Die kaiserliche Jacht "Hohenzollern", Längsschnitt

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Kaiserliche Jacht "Hohenzollern": Längsschnitt
(7,9 MB) Bild: Auflösung 300 Pixel

Zeichenerklärung

1 Heckgalerie | 2 Ruder | 3 Propeller (Schraube) | 4 Wellenleitung | 5 Wellenbock | 6 Heckanker | 7 Jolle | 8 Gig | 9 Besanmast | 10 Schnellfeuergeschütz | 11 Messe für Sekretäre | 12 Messe für Gefolge | 13 Raum für Diener | 14 Messe für Diener | 15 Waschraum | 16 Gepäckraum | 17 Weinlager | 18 Elektrische Maschine | 19 Kondensator | 20 Hauptmaschine | 21 Maschinenschacht | 22 Dampfbeiboot für den Kaiser | 23 Großmast | 24 Badekammer für Maschinisten | 25 Kessel | 26 Schornsteine | 27 Rauchsalon | 28  Dampfbeiboot 1 | 29 Kutter 1 | 30 Spiritusmotorboot für den Kaiser | 31 Vorraum | 32 Speisesaal | 33 Anrichteraum | 34 Schlafzimmer des Kaisers | 35 Arbeitszimmer des Kaisers | 36 Vortragszimmer des Kaisers | 37 Salon | 38 Heizerbadekammer | 39 Maschinistenkammern | 40 Pantry | 41 Küche der kaiserlichen Hofhaltung | 42 Kohlenbunker | 43 Kommandohaus | 44 Obere Kommandobrücke | 45 Untere Kommandobrücke | 46 Kartenhaus | 47 Fockmast | 48 Schiffsglocke | 49  Wohnzimmer des Kommandanten | 50 Schlafzimmer des Kommandanten | 51 Offiziersmesse | 52 Offizierskammern | 53 Arrestzelle | 54 Raum für Köche und Kellner | 55 Fleischlager | 56 Proviantraum | 57 Wassertank | 58 Kettenkasten | 59 Mannschaftsraum | 60 Scheinwerfer | 61 Wellenbrecher | 62 Buganker | 63 Ankerkran | Back |

Die Kaiserjacht Hohenzollern

Auf seiner Mittelmeerfahrt hat Kaiser Wilhelm zuerst den ihm vom Norddeutschen Lloyd zur Verfügung gestellten Dampfer König Albert benutzt. Erst am Tage seiner Ankunft in Neapel, am 24. März, ist der Monarch an Bord seiner Jacht Hohenzollern gegangen, um mit derselben während fünf Wochen in den Gewässern Italiens zu kreuzen. Bei dem großen Interesse des deutschen Volkes für das Seewesen überhaupt darf die Vorführung eines so schönen Schiffes, wie es die "Hohenzollern" ist, schon an und für sich bei den Lesern der "Illustrirten Zeitung" auf eine beifällige Anteilnahme rechnen; in unserem Falle wird dieses Interesse um so reger sein, als es sich um den Aufenthaltsort Kaiser Wilhelms während des ganzen Monats April handelt.

Die stolze Jacht mit ihrer in den Strahlen der Sonne weithin leuchtenden weißen Farbe, den hoch ragenden drei Pfahlmasten - dem Besanmast (9), dem Großmast (23) und dem Fockmast (47) - und den beiden mächtigen, gelb angestrichenen Schornsteinen (26) wurde auf der Werft der Aktiengesellschaft Vulkan zu Bredow bei Stettin am 27. Juli 1891 auf Stapel gelegt;
am 27. Juni 1892 lief sie vom Stapel und machte im April 1893 ihre ersten Probefahrten. Die Länge des Schiffes beträgt 116,8 m, die Breite 14 m, der Tiefgang 5,8 m, die Wasserverdrängung 4180 t (zu je 1000 kg). Der ganze Schiffskörper ist in vierzehn wasserdichte Abteilungen zerlegt und besitzt unterhalb der Maschinen- und Kesselräume einen nach beiden Seiten des Mittelkiels reichenden Doppelboden. An Armierung trägt das Schiff in Friedenszeiten acht 5-cm-Schnellladegeschütze (10), die auf dem Oberdeck aufgestellt sind.

