Die islamische Eroberung Jerusalems 638 nach Steven Runciman, wiedergegeben von Bassam Tibi


"Nach der Darstellung Runcimans ritt Omar auf seinem weißen Kamel, als er in Begleitung des Patriarchen der unterworfenen Stadt, Sophronios, Jerusalem betrat. Er ging mit dem Geistlichen zur Grabkirche. Es war Gebetszeit, und der Patriarch bat den ihn menschenwürdig behandelnden muslimischen Eroberer, doch auf dem herbei gebrachten Gebetsteppich in der Kirche zu beten. Omar war besorgt um das christliche Heiligtum und wies das tolerante Angebot mit einer ebenso toleranten Begründung zurück, denn

>>er befürchtete, seine eifernden Anhänger würden den Ort, an dem er gebetet, für den Islam in Anspruch nehmen".<< (Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge, Seite 3)

Der Kalif verließ deshalb die Kirche und betete in der Vorhalle. Unmittelbar darauf hat sich seine Befürchtung als berechtigt erwiesen:

>>Und so verhielt es sich in der Tat. Die Vorhalle wurde von den Mohammedanern übernommen, aber die Kirche selbst blieb, was sie gewesen - die heiligste Stätte der Christenheit<<. (Runciman, S. 3).

Aus: Bassam Tibi: Kreuzzug und Dschihad _ Der Islam und die christliche Welt, Goldmann Taschenbuch, Dezember 2001, S. 121