|
A | B |
C | D |
E | F | G | H | I |
J |
K | L | M |
N | O | P | Q | R | S |
T | U | V | W | X | Y |
Z
Grundbegriffe in
roter Farbe!
A
Abgaben
Im Rahmen der mittelalterlichen und
neuzeitlichen Bodenleihe Abgaben, die ein Bauer in Naturalform (Eier, Gans,
etc.) oder später in Geldform an den Grundherrn dafür zu entrichten hatte,
dass er von diesem geliehenes Land bewirtschaften durfte. Was
der Bauer über die Abgaben hinaus erwirtschaftet, darf er behalten.
Nach oben
ABM:
Antiballistic Missile = Abwehrrakete.
Nach oben
ABM-Vertrag:
Verbietet bis auf wenige Ausnahmen Abwehrraketen, weil sie dem Prinzip "Wer
zuerst schießt, stirbt als zweiter" widersprachen.
Nach oben
Abrüstung:
Teilweise oder vollständige Vernichtung von Waffen(systemen), geht also über
die Rüstungsbegrenzung (siehe unten) hinaus.
Nach oben
Absolute
Mehrheit
mehr als 50% der abgegebenen Stimmen bzw. mehr als 50% der Mitglieder einer
Versammlung. Begriff wird bei Wahlen bzw. Abstimmungen verwendet. Vergleiche "einfache
Mehrheit".
Nach oben
Absolute
Monarchie
Ein Alleinherrscher (Mono = gr. ein) regiert losgelöst (absolutus = lat.
losgelöst) von der Kontrolle bzw. Mitsprache einer Ständeversammlung
(z.B. der Generalstände in Frankreich); Der Herrscher regiert von Gottes
Gnaden. Motto: "L`Etat, c`est moi." (Ludwig XIV.)
Nach oben
Absolutismus
Kombination aus absoluter Monarchie und Ständeordnung. Bsp.: Frankreich
unter Ludwig XIV.
Nach oben
Agrargesellschaft
Darunter
versteht man eine Gesellschaft, in der die Wertschöpfung in der Landwirtschaft
("Primärer Sektor") die in der Industrie ("Sekundärer
Sektor") und im Dienstleistungsbereich ("Tertiärer Sektor")
überwiegt. Vgl. auch Industriegesellschaft
und Dienstleistungsgesellschaft.
Nach oben
Agrarreform
Reform der Landwirtschaft
Nach oben
Akkumulation
Bei Marx und Engels "Anhäufung".
Akkumulation von Kapital = Anhäufung von Kapital durch Reinvestition von
Gewinnen.
Nach oben
Allgemeines,
gleiches und geheimes Wahlrecht
Wahlrecht unabhängig von Stand und Besitz; jeder Wähler besitzt gleich
viele Stimmen. Der Wahlzettel wird in der Wahlkabine ausgefüllt, ohne
dass jemand zusehen kann.
Nach oben
Annektieren/ die Annexion
Sich einen Teil eines fremden Staatsgebiets oder ein komplettes fremdes
Staatsgebiet aneignen. In letzterem Falle verschwindet ein fremder Staat.
Nach oben
Antiimperialistische Befreiungsbewegung
Politische (und oft auch militärische) Bewegung zur Befreiung von kolonialer
oder quasikolonialer ("neokolonialer") politischer, wirtschaftlicher
und kultureller Abhängigkeit, oft kommunistisch geführt. Um das Ziel der
nationalen Befreiung auszudrücken spricht man auch von nationaler
Befreiungsbewegung.Containment: Eindämmung.
Bezeichnung für das Bestreben der USA, im Kalten Krieg das Expansionsstreben
des Kommunismus bzw. der kommunistischen Staaten zu stoppen. Begriff in der
Truman-Doktrin verwendet.
Nach oben
Antijudaismus
Religiös begründete Judenfeindschaft, z.B. im Mittelalter (Kreuzzüge!), aber
auch während der Reformation und später.
Nach oben
Antikomminternpakt
Der Antikomminternpakt zwischen Japan und dem Deutschen Reich wurde am 25. November 1936 abgeschlossen.
Er richtetet sich, wie der Name sagt, gegen die Komintern, also die
"Kommunistische Internationale", einen Zusammenschluss der
kommunistischen Parteien unter der Führung Moskaus. Durch den Antikominternpakt
sicherte sich die Unterzeichner bei einem „provozierten Angriff" oder einer „nichtprovozierten Angriffsdrohung"
gegenseitige Neutralität.
Auch andere Länder traten den Antikomminternpakt bei, insbesondere 1937 Italien.
Nach der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 wurde der Pakt aufgelöst.
Nach oben
Antisemitismus
Rassisch begründete Judenfeindschaft; kommt im letzten Drittel des 19. Jhs. auf
(J. A. Graf Gobineau; Houston Stewart Chamberlain);
pseudowissenschaftlich; mündet in die nationalsozialistische Judenvernichtung.
Nach oben
Appeasement
Unter Appeasement-Politik versteht man eine Politik der Beschwichtigung. Der
Begriff wird insbesondere für die britische Politik gegenüber dem
Nationalsozialismus vor dem Zweiten Weltkrieg benutzt, die versucht hatte, den
Frieden dadurch zu bewahren, dass man Hitler immer mehr entgegen kam, was aber
die gegenteilige Wirkung hatte. Höhepunkt dieser Politik war das Münchner
Abkommen 1938, bei dem mit aktiver Hilfe der Westmächte die Tschechoslowakei
aufgeteilt und letztlich an Hitler ausgeliefert wurde.
Nach oben
Arbeiterbewegung
Die Arbeiterbewegung versucht organisiert die Interessen der Arbeiter zu
vertreten (Sozialismus). Zur Arbeiterbewegung
gehörten Arbeiterparteien (z.B. SPD und KPD), Gewerkschaften,
Genossenschaften, Kulturvereine bzw.
-einrichtungen, Arbeitersportvereine, usw.
Nach oben
Arbeitereinheitsfront
In der kommunistischen Strategie und Taktik der Versuch einer möglichst engen
Zusammenarbeit der Arbeiterparteien (z.B. KPD und SPD), die im Idealfall in eine
revolutionäre Einheitspartei (z.B. SED = Sozialistische Einheitspartei
Deutschlands, 1946) münden soll. Die Erweiterung der Einheitsfront ist die
sogenannte "Volksfront". Vgl. auch extern das
Einheitsfrontlied (Text Bertolt Brecht, Melodie Hanns Eisler).
Nach oben
Arbeiterräte
Siehe Sowjets
Nach oben
Aufgeklärter
Absolutismus
Spielart des Absolutismus, die die Herrschaft des Monarchen nichtreligiös
begründet, das Wohlergehen des Staates statt die Person des Herrschers in
den Mittelpunkt rückt und religiöse Toleranz praktiziert. "Jeder
soll nach seiner Facon selig werden." (Friedrich der Große)
Nach oben
Aufklärung
Geistige Bewegung des 18.Jhs, die alle Dinge dieser Welt unter dem
Gesichtspunkt der Vernunft betrachtet. Folgen sind z.B. neue
Staatstheorien (John Locke; Montesquieu; Rousseau); Religionskritik
(Lessing, Voltaire, Diderot, usw.); mächtiger Aufschwung der
Naturwissenschaft; Aufkommen von Pädagogik und frühe Frauenemanzipation.
Die Aufklärung schafft die geistigen Voraussetzungen für die Überwindung
des Absolutismus und für die moderne Demokratie. Als wissenschaftliche
Methode geht sie von der Anschauung der sinnlich erfassbaren Wirklichkeit aus,
hinterfragt diese kritisch und leitet davon überprüfbare Aussagen bzw.
naturwissenschaftliche Gesetze ab. Ihr Ziel ist Wissen. Damit steht sie
methodisch und in Bezug auf ihr Ziel im Gegensatz zu einer Religion, die von
einer offenbarten göttlichen Botschaft ausgeht, die in einer heiligen Schrift
niedergelegt ist, welche im Zweifelsfall die Wahrnehmung und Deutung der
Wirklichkeit bestimmt. Das Ziel der Religion ist Glauben.
Nach oben
Autarkie
Fähigkeit, sich wirtschaftlich
selbst zu versorgen und damit vom Ausland wirtschaftlich unabhängig zu
sein. Adjektiv: autark
Nach oben
Autorität
Maßgebender Einfluss einer Person bzw. staatlichen oder sonstigen Einrichtung.
Dieser beruht auf Tradition oder Leistung und schafft Ansehen.
Nach oben
Autoritärer Staat
Abwertend für einen Staat, dessen Regierung, gestützt auf hierarchische
Strukturen, unkontrolliert oder unzureichend kontrolliert vom unmündig gehaltenen
Bürger, Gehorsam fordert. Nicht ganz so unerträglich wie eine
Diktatur, aber auch bei weitem keine voll entwickelte Demokratie.
Der Begriff wird häufig für das Kaiserreich verwendet, das zwar das
allgemeine Wahlrecht kannte, dessen
Regierung aber beispielsweise nicht vom Vertrauen des Reichstags
getragen sein musste. Bismarcks Vorgehen gehen das Zentrum im Kulturkampf und
gegen die Sozialdemokraten durch das Sozialistengesetz sind Beispiele für eine
autoritäre Politik.
Nach oben
B
Besatzungszone
Beispiel Deutschland nach 1945: Wo früher der deutsche Staat existierte, ist
dieser nun erloschen und an seine Stelle ist in den 4 Besatzungszonen eine
Militärverwaltung mit Besatzungstruppen getreten.
Nach oben
Betriebsrat
Von den Beschäftigten eines Betriebes ab einer bestimmten Größe gewählt. Er
hat die Aufgabe, die Interessen der Arbeitnehmer im Betrieb zu vertreten und
verfügt dafür z.B. in der Bundesrepublik Deutschland über die nötigen
Mittel, z.B. über Mitbestimmungsrechte im Betrieb, und Zuständigkeiten.
