Lernumgebung Kaiserreich (1871 - 1918)

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Karte Europa vor dem Ersten Weltkrieg
Umrisskarte und kolorierte Karte


Kartenpuzzle Europa vor dem Ersten Weltkrieg



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Kolonialreiche 1914
Afrika, China, Europa und USA anklickbar, in der Legende auch brit. und franz. Empire. Englisch


Kartenreihe Deutschland vom 19. Jahrhundert (Rheinbund) bis zur Gegenwart
zum.de


Balkan 1871
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Balkan 1878
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Osteuropa 1878 nach dem Berliner Kongress
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Balkan 1914
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Das territoriale Wachstum Griechenlands im 19. und 20. Jahrhundert
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Aufstieg und Fall des Osmanischen Reiches - Ottoman Empire 1300 - 1922
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Encyclopaedia of the Orient
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Osmanisches Reich 16.Jh. - 1923
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Österreich-Ungarn ab 1867
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Vielvölkerstaat Österreich
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Karte europäischer Besitzungen in Afrika 1914
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Verfassung interaktiv


Reichsverfassung 1871



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Politische Bilder


Die Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles
Gemälde von Anton von Werner
www2.tu-berlin.de


Bismarck 1890
Der Lotse geht von Bord
Bild
de.wikipedia.org

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Bilderserie aus den Jahren 1903 und 1904

Aus der Ilustrirten Zeitung:


Mittelmeerreise des Kaisers 1905
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Segelregatta auf dem Müggelsee
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Damenwettlauf im Sportpark zu Treptow
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Looping the Loop. Eine amerikanische sensationsnummer im Zirkus Schumann zu Berlin
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Autorennen: Gordon Bennett Rennen
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Route zum Gordon Bennett Rennen
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Angler auf dem Eise der Havel
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Schlittenfahrt auf der gleislosen elektrischen Motorbahn Dresden- Klotzsche - Königswald
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Berliner Restaurants: Frühschoppen beim Pschorr
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Berliner Restaurants: Schifferstube im Kaiserkeller
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In der Kaschemme
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Lenbachhaus München
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Speisezimmer
Zimmereinrichtungen von Hartmann und Ebert in Chemnitz

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Berliner Verkehr und Freizeitvergnügen



dhm.de

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Personen

 
König Wilhelm I. von Preußen
preussenchronik.de


Kaiser Wilhelm II. 
dhm.de


Otto von Bismarck,
der Begründer des Deutschen Kaiserreiches 
preussenchronik.de

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Impressum


Impressum

Das Geschichtszentrum ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich.

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Inhalt:

Arbeitsmittel

Basiswissen

Bild der Kaiserjacht "Hohenzollern" und Video "Gründung des deutschen Kaiserreichs"

1 - Innenpolitik  

1a - Verfassung mit Quelle, kleinem Seitenblick auf die Nachbarstaaten und Aufgabenvorschlag
1b - Politische Strömungen und Parteien mit Aufgabenvorschlägen
1c - Beispiele undemokratischer Innenpolitik  

1c1 - Beispiel Kulturkampf mit Aufgabenvorschlägen
1c2 - Beispiel Sozialistengesetz mit Aufgabenvorschlägen

1d - Militarismus
Aufgabenvorschläge zum Obrigkeitsstaat Kaiserreich

2 - Wirtschaft

3 - Gesellschaft des Kaiserreichs
3a - Monarchen und Adel
3b - Bürgertum
mit Beispiel Museum in Tübingen
3c - Arbeiter
3d - Frauen
3e - Nationalismus im Kaiserreich mit Aufgabenvorschlägen
3f - Antisemitismus im Kaiserreich

4 - Außenpolitik des Kaiserreichs  
4a - Berliner Kongress 1878  
4b - Bündnissystem Bismarcks nach dem Berliner Kongress  
4c - Deutsches Bündnissystem unter Bismarcks Nachfolgern mit Aufgabenvorschlägen  und Marinetafel des Deutschen Kaisers von 1902 und Aufgabenvorschlägen zum Stand der Rüstungen vor dem Ersten Weltkrieg


Linke Spalte

Kartenraum  
Verfassung interaktiv 
Politische Bilder  

Bilderserie aus den Jahren 1903 und 1904        
Personen
Impressum

Rechte Spalte

Arbeitsmittel
Verwandte Seiten
Gesamtdarstellungen  

Gesellschaft im Kaiserreich mit Buchtipps
Formierung politischer Interessen: a - Parteien mit Aufgabenvorschlägen  
Formierung politischer Interessen: b - Verbände
Antisemitismus

Kulturkampf mit Aufgabenvorschlägen  
Ereignisse
Innenpolitik / Flottenbau mit Aufgabenvorschlag / Außenpolitik   
Türkei / Osmanen  

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Basiswissen 


Supermacht Preußen
Bei Weiterleitung in die ZDF Mediathek bitte Suchbegriff "Supermacht Preußen" eingeben



Intro
Ab 01:34 min Burg Hohenzollern, Friedrich der Große
Ab 12:52 min Preußen unter Napoleon. Befreiungskriege
Ab 20:46 Revolution von 1848
Ab 25:53 Deutsche Einigung und Gründung des Kaiserreichs
Ab 31:32 Kaiserreich
Ab 36:02 Erster Weltkrieg und Ende der Hohenzollern


zdf.de

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Gründung des Deutschen Reiches 1871
2:19



Für das Abspielen von msn - Videos muss das kostenlose Silverlight- Plugin im Browser installiert sein, das sich beim Klick auf das Video zum Download anbietet.
video.de.msn.com

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Heil Dir im Siegerkranz
Im Deutschen Kaiserreich gespielt z.B. bei Thronjubiläen, Geburts- und Todestagen, Sedantag und Reichsgründungsfeiern



ingeb.org

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Die Wacht am Rhein (Lieb Vaterland, magst ruhig sein)
Häufig bei offiziellen Anlässen gesungen

ingeb.org

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Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms II. Frühjahr 1904: Illumination der
kaiserlichen Schiffe im Hafen von Venedig. Das große Schiff ist die
kaiserliche Jacht "Hohenzollern".
Illustrirte Zeitung Nr. 3175 vom 5. Mai 1904
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Die kaiserliche Jacht "Hohenzollern", Längsschnitt

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1 - Innenpolitik

 
1a - Verfassung

 



Beim Kaiserreich handelt es sich eigentlich um einen Fürstenbund mit preußischer Dominanz, also keinen Bundesstaat, sondern eher einen Staatenbund; der Bundesrat als Organ der Monarchen dominiert in der Verfassung. Das Kaiserreich wurde am 18. Januar 1871 in Versailles proklamiert, siehe hier, vgl. vor allem auch hier. Die Vorherrschaft Preußens wird ebenfalls  verfassungsmäßig abgestützt. Für Preußen, das zwei Drittel des Reichsgebietes umfasst, bleibt die Verfassung  von 1850 bis 1918 bestehen, das preußische Militär wird nach wie vor auf den preußischen König, zugleich deutschen Kaiser, vereidigt. Die süddeutschen Staaten bekommen einige Sonderrechte.
Im Zuge der Entwicklung wird der nach allgemeinem Wahlrecht gewählte Reichstag immer wichtiger. 

Kleiner Seitenblick auf die großen Nachbarstaaten zum Vergleich

1867, nach der 2. Wahlrechtsreform durch Disraeli, erhöhte sich zwar die Zahl der Wähler von 1,4 auf 2,5 Mill., aber die Arbeitern auf dem Lande durften weiterhin nicht wählen. Erst 1918 warde das allgemeine Wahlrecht eingeführt, vorher galt das Zensuswahlrecht, als dessen Folge bis 1918 nur etwa 52% der Männer das Wahlrecht besaßen. Wie in Deutschland kam das Frauenwahlrecht in der Folge des Ersten Weltkriegs.

Im Dezember 1910 billigte das Oberhaus den Parliament Act, der bestimmte, dass das Oberhaus Gesetze, die vom Unterhaus, demHouse of Commons, beschlossen wurden, nicht mehr aufheben oder beliebig lang hinauszögern konnte. (Siehe Wikipedia- Artikel "Allgemeines Wahlrecht" und "Geschichte des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland")

Bei den italienischen Wahlen 1913 konnten schließlich 8,5 Millionen Italiener wählen, 27 % der damaligen Bevölkerung. (Wikipedia- Artikel "Politisches System Italiens")

Das zweite französische Kaiserreich (1851 - 1871) unter Napoleon III. war ein mehr oder weniger autoritärer Staat, erst 1871 wurde die Chambre des Députés nach allgemeinem Wahlrecht gewählt.

Dieser Vergleich sollte für die Beurteilung der Verfassung des Kaiserreichs AUCH herbeigezogen werden.

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Quelle: Der englische Schriftsteller und Journalist Peter Watson bewertet die  Verfassung des Kaiserreiches so:



"Nicht das Volk hatte sich seine Verfassung verdient, sie war vielmehr durch einen Bundesvertrag der Fürsten von fünfundzwanzig deutschen Staaten zustande gekommen, die ihre Kronen noch bis 1918 tragen sollten. Aus heutiger Perspektive betrachtet, hatte das einige höchst ungewöhnliche Folgen, darunter die, dass das Parlament über keine wirklichen Vollmachten verfügte, dass die politischen Parteien keine wirkliche Regierungsverantwortung übernehmen konnten und dass Wahlen abgehalten wurden, deren Ergebnisse die Zusammensetzung der Regierung nicht wirklich bestimmten. Das wer ein völlig anderes - und wesentlich rückständigeres - System als alles, was die westlichen Konkurrenten des Deutschen Reiches vorzuweisen hatten. Nach wie vor entschied die großgrundbesitzende Aristokratie staatspolitische Fragen, obwohl Deutschland inzwischen zu einer Industriemacht herangereift war. Und je mehr Deutsche an den industriellen, wissenschaftlichen und intellektuellen Erfolgen ihres Landes teilhatten, desto deutlicher hatte eine geschlossene kleine Gesellschaft von Traditionalisten das Sagen - Adel, Großgrundbesitzer, militärische Führung und an der Spitze der Kaiser." (Peter Watson: Der deutsche Genius, München, 2010, S.422)

 
Aufgabenvorschläge zur Verfassung des Kaiserreichs


Arbeitsblatt Verfassung des Kaiserreichs
doc-Datei

1a
Lade das Arbeitsblatt herunter und beschrifte die Grafik mit Hilfe der interaktiven Verfassung des Kaiserreichs. Bei Graustufenausdruck solltest du die Farben eintragen.

