschlossen. Am
12. Dezember gründete er einen Bund (keine Partei), den sogenannten
ersten Fascio, aus dem dann im Laufe der nächsten Jahre die faschistische Bewegung entstand. Dessen Ziel war es, den Kriegseintritt Italiens „gegen Pfaffen und Sozialisten“, wie sich Mussolini ausdrückte, zu unterstützen.
(if)
"Am 26. April 1915 schloss der italienische Außenminister Sidney Sonnino als Vertreter der italienischen Regierung ohne offizielle Kenntnis des Parlaments den
Londoner Geheimvertrag, der Italiens Kriegseintritt auf der Seite der Entente binnen eines Monats
vorsah (
Karte L`Italia alla fine della Prima Guerra
Mondiale). Die Ententemächte sicherten Italien Trient, Südtirol, Triest und Dalmatien ohne Fiume (heute Rijeka) zu.
Die Ansprüche auf Dalmatien rührten letztlich vom territorialen Besitz
Venedigs bis 1797 her, siehe
Karte Venezianische
Besitzungen 1797.
Am 4. Mai 1915 kündigte Italien den Dreibundvertrag und am 23. Mai 1915 erklärte Italien der Donaumonarchie den Krieg."
(if) Territoriale
Zugeständnisse aus Österreich- Ungarn vermochten dies nicht zu
verhindern.
Neben dem Wunsch, Großmacht zu werden und die
Irredenta
zu vollenden, war die Absicht auch, von den
inneren Problemen des Landes abzulenken und die Stellung des Bürgertums zu stärken,
indem die inneren Gegensätze des Landes durch den Nationalismus überwunden werden sollten. Für dasselbe Vorhaben in Deutschland wird der Begriff „Sammlungspolitik“ verwendet.
Unter dem Druck der Straße, der von Mussolini und D`Annunzio organisiert wurde (Die Faschisten nannten dies später „le radiose giornate di maggio = die strahlenden Tage des
Mai), wurde im Parlament eine Mehrheit für den Kriegseintritt zustande gebracht und die Neutralisten um Giolitti, die aus Liberalen, Katholiken und Sozialisten bestanden, überstimmt.
(if)
Nach anfänglichem Stellungskrieg drangen die österreichisch- ungarischen Truppen bis zum
Piave vor, der Krieg kostete Italien etwa 680.000 Tote. (
Karte Italienfront) Unter dem Druck der Erfordernisse des Krieges bildete sich eine
Art militärisch- industrieller Komplex heraus, der aus Militärs, Beamten und Industriellen bestand, die eng, wenn auch nicht immer effektiv, zusammenarbeiteten. Gleichzeitig wurde der liberale Staat geschwächt. Giolitti schreibt in seinen Memoiren: „Die Macht der Regierung hatte die Handlungsfähigkeit des Parlaments mehr als in allen verbündeten Ländern ausgehöhlt […] keine Haushaltsdebatten und keinerlei Kontrolle über die Staatsausgaben (fanden) mehr statt, (so dass das) Parlament über die Verwendung der finanziellen Mittel völlig im
Unklaren gelassen wurde.“ (zit. nach if) Polizei, Carabinieri und Militär erstarkten, ein
autoritärer Staat entstand.

Lernumgebung Erster Weltkrieg
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Da der Londoner Vertrag nicht eingehalten wurde, verließen Ministerpräsident Orlando und Außenminister Sonnino unter Protest die
Friedenskonferenz in Paris. Im
Friedensvertrag von Saint- Germain vom 10. September 1919 erhielt Italien das Trentino, Südtirol, Triest, Julisch- Venetien, Istrien und Teile Dalmatiens, aber
nicht die folgenden Gebiete: das überwiegend von Italienern bewohnte Fiume (heute Rijeka), ganz Dalmatien, das Protektorat über Albanien, eine deutsche Kolonie oder eine Kompensation. (nach if)
Karte Saint- Germain
Im Frieden von Sèvres vom 10. August 1920 zwischen der
Entente und dem Osmanischen Reich erhielt Italien nur ein kleines Gebiet im Südwesten Kleinasiens, das die nationaltürkische Revolution unter Mustafa Kemal (später Atatürk = Vater der Türken) den Italienern schnell wieder abnahm.
Karte
Sèvres
Im Grenzvertrag von
Rapallo 1920 zwischen Italien und dem Königreich der Serben, Kroaten
und Slowenen wurde der beiderseitige Grenzverlauf geregelt, "wobei
Italien ganz Istrien behielt, während dalmatien mit Ausnahme von Zara
(Zadar) bei Jugoslawien (bis 1929 Königreich der Serben, Kroaten und
Slowenen, 1929 umbenannt) verblieb. Fiume wurde eine Freie Stadt." (Parker, 144)
Karte Rapallo
Die nationale Enttäuschung in Italien über diese Ergebnisse des Krieges war riesengroß, man sprach vom „verstümmelten Sieg“. Die öffentliche Meinung wandte sich von den ehemaligen Verbündeten ab. Vor diesem ganzen Hintergrund eroberte Gabriele D`Annunzio in einem Handstreich
Fiume und errichtete dort bis 1920 einen Staat, der als Modell für den Faschismus diente.

Zum Vergleich: Der Versailler Vertrag 1919/20 (Friedensschluss mit
Deutschland)
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| Die Krise 1919 / 1920 - Sozialistische Aktionen |

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„Während des Krieges waren die Lebenshaltungskosten in Italien rascher gestiegen als die Löhne […] Im Jahre 1918 lagen die Reallöhne ungefähr ein Drittel unter dem Stand von 1913.“
(Parker, 139)
Dies führte zu einer Streikwelle in den Jahren 1919 und 1920. „Im Jahre 1914 hatte es 781 Streiks unter Beteiligung von ungefähr 170.000 Arbeitern gegeben. […] Im Jahre 1919 kam es zu mehr als 1.800 Streiks mit etwa 1,5 Millionen Arbeitern und 1920 zu über 2.000 Streiks mit fast zwei Millionen Teilnehmern (diese Zahlen beziehen sich nicht auf Streiks, die im ganzen Lande durchgeführt wurden.)“
(Parker, 139) Im September 1920 erreichte der von der organisierten Arbeiterschaft ausgeübte Druck seinen Höhepunkt in der „Besetzung der Fabriken“. […] Zuerst fielen in Mailand und dann auch anderweitig
Fabriken in die Hände von Arbeiterausschüssen, die die Produktion in Gang zu setzen versuchten und in der ersten Septemberhälfte des Jahres 1920 die Macht über die
Fabriken behielten.“ (Parker, 139f.)
Gleichzeitig eigneten sich auf dem Land Bauern Land
an, das Großgrundbesitzern gehörte. Der Klassenkampf auf dem Land tobte besonders in der Emilia und in der Po- Ebene. Landarbeiterorganisationen nötigten Grundbesitzer, Arbeitskräfte nur über eben diese Organisationen einzustellen bei vereinbarten Löhnen, die eine Beschäftigung über das ganze Jahr zu erträglichen Löhnen ermöglichen sollte. „Einige
Arbeitskammern (Camere del Lavoro) setzten sowohl die Preise als auch die Löhne und Arbeitsbedingungen fest und verteilten die landwirtschaftlichen erzeugnisse durch die von ihnen kontrollierten Genossenschaften.“
(Parker, 140) Dies wurde auch dadurch möglich, dass fast alle Gemeinden der Emilia in der Hand der Sozialisten waren.
Zugleich redete die Sozialstische Partei von der sozialistischen
Revolution, ohne dass sie wegen ihrer inneren Spaltung in einen reformerischen und einen kommunistisch- revolutionären Flügel imstande gewesen wäre, diese konsequent durchzusetzen.
Man muss aber wissen, dass viele Landarbeiter, die unter dem Überangebot an Arbeitskräften litten, vorher nur saisonal angestellt worden waren und teilweise gehungert hatten. Der liberale Staat hatte dem nicht durch soziale Maßnahmen entgegen gewirkt
(
Wirtschaftsliberalismus).
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| Die
Krise 1919 / 1920 - Reaktionen der Besitzenden und Aufstieg des
Faschismus |