Nach oben
Biologismus
Sachverhalte unterschiedlichster Art werden einseitig und falsch unter
biologischen Gesichtspunkten gesehen, z.B. Biologismus der Nationalsozialisten
mit ihrer sogenannten "Rassenlehre".
Nach oben
Blitzkrieg
Der Begriff stammt aus der nationalsozialistischen Propaganda und meint die
innerhalb weniger Wochen zugunsten Deutschlands entschiedenenen Kriege am Beginn
des Zweiten Weltkriegs.
Nach oben
Breschnew-Doktrin:
Von Breschnew, Generalsekretär der KPdSU, vertretene Lehre, die besagt, dass
die "sozialistischen Bruderstaaten" nur ein beschränktes
Selbstbestimmungsrecht hätten. Damit wurde der 1968 erfolgte militärische
Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die CSSR nachträglich gerechtfertigt.
1985 wird diese Doktrin aufgegeben.
Nach oben
Bundesstaat
Eine Reihe von Staaten schließt sich unter gemeinsamer Zentrale zusammen.
Sie geben Souveränitätsrechte an die Zentrale ab (z.B. Außenpolitik,
Recht auf Steuererhebung, Militärwesen). Bsp.: Bundesrepublik
Deutschland; USA. Vgl.
Staatenbund und Föderalismus
Nach oben
Bürger
Im Gegensatz zum Untertan, der nur die Befehle seines Herrschers
entgegenzunehmen hat, ist der Bürger Inhaber der
Volkssouveränität, d.h., dass von ihm alle Gewalt im Staate ausgeht. Der
Bürger in diesem Sinne heißt auf Französisch "citoyen", in der Französischen
Revolution redeten sich die Revolutionäre auch so an.
Nach oben
Bürgerwehr
Auch "Miliz", in der Frz. Revolution "Nationalgarde".
Bürgerwehren sind bewaffnete Verbände
von Bürgern, die meist in Revolutionszeiten geschaffen werden, um die
Revolution gegen Angriffe der Gegner der Revolution, z.B. der Fürsten und
ihrer regulären Armeen, zu
verteidigen und die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.
Nach oben
Burschenschaften
Studentische Verbindungen mit unterschiedlichen Traditionen aus dem 18. und 19. Jh..
Es gibt schlagende (Fechtkampf -> Schmiss (Narbe) im Gesicht) und nicht
schlagende, Farben tragende und nicht Farben tragende Verbindungen.
Verbindungsmitglieder pflegen Geselligkeit oft in Verbindungshäusern.
Nach oben
Im Zusammenhang mit Restauration und Vormärz gehören die Burschenschaften zu
den Trägern liberaler und nationaler
Forderungen und wurden deshalb zeitweise verboten.
Nach oben
C
Chauvinismus
Übersteigerter Nationalismus
Nach oben
Containment-
Politik / Eindämmung
Eindämmungspolitik gegenüber dem Expansionsstreben der Sowjetunion und anderer
kommunistischer Staaten, formuliert in der Truman- Doktrin März 1947. Die
Eindämmung soll mit wirtschaftlichen, politischen, militärischen,
ideologischen Mitteln, usw. geschehen.
Nach oben
D
Dawes-Plan
Der Dawes-Plan, banannt nach dem
amerikanischen Bankier Charles G. Dawes, wurde auf der Londoner Konferenz 1924
angenommen und brachte neben der Festlegung jährlicher Reparationsraten
(neuer Zahlungsmodus!) einen Kredit in Höhe von 800 Millionen Goldmark zur
Stabilisierung der Weimarer Republik.
Nach oben
Dekolonisierung:
Davon spricht man, wenn die Kolonien unabhängig werden. 1960 ist ein wichtiges
Jahr in der Dekolonisierung Afrikas.
Nach oben
Demagogenverfolgung
Unter Demagogen versteht man in der Politik Volksverhetzer. In der Zeit der Restauration
und des Vormärz werden mit diesem Begriff Vertreter der
liberalen und nationalen
Bewegung herabgesetzt.
Unter der Demagogenverfolgung versteht man die Umsetzung der Karlsbader
Beschlüsse von 1819.
Nach oben
Demokraten
von 1848
Politische Strömung in der Tradition der radikaleren bzw. radikalen Phase
der Frz. Revolution. Ruf nach Verfassung, aber im Unterschied zu liberalen
Forderungen Ruf nach Republik,
allgemeinem Wahlrecht, sozialen Maßnahmen des
Staates
(=Sozialstaat), Volksbewaffnung.
Sie versuchten ihre Ziele auch auf gewaltsamem Weg zu erreichen. Die
Demokraten von 1848 galten als radikal.
Nach oben
Demokratie
Volksherrschaft (Demos = griech. Volk; kratein = griech. herrschen); Staat
mit Verfassung.
Außerdem gehört eine entwickelte Zivilgesellschaft dazu. Ziel ist der Schutz
der Rechte des Einzelnen, vgl. Menschenrechte. Gegenteil: Diktatur
Nach oben
deportieren
verschleppen, gewaltsam bzw. unter Anwendung von Zwang umsiedeln
Nach oben
Depotstimmrecht
Nach diesem Stimmrecht können Banken für für die bei ihr vom Kunden im Depot hinterlegten Aktien das Stimmrecht
auf der Aktionärsversammlung ausüben, wenn diese sie damit beauftragt haben.
Zwar sind die Banken dabei an die Weisungen des Kunden gebunden, doch da viele
Kunden keine Weisungen geben, erwächst daraus eine große Macht der Banken,
vgl. auch Universalbanksystem.
Nach oben
Destruktivität
destruktiv = zerstörerisch
Nach oben
Deutscher Bund
Die deutschen Staaten
schlossen sich 1815 auf dem Wiener Kongress locker im Deutschen Bund zusammen, der Bundestag in
Frankfurt am Main war ein ständiger Gesandtenkongress der deutschen
Staaten. Durch ein System von Personalunionen wurden auch ausländische
Mächte in den deutschen Bund einbezogen.
Nach oben
Dhimma
/ Dhimmi
Dhimma war eine Institution des islamischen religiösen Rechts, der Scharia, die den juristischen Status nichtmuslimischer „Schutzbefohlener“ [so genannter„Dhimmi(s)“] unter islamischer Herrschaft festlegte.
Die Dhimmis bezahlten die Kopf- bzw. "Schutz"steuer ("Djizya") und durften dafür als sogenannte Dhimmis ihre Religion beibehalten und ausüben.
Neue Kirchen, Klöster und Synagagen durften sie zwar nicht bauen, aber vorhandene Gebäude durften unter Vorbehalten erneuert werden. Die Hälfte ihrer Kirchen mussten an Muslime abgegeben werden, die Moscheen daraus machten. Glocken, öffentliche Begräbnisse und Feiern wurden verboten. Der Koran verbietet Zwangsbekehrungen, in der Praxis aber kam es aus Gründen des Fanatismus und aus anderen Gründen immer wieder dazu.
Juden und Christen bezahlten außerdem auf den von ihnen bewirtschaften Boden, der dem Staat gehörte, eine Grundsteuer sowie andere, irreguläre Steuern (Awarid). Während sie anfangs, als der islamische Staat noch ungefestigt war, auch in öffentliche Ämter aufsteigen konnten, wurde dies bald verhindert, gestützt auf zahlreiche Stellen im Koran. Dazu kam eine massive Ungleichheit vor dem Gesetz, also eine dauerhafte Diskriminierung. Der Schwur eines Dhimmis galt gegenüber dem eines Muslims nichts. Daraus folgte chronische Bestechlichkeit von Richtern und Zeugen.
Abgrenzung und Erniedrigung gehörten ebenfalls dazu. Die Tributpflichtigen mussten in besonderen Stadtvierteln wohnen (vgl. jüdische Ghettos), Dhimmihäuser mussten kleiner und vernachlässigter sein als die von Moslems, Christen und Juden (... durften) Waffen (...) nicht führen (Dhimmi- Männer waren so keine vollwertigen Männer), sie durften nur auf Eseln, nicht auf Pferden reiten. Islamische Rechtsgutachten schreiben den Dhimmis vor, mit gesenktem Blick zur Linken der Muslime (deren unreiner Seite) vorbeizugehen. Muslimen wird empfohlen, Dhimmis beiseite zu stoßen, und in Anwesenheit eines Muslims muss ein Dhimmi in demütiger und respektvoller Haltung dastehen. Er darf, aber erst nach Aufforderung, in diesem Falle nur leise sprechen. Dhimmis mussten sich von Muslimen schlagen lassen, durfte sich aber nicht wehren. Schlug er zurück, wurde er entweder hingerichtet oder man schlug ihm die Hand ab. "Die Zeugenaussage eines „Dhimmi“ galt nicht gegen Muslime; diese brauchten für Vergehen an einem „Dhimmi“ nur halbe Strafe zu tragen; und wegen eines solchen Unterworfenen konnten sie nie hingerichtet werden. Umgekehrt waren grausamste Hinrichtungsarten überwiegend den „Dhimmi“ vorbehalten." (Flaig)
Christen und Juden mussten an ihrer speziell geschnittenen und in bestimmten Farben gehaltenen Kleidung kenntlich sein.
Je nach Region waren die Verhältnisse aber verschieden.
Eine besondere Art, ihre Dhimmis zu behandeln, kannten die Osmanen: Die osmanische Elitetruppe, die Janitscharen, zwangsrekrutierte man aus christlichen Familien aus Serbien, Albanien, Bosnien, Bulgarien und Griechenland, denen die Kinder im Alter von 12 - 16 Jahren weggenommen wurden (sogenannte "Knabenlese", türk. devschirme). Auch Tscherkessen waren betroffen. Man erzog die Jungen im Janitscharenkorps oder in der Palastschule und machte aus ihnen fanatische Muslime. Die Besten wurden in die Zentralverwaltung bis hinauf zum Großwesir übernommen. Diese Art der Aushebung wurde erst 1648 eingestellt.