1b
Vergleiche mit der Paulskirchenverfassung von 1849 (Plattformwechsel!)

2
Welche Aussagen macht Peter Watson zur Verfassung des Kaiserreichs? Hat er recht oder nicht? Begründe Deine Meinung, indem du die Verfassung des Kaiserreichs sowie den Textabschnitt von "3a -Monarchen und Adel" zu Rate ziehst.


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1b - Politische Strömungen und Parteien

 


Reichstagsgebäude, im Kaiserreich noch
ohne Glaskuppel und mit anderer Beflaggung.
Vor 1894 musste der Reichstag in einer stillgelegten
Porzellanmanufaktur tagen, erst ab 1894 konnte er
im neuen Reichstagsgebäude tagen.

Die  liberale Fortschrittspartei, die mit Bismarck wegen des Preußischen Verfassungskonflikts verfeindet war, spaltet sich 1866, nachdem sich der deutsche Nationalstaat nach dem Deutsch- Deutschen Krieg 1866 in der Form des Norddeutschen Bundes abzeichnet.  Nach der Indemnitätsvorlage 1866 bildet sich so 1866 die Nationalliberale Partei, die mit Bismarck ausgesöhnt ist. Sie unterstützt dessen weitere gewaltsame Einigungspolitik, tritt für eine parlamentarische Monarchie ein und unterstützt als Vertreterin des protestantischen Besitz- und Bildungsbürgertums sowie großindustrieller Interessen die Industrialisierung. Innenpolitisch wird sie immer konservativer. Die liberale Strömung ist jetzt dauergaft in zwei Parteien gespalten, die Fortschrittspartei wird 1884 zur Freisinnigen Partei.

Auch im konservativen Lager gibt es nun zwei Parteien. da sich die alten Konservativen wegen der Einigungskriege spalten. Die Deutschkonservativen finden traditionell in den ländlichen Gebieten östlich der Elbe Unterstützung und sind besonders einflussreich in hoher Beamtenschaft und Militär. Mit dem Haus Hohenzollern und der lutherischen Kirche sind sie eng verbunden. Aus grundsätzlichen Gründen lehnen sie die Realpolitik Bismarcks zunächst ab, damit zunächst auch das Kaiserreich. Die Freikonservativen dagegen mit ihren Beziehungen zu Industrie und Großgrundbesitz unterstützen Bismarck bedingungslos. 

Der politische Katholizismus organisiert sich im Zentrum, der ersten deutschen Volkspartei in dem Sinne, dass sie als konfessionelle Partei aus allen Schichten der Bevölkerung Unterstützung und von den Minderheiten (Polen, Elsässer) erhält. Während Bismarcks Kulturkampf gegen die katholische Kirche gehört sie zu dessen Feinden, geht dann aber mit Bismarcks Frontenwechsel im Zuge der Schutzzollpolitik in den 1880er Jahren zu diesem über. Zu den Liberalen steht sie in historisch begründetem und ideologischem Gegensatz. Das Zentrum öffnet sich nach 1890 mit der katholischen Arbeiterbewegung auch nach links. Es ist der Vorläufer der heutigen CDU/CSU.

Der Sozialismus als politische Strömung organisiert sich in der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands), wobei reformerischer und revolutionärer Sozialismus innerhalb der SPD Flügel bilden. Die Spaltung des Sozialismus in mehrere Parteien erfolgt erst während des Ersten Weltkriegs (Abspaltung des Spartakusbundes) und in der Anfangsphase der Weimarer Republik (Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands KPD im Dezember 1918). 

Die SPD bildet sich aus dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV, gegründet 1863 von Ferdinand Lassalle) und aus der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP, gegründet 1869 in Eisenach von August Bebel und Wilhelm Liebknecht), die beide 1875 auf dem Vereinigungsparteitag in Gotha fusionieren. Zwischen 1878 und 1890 werden die Sozialdemokraten verboten ( Sozialistengesetz 1878-1890, die Kandidatur zu Wahlen bleibt trotz Parteiverbot aber erlaubt), 1891 geben sie sich dann das Erfurter Programm. Die SPD ist im Kaiserreich isoliert, wird aber 1912 stärkste Partei. Fast ausschließlich in der Arbeiterschaft findet sie Rückhalt, ist aber dadurch und ihrem eigenen Selbstverständnis nach eine Klassenpartei, also keine Volkspartei. Der SPD geht es um Arbeiterinteressen, insbesondere um den Sozialstaat. Sie tritt für das allgemeine Wahlrecht und für die Republik ein, letzteres spielt in der Praxis eine geringe Rolle. Der revolutionäre Flügel geht auf eine Diktatur des Proletariats aus.

Bismarck regierte im Inneren nicht mit den Mitteln einer modernen parlamentarischen Monarchie, sondern nahm sich seine innenpolitischen Gegenspieler als "Reichsfeinde" vor, das Zentrum zum Beispiel im Kulturkampf, die Sozialdemokratie mit Hilfe des Sozialistengesetzes. Auch Minderheiten wie Polen oder Elsässer und Lothringer waren in einer Außenseiterposition. Neben den Parteien üben auch Verbände einen wichtigen politischen Einfluss aus. Das Gesicht des Kaiserreiches wird von Monarchie, Adel und Militarismus und zunehmend von der Hochindustrialisierung bestimmt. Der Nationalismus wird immer konservativer, auch Antisemitismus gibt es verbreitet. 

 
Aufgabenvorschlag zu den politischen Strömungen und Parteien (Mittelstufe)


Arbeitsblatt Politische Strömungen und Parteien im Kaiserreich
doc-Datei

Lade das Arbeitsblatt herunter und fülle es mit Hilfe des Textes 1b - Politische Strömungen und Parteien im Kaiserreich aus.


Oberstufe (rechte Spalte):

Formierung politischer Interessen: a - Parteien mit Aufgabenvorschlägen 

Formierung politischer Interessen: b - Verbände  
Kulturkampf mit Aufgabenvorschlägen

Antisemitismus
Gesellschaft im Kaiserreich

Nach anfänglich liberaler Wirtschaftspolitik und einem Kampf gegen Zentrum und katholische Kirche ( Kulturkampf) geht das Kaiserreich zu Protektionismus über und Bismarck verbündet sich mit dem Zentrum gegen die Liberalen. 

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1c - Beispiele undemokratischer Innenpolitik


Bismarck betrachtete und behandelte einen wichtigen Teil seiner innenpolitischen Gegner nicht als legitime und notwendige Mitspieler in einem demokratischen System von von Regierungsparteien und Opposition, die jeweils ihre notwendige Rolle in einem Spiel mit festgelegten Regeln zu spielen hatte, sondern er bezeichnete und behandelte sie als Reichsfeinde. Zeitweise spielte er mit dem Gedanken, den Reichstag dauerhaft aufzulösen.

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1c1 - Beispiel Kulturkampf

 


Bildnachweis

Bismarck führte 1871 - 1887 den sogenannten Kulturkampf gegen die katholische Zentrumspartei und den Katholizismus insgesamt, denen er propagandistisch vorwarf, sich gegen die nationale Einheit zu stellen und "ultramontan" zu sein, also sich von jenseits der Alpen aus (gemeint war: vom römischen Papst) steuern zu lassen. Dabei ging es ihm nicht nur darum, eine Trennung von Staat und Kirche durchzusetzen, sondern auch um Parteitaktik. Denn er wollte einerseits den Einfluss des Zentrums klein halten, andrerseits die Liberalen auf seine Seite ziehen, deren Unterstützung er im Reichstag brauchte. 

Die Liberalen standen dem Katholizismus aus historischen und prinzipiellen Gründen ablehnend gegenüber. So hatte die Kirche nicht nur immer die Konservativen unterstützt und sich gegen die liberalen Forderungen nach dem säkularen (weltlichen) Verfassungsstaat gestellt, sondern sie war auch gegen die Aufklärung eingetreten, in deren Tradition die Liberalen standen. Noch im Dezember 1864 hatte Papst Pius IX. eine Sammlung von (aus katholischer Sicht) Irrtümern herausgegeben, die sich gegen den Rationalismus der Aufklärung richteten, und auf dem Ersten Vatikanischen Konzil 1869/1870 ließ er verkünden, dass Entscheidungen des Papstes ex cathedra in Glaubens- und Moralangelegenheiten unfehlbar, frei von Irrtum, seien. 

Bismarck griff nun zu einer ganzen Reihe von Maßnahmen und auch Schikanen gegen den Katholizismus, von denen zwei langfristige Wirkungen bis heute haben:

  • das preußische Schulaufsichtsgesetz, das der Kirche die Schulaufsicht entzog und sie dem Staat übertrug

  • die Einführung der Zivilehe, die eine rechtsgültige Ehe nur vor dem Standesamt ermöglichte. Die kirchliche Eheschließung war Privatsache und erst nach der standesamtlichen Trauung möglich.

Hier findest du den ganzen Katalog der Maßnahmen  (unter "Maßnahmen").

Da Verstöße gegen Bismarcks Regelungen mit Geld- oder Gefängnisstrafen geahndet wurden, waren zeitweise drei Viertel der Bischosämter und ein Viertel aller Pfarreien unbesetzt. 

Letztlich aber verlor Bismarck den Kulturkampf. Die Katholiken rückten enger zusammen und bekamen Solidarität auch von protestantischer Seite. Auch die politische Situation veränderte sich. Die Sozialdemokraten, die ja nicht nur reformerische Kräfte, sondern auch Revolutionäre umfassten, wurden immer stärker und rückten als "Reichsfeinde" in den Vordergrund. Die Liberalen wandten sich von Bismarck ab, weil er sich in der Wirtschaft vom Freihandel abwandte und zur Schutzzollpolitik zugunsten der Großagrarier griff (Verstoß gegen Prinzipien des Wirtschaftsliberalismus). Das Zentrum wurde immer stärker, 1878 war es zweitstärkste Partei im Reichstag.

So nahm Bismarck alle Maßnahmen, die er im Kulturkampf ergriffen hatte, außer Schulaufsicht und Zivilehe wieder zurück, söhnte sich mit dem neuen Papst Leo XIII. aus und erklärte den Konflikt 1887 für beendet. Innenpolitisch wechselt er die Fronten, weil er die Unterstützung des Zentrums für seine Schutzzollpolitik brauchte, und ging nun mit dem Zentrum gegen die Liberalen vor.