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Auf der Seite der naturgemäß antisozialistisch eingestellten Besitzenden führten diese Zustände zu
heftigen Reaktionen. „Sowohl kleine Grundbesitzer und Pächter als auch Großgrundbesitzer – und diese noch mehr als jene – sahen ihr Eigentum bedroht, ihre Gewinne beschnitten und ihren Rang angesichts des Aufstiegs der Arbeiter verringert.“
(Parker) Die Angst vor der
sozialistischen Revolution ging um.
Zugleich litt auch der Mittelstand unter der Teuerung. „1921 waren die Lebenshaltungskosten gut viermal so hoch wie 1913, während beispielsweise die Gehälter höherer staatlicher Bediensteter nur das Zweieinhalbfache betrugen.“
(Parker, 141)
Viele
national Gesinnte und die Mehrzahl der Kriegsoffiziere hatte den Sozialisten auch die Opposition gegen den Krieg nicht verziehen. Die italienische Niederlage von Caporetto 1917 wurde sozialistischer Propaganda zugeschrieben. Der Antimilitarismus der Sozialisten und ihre Verachtung der Streitkräfte erbosten viele.
Am 23. März 1919 hatte Mussolini in Mailand die Faschstische Partei Italiens (PNF Partito Nazionale Fascista) gegründet, und vor dem Hintergrund der Krise bildeten sich nun überall antisozialistische, faschistische Stoßtrupps, sogenannte
Fasci di Combattimento (Kampftrupps), die mit Gewalt gegen die sozialistischen Umtriebe vorgingen. Sie erhielten vor allem von Menschen Zulauf, die den Sozialsmus hassten, dem adligen Grundbesitz, der Großindustrie und Hochfinanz aber ebenfalls kritisch gegenüber standen.
Am 21. November 1920 fand in Bologna der erste größere Auftritt faschistischer Stoßtrupps statt. Von dort aus breiteten sich nun
bürgerkriegsähnliche Zustände gegen die organisierten Arbeiter und Landarbeiter aus. „In den ersten Monaten des Jahres 1921 verging kein Tag ohne Pressemeldungen über
die Neugründung faschistischer Gewerkschaften, Brandanschläge auf sozialistische Arbeiterkammern, Plünderungen von Kooperativen, Rizinusöl- Anschlägen auf Republikaner, katholische Politiker
(Popolari, nach "Partito popolare italiano), Sozialisten und Kommunisten.“
(if)
„Ende 1920 gab es 88 Fasci mit 20.615 Mitgliedern, Ende 1921 deren 834 mit 249.036 Mitgliedern. Vom 1. Januar bis zum 14. Mai 1921 wurden bei faschistischen Überfällen allein 207 Menschen getötet und 819 verletzt.“
(Parker, 155)
Die Faschisten wurden von Polizei, Carabinieri, Militär und Justiz unterstützt, sie konnten zum Beispiel Armee- Lastwagen benutzen und erhielten auch finanzielle Unterstützung, gerade auch von der Industrie.
Mussolini hatte seine Rolle als Exponent der antisozialistischen Kräfte gefunden, wobei seine eigenen sozialistischen Überzeugungen sich hin zu einem
korporativistischen
(auch:
korporatistischen)
Denken wandelten, siehe unten
„faschistische Wirtschaft“. In seinen Methoden war er aber mit den russischen Kommunisten verwandt. Die Machtergreifung der Bolschewisten
(russischen
Kommunisten)
unter Lenin und Trotzki im November 1917 hatte er schon während des Krieges bewundert, sah er doch hier eine entschlossene Minderheit am Werk, die sich nicht scheute, systematisch Gewalt als Mittel der Politik anzuwenden.
Die Wahlen vom November 1919, die nach
allgemeinem Wahlrecht abgehalten wurden, erbrachten 1.756.344 Stimmen und 156 Abgeordnete für die Sozialistische Partei, die katholische Volkspartei (Partito
popolare) kam auf 1.121.658 Stimmen und über 100 Abgeordnete. „Die liberalen Regierungskandidaten wurden nur durch die Klientelverhältnisse im Süden vor der völligen Niederlage bewahrt.“
(if)
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| Faschistische Machtergreifung: Der
"Marsch auf Rom" im Oktober 1922 |

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Die Regierung Giolitti (Juni 1920 – Juni 1921) schien den Niedergang des Liberalismus nochmals aufhalten zu können.
Außenpolitisch einigte sie sich mit dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Dieses anerkannte den neuen Gebietsumfang Italiens, dieses verzichtete aber auf seine Ansprüche auf Dalmatien mit Ausnahme Zadars. Fiume wurde in eine Freie Stadt umgewandelt, die italienische Kriegsmarine machte der Herrschaft D`Annunzios in der Stadt ein Ende. Albanien wurde geräumt und anerkannt.
Auch die Fabrikbesetzungen beendete er gegen das Versprechen, die Arbeiter an der Führung der Fabriken zu beteiligen. Der Staat schien sich zu erholen.
Aber der liberale Staat war schwach. Gegen die Unterstützung von Polizei, Armee und Justiz für die Faschisten konnte er wenig tun.
Giolitti und seine Nachfolger glaubten auch zu Unrecht, den Faschismus in das liberale System
einbinden zu können. Er würde sich an der Macht schon mäßigen. Deshalb gingen sie nicht mit Härte gegen sie vor.
Bei den Wahlen im Juni 1921 nahm Giolitti die Faschisten sogar in den nationalen Block gegen Sozialisten und Volkspartei auf. Die Sozialisten wurden aber nur geringfügig geschwächt, die Volkspartei gewann hinzu und die Faschisten erhielten 35 Abgeordnete
(Parker, 148) Nach den Wahlen verschärften die Faschisten die Gewalt, sprachen aber gegenüber den Liberalen „von Regierungskoalitionen und parlamentarischer Zusammenarbeit“.
(Parker, 148)
Giolitti stützte sich gegen den Aufstieg des Faschismus nicht auf
die katholische Volkspartei (Partito Popolare). Eine Einigung zwischen Liberalen und Volkspartei kam schon aus historischen Gründen nicht in Frage, denn Liberalismus und Katholizismus waren in Italien erbitterte Gegner. Der italienische Staat hatte 1871 den Kirchenstaat beseitigt und Giolitti befürchtete „klerikale Einmischung“ in staatliche Angelegenheiten.
Die Liberalen waren säkular (weltlich).
Auch eine Kombination von Sozialisten und Katholiken gegen die
Faschisten scheiterte. Die Bereitschaft der Volkspartei unter ihrem Sekretär Don Sturzo und
den Sozialisten, gegen die Faschisten zusammenzuarbeiten, kam zu spät und beschränkte sich auf wenige Abgeordnete.
Im Oktober 1922 drohten die Faschisten mit dem „Marsch auf Rom“.
Mussolini verkündete am 24. Oktober: "Entweder wird und die
Regierung übertragen" (Mussolini stand in Regierungsverhandlungen
mit Giolitti, Salandra, Orlando und Facta, alles wichtigen Politikern und
Parteiführern), "oder wir nehmen sie uns durch einen Angriff auf
Rom: Es jetzt eine Sache von Tagen und vielleicht von Stunden." (Parker,
150)
"Am Abend des 27.
Oktober kehrte der König nach Rom zurück, und Facta, der Präsident des
Ministerrates, vereinbarte mit ihm eine Notstandserklärung. Das
Kabinett versammelte sich am 28. Oktober um 5 Uhr früh; General Pugliese
erhielt den Befehl, Rom zu verteidigen; Telegramme, die den
Notstand erklärten, wurden abgesandt, und die Minister unterzeichneten
eine Proklamation, in der sie bekannt gaben, dass sie um
jeden Preis die Ordnung aufrecht erhalten würden. Um 8 Uhr bat Facta
Victor Emanuel III. (Vittorio Emanuele III.), das Dekret mit der
Erklärung des Notstande zu unterzeichnen. Der König weigerte sich."
(Parker,
150)
Wenn der König den
Widerstand gegen die Faschisten aus vollem Herzen unterstützt hätte,
hätte dies der Regierung die Loyalität der Streitkräfte gebracht."
(Parker, 151)
Aus mehreren Gründen tat er das nicht. Parker, S. 151 nennt
die folgenden:
-
Sein Vetter, der
Herzog von Aosta, erklärte sich bereit, die Führung eines
faschistischen Staatsstreichs persönlich zu übernehmen, wenn der
König gegen die Faschisten Widerstand leisten sollte.
-
Seine Ratgeber,
hohe Militärs und der Nationalistenführer Federzoni, rieten ihm
davon ab.
-
Facta zeigte wenig
Energie, den König von der Notwendigkeit, das Dekret mit der
Erklärung des Notstands zu unterschreiben.
-
Es blieben
Illusionen, man könne Mussolini überreden, in ein Kabinett unter
Führung eines Nichtfaschisten einzutreten.
"Am 28. Oktober
bat der König den Rechtsliberalen Salandra, ein Kabinett zu bilden.
Mussolini lehnte es ab, nach Rom zu kommen, es sei denn, um selbst eine
Regierung zu bilden. [...] Am 29. Oktober wurde Mussolini gebeten,
eine Regierung zu bilden." (Parker, 151)
Mussolinis erstem Kabinett "gehörten außer Faschisten und
Nationalisten Liberale und Volksparteiler an. Sie erhielt Giolittis
Unterstützung: `Ein Kabinett unter Mussolini ist das einzige, das den
Frieden in der Gesellschaft wieder herstellen kann." (Parker, 151)
Auch der Industrieverband Confindustria gab seine unterstützung für das
neue Kabinett bekannt.
Viele der nichtfaschistischen Unterstützer Mussolinis waren derselben
Meinung wie Giolitti. Sie glaubten, dass nun eine Normalisierung
stattfinden würde, die faschistischen Gewalttaten aufhören würden und
die Verfassung wieder respektiert würde. Die Gewalttaten gingen aber
weiter, nur unter dem Schutz des Staates.
Im Parlament kam die neue Regierung so auf 306 Stimmen, die Gegner, fast
nur Sozialisten und Kommunisten, hatten 116 Stimmen. (Parker, 151)

Zum Vergleich: Machtergreifung der Nationalsozialisten

Endphase und Untergang der Weimarer Republik (1930 - 30. Januar 1933)
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| Der Auf- und Ausbau des faschistischen Regimes |