Da gerade Besuchszeit ist, legen wir mit dem von uns gemieteten Boote an der Fallreepstreppe der "Hohenzollern" an, besteigen das Schiff und folgen nun der Führung des uns bereitwillig zur Verfügung gestellten Unteroffiziers. Wie begeben uns zunächst auf die Untere Kommandobrücke (45) auf der sich das Kommandohaus (43) und das Kartenhaus (46) befinden, und gehen von hier aus nach der oberen Kommandobrücke (44), um einen Blick über das ganze Schiff zu werfen. Wenden wir uns nach vorn,  so sehen wir an jeder Seite auf der Back (64) einen Buganker von 2500 kg Gewicht (62) und mittschiffs den ebenso schweren Reserveanker liegen. Unmittelbar davor steht der große niederlegbare Drehkran (63), der zum aufholen der Anker dient. Hinter den Ankern ist der quer über die Back laufende Wellenbrecher (61) zur Ableitung der überkommenden Seen. Auf dem hinter dem Wellenbrecher liegenden Teil der Back befindet sich ein zum Verholen bestimmtes Gangspill, das mit dem auf dem Oberdeck darunter befindlichen Dampfspill gekuppelt werden kann. am Hinterende der Back stehen an jeder Seite die beiden zur Aufnahme der Positionslaternen bestimmten Türme. Auf dem sichtbaren Teil des Oberdecks sind an jeder Seite in seitlichen Ausbauten je ein Scheinwerfer (60) auf Podesten aufgestellt.

Schauen wir jetzt nach hinten auf das Promenadendeck hinab, so erblicken wir einige Deckfenster, die den darunter befindlichen Räumen Licht zuführen. Weiter nach hinten liegt der Rauchsalon (27), der innen mit poliertem Holz ausgetäfelt ist und mit seinem rundumlaufenden, in einzelne Sitze abgeteilten, bequemen Sofa, seinen Tischen und Polsterstühlen den Eindruck der Behaglichkeit macht. weiter fällt uns der große Maschinenschacht (21) auf, der, durch sämtliche Decks gehend, die Maschinenräume mi Licht versieht. Bevor wir die Kommandobrücke verlassen, besichtigen wir in der Mitte derselben den Stand für den Kaiser, von wo aus er die Paraden abnimmt, sowie die auf den Brücken befindlichen Apparate.

Vor den in Davits hängenden Booten - Jolle (7), Gig (8), Dampfbeiboot 1 (28), Kutter 1 (29) Spiritusmotorboot (30) - fällt uns besonders das neue, für den Gebrauch des Kaisers bestimmte Spiritusmotorboot auf. Dasselbe ist 10 m lang, 2 m breit, o,65 m tief und wiegt 2000 kg. Es soll mit seinem Spiritusmotor 12 Knoten zu je 1853 m laufen.

Wir begeben uns jetzt über das Promenadendeck hinweg nach dem hinteren freiliegenden Oberdeck, auf dem einige 5-cm-Schnellladegeschütze (10) stehen.Außenbords an Steuerbordseite liegt der Heckanker. Am Garderobenzimmer vorbei gelangen wir durch den Vorraum (31) in den großen Speisesaal (32), den größten Raum an Bord. An der Vorderseite des Speisesaals befindet sich der Anrichteraum (33), der mittels eines Aufzugs mit den Küchen (41) und Vorratsräumen in Verbindung steht. Setzen wir unseren Weg auf dem Oberdeck, an verschiedenen Deckfenstern vorbei, nach dem unter der Back gelegenen Raume fort, so erblicken wir das schon erwähnte Dampfspill und sehen, wie ein Teil der Mannschaften im Mannschaftsraum (59) untergebracht ist.