Aufgabenvorschläge zum Kulturkampf

Kläre mit Hilfe des Textes 1c1 - Beispiel Kulturkampf die folgenden Fragen:

  1. Gegen wen richtet sich Bismarcks "Kulturkampf"?
  2. Warum führt Bismarck den Kulturkampf
  3. Warum unterstützen die Liberalen Bismarck?
  4. Welche Gesetze bleiben vom Kulturkampf übrig?
  5. Warum wird der Kulturkampf beendet?
  6. Inwiefern ist Bismarcks Verhalten gegenüber Zentrum und Katholiken undemokratisch?
  7. Führte Bismarck einen Kampf gegen die Religionsfreiheit?

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1c2 - Beispiel Sozialistengesetz




Verkauf von gekochtem Fleisch auf dem Zentralviehhof an arme Leute
Illustrirte Zeitung

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Arbeiter in der Kaiserzeit
0:59 min



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Anlass für das Sozialistengesetz von 1878 waren zwei erfolglose Attentate auf Kaiser Wilhelm I., für die Bismarck ohne schlüssige Beweise die Sozialdemokraten verantwortlich machte. Es verbot sozialistische Organisationen und Parteien, Druckschriften und Versammlungen. Im Reichstag und in den Landtagen aber blieben sozialistische Abgeordnete weiterhin tätig. 

Zugleich wollte Bismarck mit seiner Sozialgesetzgebung den Sozialdemokraten den Wind aus den Segeln nehmen und sie so auch politisch schwächen. 1883 wurde die Krankenversicherung und 1884 die Unfallversicherung eingeführt, 1889 eine Alters- und Invaliditätsversicherung. Aber das schwächte die Sozialdemokraten trotzdem nicht.

Obwohl das Sozialistengesetz mehrfach verlängert wurde, wurde die Reichstagsfraktion der Sozialdemokraten immer stärker, was auch vor dem Hintergrund der fortschreitenden Hochindustrialisierung zu sehen ist. 1890 endlich, nach dem Rücktritt Bismarcks, wurde das Sozialistengesetz unter Kaiser Wilhelm II. nicht mehr verlängert. 1913 stellte die SPD die stärkste Fraktion im Reichstag.

Aufgabenvorschläge zum Sozialistengesetz
  1. Inwiefern kam das Sozialistengesetz einem Parteienverbot gleich, war aber kein totales Parteienverbot?

  2. Inwiefern ist es ein Beispiel für eine Innenpolitik Bismarcks mit undemokratischen Zügen? Wenn du den Kulturkampf kennst: Wo liegen die Gemeinsamkeiten zwischen Kulturkampf und Sozialistengesetz?


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1d - Militarismus

 


"Wer will unter die Soldaten." Deutscher Wandfries im Verlage von Breitkopf & Härtel in Leipzig.
Illustrirte Zeitung
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Lied "Wer will unter die Soldaten." 




ingeb.org


Text zum Lied "Wer will unter die Soldaten." 
altearmee.de


Militarisierung der Deutschen
1:09 min



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Aufgabe:

Vergleiche das Video "Militarisierung der Deutschen" und den nachfolgenden Text miteinander. Nimm Stellung zu den Unterschieden.


Mit Militarismus, so definiert der englische Militärhistoriker Michel Howard, ist "ein Zustand gemeint, in dem die Werte einer militärischen Subkultur (Unterkultur, Teilkultur) zu allgemein- gesellschaftlichen Leitwerten erhoben sind: so etwa die Befürwortung hierarchischer Ordnungen und Befehlsstrukturen (Überordnung - Unterordnung) in Organisationen, die Betonung persönlichen Kampfesmuts und persönlicher Opferbereitschaft, die Hervorhebung der Notwendigkeit einer heroischen (heldenhaften) Führerschaft in extremen Bewährungssituationen sowie, grundlegend für all dies, eine Überzeugung von der Unausweichlichkeit bewaffneter Konflikte innerhalb des internationalen Staatensystems und folglich von der Notwendigkeit der Schaffung der für das Austragen solcher Konflikte erforderlichen Voraussetzungen. Um die Wende zum 20.Jahrhundert war die europäische Gesellschaft zu einer in diesem Sinne weitgehend militarisierten Gesellschaft geworden. Der Krieg wurde nicht länger als Angelegenheit einer feudalen Herrscherklasse oder einer Gruppe von Berufsmilitärs betrachtet, sondern als eine Sache des ganzen Volkes. Die Streitkräfte galten nicht mehr als Bestandteil des königlichen Haushalts, sondern als Verkörperung der Nation. Monarchen hoben ihre Rolle als nationale Führergestalten dadurch hervor, dass sie so oft wie möglich in Uniform auftraten; und Militärparaden, Militärkapellen und militärische Zeremonien lieferten der Nation ein Selbstverständnis, mit dem sich alle Klassen identifizieren konnten. Denn der militaristisch geprägte Nationalismus war kein rein bürgerliches Phänomen (keine rein bürgerliche Erscheinung)." (Michel Howard: Der Krieg in der europäischen Geschichte, München 1981, S. 147)

Der preußische Militarismus war also keine isolierte deutsche Sache, andererseits war der Militarismus im Kaiserreich aufgrund der preußischen Tradition und der besonderen Umstände der nationalen Einigung durch Kriege besonders ausgeprägt. Nicht nur der jeweilige Kaiser, sondern auch Bismarck trat gerne in Uniform auf; Wilhelm II. war ein Uniformliebhaber. Das Militär war in der Öffentlichkeit überall sichtbar, vergleiche das Bild  "Frühschoppen beim Pschorr" links oben. Die Armee galt als "Schule der Nation", in der Heiratsanzeige konnte auch der militärische Dienstgrad erwähnt werden. Der Schutzmann (Polizist) war Autoritätsperson, wer eine Anstellung wollte, wurde gefragt, ob er "gedient" hatte (seinen Militärdienst absolviert hatte). Der Sedansatag, also der Tag der Gefangennahme des französischen Kaisers Napoleon III. bei Sedan im Deutsch- Französischen Krieg, wurde jedes Jahr feierlich begangen. Carl Zuckmayers Stück "Der Hauptmann von Köpenick", in dem ein Arbeitsloser in geliehener Uniform von der Straße weg Soldaten rekrutierte und mit ihnen das Rathaus von Berlin- Köpenick besetzte, beruht auf einer wahren Begebenheit und schildert den täglichen Militarismus auf unterhaltsame Weise. Man war sich einig, dass ein solcher Vorfall nur in Preußen möglich war.

Die Aufrüstung zur See und zu Lande passte zwar ins militaristische Bild, war aber viel eher eine Folge neuer politischer Ziele ("ein Platz an der Sonne", "Weltpolitik"), des europäischen Wettrüstens, der geographischen Mittellage Deutschlands zwischen europäischen Großmächten und konkret des Schlieffenplans, vgl. unten 2c - Deutsches Bündnissystem unter Bismarcks Nachfolgern

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Aufgabenvorschläge zum Obrigkeitsstaat Kaiserreich
  1. Der Begriff "Obrigkeitsstaat" 


    Obrigkeitsstaat
    de.wikipedia.org



    Obrigkeitsstaat
    bpb.de

    Schlage den Begriff "Obrigkeitsstaat" mit Hilfe der Links nach und suche die Gemeinsamkeiten der Definitionen heraus.

  2. Das Kaiserreich als Obrigkeitsstaat


    Schema zur Einordnung des Kaiserreichs
    doc-Datei
    Das Schema zeigt den Obrigkeitsstaat zwischen vormodernem Absolutismus einerseits und moderner, entwickelter Demokratie andererseits.

    a
    Lade das Schema herunter und diskutiere die Begriffe und ihre Bedeutung, damit Du ein begriffliches Gerüst erhältst. Du kannst das Schema auch erweitern oder verfeinern.

    b
    Das Schema zeigt den Obrigkeitsstaat als Zwischending zwischen Absolutismus und entwickelter Demokratie. Diskutiere zunächst allgemein, ob bzw. inwieweit das stimmt.

    c
    Diskutiere, inwieweit das Kaiserreich modern bzw. vormodern bzw. inwiefern es ein Obrigkeitsstaat war. Beziehe Beispiele Deiner Wahl mit ein.

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2 - Wirtschaft

 
Grunddaten in Tabellen:


 
Relative Anteile an der Welt- Industrieproduktion 1880 - 1913

1880 1900 1913
Großbritannien 22.9 18,5 13,6
Vereinigte Staaten 14,7 23,6 32,0
Deutschland 8,5 13,2 14,8
Frankreich 7,8 6,8 6,1
Russland 7,6 8,8 8,2
Österreich- Ungarn 4,4 4,7 4,4
Italien 2,5 2,5 2,4

Quelle: Bairoch: International Industrialization Levels from 1750 to 1980, S.296 und 304, zit. nach: Paul Kennedy: Aufstieg und Fall der großen Mächte, Frankfurt am Main, Dezember 2000, 2. Auflage Juli 201, S. 311 [Taschenbuchausgabe im Fischer Verlag]

 
Aufgabe:

Erläutere die Tabelle.


----------

Gesamtbevölkerung der Mächte 1890 - 1913
1890 1900 1910 1913
Russland 116,8 135,6 159,3 175,1
Vereinigte Staaten 62,6 75,9 91,9 97,3
Deutschland 49,2 56,0 64,5 66,9
Österreich- Ungarn 42,6 46,7 50,8 52,1
Japan 39,9 43,8 49,1 51,3
Frankreich 38,3 38,9 39,5 39,7
Großbritannien 37,4 41,1 44,9 45,6
Italien 30,0 32,2 34,4 35,1

Quelle: Zahlen dem "Correlates of War" - Datenausdruck entnommen, zit. nach: Paul Kennedy: Aufstieg und Fall der großen Mächte, Frankfurt am Main, Dezember 2000, 2. Auflage Juli 201, S. 308 [Taschenbuchausgabe im Fischer Verlag]

 
Aufgabe:

Erläutere die Tabelle.


----------

Eisen- / Stahlproduktion der Mächte 1890 - 1938
(in Mio. Tonnen; Roheisen 1890, danach Stahl)
1890 1900 1910 1913
Vereinigte Staaten 9,3 10,3 26,5 31,8
Großbritannien 8,0 5,0 6,5 7,7
Deutschland 4,1 6,3 13,6 17,6
Frankreich 1,9 1,5 3,4 4,6
Österreich- Ungarn 0,97 1.1 2,1 2,6
Russland 0,95 2,2 3,5 4,8
Japan 0,02 - 0,16 0,25
Italien 0,01 0,11 0,73 0,93

Quelle: Zahlen dem "Correlates of War" - Datenausdruck entnommen, zit. nach: Paul Kennedy: Aufstieg und Fall der großen Mächte, Frankfurt am Main, Dezember 2000, 2. Auflage Juli 201, S. 310 [Taschenbuchausgabe im Fischer Verlag]

 
Aufgabe:

Erläutere die Tabelle.