Die Ausbeutung der Dhimmis, deren wirtschaftlicher und auch zahlenmäßiger Niedergang und Zerfall im Laufe mehrerer Jahrhunderte waren die Kehrseite von Glanz und Pracht der Glanzzeit des Islam.
Nach oben
Dienstleistungsgesellschaft
Darunter
versteht man eine Gesellschaft, in der die Wertschöpfung im
Dienstleistungsbereich ("Tertiärer Sektor") die in der Landwirtschaft
("Primärer Sektor") und in der Industrie ("Sekundärer
Sektor") überwiegt. Vgl. auch Agrargesellschaft
und Industriegesellschaft.
Nach oben
Diktatur
Gegenteil von Demokratie.
Jemandem etwas "diktieren" im Sinne von
jemandem etwas "vorschreiben". Die Grund- bzw.
Menschenrechte gelten nicht. Eine extreme Form ist der
Totalitarismus. Je nachdem, wer eine Diktatur
ausübt, unterscheidet man z.B. eine "Parteidiktatur" von einer
"Militärdiktatur", usw. Man kann auch nach weltanschaulicher Richtung
unterscheiden, z.B. "kommunistische Diktatur" oder "nationalsozialistische
Diktatur", usw.
Nach oben
Diktatur des Proletariats
Im Marxismus verstanden als Staat
der "Arbeiterklasse" (Arbeiterschaft) zur Unterdrückung ihrer ehemaligen
Unterdrücker, der so genannten "Kapitalisten" (Unternehmer), und zur
"Vergesellschaftung der Produktionsmittel" (Enteignung von Fabriken,
Großgrundbesitz, Banken, usw. Deren Überführung in Gemeineigentum,
faktisch in die Hand des Staates).
Marx und Engels gehen davon aus,
dass die Diktatur des Proletariats Ergebnis einer sozialistischen
Revolution sein wird und dass diese erst dann eintritt, wenn die übergroße
Mehrheit der Bevölkerung aus "Proletariern" (Arbeitern) besteht.
Die Marxisten sprechen vom Absterben
des Staates, weil mit der Enteignung der "Kapitalisten" diese als Klasse
absterben würden: "Absterben des Staates".
Die Diktatur des Staates kann so
organisiert sein, dass Räte die Macht ausüben ("Räte- oder Sowjetsystem",
auch "Räterepublik" oder "Sowjetrepublik"; Räte und Sowjets sind dasselbe) oder dass eine
Parteidiktatur herrscht,
die die Räte als selbstständige Machtorgane abschafft. Die
Parteidiktatur der Sowjetunion war ein Einparteiensystem, in den Volksdemokratien
gab es ein von der Kommunistischen Partei geführtes Mehrparteiensystem.
Auch Ein-Mann-Diktaturen wie die von Stalin seit den 1930er
Jahren oder eine rote Militärdiktatur wie in Polen in den 1980er
Jahren unter General Wojciech Jaruzelski sind historische Formen einer
Diktatur des Proletariats.
Vergleiche "marxistisches
Staatsverständnis"
Nach oben
Dirigismus
Darunter versteht man ein Wirtschaftssystem, das gegen die Gesetze des
Marktes systematisch staatliche Eingriffen in die Wirtschaft durchführt,
z.B. unter dem Nationalsozialismus, der damit die Wirtschaft
schnellstmöglich auf den Krieg vorzubereiten suchte.
Nach oben
Dolchstoßlegende
Von der politischen Rechten der Weimarer Republik gegen die Linke
vertretene Behauptung, Deutschland sei im Ersten Weltkrieg im Felde
unbesiegt gewesen. Die Revolution
von 1918 habe das Heer von hinten erdolcht und habe so die Niederlage
herbeigeführt.
Die Dolchstoßlegende ist
erwiesenermaßen unwahr, Deutschland hatte militärisch seit Frühjahr 1918
(Tankangriff von Amiens) keine Chance mehr, was die Oberste Heeresleitung
intern wusste, weshalb sie auch einen Waffenstillstand forderte. Die
Dolchstoßlegende sollte von der Verantwortung der Rechten für die
Niederlage ablenken und die Linke zum Sündenbock machen.
Nach oben
Dreimächtepakt
Der Dreimächtepakt vom 27. September 1940 zielte auf eine "neue
Ordnung" in Europa und darauf, die USA aus dem Krieg herauszuhalten.
Vertragspartner waren Deutschland, Italien und Japan. Bei einem Angriff
der USA auf einen der Unterzeichnerstaaten waren die anderen Unterzeichner
zur politischen, wirtschaftlichen und militärischen Unterstützung
verpflichtet.
Der Pakt wurde am 11. Dezember 1941
nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor erweitert: Es sei keinem Bündnispartner erlaubt, einen eigenständigen Waffenstillstand oder Frieden abzuschließen,
eine Bestimmung, die durch die deutsche Kapitulation vom 7./ 8. Mai 1945
von Japan als verletzt betrachtet wurde.
Nach oben
E
Edikt
Erlass, VerwaltungsanordnungNach oben
Nach oben
Einfache
Mehrheit / relative Mehrheit
Gewählt ist, wer die relativ meisten Stimmen erhält, aber nicht mehr als
50%. Vergleiche "absolute Mehrheit".
Nach oben
Erbkaisertum
Das Kaisertum ist in einer Familie erblich, z.B. in der Familie der
Habsburger oder der Hohenzollern. Der Kaiser wird also nicht gewählt,
sondern beim Tode eines Kaisers wird der/die Erbberechtigte Nachfolger(in).
Gegensatz zu Wahlkaisertum
Nach oben
Erbuntertänigkeit
Preußische Form der Leibeigenschaft
Nach oben
Europäische Integration
Zusammenwachsen Westeuropas unter dem Druck des Kommunismus und als Antwort auf
die Erfahrungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs; auch Mittel,
Deutschland einzubinden. Die europäische Integration gewann zunehmende
Eigendynamik und ist heute nicht mehr wegzudenken. Ergebnis ist heute die
Europäische Union (EU). Der westeuropäischen entsprach eine
osteuropäische Integration mit dem RGW, dem Rat für gegenseitige
Wirtschaftshilfe, und dem Warschauer Pakt (WP). RGW und WP verschwanden
mit dem Untergang des Kommunismus.
Nach oben
Exekutive
Ausführende Gewalt. Sie hat sich an die von der
Legislative verabschiedeten Gesetze zu halten. Zur Exekutive gehören der
Staats- und Regierungschef, die Minister, die Beamten z.B. der Finanz- und
anderer Ämter, die Polizei, das Militär. (executere = lat. ausführen)
Nach oben
Expansion
Ausdehnung, Ausbreitung
Nach oben
Extremismus
Auch "Radikalismus". Bezeichnung für politische Bestrebungen, bestehende
Verhältnis in radikaler Weise (und oft mit radikalen Mitteln) zu verändern.
Gemeint sind für das 20. Jahrhundert oft
Kommunisten (Linksextremismus, Linksradikalismus) oder Nationalsozialisten
(Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus).
Nach oben
F
Faschismus
Lat.
fasces waren Beile in Rutenbündeln, die den altrömischen Senatoren von
sogenannten Liktoren als Zeichen ihrer Würde voran getragen wurden. Movimento
fascista (gesprochen: faschista) war die Selbstbezeichnung der italienischen
Faschisten, die 1922 ("Marsch auf Rom") unter Benito Mussolini in Italien die
Macht ergriffen.
Als faschistisch wurden dann alle "Bewegungen" und Ideologien bezeichnet,
die folgende Merkmale aufwiesen: diktatorisches, oft
totalitäres politisches System als Ziel bzw., wenn
an der Macht, als Realität; Führerprinzip; extremer
Nationalismus und Antisozialismus bzw. Antikommunismus;
Antiliberalismus, also Ablehnung der Demokratie.
kapitalistische Wirtschaft, aber mehr oder weniger stark staatlich gelenkt im
Sinne des angeblichen Volks- und Staatswohls; überproportional hohe
Anhängerschaft aus bürgerlichen Mittelschichten.
Um hauptsächliche Nutznießer und Drahtzieher zu bezeichnen und den Faschismus
als Herrschaftssystem zu kennzeichnen, hat man versucht, weitere
Kennzeichen einzuführen. Der bekannteste Versuch in dieser Hinsicht war die
kommunistische Definition: Faschismus an der Macht
sei "die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten
chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals."
Solche Versuche blieben aber umstritten.
Wichtige faschistische Bewegungen waren der italienische (Benito Mussolini, der
spanische (Francisco Franco) und der deutsche Faschismus (Adolf Hitler).
Letzterer nannte sich Nationalsozialismus. Faschistische oder faschismusähnliche
Bewegungen waren aber in den 1930er Jahren in weiten Teilen Europas verbreitet.
Nach oben
Feudalismus
Im engeren Sinn die durch das Lehensrecht (Lehenswesen)
gekennzeichneten Staaten.
Im weiteren Sinn das agrarisch (landwirtschaftlich) geprägte System, für das
adliger und kirchlicher Großgrundbesitz typisch ist, der an abhängige bzw.
leibeigene Bauern verliehen wird. Am Grundbesitz hängen Herrschaftsrechte und
Privilegien, z.B. die Steuerfreiheit. Man spricht von Grundherrschaft.
Nach oben
Flexible Response:
Militärdoktrin der NATO in den 1960er und 1970er Jahren, als die Sowjetunion
die USA mit strategischen Waffen verwunden konnte. Es wird auf der Ebene
militärisch geantwortet, auf der der Feind angreift. Falls der Feind aber z.B.
auf der konventionellen Ebene durch sein Übergewicht an Panzern zum Erfolg zu
kommen droht, wird auf die nächste Ebene eskaliert, also z.B. auf die
atomar-taktische Ebene. Das Konzept lässt also den ersteinsatz von Atomwaffen
zu. Es grenz sich vom Konzept der "massiven vergeltung" der 1950er
Jahre ab, als die USA atomar noch nicht so verwundbar waren.