Gehen wir nun wieder zurück und steigen die vor dem hinteren Schornstein im Vorraum zum Speisesaal befindliche große, mit Blattgewächsen und Palmen geschmückte Doppeltreppe nach dem ersten Wohndeck hinab, so sind wir im mittleren Teile des Schiffes, in dem die Wohnräume der Majestäten und der königlichen Prinzen gelegen sind, und zwar nach vorn zu an Steuerbordseite das Ankleidezimmer, das Schlafzimmer (34), Arbeitszimmer (35) und Vortragszimmer (36) des Kaisers, diesem gegenüber und durch einen breiten Gang von ihnen getrennt, die Zimmer der Kaiserin. Daran schließt sich der über die ganze Schiffsbreite reichende 6 m lange Quersalon (37), vor dem sich die Zimmer der Prinzen und noch weiter nach vorn die des Kommandanten (Wohnzimmer (49), Schlafzimmer (50) und der Offiziere (52), die Offiziersmesse (51) sowie das Lazarett mit Apotheke befinden. Der vorderste Teil des ersten Wohndecks ist wiederum Mannschaftsraum (59). Von der Doppeltreppe nach hinten sind an beiden Seiten die Kammern und mittschiffs die Messe (12) für das höhere Gefolge untergebracht. Im weiteren Verlauf nach hinten sehen wir das Bureau sowie die Kammer und die Messe für die Sekretäre (11). Ganz hinten erweckt im Ruderraum die Rudermaschine, die das in Fingerlingen am Hintersteven hängende Ruder (2) bewegt, unser besonderes Interesse. Außenbords läuft, von dem Ruderraum aus zugänglich, die sogenannte Heckgalerie (1) um das Heck des Schiffes.

Eine Treppe tiefer gelangen wir in das zweite Wohndeck. In dessen hinterem Teil liegt der Gepäckraum (16), davor an Steuerbord- und Backbordseite die Kammern für die Dienerschaft (13) und die beiden Dienermessen (14). Über dem Maschinenraum sind die Waschkammer (15), die Kammer für Leinenzeug, Montierungskammer, Baderäume für Maschinisten (24) und Heizer (38), weiter vorn die Garderobe für die Majestäten, die mit den darüber liegenden Ankleideräumen durch Treppen verbunden sind, die Kammern und die Messe für Deckoffiziere (Maschinisten, usw., 39), die Küchen und Pantries (40) für die Majestäten, für Offiziere und Mannschaften und ganz vorn nochmals ein Mannschaftsraum (59) untergebracht.

Unter diesem letztgenannten Deck befinden sich hinter, bzw. vor den Maschinen- und Kesselräumen die sogenannten Plattformdecks, in denen die Vorratsräume, Gepäckräume für Gefolge, Weinlager (17), die Räume für Destillierapparate, Hellegats, Arrestzellen (53), Kettenkasten (58) und Räume für Hängematten liegen. Darunter bemerken wir das Fleischlager (55), den Proviantraum (56) für die kaiserliche Küche, für den Kommandanten, die Offiziere und die Mannschaften, die Kühlräume für Proviant und die Trinkwassertanks (57).

Wir wenden uns jetzt der Besichtigung der beiden Hauptmaschinen (20), stehenden, dreifachen Expansionsmaschinen von zusammen 9000 indizierten Pferdestärken und der Kesselanlage (25) zu. Einen ungefähren Begriff von der Größe der Maschinen kann man sich machen, wenn man hört, dass die Niederdruckzylinder einen Durchmesser von 2,35 m haben. Die Maschinen sollen dem Schiff eine Geschwindigkeit von 21 Knoten erteilen. In dem Maschinenraum stehen noch drei elektrische Maschinen (18), die sämtliche Räume des Schiffs mit elektrischem Licht versehen, und die beiden Kondensatoren (19). Von der Maschine nach hinten gehen die beiden Wellen (4), die außerhalb des Schiffes durch Wellenböcke (5) gestützt werden und am Ende je einen Propeller (Schiffsschraube, 3) von 4,4 m Durchmesser tragen. Die Besatzung des Schiffs setzt sich zusammen aus dem Stab von 12 Offizieren und 307 Deckoffizieren, Unteroffizieren und Mannschaften; von letzteren gehören allein 151 dem Maschinenpersonal an.

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms II. Frühjahr 1904: Illumination der
kaiserlichen Schiffe im Hafen von Venedig. Das große Schiff ist die
kaiserliche Jacht "Hohenzollern".
Illustrirte Zeitung Nr. 3175 vom 5. Mai 1904
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Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms II. Frühjahr 1904: Kaiser im Deckpavillon, Regierungsgeschäfte erledigend
Illustrirte Zeitung, 1904
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