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Das Kaiserreich stieg bis zum Ersten Weltkrieg innerhalb Europas zur führenden Industriemacht auf, vgl. Tabelle oben, und war, weit hinter Russland, das bevölkerungsstärkste Land in Europa, vgl. Tabelle oben

"Die Kohleförderung stieg von 89 Millionen Tonnen im Jahre 1890 auf 277 Millionen Tonnen im Jahre 1914 - nur etwas weniger als Großbritannien mit mit 292 Millionen und weit mehr als Österreich- Ungarn mit 47 Millionen, Frankreich mit 40 Millionen und Russland mit 36 Millionen." (Kennedy, S. 323) "Zwischen 1895 und 1913 verdoppelt sich die deutsche Gewerbeproduktion, die Exporte steigen gar um 180 Prozent. Am Ende dieser Epoche entfallen 12,3 Prozent des Welthandels auf das Reich - Rang zwei zwischen Großbritannien (14,2 Prozent) und den USA (11 Prozent). [...] Allein zwischen 1895 und 1900 werden 1551 Aktiengesellschaften mit gut 2,2 Milliarden Mark Kapital gegründet." (GEO Epoche: "Deutschland um 1900", S. 92)

Konzerne beherrschten die Industrie, Großbanken wiederum hatten durch Aktienbesitz großen Einfluss auf die Konzerne. Schon 1856 wurde die Discontogesellschaft umgewandelt, 1870 wurde die Deutsche Bank gegründet, 1872 die Dresdner Bank. 1875 entstand die Reichsbank als Notenbank.

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Beispiel Elektroindustrie: 




Dynamo- elektrische Maschine von Werner von Siemens


Bildnachweis und Erklärung der Funktionsweise

Schon "im Jahr 1851 kündigte Siemens [Werner von Siemens 1816 - 1892] seine größte
Erfindung an - die dynamo- elektrische Maschine. [...] Immer wieder waren es Siemens & Halske, die nun [...] neue Anwendungen auf den Markt brachten: 1879 stellten sie auf der Berliner Gewerbeausstellung die erste elektrische Eisenbahn mit Fremdstromversorgung vor und installierten die erste elektrische Straßenbeleuchtung in der Berliner Kaisergalerie; 1880 bauten sie in Mannheim den ersten elektrischen Aufzug; 1881 ließen sie in Berlin- Lichterfelde die erste elektrische Straßenbahn fahren; 1886 fuhren auf dem Kurfürstendamm die ersten Oberleitungsbusse; 1887 ging das Kraftwerk in der Berliner Mauerstraße ans Netz; 1891 wurtable border="1" cellpadding="5" cellspacing="0" style="border-collapse: collapse" bordercolor="#FF0000" width="100%" id="AutoNumber1" Stoßbohrmaschinen produziert und 1892 wurde der erste elektrische Stromzähler installiert. [...] Der Name Siemens wurde zum synonym für Elektrotechnik [...]." (Peter Watson: Der deutsche Genius, München 2010, S. 376)

Das zweite bedeutende  Elektrounternehmen war die AEG, die von Emil und Walther Rathenau entwickelt  wurde. (Ebenda, S. 398)

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Beispiel chemische und pharmazeutische Industrie:




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Werbung aus "Illustrirte Zeitung", 1903

"Da es in den deutschen Ländern mehr Chemiker gab als irgendwo sonst, schossen Anilinwerke (Anilin wurde aus Steinkohlenteer gewonnen) plötzlich wie Pilze aus dem Boden. Schnell entdeckte man eine Fülle von weiteren Farbstoffen, und im Nu wurden die deutschen Farbenfabriken zu Weltmarktführern." (Ebenda, S. 377)

Die Bayer AG entwickelte Kunstgummi, 1911 errichtete die BASF ein Ammoniaksynthesewerk (Oppauer Stickstoffwerk) und konnte damit "ihre Vorherrschaft in der Düngemittel- und Munitionsproduktion etablieren". (Ebenda, S. 381)

In der pharmazeutischen Industrie wurde die Produktion von Chloroform und Äther profitabel. Fieber senkende und Schmerz stillende Mittel wurden hergestellt. "Außerdem kurbelten die immunologischen Arbeiten von Robert Koch und Louis Pasteur bei Hoechst auch die Großproduktion von Seren und Impfstoffen gegen so gefürchtete Krankheiten wie Diphterie, Thphus, Cholera und Tetanus an. [...] Zur Forschung auf dem neuen Gebiet der Insektizide wurden Laborgewächshäuser errichtet, wo Botaniker und Entomologen die tödliche Wirksamkeit von Pestiziden testen konnten. Ein anderer, sich neu spezialisierender Laborzweig befasste sich mit dem fotografischen Film, dem Fotopapier und den zur Filmentwicklung nötigen Chemikalien." (Ebenda, S. 381)  1898 brachte die Bayer AG das Aspirin auf den Markt, "das erfolgreichste Medikament der Welt" (Ebenda, S. 384).

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Beispiel Glas- und optische Industrie:





"Neue Entwicklungen in der Optik waren im 19. Jahrhundert in Frankreich, Holland, England und den Vereinigten Staaten vorangetrieben worden, doch drei der führenden Forscher auf diesem Gebiet waren Deutsche: Carl Zeiss (1816 - 1888), Ernst Abbe (1840 - 1905) und Ernst Leitz (1843 - 1920). Der in Weimar geboren Carl Friedrich Zeiss [...][ hatte 1846 in Jena] eine Werkstatt für feinmechanische und optische Fertigungen [...] gegründet. [...] 1884 gesellte sich der wesentlich jüngere [...] Otto Schott (1851 - 1935) zu Zeiss und Abbe. Er gilt heute als Vater der modernen Glaswissenschaft." (Ebenda, S. 386)

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Beispiel Stahlindustrie:

 



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Bildnachweis


Alfred Krupp (1812 - 1887) wurde der "Kanonenkönig" genannt, obwohl er mit der Erfindung des nahtlos geschweißten Stahlradreifens für die Eisenbahn wohl mehr Geld machte als mit den Kanonen. (Ebenda, S. 389) "Für Alfred Krupp war der Sieg Preußens über Frankreich [table border="1" cellpadding="5" cellspacing="0" style="border-collapse: collapse" bordercolor="#FF0000" width="100%" id="AutoNumber1"ung gewesen. Die Aufträge strömten nur so herein. Einen Adelstitel lehnte er ab." (Ebenda, S. 392)

Die Kanone, "die 1914 die belgischen Festungen dem Erdboden gleichmachte" (Ebenda, S. 394), die "dicke Bertha", war nach seiner ersten Enkeltochter benannt worden.  Krupp- Stahl wurde aber auch für den Flottenbau verwendet. Auch am Aufbau des amerikanischen Schienennetzes verdiente Krupp. 

"Keiner der anderen Stahlgiganten, weder August Borsig (1804 - 1854: Dampflokomotiven) noch Hugo Stinnes (1870 - 1924: Handel. Elektrizität, Bergwerke und Hütten) oder August Thyssen (1842 - 1926) konnte es mit Krupps notorischem Ruf aufnehmen, wenn auch durchaus mit seinem Reichtum." (Ebenda, S. 394. Alles aus dem Kapitel "Billiger Stahl und der erste Rüstungswettlauf")

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Beispiel Automobilbau:

 



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Werbung aus "Illustrirte Zeitung", 1903


Carl Benz (1844 - 1929) erfand zunächst einen Gasmotor, 1885 entwickelte er dann ein "Tricycle", heute bekannt als Motorwagen von Carl Benz,  mit Einzylindermotor, Kurbelwelle und elektrischer Zündung. Gottlieb Daimler (1834 - 1900) übernimmt im Auftrag von Nikolaus Otto die Leitung der Gasmotorenfabrik Deutz AG in Köln und entwickelte den Otto-Motor mit. 1882 gründete er in Bad Cannstatt eine eigene Werkstatt und entwickelte zusammen mit Wilhelm Maybach die ungesteuerte Daimler`sche Glührohrzündung als eine Voraussetzung für den schnell laufenden Motor. 1885 schufen sie einen Reitwagen mit Benzinmotor, das erste Motorrad. 1886 folgte der erste "Daimler", eine vierrädrige motorisierte Kutsche.

Rudolf Diesel (1858 - 1913) entwickelte den nach ihm benannten Dieselmotor.
(Nach Peter Watson: Der deutsche Genius, München 2010, S. 394 ff.)

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Beispiel Luftschiff- und Flugzeugbau:


Der folgende Link gibt einen Einblick in die Entwicklung der Zeppeline bis 1914:


Zeppelin 1900 - 1914 in Friedrichshafen

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Beispiel Handelsflotte und Schiffbau:

 


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Werbung aus "Illustrirte 
Zeitung", 1903


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"Deutschland" der Hapag, die Elbe verlassend
Länge 208.5 m, 16.500 BRT, 34.000 PS

Illustrirte Zeitung", 1903

Zwei große Gesellschaften wetteifern miteinander auf dem Gebiet der Handelsschifffahrt: die 1847 gegründete Hamburg- Amerikanische Packetfahrt- Actien- Gesellschaft (Hapag) und der 1857 in Bremen gegründete Norddeutsche Lloyd (NDL). Führender Reeder der Hapag wird Alfred Ballin. Dieser wird groß durch billige Überfahrten für Auswanderer aus Europa nach Amerika, aber auch Pakete und Post werden verschifft. "Die Hapag- Flotte, gut zehn Jahre zuvor die Nummer 22 auf den Meeren, ist nun weit über 330.000 Bruttoregistertonnen groß und damit mit Abstand die größte der Welt. (Der NDL verfügt über die drittgrößte Kapazität)." (GEO Epoche "Deutschland um 1900", S. 96.)