Nach oben
Föderalismus
Wenn Staaten einen Bundesstaat oder einen
Staatenbund bilden, spricht man
von Föderalismus.
Vgl. Zentralstaat
Nach oben
Fraktion
Gruppe von Abgeordneten,
normalerweise Mitglieder der gleichen Partei , zumindest aber vertreten
sie die gleiche politische Überzeugung. Sie vertreten ihre Interessen und
Ziele im Parlament gemeinsam.
Nach oben
Freikorps
Rechtsextremistische Freiwilligenverbände von
Offizieren und Soldaten, die sich nach dem Ersten Weltkrieg nicht
entwaffnen lassen wollten und in Zusammenarbeit mit der
Reichswehr z.B. 1919 den
Spartakusaufstand und die Münchner
Räterepublik niederschlugen. Freikorps waren
z.B. auch am Kapp-Putsch 1920 beteiligt sowie an
anderen Aktionen.
Nach oben
Friedliche Koexistenz
Die Doktrin der friedlichen Koexistenz wird auf dem XX. Parteitag der
KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion) beschlossen und danach
präzisiert. Sie reagiert auf die abgeschlossene Blockbildung und das
relative militärische Gleichgewicht - auch im atomaren Bereich -
zwischen den Blöcken und geht von folgenden Grundsätzen aus:
(1) Ein friedliches Nebeneinanderbestehen von Staaten mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung
sei nicht nur möglich, sondern angesichts der Gefahren von Kriegen im
Atomzeitalter auch unumgänglich.
(2) An die Stelle militärischer Auseinandersetzung trete der wirtschaftliche Wettbewerb, in dem sich die Über- oder Unterlegenheit eines Systems erweisen müsse.
(3) Ungeachtet des friedlichen Nebeneinanderbestehens von Staaten mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung gehe der ideologische Kampf unvermindert weiter.
(4) Das Bekenntnis zur friedlichen Koexistenz bedeute nicht die Aufgabe der weltrevolutionären Zielsetzung, sondern solle im Gegenteil die Möglichkeiten für die Weltrevolution verbessern und sei damit nur eine taktische Variante im internationalen Klassenkampf.
(Punkte 1 - 4 aus: Informationen zur politischen Bildung, Heft 245)
Nach oben
Fronen
Dienste, die ein Bauer wegen Leibeigenschaft
zu leisten hatte. Mit den Bauernbefreiungen des 18. und 19. Jahrhunderts
abgeschafft.
Nach oben
G
Gegenseitige gesicherte Zerstörung:
Vgl. "Wer zuerst schießt, stirbt als zweiter".
Nach oben
Genossenschaft
Genossenschaften sind ein gemeinsamer Betrieb ihrer Mitglieder. So können
z.B. Winzergenossenschaften den gemeinsamen Vertrieb ihrer Weine
organisieren (Absatzgenossenschaft), eine Genossenschaft kann im Interesse
ihrer Mitglieder bestimmte Waren günstig einkaufen (Bezugsgenossenschaft)
oder günstige Kredite gewähren (Kreditgenossenschaft).
Nach oben
Gerichtsherr(schaft)
Wenn ein Grundherr
zu Gericht
sitzen, ist er Gerichtsherr, er übt die Gerichtsherrschaft aus. Grundherrschaft,
Leibherrschaft, Gerichtsherrschaft und Kirchenherrschaft
treten oft in Kombination miteinander auf.
Nach oben
Gesellschaftsvertrag
Es handelt sich um eine "Lehre, nach der das Entstehen und Bestehen des Staats auf eine freie Vereinbarung der
Bürger" (Meyers Lexikonverlag) zurückgeht. Damit wird
Herrschaft nicht mehr religiös (Gottesgnadentum),
sondern "vernünftig" im Sinne der Aufklärung begründet.
Wichtige Theoretiker des Gesellschaftsvertrages sind Thomas Hobbes, John
Locke und Jean Jacques Rousseau, also die Denker, die für die
Amerikanische und Französische Revolution die Stichworte gaben.
Nach oben
Gewaltenteilung
Aufteilung der ursprünglich ungeteilten Macht des absolutistischen Königs
(absolute Monarchie) in Legislative (gesetzgebende Gewalt),
Judikative (Rechtsprechung) und Exekutive (ausführende Gewalt)
zwecks gegenseitiger Kontrolle, um den Bürger gegen Übergriffe des Staats
zu schützen und so die Grundrechte des Bürgers
zu wahren.
Gewaltfreiheit
Verzicht auf Anwendung von Gewalt in
der Politik.
Nach oben
Gewerbefreiheit
bedeutet, dass jedermann die Freiheit besitzt, sich gewerblich zu betätigen, also zum Beispiel, wenn er will, einen Handwerksbetrieb zu eröffnen. Sie setzt voraus, dass es keine Einschränkungen durch
Zünfte oder Ständeordnung gibt. Sie ist eine zentrale Forderung des
Wirtschaftsliberalismus.
Nach oben
Gewerkschaft
Gewerkschaften sind
Zusammenschlüsse
lohn- und gehaltsabhängiger Unternehmer zur Vertretung ihrer Interessen.
In demokratischen Staaten besitzen
Gewerkschaften als letztes Mittel das Streikrecht. In Verhandlungen mit
Unternehmerorganisationen, die als Gegengewicht zum Streik unter
bestimmten Umständen zur Aussperrung der Mitarbeiter aus dem Betrieb
greifen dürfen, handeln sie Löhne und Gehälter, Arbeitsbedingungen usw.
aus, vgl. Tarifautonomie.
Nach oben
Glasnost
"Offenheit". Bestandteil der Politik Gorbatschows. Er wollte die
Sowjetunion nach innen und außen durchsichtiger machen und sie öffnen. So
wurden z.B. die Medien demokratisiert und Dissidenten wie Sacharow durften aus
dem Exil zurückkehren.
Nach oben
Gleichgewicht
Wenn die Machtverhältnisse zwischen den Staaten
ausgeglichen sind, spricht man von Gleichgewicht. Die Hegemonie eines
Staates soll vermieden werden.
Nach oben
Gottesgnadentum
Ein Herrscher regiert durch die Gnade Gottes.
Nach oben
Gottesstaat
Ein Staat, der nach den Regeln einer Religion aufgebaut ist. Wenn es eine
Republik ist, spricht man von einer Islamischen Republik (z.B. Islamische
Republik Iran). Gottesstaaten sind mit Menschenrechten unvereinbar, weil
Religion nicht Privatsache ist. Es handelt sich um totalitäre
Staaten.
Nach oben
Großdeutsche Lösung
Deutscher Nationalstaat mit
Österreich. Gegensatz: kleindeutsche Lösung.
Nach oben
Grundherr
Insofern
ein Großgrundbesitzer Land zur Bewirtschaftung verleiht, ist er
Grundherr. Mit dem Grundbesitz verbunden sind Herrschaftsrechte (z.B.
häufig Gerichtsherrschaft) und Privilegien (Vorrechte). Vgl. Grundherrschaft.
Grundherrschaft, Leibherrschaft,
Gerichtsherrschaft und Kirchenherrschaft
treten oft in Kombination miteinander auf.
Nach oben
Grundherrschaft
(Bäuerliche Leihe)
Grundherren verleihen
wie oben Felder, Wiesen, landwirtschaftliche Gebäude
an Bauern. Diese leisten dafür Abgaben - z.B. Eier, Geflügel oder andere
Naturalabgaben zu bestimmten festgelegten Terminen; später auch Geld -
und Dienste - z.B. Erntehilfe, Botengänge, usw..
Die
Bauern können in diesem System persönlich entweder frei, hörig
(minderfrei) oder leibeigen sein. Im Falle der Leibeigenschaft sind die
Dienste (Fronen) und Abgaben normalerweise höher, der/die Leibeigene ist
an den Boden gebunden und muss z.B. bei Heirat um die Erlaubnis des
Herrn nachsuchen. Die Höhe von Diensten und Abgaben schwankt je nach
Zeit, Region und einzelner Abmachung.
Nach oben
Grundrechte
In Rechtsform, also als Bestandteile
von Verfassungen, heißen Menschenrechte "Grundrechte". Kein nachgeordnetes
Recht darf gegen sie verstoßen.
Vgl. Menschenrechte
Nach oben
Guerrillakrieg:
Kleinkrieg im Untergrund gegen eine Regierung oder Besatzungsmacht. La guerra =
der Krieg, la guerrilla = Verkleinerungsform
Nach oben
H
Hegemonie
Vorherrschaft eines Staates über andere, z.B. Napoleons über das
restliche Europa. Gegensatz zum
Gleichgewicht.
Nach oben
Heilige
Allianz
Absichtserklärung der Monarchen von Österreich, Russland und Preußen vom 26. 9. 1815,
die Prinzipien der christlichen Religion zur Grundlage ihrer Innen- und
Außenpolitik zu machen ("Bund von Thron und Altar"). Obwohl bis
auf England und den Kirchenstaat und natürlich das Osmanenreich alle
europäischen Staaten beitraten, zerbrach das antirevolutionäre Bündnis
am Freiheitskampf der Griechen und an den lateinischen
Unabhängigkeitskriegen. Für Österreich, Preußen und Russland hatte es
bis 1848/49 Bestand und rechtfertigte Interventionen gegen revolutionäre
Bestrebungen. Deshalb gehört die Heilige Allianz zur Restauration
nach 1815.
Nach oben
Hierarchie/ hierarchisch
Von oben nach unten aufgebaute Herrschaft.
Nach oben
I
ICBM:
Intercontinental Ballistic Missile = Interkontinentalrakete
= Rakete mit sehr großer Reichweite, die die Entfernung zwischen Kontinenten
überbrücken kann.
