Die neueste Marinetafel des Deutschen Kaisers, 1902

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Kolonialreiche 1914
Afrika, China, Europa und USA anklickbar, in der Legende auch brit. und franz. Empire. Englisch


Marinetafel des Deutschen Kaisers, Ausschnitt
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Bild und unten stehender kursiver Text aus: Illustrirte Zeitung Nr. 3112, 19. Februar 1903

Wir sind in der Lage, unsern Lesern [...9 die vielbesprochene Marinetafel vor Augen zu führen, die Kaiser Wilhelm II. kürzlich dem Reichstag übermittelt hat. Sie gibt in Form von Schiffsskizzen und kurzen Daten einen Stärkevergleich der englischen und der deutschen Flotte, der in dieser Form erfahrungsgemäß von Laien besser verstanden und mehr gewürdigt wird als die besten statistischen Angaben des Flottenalmanachs. Bei Betrachtung der Tafel ergeben sich mancherlei wertvolle Schlüsse, sodass eine nähere Erklärung am Platze erscheint.

Die Schiffe sind entsprechend ihrer Verteilung auf den heimischen und auswärtigen Stationen zusammengefasst. Links neben den Abbildungen befinden sich die Namen, darunter die Jahreszahl des Stapellaufs, das Deplacement in Tonnen und die Geschwindigkeit. Die Schiffe eines Typs sind mit einer Klammer bezeichnet und in dem daneben befindlichen Bild dargestellt.

[...]

Im Mittelmeer hat Deutschland nur geringe Interessen. Wie groß im Gegensatz dazu die Machtansprüche Englands in diesem Zentrum des nach Osten strömenden Weltverkehrs sind, lehrt die gewaltige, in Spalte 3 aufgeführte Flotte. Die Mittelmeerflotte ist jederzeit zum Zusammenwirken mit dem Kanalgeschwader bereit, sodass England im Kriegsfall sofort über eine aktive Angriffsflotte von 21 der größten Linienschiffe verfügt und außerdem noch die Home Fleet zur Verteidigung der heimischen Küsten bereit hat. Die beiden folgenden Spalten zeigen sehr deutlich die Geringfügigkeit der deutschen Auslandsflotte.

 [...]

Es ist selbstverständlich, dass die Marinetafel, ebenso wie die früheren, von der Hand des Kaisers entworfenen, lediglich den Zweck verfolgt, in anschaulicher Form Aufklärung über die Stärkeverhältnisse der Kriegsflotten zu verbreiten. Hieraus einen Gegensatz zu England konstruieren zu wollen, ist ein müßiges Beginnen. Im Gegenteil, die Überlegenheit der englischen Flotte tritt in der Tafel so grell in Erscheinung, dass die Legende von aggressiven Zielen der deutschen Flottenvermehrung in sich selbst zusammenfällt.

 

Aufgaben zum Text:
  1. Wie steht der Text zur deutschen Flottenrüstung? Begründe deine Meinung.

  2. Mit welchen Argumenten versucht der Text den Vorwurf zu entkräften, man wolle einen Gegensatz zu England heraufbeschwören? Nimm dazu Stellung.

  3. Ein englischer Journalist verteidigt die Stärke und Aufstellung der englischen Flotte. Schreibe seinen Artikel. Ziehe dabei auch die Karte des englischen Weltreichs in der linken Spalte heran.