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Die Konjunktur zwischen
1922 und 1929 erleichterte den Aufstieg des Faschismus. Mit folgenden
Maßnahmen wurde Italien unter Mussolini nach seiner Ernennung zum
Ministerpräsidenten zur Diktatur ausgebaut:
-
Eingliederung der
faschistischen Schwarzhemden in eine sogenannte "freiwillige
Miliz", die Mussolini persönlich unterstellt wurde. (Parker,
152)
-
Im April 1923 übte
die (katholische) Volkspartei auf ihrem Kongress in Turin scharfe
Kritik an Mussolini, worauf hin dieser die Minister der Volkspartei
dazu zwang, die Regierung zu verlassen. Unter dem Einfluss des Vatikan
wurde in der Folge Don Sturzo, der führende Mann dieser Partei,
gezwungen, als politischer Sekretär der Volkspartei
zurückzutreten. Vgl. unten das Thema
"Faschismus und römisch- katholische Kirche - Die Lateran- Verträge"
(Parker, 152)
-
Acerbo- Gesetz von
1923. Es handelt sich um ein neues Wahlgesetz, nach welchem der Partei
mit den meisten Stimmen, sofern sie mindestens 25% der Stimmen erhielt, zwei Drittel der Parlamentssitze
zugeordnet wurden. Acerbo war faschistischer Abgeordneter. Die Kammer,
das italienische Parlament, zählte damals nur 30 faschistische
Abgeordnete, das Gesetz wurde aber mit 235 gegen 139 Stimmen
angenommen, bei Stimmenthaltung der meisten Abgeordneten der
Volkspartei. Die Bürgerlichen hofften auf "Normalisierung".
(Parker153)
-
Weiterführung des
faschistischen Terrors. Am 29. November 1923 wurde das Haus des
früheren Ministerpräsidenten Nitti demoliert, am 26. Dezember 1923
wurde der antifaschistische Abgeordnete Amendola von Faschisten schwer
misshandelt. (Parker, 153)
-
Bei den Wahlen vom
6. April 1924 erhielt der Listone, die faschistische Liste,
"unter insgesamt 356 Namen auch 135 Liberale und Demokraten,
darunter zwei ehemalige Ministerpräsidenten, Salandra und Orlando,
während Giolitti eine kleine separate Liste vorlegte, die, wie er mit
Nachdruck betonte, nicht als Versuch der Opposition anzusehen
sei." (Parker, 154) Die Regierungsliste gewann 65 Prozent der
Stimmen und erhielt nach dem Acerbo- Gesetz 374 von 535 Sitzen in der
Kammer. (Ebenda, 154)
-
Bei der
Eröffnungssitzung am 30. Mai 1924 kritisierten die Abgeordneten
Amendola und Matteotti, Mitglied der reformerischen Unitarischen
Sozialistischen Partei (Partito Socialista Unitario PSU) den
faschistischen Terror bei den Wahlen und bestritten die Gültigkeit
der Wahl. Am 10. Juni wurde Matteotti ermordet, im Juli 1925 Amendola
von Faschisten überfallen Er starb 8 Monate später wohl als Folge
dieses Überfalls.
Man nahm an, dass der Mord an Matteotti vielleicht sogar von Mussolini
selbst gebilligt worden sei. Es sah eine Weile so aus, als würde die
faschistische Regierung nicht überleben. (Parker, 154)
-
Am 18. Juni 1924
erklärten ungefähr 150 Sozialisten, Volksparteiler, Demokraten
und Kommunisten ihren Austritt aus der Kammer. Man spricht von der
"Aventin- Sezession". Giolitti, Orlando und Salandro waren
nicht darunter. (Parker, 154)
-
Als der König dem
Druck der Aventin- Gruppe nicht nachgab und damit Mussolini erneut
politische Hilfe gewährte, und als der Vatikan sich wiederum auf die
Seite Mussolinis stellte und sogar den Austritt aller Priester aus der
katholischen Volkspartei anordnete - dies kam der Auflösung des
Partito Popolare gleich (Deschner, 596) - gewann Mussolini Oberwasser
und verkündete im Januar 1925: "Ich allein übernehme die
politische, moralische und historische Verantwortung für alles, was
geschehen ist. [...] Wenn der Faschismus eine Vereinigung von
Rechtsbrechern ist, bin ich der Chef dieser Vereinigung von
Rechtsbrechern." Zit. nach Parker, 154)
-
In den folgenden
Monaten wurde "die Tätigkeit der Parteien [...] durch ein
Koalitionsgesetz unterbunden, die Pressefreiheit aufgehoben, die
Dissidenten des Aventin aus dem Parlament ausgeschlossen, des
Antifaschismus verdächtige Beamte aus der Verwaltung entfernt, die
Gesetzbücher geändert und schließlich wurde die
verwaltungsautonomie eingeschränkt, indem die Bürgermeister nicht
mehr gewählt, sondern von oben ernannt wurden. (Procacci, 360)
-
Mit der Einrichtung
einer staatlichen Rundfunkanstalt wurde das neue Medium Radio
kontrolliert. (Procacci, 360)
-
Auch Schulen und
Hochschulen wurden gleichgeschaltet.
-
Alle
nichtfaschistischen Gewerkschaftsorganisationen wurden verboten.
"Die faschistischen Gewerkschaften vezichteten in dem so
genannten Palazzo- Vidoni- Pakt [vom 2. Oktober 1925] mit den
Unternehmern auf Streiks und auf die Einrichtung von Betriebsräten in
den Fabriken, die commissioni interne, und erhielten dafür die
Anerkennung der kollektiven Tarifverträge. In der Zwischenzeit hatte
sich auch die Confederazione generale del lavoro, die letzte Bastion
der freien Gewerkschaftsbewegung, selbst aufgelöst. Sie war dem
faschistischen Korporatismus auf den Leim gegangen, der mit der Carta
del lavoro am 21. April 1927 [...] verkündet wurde." (Procacci,
360)
-
1926 wurde die Opera
Nazionale Balilla eingerichtet, die faschistische
Jugendorganisation, die eine Monopolstellung erhielt. Balilla war ein
vierzehnjähriger Junge, der 1790 in Genua mit einem Steinwurf den
Aufstand gegen die Österreicher eingeleitet hatte. Es handelte sich
um eine halbmilitärische Kindergruppe für Acht- bis
Vierzehnjährige. Für die Vierzehn- bis Achtzehnjährigen gab es die
Avanguardisti.
Seit 1937 wurden die Altersgrenzen ausgedehnt. "Sechsjährige
Knaben wurden `Söhne des Wolfes`, mit elf Jahren erhielten sie
hölzerne, mit fünfzehn Jahren richtige Gewehre. Ihr Wahlspruch war
ein im faschistischen Italien bekanntes Schlagwort: `Glaube, gehorche,
kämpfe.`"
-
Mit Gesetz vom 25.
November 1926 wurde ein "Sondergericht zum Schutze des
Staates" (Tribunale speciale per la difesa dello Stato)
eingerichtet, dessen Mitglieder von Mussolini ernannt wurden und gegen
dessen Urteile kein Widerspruch eingelegt werden konnte. "Mehr
als 5.000 Personen wurden von 1927 bis 1943 vor dieses Gericht
gestellt. Mit wenigen Ausnahmen wurden alle für schuldig befunden.
Fast alle wurden ins Gefängnis geworfen. Die durchschnittliche strafe
betrug mehr als fünf Jahre. In sieben Fällen wurde auf
lebenslange Haft und in 29 Fällen auf Todesstrafe erkannt." (Parker, 155)
-
"Die Polizei
konnte die Bewegungsfreiheit, die freie Wahl des Wohnsitzes und der
Beschäftigung eines jeden, der einer antifaschistischen Haltung
verdächtig war, einschränken und bis zu fünf Jahren Confino
über ihn verhängen, was Deportation auf Inseln oder in abgelegene
Dörfer bedeutete. Nach und nach wurden ungefähr 10.000 Personen auf
diese Weise deportiert." (Parker, 155)
-
1927 wurde die
Geheimpolizei OVRA gegründet. (Parker, 155)
-
1928 wurde ein
Wahlsystem eingeführt, "wonach eine einzige Liste mit Namen, die
die faschistischen Gewerkschaften und andere Organisationen vorzulegen
hatten, vom faschistischen "Großen Rat" aufgestellt werden
sollte. Der faschistische "Große Rat", ein Parteigremium,
[...] war ein Gebilde ohne tatsächliche Macht. Er hatte keine
Bedeutung, bis er 1943 Mussolini stürzte." (Parker, 155)
-
Am 11. Februar 1929
schlossen der Vatikan und Mussolini die Lateran- Verträge ab, was dem
faschistischen Regime die endgültige Unterstützung der katholischen
Kirch brachte, siehe unten das Thema
"Faschismus und römisch- katholische Kirche - Die Lateran- Verträge".
Damit war die Diktatur endgültig gefestigt.
-
Bis der
italienische Faschismus unter deutschen Einfluss geriet, vermied er
Antisemitismus. (Parker, 155)
-
Mit dem Führerkult
um Mussolini und dem äußeren Auftreten des Faschismus schuf der
Diktator ein Vorbild für alle anderen faschistischen Diktatoren, auch
für Hitler. Der Duce trat in der Öffentlichkeit als Arbeiter, Vater, Sportler, Frauenheld,
und Soldat auf. Er trug Uniform und liebte martialische
Auftritte. Vom Balkon des Palazzo Venezia in Rome pflegte er
Ansprachen zu halten und Paraden abzunehmen, wobei die Truppen über
die neu angelegte Via dei Fori Imperiali marschierten, die Straße
über den antiken römischen Kaiserforen. Überhaupt wurde äußerlich
an den Traditionen des römischen Reiches angeknüpft, auch in der
Außenpolitik und in der
Kunst.
-
Bei den Wahlen im
März 1929 stand nur die faschistische Liste zur Auswahl. "Von
den 8.506.576 Ja- Stimmen - bei nur 136.198 Nein- Stimmen - sind
letztlich [...] viele als Ausdruck einer wirklich Zustimmung [zum
Regime] zu betrachten." (Procacci, 361)
Mit diesen Maßnahmen
war seit der faschistischen Regierungsübernahme im Oktober 1922 ein
diktatorisches Regime entstanden. Die Diktatur war vollendet. Ihre
korporatistische Ausgestaltung siehe unten unter dem Thema
"Faschistische Wirtschaft"