Nach oben
Identität
Identität liegt dann vor, wenn man weiß. wer man als Person oder
Gruppe, speziell als Nation, ist. Aus der
nationalen Identität leitet
sich die Bereitschaft ab, die Nation und ihre Identität auch zu verteidigen.
Die Inhalte der nationalen Identität können unterschiedlich weit
reichen: Als Minimum wird oft das Bekenntnis zur demokratischen Verfassung
mit ihren Menschenrechten hervorgehoben. Dies ist zugleich ein Bekenntnis
zur politischen Kultur des westlichen Kulturkreises. Es kann oder muss
aber - je nach Auffassung - noch viel mehr zur nationalen Identität
gehören, z.B. die gemeinsame Sprache, das Bekenntnis zur gemeinsamen
Geschichte, die gemeinsame Kultur in unterschiedlich weitem Sinne.
Je nach der Priorität einzelner Identitäten ergeben sich (nach Huntington:
Who are we?) für
einzelne Personen unterschiedliche Identitätsprofile. Zum Beispiel
könnte, um ein Beispiel aus dem 19. Jahrhundert zu wählen, ein Identitätsprofil
für einen Tschechen in Österreich-Ungarn im 19. Jahrhundert folgendermaßen aussehen:
- Priorität 1: Tscheche
- Priorität 2: Katholik
- Priorität 3: Prager
- Priorität 4: Mitglied
des Sportvereins xy
- Priorität 5: Einwohner von
Österreich-Ungarn
- usw.
Identitäten reichen unterschiedlich weit: Einige umfassen nur das
unmittelbare Umfeld, andere haben nationale, wieder andere internationale
Reichweite.
Nach oben
Ideologie
Abwertender Ausdruck für sogenannte "Weltanschauungen" politischer
Bewegungen, z.B. für die nationalsozialistische "Weltanschauung" oder den
"historischen und dialektischen Materialismus" der Kommunisten. Ideologien
sind pseudowissenschaftlich, sie dürfen von ihren wirklichen oder
erzwungenen Anhängern nicht ernstlich hinterfragt werden.
Nach oben
Imperialismus
Imperium = lat. Reich. Politik, die auf die Bildung großer Reiche zielt.
Fremde Gesellschaften sollen abhängig gemacht werden, entweder indirekt
mit wirtschaftlichen und politischen Mitteln oder direkt als Kolonie
(Kolonialismus).
Aggressive Außenpolitik, verknüpft mit übersteigertem Nationalismus.
Kampf um Rohstoffe, Absatzmärkte (wirtschaftliche Krisen!) und militärstrategischen
Einfluss.
Nach oben
Industrialisierung
Übergang von der vorwiegend
landwirtschaftlichen (=agrarischen) Produktion zur vorwiegend
industriellen Produktion mit Fabriken und Antriebsmaschinen, z.B. der
Dampfmaschine. Damit verbunden sind schnelle Fortschritte in Wissenschaft
und Technik. Erfindungen revolutionieren die Produktion. Kapital
besitzende freie Unternehmer einerseits und eine wachsende, lohnabhängige
Industriearbeiterschaft andererseits bestimmen die gesellschaftlichen,
wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse zunehmend.
Frühe Industriezweige, die die
Industrialisierung fördern, sind Textilindustrie, Eisenbahnbau, Kohle und
Stahl. Maschinenbau, Chemie, Elektro usw. folgen.
Arbeitskräfte ziehen vom Land in
die Stadt, die Städte wachsen, Stadt- und Industrielandschaften
entstehen. Die wirtschaftliche Theorie ist der
Wirtschaftsliberalismus.
In der Frühindustrialisierung
herrscht der Familienbetrieb vor, es herrscht Konkurrenz.
In der Hochindustrialisierung
entstehen Konzerne, die als Aktiengesellschaften organisiert sind. Oft
versuchen sie, Märkte untereinander aufzuteilen oder Preisabsprachen zu
treffen. Die Banken werden immer wichtiger. In Deutschland halten sie auch
Industriebeteiligungen (Aktien). Man spricht von
"Universalbanksystem". Die Staaten versuchen den Export von
Kapital und (Fertig)waren und den Import von Rohstoffen.
Vor diesem Hintergrund entsteht der Imperialismus.
Nach oben
Industriegesellschaft
Darunter versteht man eine Gesellschaft, in der die Wertschöpfung in der
Industrie ("Sekundärer Sektor") die der Wertschöpfung in der
Landwirtschaft ("Primärer Sektor") und im
Dienstleistungsbereich ("Tertiärer Sektor") überwiegt. Vgl.
auch Agrargesellschaft und Dienstleistungsgesellschaft.
Nach oben
Industrielle Reservearmee
Bei Marx und Engels Begriff für die Arbeitslosen. Expandierende (sich
ausbreitende) und kontrahierende (sich zusammenziehende) Reservearmee =
ansteigende oder fallende Zahl von Arbeitslosen, je nach Konjunktur.
Nach oben
Inflation
Geldentwertung, die sich im Preisanstieg und im Kursverfall einer Währung
zeigt. Zu unterscheiden sind Nachfrageinflation (die Nachfrage
überschreitet das Angebot und treibt so die Preise), Angebotsinflation
(verknapptes Angebot treibt die Preise), Kosteninflation (z.B.
steigende Lohnkosten, die durch keine entsprechende
Produktivitätssteigerung ausgeglichen werden) und importierte Inflation
(z.B. durch überhöhte Rohölpreise auf dem Weltmarkt). In der Weimarer
Republik war 1923 das Anwerfen der Geldpresse ein zentraler Grund für die
Inflation, wiederum verursacht durch andere Faktoren (siehe Basiswissen
Weimarer Republik).
Nach oben
INF-Vertrag:
Beschlossen 1987 auf dem Gipfel von Washington zwischen SU und USA. Der Vertrag
sieht die Abrüstung der Mittelstreckenraketen vor.
Nach oben
Integration
Zusammenschluss zu einer höheren Einheit
Nach oben
Irredenta
Nachdem
der italienische Nationalstaat gegründet worden und Kolonien erworben
waren, war Italien bestrebt, folgende Gebiete zu erwerben: Trentino, Julisch-Venetien, Triest, Istrien, Fiume (heute
Rijeka). Diese Gebiete sowie Südtirol und Zadar (Zara) erhielt Italien mit Ausnahme Fiumes im Ergebnis des
Ersten Weltkriegs. Man spricht bei diesen gegen Österreich- Ungarn
gerichteten Bestrebungen von Irredenta (Anschluss abgetrennter Gebiete an
Italien). Vgl. Risorgimento.
Nach oben
Islamischer Fundamentalismus
Radikales Eintreten für die Grundsätze des extremistischen politischen Islam.
Ziel ist die Errichtung von Gottesstaaten (siehe oben) und die Bekämpfung des
Westens und Israels mit allen, auch terroristischen, Mitteln.
Nach oben
J
Judikative
Rechtsprechung. Die Justiz, v.a. die Richter. (ius = lat. das Recht;
dicere = lat. sagen, sprechen) Die Justiz ist gebunden an die
Verfassung, insbesondere die
Grundrechte, und an die übrigen von der
Legislative erlassenen Gesetze.
Nach oben
Junker
Preußischer Adliger
Nach oben
K
Kabinett
Ein
Kabinett ist die Regierung eines Landes und besteht aus den Ministern sowie
einem Kanzler, Premierminister oder einem (einer) anderen Kabinettschef(in).
Nach oben
Kämmerer
Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort camera = Schatzkammer ab. Ursprünglich hatte sich ein Kämmerer um die Einnahmen eines Fürsten zu kümmern. Die Erzkämmerer der römisch-deutschen Kaiser trugen
bei einer Krönung dem neu gekrönten König ein Szepter voran. Beim Krönungsmahl reichten sie dem König eine Schale Wasser und ein Tuch zum Händewaschen. Nach oben
Kapitulationen
(Im Osmanischen Reich: kapitelweise abgefasste Verträge entsprechend der
folgenden Kapitulation: Die erste Kapitulation wurde 1536 von
Sultan Süleyman dem Prächtigen an Frankreich ausgestellt, um den
Außenhandel des Reiches anzuregen. Sie enthielt z.B. folgende Zusagen,
die nachher auch an andere europäische Mächte vergeben wurden: freie
Schifffahrt und freier Handel zwischen den Untertanen beider Reiche.
Uneingeschränkte Gerichtsbarkeit französischer Konsuln über
französische Staatsbürger auf osmanischem Boden (Strafrecht, Privat-,
insbesondere Handelsrecht).
Nach oben
Karlsbader Beschlüsse
Die
„Karlsbader Beschlüsse“
(beschlossen 1819 als Reaktion auf die Ermordung des konservativen
Schriftstellers August von Kotzebue durch den Burschenschafter Karl Ludwig Sand;
bis zur Revolution von 1848 in Kraft) verbieten die Burschenschaften, unterstellen die Universitäten einer ständigen polizeilichen Überwachung, führen die Zensur im gesamten Deutschen Bund ein, setzen eine „Zentraluntersuchungskommission“ in Mainz zur Ermittlung von „revolutionären Umtrieben“ ein und schaffen eine Exekutionsordnung, die es dem Bund erlaubt, militärisch in den Einzelstaaten zu
intervenieren, Einzelheiten vgl. hier.
Nach oben
Kartell
"Ein Kartell im Bereich der Wirtschaft ist eine Vereinbarung oder ein
Zusammenschluss selbstständig bleibender Unternehmen oder sonstiger
Marktakteure zur Beschränkung ihres Wettbewerbs. (...) Die getroffenen
Vereinbarungen zwischen den Partnern können sehr unterschiedlich sein: In Frage
kommen vielfältige Maßnahmen zur Ordnung und/oder zur Regelung des Marktes bis
hin zu seiner monopolistischen Beherrschung." [Wikipedia] Vgl. auch Trust. Nach oben
Katholizismus, politischer
Entwickelt sich im 19. Jahrhundert
als politische Gegenbewegung zu Liberalismus
und Sozialismus. In Deutschland organisierte er
sich v.a. in der Zentrumspartei, kurz "Zentrum".