Deutschland verfügt vor dem Ersten Weltkrieg über die zweitgrößte Handelsflotte der Welt. Hamburg ist der bedeutendste deutsche Hafen. 1877 wird die Werft Blohm & Voss in Hamburg gegründet, die 1900 bereits 4.400 Männer beschäftigt. 1895 wird der Kaiser- Wilhelm- Kanal eröffnet, der Nord- und Ostsee miteinander verbindet. Das hat zwar primär militärische Gründe, kommt aber auch der Handelsschifffahrt zugute. Der Kanal verkürzt den Seeweg von der Nord- in die Ostsee um 85%. (Ebenda, S. 95 ff.)

Zum militärischen Flottenbau siehe den Abschnitt "Deutsches Bündnissystem unter Bismarcks Nachfolgern".

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Wissenschaft und Labors:




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Werbung aus "Illustrirte Zeitung", 1903



Forschung und Entwicklung
2:30 min



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Aufgaben:
  1. Welche Informationen im nachfolgenden Text fehlen im Video oben?

     
  2. Welche Folgen hat das für die Vorstellung des Videobetrachters vom Kaiserreich?


Das Heft GEO Epoche "Deutschland um 1900" notiert: "Impfstoffe aus dem Reagenzglas, mysteriöse X-Strahlen [Röntgen-Strahlen] und die unsichtbare Welt der Atome - fortschrittsgläubig wie nie zuvor machen sich Mediziner, Physiker und Chemiker daran, die Rätsel der Natur zu lösen. Großzügig subventioniert der Staat die Spitzenforschung. Mit Erfolg: Bis 1918 geht jeder dritte naturwissenschaftliche Nobelpreis an einen Deutschen. Und die Triumphe der Forscher fördern das Geltungsbewusstsein des jungen Staates". (S. 125)

Beispielhaft, aber ganz unvollständig seien einige Forscher und ihre Entdeckungen genannt:

  • 1883 Robert Koch entdeckt den Cholera- Bazillus

  • 1886 experimentiert Heinrich Hertz mit elektromagnetischen Wellen

  • 1893 Emil von Behring entwickelt das Diphterie- Serum

  • 1895 durchleuchtet Conrad Röntgen die Hand einer Frau mit den nach ihm benannten Strahlen

  • 1900 Max Planck in Berlin entdeckt die Quantentheorie

  • 1905 Einsteins Spezielle Relativitätstheorie erscheint

  • Otto Hahn erforscht gemeinsam mit Ilse Meisner in Berlin Grundlagen der Kernphysik. 1905 entdeckt er das radioaktive Element Radiothor.  1938 gelingt Otto Hahn die Kernspaltung mit Neutronen.

  • 1909 Paul Ehrlich entwickelt mit dem Japaner Hata ein Medikament gegen Syphilis

Industrie und Wissenschaft treiben sich gegenseitig vorwärts. Brillante Forscher werden von den Hochschulen gewonnen, indem man ihnen hervorragende Forschungsmöglichkeiten bietet. Aber nicht nur an Hochschulen wird geforscht. "Zum 100. Geburtstag der Berliner Friedrich- Wilhelm- Universität im Oktober 1810 verkündet der Kaiser, dass nahe dem Botanischen Garten in Berlin- Dahlem die ersten Institute einer neuen Forschungseinrichtung gegründet werden, die den Namen `Kaiser- Wilhelm- Gesellschaft (KWG) tragen und der deutschen Forschung ihre weltweite Spitzenposition erhalten soll. Die klügsten Köpfe des Reiches werden für die jeweiligen Institute gewonnen." (Ebenda, S. 132) Die KWG heißt heute Max- Planck- Gesellschaft.

Neben der Errichtung von polytechnischen Hochschulen wird die Einrichtung von Forschungslabors in den Firmen zukunftweisend.

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Wirtschaftliche Entwicklung 1871 - 1913 im Kaiserreich


1871 - 1913 erlebte das Kaiserreich einen beispiellosen Boom, der durch die französischen Reparationszahlungen nach dem Deutsch- Französischen Krieg ausgelöst wurde. Man spricht von der "Gründerzeit". Der sprunghaften Ausdehnung von Kapazitäten und Produktion folgte aber 1873 der "Gründerkrach", der eine Periode verlangsamten wirtschaftlichen Wachstums und der Preissenkungen einleitete. (Nach F.-W. Henning: Die Industrialisierung in Deutschland 1800 - 1914, Paderborn, 4. Auflage 1978, S.203 f.)

Das änderte nichts daran, dass die gewerbliche Produktion bis 1914 gewaltig anstieg: "Das trotz der Gründerkrise vorhandene langfristige Wachstum der gewerblichen Wirtschaft bis 1914 machte sich in fast allen Branchen bemerkbar. Gegenüber den beiden vorhergehenden Perioden wies die Zeit von 1873 bis 1913  sogar eine noch stärkere Zunahme der Zahl der im sekundären Sektor [= Industrie, Handwerk] Beschäftigten auf:

1800 - 1835 + 45 v.H.
1835 - 1873 + 67 v.H.
1873 - 1913 + 114 v.H.

(F.-W. Henning: Die Industrialisierung in Deutschland 1800 - 1914, Paderborn, 4. Auflage 1978, S.217)


 
Aufgabe:

Erläutere die Tabelle.



Seit 1890 überflügelte die Werterzeugung in der Industrie diejenige in der Wirtschaft.

Die langsame Verbesserung der Lebensverhältnisse zeigt die folgende Tabelle:

Entwicklung der Beschäftigtenzahl und des Volkseinkommens von 1852 bis 1913

Periode Zahl der Beschäftigten Zunahme des realen Volkseinkommens
1852 bis 1872 + 17 v.H. + 72 v.H.
1873 bis 1893 + 28 v.H. + 58 v.H.
1893 - 1913 + 36 v.H. + 68 v.H.

(F.-W. Henning: Die Industrialisierung in Deutschland 1800 - 1914, Paderborn, 4. Auflage 1978, S.209)

Weitere Informationen zur Sozialen Frage und den Versuche, sie zu lösen,  finden sich auf der Seite "Industrialisierung" unter "Soziale Frage"

Als Reaktion auf das Absinken der Getreidepreise durch die Konkurrenz v.a. aus den USA ging Deutschland 1879 zu Schutzzöllen über, was die Preise für den Verbraucher hoch hielt, aber den Bauern, insbesondere den preußischen Großgrundbesitzern, half.


Die Veränderungen im Verhältnis von primärem Sektor (Landwirtschaft), sekundärem Sektor (Industrie, Handwerk, Manufaktur, usw.) und tertiärem Sektor (Dienstleistungen) der deutschen Wirtschaft zeigt folgende Tabelle:

 

Sektoren in v.H. aller Beschäftigten

Beschäftigte insgesamt

Jahr primärer sekundärer tertiärer in Millionen
1780 65 19 16 10,0
1800 62 21 17 10,5
1825 59 22 19 12,6
1850 55 24 21 15,8
1875 49 30 21 18,6
1900 38 37 25 25,5
1914 34 38 28 31,3
1935 30 38 32 29,9
1970 5 48 47 30,1

(F.-W. Henning: Die Industrialisierung in Deutschland 1800 - 1914, Paderborn, 4. Auflage 1978, S.20)

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3 - Gesellschaft des Kaiserreichs

 
3a - Monarchen und Adel

 


Königin Luise mit Kronprinz Friedrich Wilhelm 
und Prinz Wilhelm, dem späteren König Wilhelm I.
von Preußen und ersten Kaiser des Kaiserreichs
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Bildquelle


Prinz Wilhelm von Preußen 1856
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Wilhelm II., der letzte Deutsche Kaiser
21 Bilder



welt.de


Berliner Restaurants: Frühschoppen beim 
Pschorr

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Bilduntertitel:
"Du, der Lehmann ist Fähnrich geworden!" - "Sieh mal an, und sein Vater lief noch als Landgerichtsdirektor rum."
Aus: Der bunte Rock, Album von E. Thoeny, 1907?
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An der Spitze der Gesellschaft des Kaiserreichs standen die Monarchen der Einzelstaaten, allen voran der Preußische König und Deutsche Kaiser, und der übrige Adel. Sie bestimmten durch ihren Lebensstil stark das Erscheinungsbild des Kaiserreiches. Dazu gehörten Uniformen, der Kaiser, aber auch Bismarck traten gerne in Uniform auf. Die höheren Offiziers- und Beamtenstellen wurden bevorzugt oder ausschließlich von Adligen besetzt. Die Teilnahme am Kaisermanöver war eine Ehre, in der Öffentlichkeit zeigte man Uniform, Offiziere galten als ranghöher als Zivilisten, vgl. auch oben das Stichwort Militarismus. Vor allem in Preußen waren die adligen Rittergüter nicht nur einfach große Güter, sondern fast noch feudale Herrschaftsmittelpunkte. Die Gutsbezirke waren der obrigkeitlichen und polizeilichen Gewalt des Gutsherrn unterstellt, der Gutsherr war praktisch ein Staatsbeamter. Der Adel wählte konservativ.

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3b - Bürgertum




Franz von Lenbachs Heim in München
Illustrrte Zeitung vom 12. Mai 1904
Franz von Lenbach war unter anderem auch 
begehrter Maler von Bildnissen bedeutender 
Persönlichkeiten seiner Zeit, z.B. Bismarcks.
Heute
Städtische Galerie Lenbachhaus
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Autorennen: Gordon Bennett Rennen
Illustrirte Zeitung, 1904

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Das neue industrielle Großbürgertum wurde wegen seiner wirtschaftlichen und militärischen Bedeutung - z.B. Alfred Krupp, zunehmend wichtiger und wurde wegen seiner Verdienste häufig geadelt, z.B. Werner von Siemens. Gesellschaftlich orientierte es sich am adligen Lebensstil. Man suchte Adelstitel, war stolz auf die Stellung als Reserveoffizier, als Student trat man gerne in eine schlagende Verbindung ein. Wenn man sich kein Schloss leistete, so doch Villen. Krupps Villa Hügel in Essen stand einem Schloss kaum nach.

Aber auch Akademiker, Professoren, Ärzte, Juristen, hohe Beamte und bekannte Künstler, das Besitz- und Bildungsbürgertum in den Städten orientierten sich am adligen Lebensstil. Man gönnte sich kleinere Villen, beispielsweise das
Lenbachhaus, wo der Künstler sich als Künstlerfürst zeigte; man hatte  umfangreiches Personal, das auch geschlagen werden durfte; man nahm teil an exklusiven kulturellen und sportlichen Ereignissen vom Autorennen bis zur Segelregatta; man kleidete sich mondän, war stolz auf seine und des Landes künstlerische, wissenschaftliche, technische und wirtschaftliche Leistungen, hielt die humanistische Tradition hoch, dachte und empfand zugleich nationalistisch und monarchistisch und mehrheitlich christlich (Vorwärts mit Gott, König und Vaterland!). Aufkommende moderne Kunst fand zunächst wenig Anhang in breiteren bürgerlichen Kreisen. In der Architektur blühten Historismus, später Jugendstil.