Zum Vergleich: Nationalsozialistische Gleichschaltung
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| Faschismus und römisch- katholische Kirche - Die Lateranverträge |

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"Der
erste Dienst, den der Exsozialist [Mussolini] dem Heiligen Stuhl leistete,
war ein finanzieller. Er rettete nämlich die `Banco di Roma`, der sowohl
die Kurie wie mehrere ihrer Würdenträger hohe Summen anvertraut hatten,
vor dem Bankrott, indem er auf Kosten des italienischen Staates mit
ungefähr 1,5 Milliarden Lire einsprang. (Deschner, 596)
Schon mit dem Rücktritt Don Sturzos als politischer Sekretär der
Volkspartei war Papst Pius XI. dem italienischen Faschismus entgegen
gekommen. Parker urteilt: "Die Haltung der päpstlichen Behörden
bildete einen der Hauptgründe für Mussolinis erfolgreichen Vormarsch zur
Diktatur." (Parker, 152 f.)
Im weiteren Verlauf des Weges von der faschistischen Regierung zum
faschistischen Regime ließ der Papst die Volkspartei vollends
fallen.
Neben der Gegnerschaft zu den atheistisch geprägten Sozialisten und den
Liberalen, die eine konsequente Trennung von Kirche und Staat in Italien
durchgesetzt und den Kirchenstaat im Zuge der italienischen Einigung
vernichtet hatten, war ein weiterer Grund allgemeinerer art für die
Zusammenarbeit von Kirche und Faschismus in Italien die grundsätzliche
Erwägung, dass katholische Interessen besser durch Kooperation mit einem
Staat als durch Gegnerschaft zu einem staat zu erlangen sind.
Auf der anderen Seite
ging es Mussolini darum, die Unterstützung der katholischen Kirche für
sein Regime zu gewinnen. Er konnte sie ohnehin nicht besiegen.
Mit den Lateranverträgen vom 11. Februar 1929 wurden die territorialen
Fragen mit dem Vatikan, die seit dem Einmarsch italienischer Truppen in
den Kirchenstaat im Jahr 1870 offen waren (Ende des Kirchenstaates),
ebenso wie die Beziehungen zwischen Kirche und Staat in Italien
geklärt.
Der faschistische Staat
erkannte "die Souveränität des Papstes über die Vatikanstadt an,
verpflichtete sich zu umfangreichen Zahlungsleistungen [als Entschädigung
für die Enteignung ihrer Besitzungen]" (Procacci, 361) und erklärte
den Katholizismus zur Staatsreligion Italiens.
"Der Heilige Stuhl seinerseits erklärte die römische Frage für
gelöst und stimmte der Regelung seiner Beziehungen zum italienischen
Staat durch ein Konkordat zu, in dem die kirchliche Eheschließung zivile
Gültigkeit erhielt und in den öffentlichen Schulen der
Religionsunterricht eingeführt wurde." (Procacci, 361) Den
Bischöfen wurde aber jede Betätigung strikt untersagt. (Deschner, 598)
"Die Bereitschaft des Papstes, sich mit Mussolini zu verständigen,
brachte dem faschistischen Regime unschätzbaren Gewinn. Sie trug bei zu
der Haltung passiver Gefügigkeit, die die Mehrheit des italienischen
Volkes in den dreißiger Jahren kennzeichnete." (Parker, 156)
Am 13. Februar nannte Papst Pius XI. Mussolini den Mann, "den uns die
Vorsehung geschickt hat." (Deschner, 596). Der Papst "befahl
schließlich allen Priestern zum Abschluss der täglichen Messe ein Gebet
für den König und den Duce (`Pro Rege et Duce`). (Ebenda, 596)
Als die italienischen
Kriegsvorbereitungen für den faschistischen Überfall auf Abessinien auf
Hochtouren liefen, erklärte der Papst am 27. August 1935 , "ein
Verteidigungskrieg zum Zweck der Expansion einer wachsenden Bevölkerung
könne gerecht und richtig sein." (Deschner, 597 f.)
Als sich der Niedergang des Faschismus abzeichnete, wandte sich der
italienische Klerus den Amerikanern zu. (Deschner, 599)

Zum Vergleich: Nationalsozialistische Kirchenpolitik
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Vor dem Hintergrund der
günstigen Konjunktur in Europa und Amerika zwischen 1922 und 1929
praktizierte der italienische Faschismus eine liberalistische
Wirtschaftspolitik durch Aufhebung der namentlichen Registrierung von
Grundbesitz, Verringerung der Erbschaftssteuer, Reprivatisierung der
Telefongesellschaft und Lohnkürzung.
Nach außen wurde
dagegen die protektionistische Politik fortgesetzt. Schon Giolitti hatte
1921 einen neuen, hohen Schutzzoll eingeführt. Zugleich wurde seit
1925 eine Politik der Kursstabilisierung der Lira
durchgeführt. Der Goldstandard wurde wieder eingeführt. Die
Kursstabilisierung diente zur Verringerung des
Zahlungsbilanzdefizits und zur Schaffung beträchtlicher Devisenreserven.
Das Regime zeigte auch eine Vorliebe für öffentliche Arbeiten.
Die
sogenannte "Getreideschlacht" zur Produktionssteigerung in der
Landwirtschaft diente demselben Ziel, wurde aber auch durchgeführt, um
Italien autarker zu machen.
"1929 hatte die Industrieproduktion gegenüber 1922 um 50%
zugenommen. Besonders eindrucksvoll waren die Erfolge der Chemieindustrie.
Führend war die Firma Montecatini, der größte Lieferant von
Düngemitteln. In Verbindung mit der chemischen Industrie entwickelte sich
die neue, vielversprechende Kunstseiden- und Rayonindustrie, besonders die
führende Snia Viscosa. Auch die Automobilprodiktion nahm ständig
zu und erreichte 1926 60.500 Einheiten, die Mehrzahl davon waren Fiats.
Als Folge der gesteigerten Industrieproduktion nahm auch die
Arbeitslosigkeit ab, die während der Krise [Anfang der 1920er Jahre] ein
ziemlich hohes Niveau erreicht hatte. [...] Auch die Landwirtschaft
verzeichnete im Großen und Ganzen steigende Produktionsziffern.
[...] Das von der vorigen Regierung übernommene Projekt der Aufteilung
des Großgrundbesitzes in Sizilien wurde absichtlich fallen
gelassen." (Procacci, 359)
Allerdings erreichte
die Weltwirtschaftskrise 1929 und in den Folgejahren auch Italien.
Krisensymptome waren wie überall "Preisverfall, Sturz der
Aktienkurse und drastischer Produktionsrückgang. Die Automobilproduktion
ging zwischen 1929 und 1932 um die Hälfte zurück, die Stahlherstellung
von 2,1 Millionen Tonnen auf 1,4, die Baumwollgarnproduktion von 222.000
auf 169.000 t. Das Bruttosozialprodukt pro Kopf sackte von der Indexziffer
3079 für 1929 auf 2868 im Jahr 1933 ab, die Arbeitslosenziffer dagegen
stieg von 300.000 im Jahre 1929 auf 1.019.000 im Jahr 1933. [...]
Entbehrung und auch Hunger begannen wieder Massenphänomene zu
werden." (Procacci, 365)
Die faschistische Regierung versuchte mit noch mehr öffentlichen Arbeiten
der Krise entgegenzuwirken. Von der überwiegend liberalistischen
Wirtschaftspolitik ging man zur verstärkten staatlichen
Intervention in die Wirtschaft über. Der Staat rettete eine Reihe
angeschlagener Firmen. "Während die Löhne auf einem relativ
niedrigen Niveau verblieben und die indirekten Steuern Rekordhöhen
erreichten, nahmen die staatlichen Finanzierungen und die Staatsaufträge
ständig zu. In vielen Fällen handelte es sich um Staatsaufträge für
die Rüstungsindustrie [...]. (Procacci, 365 f.)
Im Rahmen der Autarkiepolitik, die eigentlich Protektionismus
bedeutete, produzierte die italienische Stahlindustrie, die zu 50% - 100%
über den Weltmarktpreisen lagen. Der Staat gründete Agip (Azienda
generale italiana petroli) und ähnliche Organisationen. Die
"Getreideschlacht" wurde wieder aufgenommen und eine Pflicht zur
Ablieferung von Getreide eingeführt. Der Staat schränkte die
Freizügigkeit ein, damit die Landflucht eingedämmt wurde.
Durch Iri "kontrollierte der Staat eine große Zahl von Firmen
und ganze Industriesektoren, so dass der staatliche Bereich der Wirtschaft
weit größere Dimensionen besaß als in jedem anderen kapitalistischen
Land." (Procacci, 366)
1934 wurden die Korporationen eingeführt, siehe unten
"Korporatismus in Italien".
Procacci stellt fest:
"Man kehrte also wieder zu einer organisierten Wirtschaft zurück,
die in vieler Hinsicht an die Kriegszeit erinnerte [...]. (Procacci, 366)
Die Sozialpolitik beschreibt Parker so: "Italien nahm teil an der
allgemeinen Entwicklung in Westeuropa in Richtung auf Fürsorgeleistungen
- Arbeitslosenversicherung, Altersversorgung und Krankenversicherung. Die
Entwicklung des Mutterschutzes wurde energisch vorangetrieben, denn das
Regine glaubte aus [...] militaristischen Gründen, dass die Bevölkerung
Italiens vergrößert werden müsse. Arbeiter, die von Arbeitgebern ohne
eigenes Verschulden entlassen wurden, erhielten einen Rechtsanspruch auf
Entschädigungen." (Parker, 160)
(Gesamter Abschnitt
nach Procacci, 358 f. und 365 f.)