Nach oben
Kirchenherr(schaft)
Wenn ein Grundherr
eine oder mehrere Kirchen besitzt und betreibt
(Eigenkirchenrecht; heute abgeschafft) ist er Kirchenherr. Grundherrschaft,
Leibherrschaft, Gerichtsherrschaft
und Kirchenherrschaft treten oft in Kombination miteinander auf.
Nach oben
Klasse
Gesellschaftliche Klassen unterscheiden sich nach Vermögen (Besitz) und
Bildung
Nach oben
Klassenkampf
nach Marx und Engels eine Auseinandersetzung zwischen sozialen Klassen mit
(angeblich oder wirklich) unvereinbaren Interessen. Marx und Engels sehen
beispielsweise zwischen Arbeitnehmern (so genannten "Proletariern") und
Arbeitgebern (so genannten "Kapitalisten") einen Klassenkampf, der in die
Diktatur des Proletariats und den
Aufbau des Sozialismus münden müsse. Der
Klassenkampf sei der Motor der Geschichte (vergleiche "marxistisches
Staatsverständnis").
Nach oben
Kleindeutsche Lösung
Ein deutscher Nationalstaat ohne Österreich,
in dem dann Preußen auf Grund seiner Größe und politischen und
militärischen Bedeutung vorherrscht. Gegensatz: großdeutsche
Lösung.
Nach oben
Klerus
(Ehemaliger) Erster Stand, katholische Geistliche (Priester).
Nach oben
Kollektivschuld
Eine Gruppe von Menschen, z.B. die
Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, werden für schuldig erklärt, z.B.
der nationalsozialistischen Verbrechen. Ob es eine Kollektivschuld
überhaupt geben kann oder nur individuelle Schuld, ist umstritten.
Nach oben
Kolonie
Gebiet, oft in Übersee, das von einer fremden Macht ("Mutterland")
dauerhaft besetzt und wirtschaftlich, kulturell und mit Hilfe einer Verwaltung
beherrscht wird. Das "Mutterland" hisst die eigene Flagge als Zeichen
des Besitzanspruchs. Siedlungskolonie: Die Kolonie wird vom
"Mutterland" besiedelt.
Nach oben
Kolonialismus
Politik, die auf die Bildung von Kolonien zielt. Kolonien werden von einem
sogenannten Mutterland militärisch besetzt und verwaltet. Der
Kultureinfluss des Mutterlandes verändert die Kultur in den Kolonien.
Wirtschaftliche Ausbeutung. Ansiedlung von Kolonisten (Beseitigung von
Arbeitslosigkeit!).
Manche Kolonien sind nur Handelsstützpunkte unter der Flagge des
Mutterlandes.
Kolonialismus ist eine Form des Imperialismus.
Nach oben
Komintern
Kommunistische Internationale; Zusammenschluss aller
kommunistischen Parteien (KPs) nach dem Ersten Weltkrieg 1919 mit Sitz in
Moskau. Die KPs waren faktisch Befehlsempfänger der KPdSU (Kommunistischen
Partei der Sowjetunion), die auf diese Weise ein Instrument ihrer Außenpolitik
in der Hand hielt. 1943 löste Stalin die Komintern wegen seiner Zusammenarbeit
mit den Westmächten im Zweiten Weltkrieg gegen Hitler (Anti-Hitler-Koalition)
auf.
Nach oben
Kommunismus
Revolutionäre Spielart des Sozialismus, geht zurück
auf Karl Marx und Friedrich Engels bzw. deren Vorläufer. Vergleiche
revolutionäre Richtung des Sozialismus.
Nach oben
Konkordat
Ein Vertrag zwischen einem Staat und dem Vatikan, lat. concordia = Eintracht,
Übereinkunft
Nach oben
Konservatismus
Conservare = lat. bewahren. Der Konservatismus betrachtet den Staat als
etwas Individuelles, organisch Gewachsenes, das nicht nach einem (z.B. liberalen) Schema verändert werden darf. Reformen ja, aber langsam und
ohne Bruch mit den konservativen Grundsätzen und Werten; es geht bei
konservativen Reformen mehr um eine Neuinterpretation der Grundsätze und um
eine Anpassung des Überkommenen an neue Verhältnisse. Familie, Religion, Tradition, Herkommen,
Brauch, Heimat sind wichtige Werte. Im 19.Jh. gegen Aufklärung, Rationalismus,
Liberalismus.
In der ersten Hälfte des 19. Jhs.
Orientierung am Absolutismus, aber mit Zugeständnissen an
modernere Zeiten.
Im 20. Jh. Anpassung an die Verhältnisse, z.B.
Republik, allgemeines
Wahlrecht, Sozialstaat,
bei Betonung der oben genannten Werte.
Nach oben
Konstitutionelle
Monarchie
Es herrscht Gewaltenteilung. Der Herrscher ist als Haupt der Exekutive
Regierungschef. Die Legislative wird durch ein Parlament gebildet.
Zensuswahlrecht. Volkssouveränität statt Gottesgnadentum.
Nach oben
Konventionelle Waffen:
Herkömmliche Waffen, im Gegensatz zu atomaren, biologischen und chememischen
Waffen
Nach oben
KSZE:
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa:
Sicherheitsforum westlicher und östlicher Staaten zur Beförderung des Friedens
in Europa in den 1970er Jahren. 1975 Verabschiedung der Schlussakte von
Helsinki.
Nach oben
L
Laizismus
Trennung von Religion und Staat
Nach oben
Legalität
Gesetzmäßigkeit, nicht zu verwechseln mit Legitimität.
Nach oben
Lehenswesen
Mittelalterliche
Herrscher verleihen Rechte, Felder, Wiesen, landwirtschaftliche Gebäude
samt dazugehörigen Menschen an ihre Gefolgsleute, die sogenannten
Vasallen. Diese leisten im Gegenzug einen Treueid, Kriegsdienst und
unterschiedliche Verwaltungsaufgaben. Hintergrund ist die Tatsache, dass
die früh- und zum Teil die hochmittelalterliche Wirtschaft im Vergleich
zum Römischen Reich kaum Geld kennt ("Naturalwirtschaft"). So
muss man Dienstleistungen mit dem entlohnen, was man hat: eben mit Land,
Leuten, usw., siehe oben. Der für die antiken Staaten typische, mit Geld
entlohnte Beamte verschwindet zunächst.
Vasallen können vom
Lehensherrn verliehene Lehen weiterverleihen. So entsteht eine sogenannte
"Lehenspyramide".
Nach oben
Legislative
Gesetzgebende Gewalt, in demokratischen
Ländern heute ausgeübt durch vom Volk gewählte Vertreter. Die Gesetze werden in
einem Parlament, z.B. dem Deutschen Bundestag, beschlossen. In demokratischen
Staaten dürfen sie den Grundrechten nicht
widersprechen. Lex (lat. = das Gesetz; im Genitiv: legis)
Nach oben
Legitimität
Rechtmäßigkeit von Herrschaft, nicht zu
verwechseln mit Legalität. Die monarchische
Legalität beruht, sofern es keine Verfassung mit Volkssouveränität
gibt (zum größeren Teil bis ins 19. Jahrhundert), auf dem Gottesgnadentum.
Außerdem durften nur bestimmte Familien den Herrscher stellen, z.B. die
Bourbonen den französischen König.
Nach oben
Leibeigenschaft, Leibeigene
Leibeigene sind im System der Grundherrschaft in besonderer Weise Abhängige. Im Falle der Leibeigenschaft sind die
Dienste (Fronen) und Abgaben normalerweise höher als bei freien Bauern, der/die Leibeigene ist
an den Boden gebunden und muss z.B. bei Heirat um die Erlaubnis des
Herrn nachsuchen. Wenn Leibeigene existieren oder wenn jemand leibeigen
ist, spricht man von Leibeigenschaft.
Nach oben
Leibherr(schaft)
Besitzt ein Grundherr
Leibeigene, ist er Leibherr. Man spricht von
Leibherrschaft. Grundherrschaft, Leibherrschaft, Gerichtsherrschaft
und Kirchenherrschaft treten oft in Kombination
miteinander auf.
Nach oben
Leitkultur
Der Begriff "Leitkultur" wurde eingeführt, um einen gesellschaftlichen Wertekonsens zu beschreiben und um im Zeitalter der Globalisierung die Forderung nach einer Integration von Einwanderern zu unterstreichen. Wer die
Nation als identitätsstiftende Einheit bewahren will, braucht eine Leitkultur.
Multikulturalismus dagegen führt zum Zerfall der Nation und damit des
Nationalstaats.
Bassam Tibi, der den Begriff in die deutsche politische Diskussion eingeführt hat, fordert für die
europäische Leitkultur folgende Wertvorstellungen: „Die Werte für die erwünschte Leitkultur müssen der kulturellen Moderne entspringen, und sie heißen:
Demokratie, Laizismus, Aufklärung,
Menschenrechte und Zivilgesellschaft.”
Ob das auch für die Beschreibung einer deutschen, aber auch einer europäischen
Leitkultur reicht, ist fraglich. Wichtig die für ein identitätsstiftendes
Nationalbewusstsein sind Sprache, Geschichte und Kultur.
Nach oben
Liberalismus
Politische Strömung in der Tradition der gemäßigten Phase der Frz.
Revolution. Der Liberalismus ruft nach einer Verfassung.
"Freiheit". Im 19.Jh. Ruf nach der Konstitutionellen
Monarchie.
Im 19. Jh. unterstützt vom besitzenden und gebildeten Bürgertum.
Die Linksliberalen der ersten Häfte des 19. Jahrhunderts heißen Demokraten
von 1848 und unterscheiden sich von den Liberalen im engeren Sinn
(Rechtsliberale).