Der alte Mittelstand aus Bauern, Handwerkern und kleinen Händlern geriet durch die Hochindustrialisierung teilweise in eine schwierige Situation. Diese Kreise fürchteten das Absinken ins Proletariat. Die Angestellten und Ingenieure stiegen andererseits auf, und die kleinen Beamten sahen ihre Stellung gesichert. Der Fortschrittsoptimismus war ungebremst.

Das Bürgertum wählte typischerweise nationalliberal oder freisinnig, je nach Konfession auch das katholische Zentrum. Man organisierte sich in Interessenverbänden und Vereinen.

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Beispiel "Museum" in Tübingen



Museum Tübingen
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Bild: Geschichtszentrum


Museum Tübingen, mit Eingang an der Stirnseite
Hier beginnt die zur Universität führende klassizistisch gestaltete Wilhelmstraße
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Bild: Geschichtszentrum

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In der Universitätsstadt Tübingen - Tübingen war im 19. Jh. einzige Universität Württembergs - entwickelte sich im Zusammenhang mit dieser Institution ein zahlreiches Bildungsbürgertum, das vor dem Hintergrund des generell aufsteigenden und aufstrebenden Bürgertums auf den Bau eines repräsentativen Musentempels drängte. So entstand schon 1817 Tübingens "Museumsgesellschaft".

"Gedacht war das Tübinger Haus als bildungsbürgerlicher Musentempel mit Bibliothek und aktuellen Zeitungen, ausländischen zumal, für Konzerte und Theateraufführungen, vor allem aber für große Gesellschaften und Bälle. 1821 begann man zu bauen, und noch im selben Jahr war der stattliche klassizistische Bau [...] fertig. [...]

Respektabel [war] allein der Bücherbestand von 25.000 Exemplaren, darunter `Klassiker`wie die Weimarianer Wieland, Goethe und Schiller oder auch heimische Genien wie [...] Uhland und Hauff, [... letztere] übrigens Mitglieder des Museums, wie schon bald 90 Prozent der Tübinger Universitätsprofessoren. Zeitungen lagen aus. [...] Erdgeschoss und erstes Obergeschoss waren Gastronomie, Konversation und Billard vorbehalten, seinerzeit ein ganz wichtiges (Korps-)studentenvergnügen. [...] [Im zweiten Obergeschoss]  waren Bibliothek und Lektürezimmer. [...]

[Von den Tübingern] durfte bei weitem nicht jeder ins Museum, vor allem keine `Ungebildeten`, keine Handwerker oder sonst niedere Stände, niemand unter 16 und keine Frauen. Für Exklusivität sorgten auch extrem hohe Mitgliedsbeiträge." (Denkmalstiftung Baden- Württemberg, 3-2011, S. 1f.)

Zweimal wurde der Bau im 19. Jh. erweitert, 1886 entstand ein nach Schiller benannter Festsaal. Als Tübingen Garnisonsstadt wurde, änderte sich auch die Zusammensetzung des Publikums. Die vielen Offiziere verkehrten ebenfalls im Museum. Im Schillersaal ließ sich 1887 das Stadttheater nieder.


Denkmalstiftung Baden- Württemberg
denkmalstiftung-baden-wuerttemberg.de
 

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3c - Arbeiter



Blankenstein mit der Wiedeschen Papierfabrik in Rosental
Von der neuem thüringischen Eisenbahn Triptis-Lobenstein-Marxgrün
Illustrirte Zeitung

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Feierabend in Dortmund
Illustrirte Zeitung

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Gegenüber der Frühindustrialisierung verbessern sich der Verhältnisse für die Arbeiterschaft im Kaiserreich in der Phase der Hochindustrialisierung. Die Realeinkommen steigen, Bismarcks Sozialgesetzgebung schafft eine für damalige Verhältnisse weltweit vorbildliche soziale Absicherung.

Die in den 1860er Jahren entstandenen Arbeiterparteien vereinigen sich 1871 in Gotha. Die Sozialdemokraten erringen immer mehr Sitze im Reichstag, auch das Verbot der Sozialdemokraten durch das Sozialistengesetz 1878 - 1890 ändert daran nichts. Die Partei gliedert sich in einen reformerischen, zentristischen und revolutionären Flügel. Gewerkschaften, Genossenschaften, Arbeitersportvereine und Arbeiterkulturvereine erstarken. ES entsteht eine Arbeiterbewegung.

Dennoch bleiben die Sozialdemokraten gesellschaftliche Außenseiter. 1913 wird die SPD stärkste Partei im Reichstag. Die folgenden Links führen zu den Einzelheiten.

 
Entwicklung der Beschäftigtenzahl und des Volkseinkommens von 1852 bis 1913


Die Veränderungen im Verhältnis von primärem Sektor (Landwirtschaft), sekundärem Sektor (Industrie, Handwerk, Manufaktur, usw.) und tertiärem Sektor (Dienstleistungen) der deutschen Wirtschaft


Lernumgebung Industrialisierung: Erscheinungsformen der Sozialen Frage


Versuche zur Lösung der Sozialen Frage

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3d - Frauen



Frauen in der Kaiserzeit
2:03 min



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Stimmrecht für Frauen
2:03 min



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Frauen im Ersten Weltkrieg
1:18 min



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Aus: Ilustrirte Zeitung, 19. Februar 1903, Nr. 3112:

Aus der Frauenwelt

"An den deutschen Universitäten haben im laufenden Winterhalbjahre 1284 Frauen die Berechtigung zum Hören von Vorlesungen erhalten, und zwar in Berlin 552, Bonn 113, Breslau 114, Erlangen 10, ..."  mehr


Aus: Ilustrirte Zeitung, 26. Februar 1903, Nr. 3113:


Anzeige: Kieler Kochschule
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Darunter in derselben Anzeige dieses Bild:

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3e - Nationalismus im Kaiserreich

 



Von Anfang an gab es im 19. Jahrhundert zwei verschiedene Linien des Nationalismus

Die eine Linie, der Patriotismus, war weltbürgerlich und liberal gesinnt und verband die liberale Forderung nach Freiheit und Verfassung mit dem Ruf nach nationaler Einheit. Den politischen Höhepunkt für diese Richtung bildete die Revolution von 1848/49, deren Scheitern ihr schadete. Ein mit dieser Richtung verbundener bekannter Name ist Heinrich Heine. Der liberale Patriotismus konnte sich durchaus mit Freidenkerei und antikirchlichen Vorstellungen vereinen, ja sogar republikanisch werden.

Die mit den Namen Ernst Moritz Arndt, Friedrich Ludwig Jahn und Johann Gottlieb Fichte verbundene andere Linie verstand dagegen die eigene Nation rassisch - völkisch und betonte einen ganz eigenen, von allen anderen verschiedenen und historisch gewachsenen Volkscharakter. Sie schrieb der eigenen Nation eine kulturelle Überlegenheit und Einzigartigkeit zu, die sie von anderen Nationen nicht nur abgrenzte, sondern über diese erhob. Von Anfang an war aufgrund der besonderen historischen Umstände viel Franzosenhass im Spiel. Sie verengte den Horizont und sonderte von der Welt entweder ab oder trat überheblich auf. 

Politisch orientierte sich diese Richtung an Thron und Altar, trat also konservativ auf und diffamierte liberale, weltoffene Einstellungen als "undeutsch". Sie richtete sich mit dem Aufkommen der Industrialisierung und der Sozialen Frage zunehmend auch gegen den aufkommenden Sozialismus, der nicht ohne eigene Schuld als antinational gebrandmarkt wurde. 

Auch gegen die Emanzipation der Juden wurde diese Art von Nationalismus in Stellung gebracht, so dass ein Nationalismus mit antisemitischem Unterton entstand, der sich auch offen äußerte, zum Beispiel im "Berliner Antisemitismusstreit". Ein Antisemitismus im Stile Heinrich von Treitschkes, eines führenden Historikers des Kaiserreiches, war aber trotz allem im Unterschied zu Hitlers Antisemitismus nicht auf die physische Vernichtung von Millionen Juden aus.

Gemeinsamer Nenner von Antisemitismus und dieser Art Nationalismus war der biologisch- rassische Denkansatz. Auch der Rassismus gegen die kulturell unterlegene einheimische Bevölkerung in den Kolonien ("Wilde") passte in das Schema.

Diese Linie des Nationalismus gewann im Kaiserreich zunehmend die politische und ideologische Vorherrschaft in der Gesellschaft.

Vergleiche hierzu Quellen zum Nationalismus.

Aufgaben zum Nationalismus im Kaiserreich:
  1. Stelle die beiden im Text genannten Linien des Nationalismus - reaktionärer Nationalismus und liberaler Patriotismus - einander schlagwortartig gegenüber und erläutere die Gegensätze. In wiefern ist der Patriotismus eine Spielart des Nationalismus? Ist Patriotismus "rechts"?

  2. Erkläre die historischen Umstände, die das Aufkommen des reaktionären Nationalismus im Kaiserreich begünstigten.


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3f - Antisemitismus im Kaiserreich



Antisemitismus im Kaiserreich
Gut verständlicher, einführender Text des Deutschen Historischen Museums Berlin
dhm.de

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4 - Außenpolitik des Kaiserreichs

 
4a - Berliner Kongress 1878



Nach dem russisch-türkischen Krieg 1877-78 ( Karten; türkische Niederlage, es geht um die Aufteilung der Beute auf dem Balkan) vermittelt Bismarck auf dem Berliner Kongress 1878 als so genannter "ehrlicher Makler" zwischen russischen Interessen einerseits und österreichischen und englischen Interessen auf dem Balkan andererseits. Folgendes kommt heraus (Karte):

  • Serbien wird selbstständig und erhält Nisch

  • Montenegro wird selbständig und vergrößert sich

  • Rumänien wird selbstständig und erhält die Dobrudscha

  • Bulgarien ist selbstständiges, aber dem Osmanischen Reich tributpflichtiges Fürstentum

  • Ostrumelien bleibt osmanisch, erhält aber Autonomie (1885 bulgarisch)

  • Russland erhält Bessarabien und Kars (im Kaukasus)

  • England darf Zypern besetzen

  • Österreich-Ungarn erhält Bosnien und Herzegowina, aber nur zur Verwaltung, nicht als eigenes Territorium (dies erst 1908: Bosnienkrise)

  • 1881 erhält Griechenland Thessalien.

