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Quellen Zeitschrift
"Kolonie und Heimat im Wort und Bild - Unabhängige koloniale
Zeitschrift des Frauenbundes der deutschen Kolonialgesellschaft"

Kolonie und Heimat
1. Oktober 1909 (33 MB, PDF)
Aus dem Inhalt:

Kolonie und Heimat
10. Oktober 1909 (37 MB, PDF)
Aus dem Inhalt:
-
Neues von den Diamantfeldern in Südwest
-
Eine Straußenfarm in Deutschland
-
Die Haupt- und Residenzstadt Windhuk
-
Wie der Neger in Togo wohnt II.

Kolonie und Heimat
24. Oktober 1909 (41 MB, PDF)
Aus dem Inhalt:
-
Die Ausfuhrprodukte Deutsch- Ostafrikas
-
Die Bewohner von Ruanda
-
Viehwirtschaft und Ansiedlung in Südwest
-
Die Heuschreckenplage in Südafrika

Kolonie und Heimat
16. Januar 1910 (27 MB, PDF)
Aus dem Inhalt:
-
Hamburg als Handelsstadt
-
Ostafrikanische Charakterbäume
-
Bilder von den Diamantfeldern in Südwest
-
Vom Deutschtum im Ausland

Kolonie und Heimat
30. Januar 1910 (27 MB, PDF)
Aus dem Inhalt:
-
Die Karolinen- Inseln
-
Deutsche Farmen in Südwest
-
Bilder vom Bahnbau in Togo
-
Kaisers Geburtstag in den Kolonien

Kolonie und Heimat
13. Februar 1910 (33 MB, PDF)
Aus dem Inhalt:
-
Die Wohnstätten
der Eingeborenen Deutsch- Ostafrikas
-
Die 25jährige
Jubelfeier der Südsee- Kolonien
-
Deutsche
Kolonisation. Die innere Kolonisation in den deutschen Ostmarken
-
Afrika- reisende.
Plauderei von Otto Stolloxsky

Kolonie und Heimat
27. Februar 1910 (34 MB, PDF)
Aus dem Inhalt:
-
Wie in Ostafrika
eine Plantage entsteht
-
Drahtlose
Telegraphie für unsere Kolonien
-
Vom Eisenbahnbau in
Kamerun
-
Das Afrikahaus in
Hamburg
-
Neues aus dem
Caprivizipfel
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Impressum

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Bassari
in Bild und Wort
Ein Artikel aus dem Jahr 1904 aus:
Illustrirte Zeitung Nr.
3183, 30. Juni 1904
1 - Volk und Wohnsitz
Das Bassarivolk gehört zu dem großen Sprachstamm der Gyambavölker,
welche im Hinterland von Togo (vgl.
Kartenraum) zwischen dem 9. und 10. Grad
nördlicher Breite ihre Wohnsitze haben. Es ist das Gebiet, wo früher die
Sklavenjagden stattfanden. Das ganze Land ist eine wellige
Hügellandschaft, um dessen Hauptgebirgsstock, den Bassariberg, der
ungefähr eine deutsche Meile lang und 700 m hoch ist, die großen
Ortschaften mit der Königsstadt
Kore
liegen. So schroff und bizarr, wie die Felsen des Gebirges hervorragen, so
rau sind auch die Bewohner des Landes. Durch ihre beständigen Räubereien
und Fehden waren sie weit und breit gefürchtet, so dass ihr Gebiet bis
zur neuesten Zeit von der mohammedanischen wie von der europäischen
Kultur unberührt geblieben ist. Es sind die echten Buschneger, die weder
von der Weberei noch von der Gerberei Kenntnis besitzen.
Zum Vergleich:

Die Kreuzung Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße (um 1900)
germanhistorydocs.ghi-dc.org
2 - Kleidung
Ihre hauptsächliche Kleidung besteht aus getrockneten Fellen. Die Großen
und Notabeln des Landes tragen große Rinds- oder Leopardenfelle, die, um
den Hals befestigt, einfach vorn herunterhängen. Die jungen Männer und
die Sklaven sind mit kleinen Schurzfellen bekleidet; diese werden zwischen
den Beinen durchgezogen und bedecken nur notdürftig die Scham. (Vgl.
rechts das Bild Gruppe von jungen Männern der
Bassari)
Die Frauen dagegen bekommen als Aussteuer bei der Hochzeit von ihrem
Gatten Tücher, die von den Mohammedanern in den Temulandschaften gewebt
und von den
Haussa
auf den Märkten in Bassari feilgeboten werden. Die weißen, von den
Bassarifrauen rot gefärbten Tücher werden um die Lenden geschlagen und
reichen bis zu den Knien (Vgl. die Frau auf dem Bild vor der
Häuptlingshütte).
Die heiratsfähigen jungen Mädchen (vgl. das Bild
Fünfzehnjähriges Mädchen) dagegen tragen außer
einem Schmuck von Messingringen und Tätowierungen nur eine kleine
handbreite Frauenschürze aus Baumwollschnüren, die an einer mit
geschliffenen Palmenkernen oder weißen Muscheln besetzten Hüftschnur
vorn herunterhängt. In den Ohrläppchen werden von den reichen Schönen
noch zuweilen längliche Perlen als Pflock getragen, während die ärmeren
einen Grashalm oder ein rot gefärbtes Stück Hirsemark verwenden. Bei
besonders feierlichen Gelegenheiten bemalen die jungen Mädchen ihren
Körper mit roter Erdfarbe. Trotz dieser primitiven Kleidung begegnen sie
ihren Freiern mit Anmut und Koketterie.
Zum Vergleich:

Bürgerliche Familie beim Wandern durch den Harz (um 1900)
germanhistorydocs.ghi-dc.org
3 - Heirat
Infolge der Sitte, die Kinder drei Jahre an der Mutterbrust zu säugen,
hat ein wohlhabender mann meist drei Frauen. Schon für die Kinder wird
häufig von befreundeten eltern, die sich untereinander verständigen, der
Bund fürs Leben geschlossen. Herangewachsen, arbeitet dann der
betreffende Knabe für seine zukünftige Braut und gibt die Ersparnisse
seinen Schwiegereltern. Mit fünzehn bis sechzehn Jahren heiratet in der
Regel das Mädchen den für sie ausersehenen Bräutigam.
Meist jedoch sucht sich der junge Bassarimann seine Gattin selbst und muss
den Eltern der Braut ein Hochzeitsgeschenk geben, das in einer Kuh oder
mehreren Schafen und 15.000 Kauris besteht. (Kauris sind die Gehäuse der
Porzellanschnecke [
Cypraea
Moneta]. Seit alter Zeit dienen sie in Indien und Afrika als Schmuck-
und Tauschartikel, in vielen Landschaften des letzteren auch als
Scheidemünze. [...]
Obwohl zur Zeit meiner Anwesenheit in Bassari der Kaufpreis einer Sklavin
höher war als das Hochzeitsgeschenk für die Schönen des eigenen Landes,
so sollen sich doch die jungen Bassarimänner, bei dem herrschenden Mangel
an heiratsfähigen Töchtern des eigenen Landes, häufig Mädchen aus dem
benachbarten Kabregebiet mit einem Lösegeld von 60.000 bis 70.000 Kauris,
nach dem damaligen Kurs ungefähr 60 bis 70 Mark, zu ihren Frauen erkoren
haben.
4 - Wohnen
Das junge Paar baut nun an das Gehöft (siehe Bild
Das Innere eines Gehöftes) seiner Familie eine
eigene Wohnung, die aus runden Lehmhütten (siehe auch Bild
Häuptlingshütte) besteht. Diese sind
durch Mauern verbunden und bilden so ein kleines abgeschlossenes Gehöft
für sich. Durch einen Eingang in der Mauer oder durch die Hütte steht
dieses mit den anderen Gehöften der Verwandten in Verbindung. Ein
derartiges Familiendorf wird häufig durch eine umlaufenden Mauer
abgeschlossen, und nur eine einzige Öffnung führt durch eine Hütte, die
sog. Vorhalle, in dieses Hüttenlabyrinth.
Zum Vergleich:

Salon der Gründerzeit (um 1905)
germanhistorydocs.ghi-dc.org

Bäuerliche Familie beim Mittagsmahl (1912)
germanhistorydocs.ghi-dc.org
5 - Wirtschaft
Die Hauptbeschäftigung der Bassarileute ist Ackerbau sowie Jagd und
Fischfang. Bei letzterem wurden die Fische durch Gift betäubt. Zu diesem
Zwecke pflanzen sie in ihren Farmen einen Strauch an, dessen Blätter
zerstampft und in den Fluss geworfen werden.
Die hauptsächlichsten Kulturpflanzen sind
Yams,
Hirse, Guineakorn, Erdnüsse, Bohnen, Baumwolle und Tabak. Von den
Haustieren werden Rinder, Schweine, Ziegen und Schafe gezüchtet. Doch
sind es meistens
Fulbe,
welche die Aufzucht und Pflege des Viehes besorgen.
Von Gewerben werden in Bassari Schnitzereien und Flechtarbeiten sowie die
Töpferei ausgeübt, die letztere, wie in ganz Togo, ohne Drehscheibe. Vor
allem aber steht die Eisenproduktion in hoher Blüte. Die Erze, Braun-,
Rot- und Magneteisenstein, werden in den Bergen gewonnen und in Lehmöfen
mittels Holzkohle reduziert. Unter den wuchtigen Schlägen der
Bassarischmiedemeister, die ihre rohen Steinhämmer geschickt handhaben,
entstehen die kunstvoll gearbeiteten Pfeilspitzen und Speere mit den
scharfen Widerhaken, die beim Gebrauch vergiftet werden und von den
Gegnern sehr gefürchtet sind. Außerdem werden die im Hinterland
allgemein verbreiteten Hacken zur Bearbeitung des Bodens, runde
Eisenplatten von etwa 20 cm Durchmesser, hergestellt, die ein
Hauptausfuhrartikel sind.
Zum Vergleich:

AEG in Berlin um 1900
germanhistorydocs.ghi-dc.org

Das Warenhaus Wertheim in Berlin (um 1906)
germanhistorydocs.ghi-dc.org
6 - Medizinwesen
Eine besondere Kaste bilden die Ärzte, die, wie mir mein Gewährsmann
Napui erklärte, weitgereiste Leute sein müssen. Außer ihren Mitteln
gegen Pfeilgift und anderen Wundersalben ist ihre Hauptbeschäftigung das
Schröpfen (siehe Bild
Das Setzen von Schröpfköpfen). Zu diesem
Zwecke machen sie in der Form eines Kreuzes mehrere Einschnitte auf dem
rücken des Patienten, bedecken diese mit einem Kuhhorn, an dessen Spitze
sich ein Loch befindet, und saugen das Blut an. Auf diese Weise entsteht
ein luftleerer Raum; die Öffnung wird darauf mit Wachs und Baumwolle
verklebt.
Zum Vergleich:

Cholera-Epidemie in Hamburg (1892)
germanhistorydocs.ghi-dc.org

Sanatorium im Harz (1907)
germanhistorydocs.ghi-dc.org
7 - Regierungsform
Was die Regierungsform betrifft, so steht an der Spitze des Volkes ein
König und ihm zur Seite der Rat der Alten (siehe Bild
König Tagba mit seinem Hofstaat). Diesen
bilden die Familienoberhäupter, die Häuptlinge der einzelnen
Ortschaften. Aus den Familienhäuptern setzt sich der Gemeinderat
zusammen, der bei Streitigkeiten die erste Instanz ist, während der
König mit dem Rat der Alten die zweite und letzte Instanz bildet. Für
eine Gerichtssitzung erhält der König 6.000 bis 20.000 Kauris. (Vgl.
auch rechts das Bild Königstrommler)
Bei den Gottesurteilen, die häufig durch Gifttrank entschieden werden,
besonders aber bei dem Tode des Königs spielt der Fetischprister eine
große Rolle, da dieser nach dem Willen des höchsten Gottes
"Unombotte" den neuen König aus der Königsfamilie proklamiert.
Unter Vorantritt der aus Trommlern und Bläsern bestehenden Hofkapelle,
die auf mächtigen Elefantenhörnern einen furchtbaren Lärm vollführt,
wird der König in seine Residenzstadt Kore geleitet. Bei diesen
feierlichen Gelegenheiten kreist die
Kalabasse
mit Hirsebier, dem Nationalgetränk der Bassarileute. Während die Jugend
sich mit Tanz belustigt, sitzt der Bassaripapa bei einem flotten Jeu
(Spiel) um Kaurimuscheln.
Zum Vergleich:

Das Kaiserpaar (25. Januar 1906)
germanhistorydocs.ghi-dc.org

Der Reichstag in Berlin
dw-world.de
8 - Strafen und Erbrecht
So rau, wie dieses Buschvolk ist, so grausam sind auch desen
Strafbestimmungen. Hat z.B. der Beschuldigte beim Gottesurteil das
Unglück, das Gift, das ihm durch den Fetischpriester (Fetisch: Gegenstand religiöser oder abergläubischer Verehrung, dem mythische Kräfte zugesprochen werden)
gereicht wird, bei
sich zu behalten, so wird er als schuldig befunden und unbarmherzig mit
Keulen niedergeschlagen. Während der Verkehr unter den jungen Leuten
ziemlich frei ist, wird der Ehebruch sehr hart bestraft. Schuldner werden
meistin die Sklaverei verkauft.
Barbarisch ist auch die Sitte, bei Zwillingsgeburten, welche als böses
Omen gelten, das schwächere von beiden Kindern lebendig zu
begraben.
Bei einem Todesfall werden die Familienoberhäupter im Gehöft, die
Kinder, Frauen und Sklaven dagegen im Busch beerdigt. Das Recht, Schuldner
zu begraben, hat nur derjenige, der für die Schulden des Verstorbenen
eintritt, da mit der Beerdigung die Schulden übernommen werden. In der
Regel werden deshalb die Schuldner nicht begraben, sondern an einen Baum
im Busch ausgesetzt. Tritt dann ein Gläubiger mit seiner Forderung an die
Familie heran, so wird er in den Busch gewiesen. Auch übernehmen die
Erben des Schuldners, falls sie das Erbe antreten, die Verpflichtungen des
Erblassers den Gläubigern gegenüber. Die legitimen Erben sind die
Kinder, die gewöhnlich den beweglichen Nachlass, Vieh, Ackergeräte;
Waffen und die Hütten sowie die Ernte auf dem Felde erben, während das
Land selbst Eigentum der Gemeinde bleibt.
Der älteste Sohn eines freien Bassarimannes wird nach dem Tode des Vaters
Familienoberhaupt und hat somit Sitz und Stimme im Gemeinderat. Leben
keine Verwandten des Verstorbenen mehr, so erben die Sklaven den Nachlass
ihres Herrn; sie werden jedoch nicht in den Gemeinderat aufgenommen, da
Ehrenämter in der Kommune nur freie Bassarimänner erhalten können.
9 - Deutsche Kulturarbeit
Trotz der barbarischen Sitten, welche diesem Volke bei seiner
Abgeschlossenheit eigen sind, ist dieses doch keineswegs unzugänglich
für eine nähere Berührung. Hoffentlich gelingt es der deutschen
Kulturarbeit, zum Wohle der Kolonie unter den Bassari segensreiche Erfolge
zu erzielen.
W. Klose
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Aufgabenvorschläge
zum Artikel über die Bassari
- Gehe
nach oben in den
Kartenraum und zeige, wo die deutsche
Kolonie Togo lag. Suche in der Google-Map nach Bassari.
- Stelle
die Kultur der Bassari der europäischen Kultur von 1904 in
einer Tabelle gegenüber. Übernehme die Zwischenüberschriften
als Vergleichspunkte (ohne den Punkt "deutsche
Kulturarbeit") und füge noch den Punkt Religion hinzu.
Wie musste die Kultur der Bassari auf Europäer wirken?
- Auf
welcher Stufe der europäischen Kultur würdest du die Bassari
einordnen: Altsteinzeit? Jungsteinzeit? Eisenzeit? Hochkultur
(z.B. Griechen oder Römer)? Moderne Industriegesellschaft?
- Sind
deiner Meinung nach alle Kulturen gleichwertig oder gibt es
überlegene und unterlegene Kulturen? Wie dürften deiner
Meinung nach die Bassari diese Frage gesehen haben? Beziehe dich
in deiner Argumentation auf das Beispiel der Bassari im obigen
Artikel.
- "Hoffentlich
gelingt es der deutschen Kulturarbeit, zum Wohle der Kolonie
unter den Bassari segensreiche Erfolge zu erzielen." (W.
Klose)
Rufe den Link
Fremdsprache Deutsch in Togo
auf und rufe S.
33 unten den Abschnitt 2.2. "Erziehung und Bildung in Togo in der Kolonialzeit".
Beantworte die folgenden Fragen:
Welche Ziele verfolgt die Schulpolitik in Togo?
Wie werden diese im Text bewertet? Begründe aus dem Text.
Stimmst dieser Wertung durch den Verfasser des Textes zu?
- Hätte gar Deiner Meinung
nach:
- gar nicht missioniert
werden dürfen?
- anders missioniert
werden sollen?
- War
Kolonialpolitik Deiner Meinung ein pures Verbrechen oder brachte