Im 20. Jh. Anpassung an die Verhältnisse, z.B.
Republik, allgemeines
Wahlrecht, sogar in gewissem Maße Sozialstaat, aber Betonung der
Menschen- bzw. Grundrechte und des
Rechtsstaats.
Nach oben
Linke
Die Linke: Bezeichnung für Anhänger der Sozialisten (Sozialismus).
Der Ausdruck kommt von der Sitzordnung der Parteien im Parlament (vom
Parlamentspräsidenten aus gesehen). Vgl. auch "Mitte" und "Rechte".
Nach oben
Loyalität, loyal
Treue gegenüber jemandem
Nach oben
M
Marschall
Das Marschallamt war eines der Hofämter. Der Marschall (Althochdeutsch marah = „Pferd, Mähre“ und scalc
= „Knecht, Diener“) beaufsichtigte ursprünglich den Pferdestall (Marstall) des Fürsten, stieg dann mit der Entstehung der Reiterheere zum Oberbefehlshaber der Reitertruppen auf. Später bezeichnete der Titel allgemein einen hochrangigen Heerführer.
Nach oben
Marxistisches
Staatsverständnis
Der Marxismus sieht den Staat als
Instrument einer herrschenden Klasse zur Ausbeutung und Unterdrückung der
anderen Klassen. Das gilt nicht nur für die Staaten des 19. Jahrhunderts,
sondern auch für die Parlamentarische Demokratie des 20. Jahrhunderts.
Diese wird trotz des allgemeinen Wahlrechts von den Marxisten als eine
Form der Herrschaft der Bourgeoisie ("Monopolbougeoisie") gewertet, da der
"Kapitalismus" erhalten bleibe.
Auch die Diktatur des Proletariats wird als Unterdrückungsinstrument
verstanden, aber auf Zeit ("Absterben des Staates").
Nach oben
Massive Vergeltung:
Militärisches Konzept der NATO, das androht, schon bei kleinen Übergriffen
gegebenenfalls auf höchster atomarer Ebene zu antworten. Das Konzept war nur
glaubhaft, solange die Sowjetunion nicht im Stande war, die USA mit
strategischen Waffen ernsthaft zu treffen. Als diese Voraussetzung nicht mehr
bestand, wurde es durch die "flexible response" (siehe oben)
abgelöst.
Nach oben
Menschenrechte
Die angeborenen unveräußerlichen
Rechte jedes Menschen. Menschenrechte stehen über den Rechten des Staates
oder einzelner
religiöser oder
anderer Gruppen. Beispiele für Menschenrechte sind:
- Recht auf Leben, Unversehrtheit
und Sicherheit
- Recht auf (Meinungs-, Glaubens-,
Gewissens-)Freiheit
- Eigentum
- Verbot rassistischer,
geschlechtlicher, religiöser, politischer und sonstiger Diskriminierung
und Verfolgung
- Recht auf Widerstand gegen
Unterdrückung
- Freizügigkeit
- Versammlungsfreiheit
Vereinigungs- und Koalitionsfreiheit (d.h. auch Streikrecht)
- Wahlrecht
- Recht auf Erwerbsmöglichkeit und
gerechten Lohn (wird nicht immer dazu gerechnet)
- Recht auf Bildung
In Rechtsform, also als Bestandteile
von Verfassungen, heißen Menschenrechte "Grundrechte". Kein nachgeordnetes
Recht darf gegen sie verstoßen. Sie sind unmittelbar
geltendes Recht.
Nur der säkulare (weltliche) Staat vermag die in der Verfassung verankerten
Menschenrechte
zu schützen. Eine
Trennung von Staat und Religion muss dabei vorhanden sein. Menschenrechte sind
universal.
Nach oben
Merkantilismus
Wirtschaftssystem aus der Zeit des Absolutismus mit dem Ziel erhöhter
Staatseinnahmen für Hof und Armee.
Merkmale und Grundsätze:
Einfuhr
billiger Rohstoffe aus Kolonien mit eigenen Schiffen; Export von
Fertigwaren;
Rohstoffe sollen nicht exportiert, sondern im eigenen Land
verarbeitet werden; Herstellung von Fertigwaren in Manufakturen; Zollmauer gegen
Einfuhr von Fertigwaren; aktive Handelsbilanz; einheitlicher Binnenmarkt;
Ausbau der Infrastruktur (Straßen, Kanäle); Eingreifen des Staates in die Wirtschaft. Staat tritt auch als Unternehmer
auf. Die Landwirtschaft erfuhr
keine Dynamisierung.
Nach oben
Miliz
Siehe Bürgerwehr
Nach oben
Militarismus
Wenn das Militär bzw. militärische Formen Denken und Alltag bestimmen,
spricht man von Militarismus. Der Militarismus neigt zu aggressiver Außenpolitik.
Nach oben
Millet
Eine "Millet" im Osmanischen Reich war eine christliche oder jüdische Religionsgemeinschaft mit Minderheitenstatus.
Juden und Christen galten als Schutzbefohlene (dhimmi) gemäß Koran Sure
9, Vers 29, weil sie die islamische Herrschaft anerkannten, aber Waffen
durften sie nicht tragen. Das hieß praktisch: Angehörige einer Millet mussten nicht an den Kriegen teilnehmen, was
ihnen die Ausübung von Handel und Gewerbe im Unterschied zu den Muslimen, die ständig für Kriege bereit stehen mussten, erleichterte. Als Gegenleistung für die Befreiung vom Militärdienst mussten Millet- Angehörige eine Kopfsteuer
(Cizye) bezahlen.
Die Millet besaßen das Recht auf Selbstverwaltung und Rechtsprechung
unter die Leitung religiöser Oberhäupter. Sie durften ihre Religion frei ausüben, aber
wirksamer Rechtsschutz für ihr Eigentum existierte ebenso wenig wie für die Muslime selbst. Der Boden gehörte formal dem Staat.
Nach oben
Mitte
"Die Mitte" bzw. "Parteien der Mitte": Politischer Ausdruck für Parteien, die
vom Parlamentspräsidenten aus gesehen in der Mitte saßen, z.B. bürgerliche
Liberale. Auch gleichbedeutend mit "gemäßigte Parteien". Vergleiche "Linke"
und "Rechte"
Nach oben
Mittelstreckenraketen:
Raketen mittlerer Reichweite bis ca. 2.200 km, z.B. die sowjetische SS 20.
Nach oben
Monarchie
Staat mit einem Herrscher (Fürst, König, Kaiser, usw.) an der Spitze
Nach oben
Monarchisches Prinzip
Nach diesem Prinzip
gibt es weder Gewaltenteilung noch Volkssouveränität, sondern alle Gewalt
liegt
in der Hand des Monarchen (Absolutismus).
Dieser kann eine
Verfassung
im Sinne
einer Einschränkung seiner Gewalten gewähren, aber er herrscht damit nicht im
Namen des Volkes und einer Verfassung.
Nach oben
Monopol
Unternehmen, das den ganzen Markt einer Branche beherrscht. In der marxistischen
Begrifflichkeit oft anderer Begriff für Großkonzern.
Nach oben
Mudschaheddin:
Islamischer (bewaffneter) Kämpfer
Nach oben
Multikulturalismus:
Der Multikulturalismus möchte ein friedliches Nebeneinander der
als gleichwertig und gleichrangig verstandenen Kulturen innerhalb eines
Staates auf der Grundlage von Gleichheit und gegenseitiger Achtung. Er
geht davon aus, dass völlig unterschiedliche Kulturen in ein und demselben Gemeinwesen friedlich zusammen leben können, ohne dass sie über eine gemeinsame und verbindliche ethische und politische Grundlage verfügen.
Er
tritt für Sonderrechte von Gruppen innerhalb der Gesellschaft ein
(affirmative action) und fördert das Sonderbewusstsein von Gruppen. Das
entsprechende Bild ist das der Salatplatte. Jede Salatsorte symbolisiert
eine Kultur, jede Salatsorte liegt neben der anderen und ist
gleichwertig mit der anderen.
Im Zeitalter der Globalisierung bewirkt
aber die
Immigration fremder Kulturen, wenn sie zu umfangreich wird, eine Gefährdung der Einheit der aufnehmenden
Nationen, da die Tendenz besteht, Parallelgesellschaften zu bilden. Der
Multikulturalismus fördert diese gesellschaftliche Desintegration. Wer diese verhindern will, muss deshalb die Kultur der aufnehmenden Gesellschaft zur
Leitkultur erheben, denn eine Nation braucht aus Gründen des inneren Zusammenhalts
eine möglichst umfangreiche gemeinsame Identität.
Das der Nation mit Leitkultur zugrunde liegende Bild lässt sich mit einer Tomatensuppe vergleichen: Die Tomatensuppe symbolisiert die einheimische Kultur, die anderen Kulturen sind die Petersilie, die Sahne, die Sellerie oder andere Zutaten. Mehr als Zutaten sind es nicht. Die Zuwanderer passen sich
grundsätzlich an die Wirtsgesellschaft an, nicht umgekehrt.
Vgl. das Stichwort Nationalismus.
Nach oben
Mundschenk
Der Mundschenk, auch Kellerer, lat.: cellarius genannt, war im Mittelalter ein Hofbediensteter, der für die Versorgung mit Getränken – vor allem mit Wein – zuständig war, seit karolingischer Zeit auch für die Verwaltung der königlichen Weingärten. ER besaß beim Herrscher eine Vertrauensstellung.
Nach oben
N
Napalm:
Brandwaffe, erstmals im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Im Vietnamkrieg häufig
eingesetzt.
Nach oben
Nationalismus
Eine Nation ist eine Gruppe mit gemeinsamer nationaler
Identität. Das traditionelle Verständnis dieser Identität in Deutschland beruht auf gemeinsamer Geschichte, Kultur und Sprache. In der französischen Tradition beruht die nationale Identität stärker auf den
liberalen Errungenschaften der Französischen Revolution.