Im Ergebnis ist Russland verstimmt, Österreich nähert sich Deutschland an.

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4b - Bündnissystem Bismarcks nach dem Berliner Kongress



Fürst Bismarck, im Auftrag Kaiser Wilhelms II. 
für das Reichskanzlerpalais in Berlin gemalt 
von Franz von Lenbach (Ausschnitt)
Illustrirte Zeitung vom 12. Mai 1904
Anklicken für größeren Ausschnitt

1879  entsteht so der deutsch-österreichische Zweibund, dem sich Italien 1883 anschließt, so dass der Dreibund entsteht. 1887 gelingt es Bismarck, mit Russland den Rückversicherungsvertrag zu schließen. Im gleichen Jahr wird das Mittelmeerabkommen zum Schutz der Türkei geschlossen, an dem England, Italien und Österreich-Ungarn beteiligt sind. So ist England wenigstens indirekt an Deutschlands Seite. Ein direktes Bündnis mit Deutschland lehnt Großbritannien dagegen ab.

Bismarcks Außenpolitik gilt der Einkreisung und Isolierung Frankreichs und der Sicherung des Erreichten, was ihm mit seiner Bündnispolitik gelingt. Der deutsch-französische Gegensatz (Elsaß-Lothringen; Konfliktherde;  Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, vgl. hier) bestimmt die Außenpolitik Frankreichs und Deutschlands. Eine russisch-französische Zusammenarbeit  ("Alptraum der Koalitionen") kann Bismarck verhindern. Eine Zusammenarbeit mit Russland und Österreich gelingt, obwohl beide Mächte auf dem Balkan konkurrieren ( Konfliktherde; Verfall des osmanischen Reiches, vgl. Karte).

Kolonien ( Karte) erwirbt das Reich nur mit Bismarcks Widerwillen unter dem Druck der öffentlichen Meinung, weil Bismarck dadurch die Ziele seiner Außenpolitik zu Recht gefährdet sieht.

Zu den Aufgabenvorschlägen

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4c - Deutsches Bündnissystem unter Bismarcks Nachfolgern



Kaiser Wilhelm in Rom. Die Rückkehr des Kaisers und des Kronprinzen vom Vatikan
Illustrirte Zeitung Nr. 3124, 14. Mai 1903

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Bismarcks Nachfolger (Rücktritt Bismarcks 1890, siehe Bild) betreiben eine imperialistische Weltpolitik (vgl. hier) mit offensivem Kolonialerwerb ("Neuer Kurs", Deutschland wolle auch seinen "Platz an der Sonne") und aggressiver Flottenpolitik, was Deutschland seit 1898 in einen Gegensatz zu England bringt. Säbelrasseln und arrogantes Auftreten Kaiser Wilhelms II. (vgl. Bild und Biografie) bringen keine Sympathien in der Welt. Auch der Bau der Bagdadbahn, begonnen 1898, beendet am 2. Juni 1914, beeinträchtigt Englands Interessen, denn die Deutsche Bank erwirbt nicht nur 1912 "Konzessionen für alle Erdöl- und Mineralvorkommen 20 Kilometer beiderseits der Bahn bis Mossul als Kompensation für ihre Kosten beim Bau der Eisenbahn" ( Schultze-Rhonhof, S.38), sondern Deutschland kommt so auch den Briten beim Erdölgeschäft im Irak in die Quere und bedroht potenziell auch strategisch die britischen Kolonialinteressen in Indien und Ägypten. Generell fürchten Briten, aber auch Franzosen, Russen und andere Deutschland, dessen Industrie England und Frankreich vor dem Ersten Weltkrieg überholt hat und dessen Handelsvolumen ständig wächst ( Industrialisierung). 

Als Deutschland den Rückversicherungsvertrag mit Russland nicht erneuert, kommt es 1892 zu einer französisch- russischen Militärkonvention, "in der das gründliche und sofortige Zusammenwirken der Heere Frankreichs und Russlands im Falle eines Krieges gegen Deutschland vereinbart wird" ( Schultze-Rhonhof, S.46), und 1894 zum französisch-russischen Zweibund. Nach Russlands Niederlage gegen Japan im russisch- japanischen Krieg 1904/05 wendet sich diese Großmacht verstärkt wieder dem Balkan zu in der Hoffnung, aus dem Niedergang der Osmanen für sich selbst Vorteile ziehen zu können.

1902  bereinigen Italien und Frankreich ihre Kolonialgegensätze (Marokko [frz.] gegen Tripolis [ital.] vgl. Karte), was zu einer nach außen hin noch nicht deutlich sichtbaren Aufweichung des Dreibunds führt. Italien beansprucht außerdem Gebiete von Österreich- Ungarn ( "Irredenta", vgl. Konfliktherde).  

1904 bereinigen Großbritannien und Frankreich ihre kolonialen Gegensätze in Afrika (1898 Faschodakrise. Faschoda liegt im Sudan, vgl. Karte und  hier) und praktizieren die Entente cordiale, die 1907 nach Bereinigung des britisch-russischen Gegensatzes in Asien (Persien, Afghanistan, Tibet, vgl. Karte Kolonialreiche) zur Triple-Entente zwischen Frankreich, England und Russland erweitert wird. So kommt es zu einer zum Teil selbst verschuldeten  Isolierung Deutschlands, das sich nur noch auf Österreich als zuverlässigen Bündnispartner stützen kann.

Die Zuspitzung der Gegensätze in Europa vgl. Konfliktherde (Zerfall des Osmanenreiches ( Karte) -> Bosnische Annexionskrise 1908 vgl. Annexion, Tripoliskrieg 1911, Balkankriege 1912/13) und der Welt  ( Erste Marokkokrise 1905/06 und Zweite Marokkokrise 1911, usw.) und die damit wachsenden Gegensätze zwischen den europäischen Bündnissystemen (z.B. massives Wettrüsten) münden 1914 in den Ersten Weltkrieg, während im Windschatten dieser Entwicklungen die USA zur weltweit größten Wirtschaftsmacht mit weltweit zweitgrößter Flotte werden.

Aus diesen Gegensätzen zwischen den Lagern folgt ein "Wettrüsten der Landstreitkräfte auf dem Kontinent. Von 1905 bis 1914 vermehren

  • Russland sein Heer um etwa 430.000 Soldaten auf 1,640 Millionen Mann,

  • Frankreich um etwa 235.000 Soldaten auf 0,919 Millionen Mann

  • Deutschland um 193.000 Soldaten auf 0,760 Millionen Mann und

  • Österreich um 96.000 Soldaten auf 0,490 Millionen Mann. ( ebenda, S.54)

Unmittelbar vor dem Kriege kam auf je eine Million Einwohner eine Friedensstärke der Armee von rund 20 000 Mann in Frankreich, von nur 12 300 Mann in Deutschland, Die Ausgaben für Heer und Flotte waren vor dem Krieg, auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet, in Frankreich und England bedeutend größer als in Deutschland. (Karl Helfferich: Der Weltkrieg. Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs, Berlin 1919, S. 58)

Die Stärke der deutschen Flotte beträgt etwa 60% der britischen, Deutschland und USA rüsten von 1901 an bis zum Ersten Weltkrieg von je 17 großen Schlachtschiffen auf etwa 45 in beiden Ländern, Großbritannien von 43 großen Schlachtschiffen 1901 auf 85 bis zum Ersten Weltkrieg. (ebenda, S.24)

Kriegsschifftonnage der Mächte 1880 - 1914:

1880 1890 1900 1910 1914
Großbritannien 650.000 679.000 1.065.000 2.174.000 2.714.000
Frankreich 271.000 319.000 499.000 725.000 900.000
Russland 200.000 180.000 383.000 401.000 679.000
Vereinigte Staaten 169.000 ? 240.000 333.000 824.000 985.000
Italien 100.000 242.000 245.000 327.000 498.000
Deutschland 88.000 190.000 285.000 964.000 1.305.000
Österreich- Ungarn 60.000 66.000 87.000 210.000 372.000
Japan 15.000 41.000 187.000 496.000 700.000

Quelle: Wright: Study of War, S. 670, zit. nach: Paul Kennedy: Aufstieg und Fall der großen Mächte, Frankfurt am Main, Dezember 2000, 2. Auflage Juli 201, S. 311 [Taschenbuchausgabe im Fischer Verlag]



Marinetafel des Deutschen Kaisers, 1902 (Ausschnitt)
Illustrirte Zeitung Nr. 3112, 19. Februar 1903
Anklicken für gesamte Tafel (5,2 MB)



 
Erläuterung der Marinetafel durch die Illustrirte Zeitung, mit Aufgaben zur Quelle

Aufgabenvorschläge Außenpolitik 

  1. Arbeitsblatt Bündnissysteme Kaiserreich

    Lade das Arbeitsblatt herunter und trage mit Hilfe der Abschnitte 2b und 2c die Verträge in die Schemata ein. 
    Blau: Verträge mit Deutschland; entsprechende Staaten bitte blau färben.
    Rot: Verträge ohne Deutschland; entsprechende Staaten bitte rot färben.

  2. Erkläre die Ziele der Außenpolitik Bismarcks.

  3. Was hat sich unter Bismarcks Nachfolgern geändert? Warum?

  4.  
    Konfliktherde vor dem Ersten Weltkrieg

    Kopiere die Karte nach Word und beschrifte sie mit Hilfe der Legenden in der Word- Zeichenleiste und der Links in der Karte (Blaue Punkte anklicken).

  5. Aufgabe zum Flottenbau in der rechten Spalte hier.

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Aufgabenvorschläge zum Stand der Rüstungen vor dem Ersten Weltkrieg

Der britische Außenminister Sir Edward Grey am 22. März 1915 im britischen Unterhaus:
"Wir wissen jetzt, daß die deutsche Regierung für den Krieg Vorbereitungen getroffen hat, wie sie nur ein Volk, das den Krieg beabsichtigt, treffen kann."