Zum Vergleich: Wirtschaft im Nationalsozialismus

Weltwirtschaftskrise allgemein
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In Italien wurde ein
korporatistisches System eingeführt. Es sollte im Namen der
übergeordneten Nation und eines vorgegebenen Gemeinwohls den
Klassenkampf verhindern. Vertreter von Kapital (Unternehmer), Arbeit
(Arbeiter) und Staat (Beamte) sollten im Interesse von Produktion und
sozialer Gerechtigkeit zusammenarbeiten. "Im mittelalterlichen Ständestaat
[mit seinen Zünften] erblickte der Korporativismus ein harmonisches
Zusammenwirken aller organisierten gesellschaftlichen Kräfte
verwirklicht." (
Wikipedia)
Nach dem Verbot der
selbstständigen Gewerkschaften und der sozialistischen Parteien wurde
1926 das Syndikatssystem eingerichtet, und "nur faschistische
Gewerkschaften erhielten die Erlaubnis, die Arbeiter bei Verhandlungen zu
vertreten, und alle Angehörigen eines Industriezweiges, der durch eine
faschistische Gewerkschaft vertreten wurde, mussten an diese
Gewerkschaft Beiträge zahlen. Die Wahl von Funktionären in den
Gewerkschaften bedurfte der Zustimmung der Regierung, bevor sie genehmigt
wurde. Denn die Verhandlungen über Löhne und arbeitsbedingungen wurden
praktisch Gegenstand eines Gesprächs zwischen dem Staat und den
Arbeitgebern." (Parker, 158 f.)
Dieses System wurde zu
einer korporativen Struktur weiterentwickelt. Am 5. Februar
1934 wurden zweiundzwanzig Korporationen eingerichtet, in denen, nach Produktionssektoren aufgeteilt, Arbeitnehmer und
Arbeitgeber gemeinsam vertreten waren. Alle neugeschaffenen Institutionen hatten
aber nur beratende, nicht initiative Funktion, die politischen
Weichenstellungen wurden auch weiterhin in der Regierung oder den traditionellen Entscheidungsinstanzen der Wirtschaft vorgenommen.
(
Frank Vollmer: Die politische Kultur des Faschismus: Stätten totalitärer Diktatur in Italien,
S. 370)
"Durch Gesetz vom 19. Januar 1939 [...] wurde die
Abgeordnetenkammer [also das Parlament] durch die Camera dei Fasci e delle Corporazioni
[Kammer der Fasci und Korporationen] ersetzt; sie kam nicht durch
Wahl zustande, sondern setzte sich aus Mitgliedern des Consiglio nazionale
del partito [einem Parteigremium] , des Consiglio nazionale delle
corporazioni [den Korporationen]und des Gran Consiglio del fascismo [einem
weiteren Parteigremium] zusammen. Damit endete im faschistischen Staat das
Repräsentationsprinzip." (
Aldo Mazzacane: Korporativismus in den südeuropäischen Diktaturen,
S. 117) Auf diese Weise setzte sich der Korporatismus auch als
Staatsmodell durch.

Zum Vergleich: Hitler in "Mein Kampf" zum Korporativismus (zu
"Gewerkschaften" bzw. zu "nationalsozialistische
Gewerkschaft") (linke Spalte)
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In
einer 1932 von Mussolini unterschriebenen Erklärung heißt es: "Die
faschistische Vorstellung vom Leben betont die Bedeutung des Staates und
lässt das Individuum nur insoweit gelten, als seine Interessen mit denen
des Staates übereinstimmen [...9 Der Faschismus bringt die Rechte des
Staates als ausdruck des wahren Wesens des Individuums wieder zur Geltung
[...] Der Faschismus glaubt, allgemein gesagt, nicht an die Möglichkeit
oder Nützlichkeit ewigen Friedens [...] Allein der Krieg steigert
sämtliche Energien des Menschen zu ihrer höchsten Anspannunt und prägt
denjenigen das Siegel des Adels auf, die den Mut haben, ihm ins Auge zu
sehen." (Zitiert nach Parker, 156 f.)
Übersteigerter Nationalismus, Militarismus, Sozialdarwinismus und
Führerprinzip gehören ebenso zum italienischen "faschistischen
Denken" wie die Ablehnung von Sozialismus, Liberalismus und
parlamentarischer Demokratie. Der Rassismus tritt erst hervor, als Italien
in die Abhängigkeit vom Nationalsozialismus gerät.
Parker kommt zu folgendem Urteil: "Die Auswirkungen des Faschismus
auf das geistige Leben Italiens waren natürlich beklagenswert. Aber sie
waren oberflächlicher und haben sich als leichter austilgbar erwiesen,
als man gewöhnlich befürchtete. Die italienischen Schulen und
Universitäten hielten, besonders auf Gebieten, die mit aktueller Politik
nichts zu tun hatten, weiterhin an einem Niveau fest, das sich sehen
lassen konnte, und die ideologische Beeinflussung der Jugend durch den
Faschismus erwies sich als nicht tiefgehend und flüchtig." (Parker,
157)

Zum Vergleich: Nationalsozialistische Ideologie

Zum Vergleich: Naziideologie in Bildern und Texten
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| Außenpolitik des Faschismus |