es auch Vorteile für die Kolonisierten? Wie ist Kolonialismus
deiner Meinung nach zu beurteilen?
- Setze
dich, wenn du Aufgabe 1 erledigt hast, mit der Behauptung
auseinander, der Rassismus sei eine Folge des Kolonialismus
gewesen.
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Felix
und die Gesellschaft der Roten Laternen
(Hanns
Maria Lux: Felix und die Gesellschaft der Roten Laternen, Reutlingen,
ohne Jahresangabe) Zitate
aus einem Jugendbuch, das während des Boxeraufstandes im Jahr 1900 in
China spielt:
10
- Schwierigkeiten beim Eisenbahnbau in China
"Die Straße war voller Löcher und nicht mehr als zwei bis drei
Meter breit. Sie unterschied sich in nichts von allen anderen Landstraßen
im riesengroßen Reich: Die Bauern brauchten keine modernen Wege, wie sie
die Weißen besaßen. Ihnen genügten die einfachen, meist nicht mehr als
zwei Fuß breiten Pfade, die vom Heimatdorf zu den Äckern der Lebenden
und Toten führten. Große Wagen waren unbekannt; kleine Karren, bei denen
das einzige Rad nicht am Ende des Gefährts, sondern genau in der
Gestellmitte rollte, hatten bereits vor Jahrtausenden den Ahnen genügt;
Hochzeitssänfte und Sarg ließen sich genau so gut auf einem schmalen
Pfade tragen wie auf einer breiten Straße, die dem fleißigen Bauern doch
nur den wertvollen Boden wegnahm.
Einen Steinwurf weit von der Landstraße entfernt zog sich der Damm mit
dem Schienenstrang hin, vernachlässigt, ohne die gewissenhafte Pflege,
die man in den Ländern der Weißen diesen so wichtigen Verkehrslinien
schenkt. Die Schotterung des Untergrundes war ungleichmäßig angelegt;
ganz selten nur lockerten die Hacken der Bahnarbeiter die Steine auf,
allenthalben wuchs Gras und Unkraut, und die Schrauben und Laschen waren
verrostet.
Auch diese Teufelswege, diese Eisenschienen, die wie bösartige
Drachengeister auf die Dörfer der Bauern zuliefen, gehörten zu den
ungeheuerlichen und sündhaften Errungenschaften, welche die Europäer ins
Land gebracht hatten.
Während die Jungen flott die Landstraße entlang schritten, kamen sie auf
die eigenartigen Widerstände zu sprechen, die vor allem das Landvolk der
Einführung der Eisenbahn entgegengebracht hatte. War es doch überall im
Reich der Mitte zu Aufständen gekommen, und oft genug hatten die erregten
Empörer das Werk der weißen Ingenieure zerstört.
Johannes schüttelte missbilligend den Kopf: "Aber ein Land braucht
doch Eisenbahnen. Das weiß in Europa bereits jedes Schulkind!"
Felix stimmte dem Bruder zu: Die Chinesen hatten eigentlich große
Landstraßen und Bahnlinien noch notwendiger als die Europäer, weil ihr
Reich ja viel größer als jedes andere Land der Erde war. Aber in diesem
ungeheuren Land, dem größten Bauernreich der Welt, kümmerten sich die
Bauern nicht um das, was außerhalb ihrer Dorfgemeinschaft geschah. Sie
lebten nur für ihre Familie, für ihre Äcker, die schon die Vorväter an
der gleichen Stelle bearbeitet hatten. Der Hass gegen die Eisenbahn war
hauptsächlich deshalb gekommen, weil viele Ingenieure keine Rücksicht
auf die Grabstätten der Dörfler genommen hatten.
Johannes unterbrach den Bruder und plauderte nun über das, was er im
Laufe der Jahre gehört hatte. Hierzulande galt ein unerbittlich strenges
Gesetz: Wer die Ruhe der Toten störte, wurde als der schlimmste Frevler
an der menschlichen Gemeinschaft bestraft. Die Verstorbenen, so dachte der
Chinese, waren ja nicht tot: Sie sahen alles, sie hörten alles, sie
nahmen noch immer an allem teil, was in ihrer früheren Welt geschah.
Deshalb legte man auch Speisen und andere Gaben auf die Grabhügel: Die
Ahnen gehörten nach wie vor zur Familie der Lebenden.
Kein Wunder, dass die Bauern die Bahnlinien und Dämme zerstörten, die
über die Felder der Toten führten. Viele Ingenieure und Arbeiter wurden
in den letzten Jahrzehnten von der erbitterten Bevölkerung erschlagen.
Die Regierung musste häufig genug Wachen aufstellen, um die
Verkehrslinien zu schützen." (S. 118 ff.)
[...]