(Aus: Karl Helfferich: Der Weltkrieg. Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs, Berlin 1919, S. 55)

----------

Der britische Schatzkanzler Lloyd George in einer Rede in der Queens Hall am 28. Juli 1908:
"Betrachten Sie Deutschlands Lage! Für Deutschland ist sein Heer, was für uns die Flotte ist: seine einzige Verteidigung gegen eine Invasion. Deutschland hat keinen Zwei -Mächte -Standard geschaffen, Deutschland mag ein stärkeres Heer haben als Frankreich, als Rußland, als Italien, als Österreich; aber es steht zwischen zwei Großmächten, die zusammen eine weit größere Truppenzahl aufstellen können, als Deutschland sie hat. Vergessen Sie das nicht, wenn Sie sich wundern, warum Deutschland Allianzen und Ententen fürchtet und gewisse geheimnisvolle Machenschaften, die in der Presse durchscheinen . . . Denken Sie sich, wir ständen hier vor einer Kombination, die uns der Invasion preisgäbe, denken Sie sich, Deutschland und Frankreich oder Deutschland und Rußland oder Deutschland und Österreich hätten Flotten, die kombiniert stärker wären als die unsrige, wären wir nicht erschreckt? Würden wir nicht rüsten? — Selbstverständlich würden wir rüsten!"



(Aus: Karl Helfferich: Der Weltkrieg. Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs, Berlin 1919, S. 55f.)

Aufgabe:
Setze dich mit der Meinung der beiden britischen Staatsmänner auseinander und erläutere mit Hilfe der Zahlenangaben im Basiswissen- Text Stand der Rüstungen vor dem Ersten Weltkrieg, auf welche Rüstungstatsachen sich die beiden beziehen. Du solltest das deutsche Bündnissystem unter Bismarcks Nachfolgern kennen.

Der Standpunkt Sir Edward Greys wird nach dem Ersten Weltkrieg zur Grundlage für den  
Kriegsschuld- Artikel  231 im Versailler Vertrag, der Deutschland und seinen Verbündeten die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg gibt.

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Informationen zur politischen Bildung, Heft 163, bpb. Kann dort auch als Heft bestellt werden.
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Carl Zuckmayer: Der Hauptmann von Köpenick
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Dieter Wunderlich Buch- und Filmtipps; mit Lebenslauf des historischen Wilhelm Voigt, der Vorlage für die Hauptfigur des Stücks.
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Theodor Fontane: Effi Briest


Theodor Fontane: Effi Briest - Literatur recherchiert

 



Peter Watson: Der deutsche Genius - Eine Geistes- und Kulturgeschichte von Bach bis Benedikt XVI.
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Gerd Schultze-Rhonhof: 1939 - Der Krieg, der viele Väter hatte
Der Autor fragt nach dem internationalen Zusammenhang, in dem die deutsche Politik vom Kaiserreich bis zu Hitler steht, und kommt daher zu der Schlussfolgerung, dass der Krieg viele Väter hatte. Hinsichtlich der Bewertung der Außenpolitik Hitlers vertritt er eine Minderheitenposition.
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Formierung politischer Interessen: a - Parteien 

Konservative Parteien


Freikonservative (1866 Loslösung von Altkonservativen) = Deutsche Reichspartei
de.wikipedia.org


Deutschkonservative Partei 1876
de.wikipedia.org


Bismarck und die Konservativen: Blick auf ein schwieriges Verhältnis.
jf-archiv.de

Katholizismus


Deutsche Zentrumspartei (Zentrum)
de.wikipedia.org


Liberale Parteien


Schaubild Liberalismus
udo-leuschner.de


Deutsche Fortschrittspartei 1861
de.wikipedia.org


1866 Nationalliberale Partei 
de.wikipedia.org


Liberale Vereinigung (Sezession) 1880
de.wikipedia.org


Deutsche Freisinnige Partei 1884 
de.wikipedia.org


Fortschrittliche Volkspartei 1910
de.wikipedia.org


Preußischer Verfassungskonflikt 
uni-protokolle.de


Indemnitätsvorlage
germanhistorydocs.ghi-dc.org


Sozialismus


Sozialdemokratie
siehe "revolutionärer und reformerischer Sozialismus" unter "Versuche zur Lösung der Sozialen Frage" (Lernumgebung Industrialisierung)


Sozialdemokratie
de.wikipedia.org


Wahlergebnisse im Kaiserreich


Wahlen im Kaiserreich
PDF- Datei
Tabelle auf Seite 2!
bundestag.de

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Aufgabenvorschläge Parteien

  1. Arbeitsblatt Parteien (Teil 1 und Teil 2. Ausführliche Fassung)

    Lade das Arbeitsblatt herunter und fülle es mit Hilfe der Links unter Formierung politischer Interessen a - Parteien aus.

    Eventuell arbeitsteilig vorgehen.

  2. Wenn du die politischen Strömungen Konservatismus, politischer Katholizismus, Liberalismus und Sozialismus nicht mehr kennst, erkundige dich unter "Begriffe".

  3. Bei der Spaltung der Liberalen 1866 als Folge von Bismarcks Politik spielt die "Indemnitätsvorlage" im Zusammenhang mit dem "Preußischen Verfassungskonflikt" eine Rolle. Notiere mit Hilfe des Links, was man darunter versteht, und erläutere den Zusammenhang.

  4. Über Bismarcks Politik spalteten sich auch die Konservative. Notiere aus dem Link "Bismarck und die Konservativen: Blick auf ein schwieriges Verhältnis", was man unter Bismarcks Realpolitik versteht, gegen welche Prinzipien sie sie richtete und weshalb sie zum Bruch mit den Altkonservativen führte.

  5. Mache Notizen zu den Wahlergebnissen im Kaiserreich und diskutiere: 

    a
    Welche Tendenzen sind bei den einzelnen Parteien festzustellen?

    b
    Wie sind diese zu erklären?

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Formierung politischer Interessen: b - Verbände


Bund der Landwirte (BdL)
de.wikipedia.org


Centralverband Deutscher Industrieller
de.wikipedia.org


Alldeutscher Verband
de.wikipedia.org


Deutscher Flottenverein
de.wikipedia.org

Vgl. unten unter "Ereignisse": Flottenbau


Postkarte Deutscher Flottenverein
dhm.de

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Antisemitismus


Antisemitismus
dhm.de

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Kulturkampf


Kulturkampf
dhm.de


Syllabus Errorum 
Liste von 80 Aussagen, die von Papst Pius IX. 1864 als falsch verurteilt wurden
heiligenlexikon.de


Unfehlbarkeitsdogma und 1. Vatikanisches Konzil 1870 
heiligenlexikon.de


Antimodernisteneid
von 1910 (kein Druckfehler!)
payer.de


Index Librorum Prohibitorum 
Verzeichnis verbotener Bücher, 1967 (kein Druckfehler!) abgeschafft.
de.wikipedia.org

Aufgabenvorschläge zum Kulturkampf
  1. Kläre mit Blick auf die Menschenrechte das Verhältnis von Staat und Religion.


  2. Arbeitsblatt Kulturkampf

    a)
    Lade das Arbeitsblatt herunter und fülle es mit Hilfe des Links "Kulturkampf" aus.

    b)
    Handelt Bismarck aus aufklärerischer Überzeugung? Erläutere seine Motive. 

    c)
    Streiche auf dem Arbeitsblatt diejenigen Maßnahmen Bismarcks in verschiedenen Farben an, die Du unter dem Gesichtspunkt der Trennung von Staat und Religion für gerechtfertigt bzw. nicht gerechtfertigt betrachtest.

    d)
    Erläutere die Ziele und Reaktionen der katholischen Kirche.

    e)
    Diskutiere: Welche Gründe veranlassten Bismarck dazu, den Kulturkampf einzustellen? 

    f)
    Diskutiere: Gab es Gewinner bzw. Verlierer des Kulturkampfs?

    g)
    Führte Bismarck einen Kampf gegen die Religionsfreiheit?
  3. Die katholische Kirche zur Zeit Bismarcks und des Kaiserreichs


    Arbeitsblatt Katholische Kirche zur Zeit Bismarcks und des Kaiserreichs

    a)
    Lade das Arbeitsblatt herunter und fülle es mit Hilfe der Links Syllabus Errorum, Unfehlbarkeitsdogma, Antimodernisteneid und Index Librorum Prohibitorum aus.

    b
    )
    Erläutere die einzelnen Punkte und erkläre, weshalb die (National)liberalen beim Kulturkampf Bismarck unterstützten.

 

Buchtipp 


Wilhelm Busch: Die fromme Helene (1872)
Geschrieben vor dem Hintergrund des Kulturkampfs
gutenberg.spiegel.de

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Ereignisse

Innenpolitik


Proklamation des Deutschen Reiches in Versailles
Weitere Links schlüsseln das Kaiserreich auf. Alles da, ganz hervorragend!
Von Preussenchronik.de.


Die Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles
Gemälde von Anton von Werner größerfür den Beamer
www2.tu-berlin.de


Sozialistengesetz
de.wikipedia.org


Der Reichstag und die "Hottentottenwahl" von 1907
dhm.de

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Flottenbau


Flottenbau
dhm.de

 
Flottengesetze
dhm.de


Schlachtflottenbau
de.wikipedia.org

 
Sammlungspoplitik
de.wikipedia.org

Vgl. auch oben sogenannte "Hottentottenwahl" und unten Nationalismus im Kaiserreich

Aufgabenvorschlag zum Flottenbau

Erstelle mit Hilfe der 

eine Präsentation Deiner Wahl (Wandzeitung, Plakat, Powerpoint- Präsentation, ...) zum Thema "Der Flottenbau als Beispiel für konservative Sammlungspolitik und Massenmobilisierung im Kaiserreich".


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Außenpolitik


Russisch- Türkischer Krieg (Russisch- Osmanischer Krieg) 1877/78
de.wikipedia.org


Erste Marokko- Krise 1905/06
de.wikipedia.org


Bosnische Annexionskrise 1908
lexikon.freenet.de


Die bosnische Krisis (Bosnische Annexionskrise)
de.wikipedia.org


Der Tripoliskrieg (Italienisch-Türkischer Krieg)



de.wiki-videos.com


Zweite Marokko- Krise 1911
de.wikipedia.org


Erster und zweiter Balkankrieg 1912/13
de.wikipedia.org

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Türkei / Osmanen


Lernumgebung "Reformsultane und Ende des Osmanischen Reiches"
Vgl. insbesondere die Abschnitte Die wirtschaftliche Durchdringung des Osmanenreiches durch die europäischen Staaten Deutscher militärischer Einfluss,
Das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg Völkermord an den Armeniern
 


Russisch- Türkischer Krieg (Russisch- Osmanischer Krieg) 1877/78
de.wikipedia.org



Berliner Kongress 1878
de.wikipedia.org

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