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Im Rahmen des Vertrages von Lausanne 1923 wurde der Dodekanes, einige
griechische Inseln vor der südwestlichen Küste Kleinasiens, von
der Türkei an Italien abgetreten.
Mussolinis erste außenpolitische Aktion galt 1923 Korfu: "Aus
Anlass der Ermordung einer Militärdelegation in Janina stellte Mussolini
die griechische Regierung vor ein Ultimatum und ließ Korfu besetzen.
Wegen der unnachgiebigen Haltung Englands musste er freilich die Besetzung
der Insel bald wieder aufgeben." (Procacci, 362)
Italien ging nun wieder zurück zur traditionellen Politik der Freundschaft
zu England.
In den 1930er Jahren wurde das faschistische Italien außenpolitisch
aktiver, zunächst auch, um von den Folgen der Weltwirtschaftskrise (siehe
oben) abzulenken.
Mussolini "trachtete nach `Größe` für sich und Italien, ihm
lag daran, bedeutend zu sein, konsultiert, hofiert und, wenn möglich,
gefürchtet zu werden." (Parker, 254) Ziele waren,
-
"durch eine
Verbindung mit Österreich und Ungarn einen beherrschenden Einfluss in
Südosteuropa zu gewinnen" (Parker, 254)
-
eine
"Hegemoniestellung im Mittelmeer" (Ebenda, 254). Das Konzept
hieß "Mare nostro" (Unser Meer)
-
eine
Kolonialexpansion in Afrika (Ebenda, 254)
Pläne und
machtpolitische Voraussetzungen passten aber nich zusammen: "Im
Jahre 1929 betrug Italiens Anteil an der Weltproduktion von Fertigwaren
3,3 Prozent gegenüber einem Anteil Frankreichs von 6,6 Prozent, Englands
von 9,4 Prozent und Deutschlands von 11,1 Prozent. Die Stahlproduktion
Italiens lag in demselben Jahr etwa so hoch wie die der Tschechoslowakei,
niedriger als die des Saargebietes. Sie betrug ungefähr halb so
viel wie die Belgiens, weniger als ein Viertel der französischen oder
englischen und etwa ein Achtel der deutschen." (Ebenda, 254)
Parker
kommt zu dem
Schluss: "Größe ohne Macht, Prestige ohne einen großen Krieg, das
waren die Ziele von Mussolinis Bemühungen." (Ebenda, 254)
1933 initiierte
Mussolini den Viermächtepakt zwischen Frankreich, Deutschland,
England und Italien, was für Mussolini die Anerkennung Italiens als
Großmacht bedeutete sowie eine mögliche Vermittlerrolle zwischen
Frankreich, Deutschland und England. Im Juli 1933 wurde der Pakt zwar
unterzeichnet, aber er wurde nie ratifiziert.
Am 25. Juli 1934 versuchten die Nationalsozialisten, in
Österreich durch einen Staatsstreich die Macht zu ergreifen.
Dabei ermordeten sie den österreichischen Bundeskanzler Dollfuß.
Darufhin setzte Mussolini eineige italienische Truppen, die in der Nähe
eine Übung abgehalten hatten, an die österreichische Grenze in Marsch,
was Hitler dazu bewog, seine Unterstützung der Putschisten aufzugeben.
Schon im Februar 1934 hatten Italien, England und Frankreich erklärt:
"Sie [die drei Regierungen] vertreten dieselbe Auffassung
hinsichtlich der Notwendigkeit, die Unabhängigkeit und Unversehrtheit
Österreichs in Übereinstimmung mit den diesbezüglichen Verträgen zu
erhalten." (Parker, 263)
Im Januar 1935 kam es zu einer französisch- italienischen
Verständigung. Italien verzichtete vor allem auf die
italienischen Ansprüche nach dem
Londoner Vertrag und auf italienische
Ansprüche in Tunesien. Für den Fall einer Bedrohung der Unabhängigkeit
Östereichs vereinbarte man Konsultationen. In der Folge kam es zu einer
militärischen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Italien gegen
Deutschland.
Im März 1935 gab Göring die Existenz der deutschen Luftwaffe, am
16. März folgte in Deutschland die einführung der allgemeinen
Wehrpflicht. Die Folgen waren: Am 2. Mai 1935 wurde ein französisch-
sowjetischer Beistandspakt abgeschlossen (Parker, 264 f.) und
England. Frankreich und Italien trafen sich auf der Konferenz von
Stresa, wo sie verkündeten: "Die drei Mächte [...] befinden
sich in völliger Übereinstimmung darin, mit allen geeigneten
Mitteln jeder einseitigen Nichtanerkennung von Verträgen [...]
entgegenzutreten." (Parker, 267)
Die "Stresa-
Front" beeindruckte Hitler jedoch nicht, da nicht nur keine Taten
folgten, sondern im Gegenteil das deutsch- englische Flottenabkommen
vom 18. Juni, wonach die Stärke der deutschen Flotte 35 Prozent der
Flottenstärke des geamten britischen Commonwealth betragen sollte,
während für Unterseeboote den Deutschen das Recht auf 100 Prozent
zugestanden wurde, wenn man erklärte, dass in naher Zukunft nur 45
Prozent gebaut würden." (Parker, 268 f.) Mehr war von den
finanziellen und industriellen Kapazitäten Deutschlands her gesehen
ohnehin nicht möglich. Frankreich und Italien waren erheblich verärgert.
Die Annäherung Italiens an Deutschland begann erst im Zusammenhang
mit dem italienischen Krieg gegen Äthiopien.
Vorwand für ein Eingreifen in Äthiopien war ein Grenzzwischenfall.
Mussolini ging es um Prestige und Innenpolitik, deshalb lehnte er
Kompromissvorschläge ab. Am 3. Oktober erfolgte der Einmarsch. Nach
anfänglichen Misserfolge kam es, auch nach dem Einsatz von Giftgas, zu
einem schnellen Sieg.
Da hier ein Verstoß gegen die Grundsätze des Völkerbunds vorlag,
verhängten die Großmächte England und Frankreich ein Embargo gegen
Italien, das aber nicht konsequent durchgeführt wurde, da beide Mächte
Italien noch gegen Deutschland zu benötigen glaubten. So wurde
Italien trotz des Embargos Öl geliefert und der Suezkanal wurde für
italienische Schiffe keineswegs gesperrt. Am 5. Mai verkündete Mussolini
die Errichtung des italienischen Kaiserreichs. Seine Popularität in
Italien und bei der Kirche war gestiegen, aber das Verhältnis zu England
und Frankreich verschlechterte sich entschieden, aber im Juli 1936 wurden
die Sanktionen gegen Italien aufgehoben. (Procacci, 367 f., Parker
271
ff.)
Die Annäherung an Deutschland vor dem Hintergrund der sonstigen
Isolierung Italiens wurde sichtbar, seit man ab 1936 begann, von der Achse
Berlin- Rom zu sprechen. Diese entwickelte sich bis zum Beginn des
Zweiten Weltkriegs zu einem politischen und ideologischen Bündnis. Dies
geschah über verschiedene Schritte:
-
1936 gab Mussolini
seine Zustimmung zu Hitlers Einmarsch ins entmilitarisierte
Rheinland. (Parker, 274)
-
Mussolini erklärte dem deutschen Botschafter in Rom, Ulrich von Hassell, im Januar 1936, er habe nichts mehr dagegen einzuwenden, daß Österreich ein deutscher Satellitenstaat werde.
Er hörte auf, Zahlungen für die faschistische "Heimwehr"
zu leisten und deren Führer [...] zu unterstützen." (Parker,
279)
-
Ebenfalls 1936
griffen Mussolini und Hitler an der Seite des aufständischen Generals
Franco in den spanischen Bürgerkrieg ein, während England und
Frankreich eine Politik der Nichteinmischung verfolgten. Italien
versprach sich von seinem Eingreifen militärische Stützpunkte auf
den Balearen und eine Schwächung Frankreichs im Mittelmeer, Hitler
wollte Italien weiter auf seine seite ziehen, eine Frankreich weniger
freundlich gesonnene Regierung installieren, die Kontrolle über die
spanische Erzproduktion erreichen und vor allem seine Luftwaffe den
erntsfall erproben lassen. "Die Soldaten wurden ausgewechselt, um
möglichst vielen den Vorteil dieser Erfahrung zu geben." (Parker, 281)
-
Italien trat
1937dem gegen die kommunistische Internationale und damit auch gegen
die Sowjetunion gerichteten Antikomintern- Pakt bei, der schon
im Jahr zuvor zwischen Deutschland und Japan geschlossen worden war.
-
1938 übernahm
Italien von Deutschland Rassengesetzgebung und Judenverfolgung.
Auch der Physiker Enrico Fermi musste das Land verlassen. Er arbeitete
nachher wie Albert Einstein an der Herstellung der amerikanischen
Atombombe mit.
-
Im März 1938
erfolgte der Anschluss Österreichs an Deutschland. Hitler
marschierte in Österreich ein, die Welt nahm es hin. Hitler
kam Mussolini im Mai 1938 während eines Staatsbesuches in Rom entgegen
und verzichtete entgegen seiner bisherigen Politik auf Südtirol.
"Die Alpen wurden als "natürliche" Grenze zwischen den deutsch-
italienischen Interessensphären festgelegt". (
Quelle: Die deutsch-italienischen Beziehungen 1933-1945)
-
Im April 1939 wurde
Albanien von italienischen Truppen besetzt. Mussolini musste sich gegenüber dem aufsteigenden Hitler
profilieren und seine Unabhängigkeit zeigen. "Viktor Emanuel von Italien wurde in Personalunion König von Albanien. Unter der Kontrolle eines italienischen Statthalters wurde eine albanische Marionettenregierung gebildet."
(
Quelle: Geschichte Albaniens)
-
Im September 1938
bestimmte das Münchner Abkommen die Abtretung der
Sudentengebiete von der Tschechoslowakei an Deutschland. Mussolini
hatte sich für das Zusatandekommen der Konferenz tatkräftig
eingesetzt, denn er wollte keinen allgemeinen Krieg in Europa, auf den
er nicht vorbereitet war. (Procacci, 369) Mussolini hatte an der
Konferenz teilgenommen und wie England und Frankreich der Abtretung
der Sudenten zugestimmt.
-
Am 22. Mai 1939
unterzeichneten Deutschland und Italien den Stahlpakt,
"der den Kriegseintritt Italiens an der Seite Deutschlands
vorsah. Es scheint, dass Hitler und seine Mitarbeiter bei
Vertragsabschluss Mussolini ihre Absicht, Polen sofort
anzugreifen, verheimlichten und ihn statt dessen glauben
machten, dass der Krieg in zwei oder drei Jahren ausbrechen würde.
Erst im August in Salzburg wurde der faschistische Außenminister
Ciano über den bevorstehenden Einmarsch informiert." (Procacci,
369)

Zum Vergleich: Außenpolitik des
Nationalsozialismus bis 1939
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Zweiter Weltkrieg und Untergang des Faschismus |