"Ein Sarg stand vor dem Hause. Aber dieses Bild konnte den
Jungen keineswegs erschrecken. Totenladen vor den Wohnungen oder
einsam mitten in einem Feld gelegen, waren hierzulande ein alltäglicher
Anblick. Dieser Brauch hatte für einen Chinesen schon den rechten Sinn:
Die "Glück verheißende Stunde" der Erdbestattung war noch
nicht ermittelt. Diese Aufgabe hatten besonders geschulte Totenmönche zu
erfüllen. Sie bestimmten nach Zahlung einer bestimmten Summe das
Fengshui, das heißt, sie stellten auf Grund oft langwieriger Berechnungen
den Grabplatz fest, an dem der Tote vor den bösen Geistern des Wassers
und des Windes ungestört ruhen konnte. Ehe aber dieser rechte Ort
gefunden war, vergingen oft Wochen und Monate, ja nicht selten sogar
Jahre.
Oh, man brauchte keine Furcht vor dem zerfallenden Körper zu haben: Der
Tote belästigte während dieser langen Zeit seine Anverwandten nicht. Sie
hatten treu und gut für ihn gesorgt. Er lag in einer dicken Kalkschicht
eingebettet, die Bohlen der Sargbretter waren ungewöhnlich dick und
schwer und mit einer dichten Lackschicht überschmiert.
War endlich das Frieden schenkende Fengshui bestimmt, so wurde der Tote
auf ein Feld hinausgetragen. Nicht immer war es jenes, das seiner Familie
gehörte; häufig genug war der Acker Eigentum einer anderen Sippe, die
aber stillschweigend, und ohne Entgelt zu fordern, die Bestattung auf
ihrem Eigentum zuließ.
Die Äcker Chinas sind mit unzähligen Grabhügeln übersät. Auf dem
Weizenfelde der Familie Wu schlief der Bauer Si, und im Reisfeld der Sippe
Si ruhte irgendein Wu. "Im Reich der Mitte nehmen die Toten den
Lebenden das Land weg!" heißt ein chinesisches Wort. Trägt doch
mancher Acker Dutzende von Gräbern; alle sind, wie das Gesetz es
vorschreibt, ohne besonderen Schmuck; eine dichte Grasnarbe bedeckt den
kreisrunden Hügel, unter dem der Verstorbene schlummert. Um das Grab aber
wachsen Reis, Hirse, Mais und Sojabohnen unbekümmert zur Reife und Ernte
heran." (S. 143)
[...]
"In der chinesischen Landschaft stehen viele Götterwohnungen. Der
Glaube des Volkes kennt Millionen heiliger und unheiliger, nützlicher und
schädlicher Geister. Himmel, Erde und Wasser sind von ihnen belebt. Und
vielen ist ein Tempel oder Tempelchen geweiht. da ist der Kriegsgott, der
Gott der Unterwelt, der Beherrscher der Hölle, da sind die Götter, die
die Schwarzen Blattern, die Hungersnöte und die Überschwemmungen
fernhalten, die Gottheiten der Seidenraupenzucht, der Hirse, des Weines -
der Diebe, der Erschlagenen, der Gehenkten ... Wer mag all ihre Namen und
wer ihre Zahl nennen! Unzählige Tempel und Tempelchen stehen in den
Landschaften des ungeheuren Reiches." (S. 152)
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Aufgabenvorschläge
zum Text "Schwierigkeiten beim Eisenbahnbau in China"
- Verfasst
ein Streitgespräch zwischen chinesischen Bauern und
europäischen Ingenieuren bzw. deren Dolmetscher. Die Bauern
wollen den Eisenbahnbau verhindern, die Ingenieure wollen eine
Eisenbahn bauen.
Greift auf Argumente zurück, die der
Text liefert.
- Die
Chinesen verfügen heute über modernste Technik und sind zu
einer der großen Wirtschaftsnationen der Welt geworden. Welche
geistigen Veränderungen setzte das offenbar voraus?
|
|

Fünfzehnjähriges Bassari- Mädchen
441
Pixel

Gruppe von jungen Männern der Bassari
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Zwanzigjähriger Bassari- Mann
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Das Innere eines Gehöftes der Bassari
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Das Setzen von Schröpfköpfen
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Häuptlingshütte der Bassari mit hoher Dachspitze
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Aus dem Bassariland: König Tagba mit seinem Hofstaat. Nach einer
photographischen Aufnahme
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Der Königstrommler
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