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Der Kriegseintritt Italiens erfolgte am 10. Juni 1940
hundert Stunden vor dem Waffenstillstand mit Frankreich, als der
Kriegsausgang entschieden zu sein schien. (Procacci, 369) Er hatte die
Absicht, "sich damit einen Platz bei der Aufteilung des
französischen (und möglicherweise auch des britischenI Imperiums zu
sichern." (Parker, 336)
Weil das Kriegsende ganz nahe zu sein schien, schien es auch nichts
auszumachen, dass Italien vollständig unvorbereitet in den Krieg zog. Die
Armee hatte Gewehre des Jahrgangs 1891, die seit dem ersten Afrikakrieg,
noch vor dem Ersten Weltkrieg, in Benutzung waren, Panzer gab es nur 400,
die 1.400 Flugzeuge waren älteren Datums und besaßen nur geringe
Reichweite. Die Munition reichte nur für 60 Tage. (Procacci. 376)
So begann eine italienische Offensive in den Westalpen.
Italiens "Parallelkrieg" (Procacci, 377) zur Aufwertung der
eigenen Stellung wurde in Afrika fortgesetzt, wo italienische Truppen Britisch-
Somaliland und Libyen eroberten.
Als Deutschland Rumänien besetzte, antwortet Mussolini am 28. Oktober
1940 mit dem Angriff auf Griechenland von Albanien aus, um dieses
zu erobern, was aber zu einem italienischen Desaster führte. Die
italienischen Soldaten kämpften ohne Winterausrüstung, ihre Schue hatten
zum Teil Pappsohlen. (Procacci, 377) Die Griechen drangen auf albanisches
Gebiet vor und es gelang nur mit Mühe, dieses zu halten. Erst der
deutsche Balkanfeldzug 1941, der Hitlers Überfall auf Russland zeitlich
verzögerte und so möglicherweise die Einnahme Moskaus verhinderte,
führte zur Besetzung Jugoslawiens und Griechenlands durch deutsche
Truppen. Der Anspruch auf eine italienische Hegemonie auf den Balkan
war damit hinfällig. Italien annektierte zwar Ljubljana (Laibach)
und schuf das Königreich Kroatien unter einem Mitglied des
italienischen Königshauses, aber dieses betrat sein Königreich niemals.
(Procacci, 378)
Die Lage verschlechterte sich für Italien weiter: "Englische
Torpedoflugzeuge hatten der italienischen Flotte am 11. November 1940 im
Hafen von Tarent schwerste Verluste zugefügt. An der libyschen
Front gingen die Engländer zur Gegenoffensive über und
erreichten am 16. Februar 1941 Bengasi. Auch in Ostafrika [...] war
bereits absehbar, dass Äthiopien nicht mehr lange zu halten
war." (Procacci, 377)
Das Eingreifen des deutschen Afrikakorps 1941 unter General Rommel
wendete die Situation in Nordafrika nur vorübergehned und zeigte, dass
Italien zum schwachen und abhängigen Juniorpartner Deutschlands
herabgesunken war.
In Italien selbst herrschte Mangel an Lebensmitteln und lebensnotwendigen
Waren. (
Zur Jahreswende 1942 /
1943 war die 110.000 Mann starke italienische Heereseinheit in Russland
aufgerieben worden. Mehr als die Hälfte war gefallen oder erfroren,
der deutsche Partner hatte Transportmittel für den Rückzug verweigert. (Procacci, 378)
Nach dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 nach dem
japanischen Überfall auf Pearl Harbor, nach den alliierten Erfolgen in
Nordafrika und nach der Schlacht von Stalingrad im Winter 1942/43
war klar, dass die Achsenmächte den Krieg verloren hatten. Am 10. Juli
1943 landeten die Alliierten von Nordafrika aus auf Sizilien.
Dies führte zur organisierten
Opposition gegen den Faschismus in Italien selbst. Im Dezember 1942
gründete sich der Comitato antifascista aus Sozialisten,
Liberalen, Kommunisten, dem Partito d`azione und der Democrazia cristiana
(DC), einer katholischen Neugründung, weil der Vatikan Abstand zum
faschistischen Kriegsverlierer zu nehmen begann. (Die DC entsprach in
Italien der bundesrepublikanischen CDU/CSU). In Turin und Mailand
streikten die Arbeiter.
Nach der alliiereten Landung auf Sizilien wurde Mussolini vom
Faschistischen Großrat abgesetzt und am 25. Juli 1943 verhaftet.
König Victor Emanuel III. übernimmt den Oberbefehl über das Heer und
eine neue Regierung ohne Faschisten wird unter General Badoglio
gebildet. Am 28. Juli 1943 erfolgt die Auflösung der faschistischen
Partei. Die politischen Gefangenen wurden freigelassen.
Für Italien ging es
jetzt darum, möglichst glimpflich aus dem Krieg herauszukommen, ohne
durch Alliierte oder Deutsche allzu großen Schaden zu nehmen. Die
Italiener glaubten und hofften, dass das Kriegsende nahe sei. Auf den
Straßen herrschte Jubel.
Deshalb versicherte die italienische Regierung Deutschland ihre
Loyalität, führte aber gleichzeitig Geheimverhandlungen mit den
Alliierten wegen eines Waffenstilstands. Dieser wurde am 3.
September 1943 in Cassibile auf Sizilien unterzeichnet und im
Hinblick auf deutsche Aktionen erst am 8. September bekannt gegeben.
"Badoglio und der König wollten sich mit Zustimmung der Deutschen
aus dem Konflikt zurückziehen und dann von den Alliierten günstige
Waffenstillstandsbedingungen erhalten. Mit diesem Ziel hielten sie beiden
Seiten das Gespenst der kommunistischen Revolution vor und empfahlen sich
als letzte Bastion gegen das Chaos." (Procacci, 380 f.) Diese Taktik
ging aber nicht auf.
Auf der anderen Seite
war zu klären, welche Staats- und Gesellschaftsform nach Mussolini
und dem Faschismus in Italien herrschen sollte. Auf konservativer Seite,
insbesondere beim König und einigen Ministern, gab es Befürchtungen
hinsichtlich des Erhalts der Monarchie sowie des Einflusses von
Sozialisten und Kommunisten. Deshalb versparch Badoglio. das politische
Leben solle erst nach Kriegsende mit freien Wahlen weitergehen.
Die deutschen Gegenmaßnahmen ("Fall Achse") erfolgten
prompt: Rom wurde von deutschen Truppen besetzt, die italienischen Truppen
entwaffnet, entlassen oder gefangen genommen, wobei einige italienische
Truppenteile Widerstand leisteten. Gefangennahme konnte einen Aufenthalt
in einem deutschen Kriegsgefangenenlager mit Zwangsarbeit bedeuten. Auf
dem Balkan schlossen sich die italienischen Soldaten den jugoslawischen
Partisanen an. Die Regierung Badoglio und die königliche Familie
mussten per Schiff über Pescara zu den Alliierten fliehen.
Am 12. September wurde Mussolini von einem deutschen
Fallschirmjägerkommando befreit und gründete die "Soziale
Republik Italien" ("Repubblica sociale italiana")
mit Sitz in Salò am Gardasee. Es handelte sich dabei um eine
Marionettenregierung.
Am 13. Oktober erklärte Italien Deutschland
den Krieg, nachdem die Alliierten versichert hatten, dass sie die
Friedensbedingungen nach dem italienischen Beitrag für den Kampf gegen
den Nationalsozialismus und die Repubblica sociale italiana bemessen
würden. "Den ersten von den Kommunisten und vom Partito d`azione
organisierten Partisanenverbänden schlossen sich bald auch
Abteilungen des regulären Heeres unter der Führung ihrer Offiziere
an." (Procacci, 383) Kommunisten und Monarchisten arbeiteten
zusammen.
Italien war zu diesem Zeitpunkt in zwei Hälften zerrissen.
"Im Süden regierten Badoglio und die alliierten Truuppen, die am 1.
Oktober Neapel erreicht und sich auf der Linie über Montecassino bis nach
Pesaro an der Adria festgesetzt hatten. Den Norden beherrschten die
Deutschen und die faschistische Regierung unter Mussolini." (Procacci, 382)
Im Juni 1944 nahmen die Alliierten Rom ein, was zu einem Regierungswechsel
führte. An der neuen Regierung Bonomi nahmen alle Führer der
antifaschistischen Parteien als Vertreter des Comitato di liberazione
nazionale teil. "Der Widerstand gewann ein solches Ausmaß, dass
die alliierten seine Vertreter als vollberechtigte Gesprächspartner
anerkennen mussten." (Procacci, 384)
Im August 1944 wurde Florenz befreit, Kommandounternehmen und Sabotageakte
der Partisanen "häuften sich, und es entstanden `befreite
Gebiete` wie die von Val d`Ossola, Carnia, die Republik von Torriglia in
Ligurien u.a., die ausschließlich der Verwaltung von Partisanen
unterstanden." (Procacci, 384)
Die Deutschen versuchten sich der Partisanen zu erwehren, indem sie massive
Vergeltungsaktionen durchführten. So kamen bei einer Partisanenaktion
in Rom in der Via Rasella 32 deutschen Soldaten ums Leben, die deutsche
Seite antwortete mit der Ermordung von 335 Italienern in den Fosse
Ardeatine in der Nähe der Via Appia antica. Bei Marzabotto am
Appeninenaufstieg hinter Bologna gab es 1.830 Tote.
Viele befreite Gebiete wurden von deutschen Soldaten zurückerobert.
Insgesamt kosteten die Kämpfe 46.000 italienische Opfer, aber
"als die alliierten Truppen im April 1945 in die Po- Ebene
einmarschierten, fanden sie die wichtigsten Städte bereits in der Hand
der Befreiungskämpfer und die wichtigsten Industrieanlagen [...]
gerettet. (Procacci, 385)
In Mezzegra
wurden Mussolini und seine Geliebte Claretta
Petacci
in den letzten Kriegstagen von Partisanen auf der Flucht in die Schweiz erschossen
und kopfabwärts auf der Piazzale
Loreto in Mailand
aufgehängt, siehe
Bild.
Am 28. April 1945 kapitulierten die deutschen Streitkräfte in Italien,
am 2. Mai wurde die Kapitulation bekannt gegeben.

Zum
Vergleich: Zweiter Weltkrieg allgemein
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| Widerstand gegen den italienischen Faschismus |

Anschlagtafel auf der
Piazza in Bologna mit Bildern gefallener Widerstandskämpfer zum Andenken
an den italienischen Widerstand
Die Fotos unten zeigen unter anderem, dass Bologna befreit wurde,
bevor die alliierten Panzer dort einrückten.
Bild: Geschichtszentrum
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mit 4592 Pixel

Anschlagtafel
auf der Piazza Maggiore in Bologna mit Bildern gefallener
Widerstandskämpfer zum Andenken an den italienischen Widerstand:
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Lexikon LEO > 
Unbekannte Wörter hineinkopieren
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Auf Mussolini werden mehrere Attentate verübt, nämlich von Tito Zaniboni, Violet Gibson. Gino Lucetti, Anteo Zamboni, Michele Schirru und Angelo Pellegrino
Sbardellotto, die aber alle misslangen. Breiterer, organisierter
Widerstand kam von anderer Seite.
1927 gründeten die älteren
politischen Emigranten Treves, Nitti, Modigliani und Turati in
Frankreich die Concentrazione antifascista und gaben in
italienischer Sprache die Zeitschrift "La Libertà"
heraus (Procacci, 371) Wie Benedetto Croce, der eine "Stria
d`Italie" (Italienische Geschichte) im Geist des liberalen Italien
der Ära Giolitti schrieb, wollte auch dieser Kreis eine Rückkehr zu den
Werten und zum Verhalten des vorfaschistischen Italien.
Die jüngere Generation der Emigranten wie Piero Gobetti oder Carlo
Rosselli kam zu der Auffassung, dass der Faschismus "in hohem Maße
von der Schwäche und Komplizenschaft der liberalen politischen
Führungsschicht des Landes gefördert worden war". (Procacci, 371)
Sie forderten deshalb für die Zeit nach dem Faschismus ein ganz neues
Italien, was nur ein sozialistisches Italien bedeuten konnte. Die
Gruppierung "Giustizia e libertà" um Rosselli in
Frankreich erstrebte deshalb einen freiheitlichen Sozialismus und wandte
aktivere Kampfformen an als die ältere Migrantengeneration.
Die 1921 in Livorno gegründete Kommunistische Partei als ein
Hauptgegner des Faschismus leistete mit Propaganda, Gewerksxchaftsarbeit
und Streiks Widerstand. Ihr Parteiorgan "L`Unità" (Einheit)
erschien einigermaßen regelmäßig im Untergrund. Die meisten Opfer
der faschistischen Sondergerichte waren Mitglieder der Kommunistischen
Partei. (Procacci, 372) Die KP erstrebte einen Zusammenschluss von
Arbeitern, Bauern und bürgerlichen Kräften gegen den Faschismus
(Volksfrontstrategie). Führender Theoretiker war Antonio Gramsci,
der glaubte, dass dem agrarisch- industriellen Block des Nordens ein Block der Arbeiter
des Nordens und der Bauern des Südens entgegen gestellt werden
müsse. (Procacci, 372 f.) Vorbilder dieser Strategien waren Lenin und
Stalin. Gramsci nahm aber die stalinistische Entwicklung in der
Sowjetunion mit Bestürzung zur Kenntnis, während der neue Führer der
italienischen KP Palmiro Togliatti jeden Winkelzug der sowjetischen
Politik mitmachte.
1934 kam es zu einer Aktionseinheit zwischen Kommunistischer Partei und
Sozialisten, auch im Spanischen Bürgerkrieg arbeitete man in den
Internationalen Brigaden zusammen.
In der letzten Kriegsphase, nach der Absetzung Mussolinis, bekam der
Widerstand einen gewaltigen Aufschwung. Er konkretisierte sich in den Partisanenkämpfen
gegen die Deutschen und die Repubblica sociale italiana, was
oben im Kapitel "Italien im Zweiten
Weltkrieg" beschrieben ist.
An der neuen Regierung Bonomi, die seit dem Juni 1943 im Amt war,
nahmen alle Führer der antifaschistischen Parteien als Vertreter des Comitato
di liberazione nazionale teil. Diese und alle am Widerstand
Beteiligten waren der Überzeugung, dass die Dinge in Italien nach dem
Sieg über den faschismus von Grund auf anders werden müssten. Die Frage,
über die sich aber nicht alle Italiener einig waren, war das Wie.
Darüber wurde in der Nachkriegszeit entschieden.

Zum Vergleich: Widerstand gegen den
Nationalsozialismus
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Faschismusbegriffe und
Faschismustheorien
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| Aufgabe:
Mittlerweile bezeichnen viele Italiener den Duce als ein Opfer Hitlers, nicht als dessen Komplizen.
Stimmst du dieser Ansicht zu? Begründe deine Meinung. |
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|

Rom: Palazzo Venezia
Hier befand sich das Arbeitszimmer Mussolinis.
Bild: Geschichtszentrum
1000
Pixel

Rom: Balkon am Palazzo Venezia
Bild: Geschichtszentrum
Mussolini (links im Bild) auf dem Balkon des Palazzo Venezia in Rom
Mussolini gibt am 10. Juni 1940 vom Balkon des Palazzo Venezia herab
bekannt, dass die Kriegserklärung an den englischen und französischen
Botschafter ausgehändigt wurde.
correvalanno.rai.it

Rom: Via dei Fori Imperiali
Straße der Kaiserforen. Mussolini ließ sie anlegen. Sie hieß damals Via
del Impero (Straße des Kaiserreiches) und führt über die antiken
Kaiserforen. Es gibt eine Sichtverbindung mit dem Palazzo
Venezia. Mussolini hielt hier Paraden ab.
Bild: Geschichtszentrum
1000
Pixel

Karte des Römischen Reiches in den
Anfängen im 8. Jh. v. Chr.
Mussolini ließ die Karten des Römischen Reiches an der Mauer anbringen, die das Forum Romanum
begrenzt. Die Karten unterstützten seine Außenpolitik (Mittelmeer =
"Mare nostro" = Unser Meer)
Bild: Geschichtszentrum
1000 Pixel

Karte des Römischen Reiches am Ende
der Punischen Kriege 146 v. Chr.
Bild: Geschichtszentrum
1000 Pixel

Karte des Römischen Reiches beim
Tod des Kaisers Augustus 14 n. Chr.
Bild: Geschichtszentrum
1000 Pixel

Karte des Römischen Reiches unter
Kaiser Trajan (98 - 117 n. Chr.)
Bild: Geschichtszentrum
1000 Pixel

Rom: Piazza Augusto Imperatore
Den Platz um das Augustus- Mausoleum ließ Mussolini faschistisch
gestalten, hier ein faschistisches Gebäude. Die Seite zum Tiber wird mit
dem Friedensaltar des Augustus geschmückt, der extra hierher gebracht
wird.
Bild: Geschichtszentrum
1000 Pixel
|
Rom:
Augustusmausoleum auf dem Augustusplatz |
Rom:
Ara Pacis
Arbeitsmittel
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Klassenzimmer

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Zweiter Weltkrieg

Italienischer Faschismus und Nationalsozialismus im Vergleich
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Ereignisse

Italienfront im Ersten Weltkrieg
de.wikipedia.org
Der Vertrag von Saint- Germain
de.wikipedia.org
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| Deutscher Soldatenfriedhof
bei Cassino

Bild: Geschichtszentrum
Aus dem Text einer
Anschlagtafel beim Friedhof:
Nach der Landung der
Alliierten (auf Sizilien) und der Kriegserklärung Italiens an
Deutschland am 13. Oktober 1943 begannen die Kämpfe um den
Landekopf Salerno, die Stadt und das Kloster Cassino. Sie dauerten
bis Mitte Mai 1944. Bei dem erbitterten Ringen um das Monte-
Cassino- Massiv verloren Soldaten aus vielen Nationen ihr Leben:
Deutsche, Amerikaner, Engländer, Franzosen, Kanadier, Polen,
Italiener, Neuseeländer und Inder. Ihre Gräber sind Zeugnisse
dieser Zeit des Leidens und Sterbens. Über 20.000 deutsche Soldaten
haben hier ihre letzte Ruhestätte erhalten. [...] Die Toten dieses
Friedhofes mahnen zum Frieden.
Text auf einer weiteren
Anschlagtafel beim Friedhof:
Was du über diesen
Friedhof wissen solltest:
Dieser Friedhof ist einer von
sieben Anlagen des Zweiten Weltkrieges, die der Volksbund für
Kriegsgräberfürsorge nach Abschluss des deutsch- italienischen
Kriegsgräberabkommens vom Dezember 1955 auf italienischem Boden
erbaut hat. Die hier ruhenden 20.057 Soldaten starben größtenteils
bei den Kämpfen um die Stadt und das Kloster Cassino und den
Landekopf von Salerno. In den Jahren 1959 und 1960 barg der
Umbettungsdienst des Volksbundes die Toten aus den Feldgräbern und
provisorischen Anlagen, um sie hier zu bestatten. Mit finanzieller
Hilfe von Mitgliedern und Spenden und durch Zuschüsse der
Bundesregierung baute der Volksbund diese Kriegsgräberstätte aus
und übergab sie am 4. Mai 1965 der Öffentlichkeit.
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Deutscher Soldatenfriedhof in
Cassino in einer ehemaligen Stellung
Bild: Geschichtszentrum
Anklicken für Vergrößerung

20.057 Bestattete
Bild: Geschichtszentrum
Anklicken für Vergrößerung
Auffallend viele Gefallene
gehören den Jahrgängen 1923 - 1925 an, waren also zum Zeitpunkt
ihres Todes zwischen 19 und 21 Jahren alt, eine Tatsache, die in der
Diskussion über die Wehrmacht berücksichtigt werden sollte.

Hauptkampfgebiete
Bild: Geschichtszentrum
Anklicken für Vergrößerung
Die Karte zeigt, wo die Soldaten
gefallen sind und wo die Hauptkampfgebiete lagen.

Oberstleutnant
Julius Schlegel
1895 - 1958
Retter der Kulturgüter von Montecassino
Bild:
Geschichtszentrum
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Folgende
Tafel befindet sich über der Büste Julius Schlegels:
Der gebürtige Wiener und Kommandeur einer technischen Abteilung der
deutschen Fallschirmtruppe (FschPzDiv H.G.) veranlasste im
Spätherbst 1943 zusammen mit Stabsarzt Dr. Maximilian Becker den
Abtransport der überaus wertvollen Bibliothek und sakralen
Gegenständes des Mutterklosters der Benediktiner sowie der
eingelagerten italienischen Kunstschätze nach Rom, bevor
Montecassino im Februar 1944 durch einen gegnerischen Luftangriff
völlig zerstört wurde.
Bund
deutscher Fallschirmjäger e.V.

Montecassino
Bild: Geschichtszentrum
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Auf der Spitze des Berges die heute wieder aufgebaute Abtei mit den
sterblichen Überresten des Hl. Benedikt, des Gründers des
Benediktinerordens und dieser Abtei, sowie seiner Schwester
Scholastica.
Benedikt von Nursia (um 480 - 547 n.Chr.) gründete das nach ihm benannte Stammkloster der Benediktiner im Jahr 529.
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| Literaturtipps


Fischer Weltgeschichte
Band 34
Das Zwanzigste Jahrhundert
1918 - 1945
Heruasgegeben und verfasst von R.A.C.Parker
Im Text zitiert als "Parker"

Giuliano Procacci: Geschichte
Italiens und der Italiener
Im Text zitiert als "Procacci"

Karlheinz Deschner: Abermals
krähte der Hahn
Im Text zitiert als "Deschner"
Der italienische Faschismus - Von den Anfängen bis zu den Lateranverträgen
pnf-eine-untersuchung
Im Text zitiert als "if"
|
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