Prinzipiell ist eine Bevölkerung von einer Nation zu unterscheiden, eine Bevölkerung bezeichnet nur eine Vielheit von Personen ohne gemeinsame Identität.
Der Nationalismus erhebt den Ruf nach dem Nationalstaat, eine Bevölkerung dagegen braucht keinen Nationalstaat, sondern nur ein Territorium.
Ausprägungen
Der Nationalismus hat im Laufe der Zeit viele Ausprägungen erfahren, auch undemokratische, insbesondere wenn er wie im
Nationalsozialismus rassisch begründet wird und sich aggressiv gegen
andere richtet. Bei den Nationalsozialisten gründete die Zugehörigkeit zur deutschen Nation auf der
biologischen Zugehörigkeit zu der angeblich überlegenen sogenannten arischen Rasse. Die
Nation als Volksgemeinschaft in der Form eines einheitlichen, militärisch
organisierten Blocks unter einem Führer im Sinne einer Kampfgemeinschaft
ließ keinen Raum für Vielfalt, freie Meinungsäußerung und Demokratie.
Es handelte sich um einen extremistischen Nationalismus.
In der Form eines demokratischen Patriotismus ist der Nationalismus jedoch für den
Nationalstaat und als Kitt für eine Gesellschaft unentbehrlich. Er beeinträchtigt die kultivierte Austragung von Interessengegensätzen im Rahmen demokratischer Verfahren nicht und ist nach außen
offen, ohne andere Nationen in ihren Leistungen herabzusetzen.
Die Schwäche oder das Fehlen einer nationalen Identität führt unter den
Bedingungen von Masseneinwanderung zu gesellschaftlicher Desintegration im
Rahmen des Multikulturalismus.
Vor dem
Hintergrund dieser Entwicklung
wird heute gerne das Konzept eines Verfassungspatriotismus
betont, um gegenüber der gesellschaftlichen Desintegration in
verschiedene Parallelgesellschaften im Zuge des Multikulturalismus
wenigstens noch ein Minimum an Gemeinschaftsbewusstsein (gemeinsamer
Identität) zu erhalten. Danach gilt das
Bekenntnis zur Verfassung und allenfalls noch die Kenntnis der Sprache
als ausreichend für die Mitgliedschaft in der Nation. Kritiker wenden
ein, das sei zuwenig.
Nach oben
Nationalstaat
Staat auf der Grundlage der Nation. Er umfasst im Idealfall alle
Mitglieder einer Nation und vertritt deren Interessen. Er ist eine Folge
der Erfahrung der Schwäche und Zersplitterung im Zeitalter Napoleons, in dem
Frankreich seine Interessen auf Kosten anderer durchsetzte. Nationale Schwäche
bedeutete, dass andere über das eigene politische Schicksal bestimmten, und zwar in deren Interesse, nicht im Interesse der eigenen Nation.
In der logischen Folge führte der Nationalismus im 19. Jahrhundert zu einer Umwälzung der
Landkarte. Er richtete sich gegen eine Vielzahl kleiner Staaten, z.B. in Deutschland und Italien, ebenso gegen
Vielvölkerstaaten
wie das habsburgische Österreich, das Osmanische Reich und das zaristische Russland. Im Zeitalter des Nationalstaats, wie das 19. Jahrhundert auch genannt werden kann, gehen die multiethnischen bzw. multikulturellen Vielvölkerstaaten unter bis auf Russland, das im 20. Jahrhundert nur durch den brutalen Zwang einer kommunistischen
Diktatur zusammengehalten werden kann. Künstlich geschaffene multiethnische
oder multikulturelle Vielvölkerstaaten des 20. Jahrhunderts in Europa wie Jugoslawien oder die Tschechoslowakei scheiterten nach dem Zusammenbruch des Kommunismus noch in den 1990er Jahren.
Inwieweit eine Nation bzw. ein Nationalstaat sich demokratisch organisieren,
bleibt im 19. und 20. Jahrhundert eine umkämpfte Frage.
Nach oben
Nationalversammlung
Versammlung von gewählten Volksvertretern zur Ausarbeitung eines Verfassung.
Nach oben
NATO:
North Atlantic Treaty Organisation = Nordatlantische
Vertragsorganisation (Nordatlantikpakt). Westliches Militär-
bzw. Verteidigungsbündnis, das nach
dem Untergang der SU eine Erweiterung und Wandlung durchmacht.
Nach oben
NATO-Doppelbeschluss:
Beschluss der NATO aus dem Jahre 1979: entweder sowjetische Abrüstung der SS 20
Mittelstreckenraketen oder westliche Nachrüstung mit eigenen
Mittelstreckenwaffen (Pershing 2 und Cruise Missiles). Die Nachrüstung erfolgte
tatsächlich, 1987 aber INF-Vertrag.
Nach oben
O
Obrigkeitsstaat
Bezeichnung für einen autoritären,
hierarchisch geordneten Staat, in dem die
Bürokratie einem unmündig gehaltenen Bürger gegenüber steht. Z.B.
abwertend für das deutsche Kaiserreich verwendet.
Nach oben
Offizierskorps
= die Gesamtheit aller Offiziere der
Streitkräfte.
Nach oben
OHL
Obertse Heeresleitung: Im Ersten Weltkrieg
Oberkommando der deutschen Streitkräfte, das dem Kaiser direkt unterstand.
1916 wird Paul von Hindenburg zusammen mit Erich Ludendorff Chef der OHL,
die in der Folge die wesentlichen Entscheidungen über Kriegführung und
Kriegsziele fällte und auch politisch immer mächtiger wurde (Sturz des
Reichskanzlers Bethmann Hollweg 1917).
Nach oben
Opposition
Diejenigen Fraktionen im Parlament, die nicht zur
Regierungskoalition gehören und der Politik der Regierung eigene
Vorstellungen und Programme entgegenstellen.
Nach oben
OSZE:
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa: Fortsetzung und
Verstetigung der KSZE, s.o.
Nach oben
P
Paramilitärisch
halbmilitärisch bzw. dem Militär ähnlich
Nach oben
Pariser Vorortverträge
Der Versailler Vertrag (Friedensvertrag mit Deutschland), der Vertrag von Saint-
Germain- en- Laye (Friedensvertrag mit Österreich), der Vertrag von Trianon
(Friedensvertrag mit Ungarn), der Vertrag von Neuilly- sur- Seine
(Friedensvertrag mit Bulgarien) und der Vertrag von Sèvres (Friedensvertrag mit
dem Osmanischen Reich). Alle Friedensverträge wurden nach dem Ende des Ersten
Weltkrieges in Vororten von Paris geschlossen.
Nach oben
Parlament
Nach Zensuswahlrecht oder
allgemeinem Wahlrecht gewählte
Volksvertretung, z.B. der Deutsche Bundestag oder der Landtag von
Baden-Württemberg. Parlamente beschließen allein oder mit anderen
Verfassungsorganen die Gesetze, gehören also zu Legislative (siehe
Gewaltenteilung).
Nach oben
Parlamentarische Demokratie
Politisches System mit Grundrechten, Gewaltenteilung und allgemeinem, gleichem und geheimem
Wahlrecht. Das Parlament als Organ der Gesetzgebung ist entscheidend. Der
Staatsform nach kann es sich um eine Parlamentarische Republik oder um
eine Parlamentarische Monarchie
(Monarchie)
handeln. Es gibt
Pluralismus und eine Opposition
mit Minderheitenschutz. Vgl.
Demokratie
Nach oben
Parlamentarische
Monarchie
Form der Monarchie.
Der Herrscher übernimmt nur noch Repräsentationsaufgaben. Chef der
Regierung ist z.B. ein Kanzler oder Premierminister.
Allgemeines, gleiches
und geheimes Wahlrecht.
Nach oben
Parlamentarismus
Ein Regierungssystem, bei dem dem Parlament die
zentrale Rolle zukommt, vgl.
Parlamentarische Demokratie.
Nach oben
Partei
Organisation politisch gleich
gesinnter Menschen, die bestimmte wirtschaftliche, gesellschaftliche und
politische Ziele verfolgen. Diese sind oft in Parteiprogrammen festgelegt.
Parteien wollen Regierungen stellen, allein oder mit anderen. Man
unterscheidet beispielsweise Klassenparteien, die die Interessen einer
bestimmten Klasse (z.B. der Arbeiter) verfolgen, moderne Volksparteien,
die eine möglichst große Wählerschaft aus möglichst allen Klassen und
Schichten der Gesellschaft zu gewinnen versuchen, und andere ,
z.B. konfessionelle Parteien (z.B. katholische
Zentrumspartei, ...).
Nach oben
Partisan(enkrieg)
Widerstandskämpfer in einem besetzten Gebiet, der aber kein regulärer
Soldat ist, für deshalb auch nicht der Schutz der Haager
Landkriegsordnung nur sehr eingeschränkt gilt. Ein Partisan wird im Fall
der Gefangennahme nicht als regulärer Gefangener behandelt. Andere
Bezeichnungen sind: Freischärler, Untergrundkämpfer,
Guerillero. Partisanenkriege wurden in der europäischen
Kriegsgeschichte v. a. in Russland gegen Napoleon und Hitler, in
Jugoslawien ebenfalls gegen Hitler geführt. Starke Partisanentätigkeit
im Zweiten Weltkrieg gab es auch in Frankreich (résistance) und Italien (resistenza)
und in Griechenland.
Nach oben
Perestroika
Russ. = "Umbau". Schlagwort für die Politik des Umbaus in der
Sowjetunion. Gorbatschow wollte den Sozialismus erhalten, aber nicht in
stalinistischer Form. Er wollte mehr Transparenz (Glasnost) und Effizienz, mehr
Produktivität und Eigenverantwortung.
Nach oben
Personalunion
Gemeint ist hier, dass ein Herrscher gleichzeitig an der Spitze mehrer
Staaten stehen kann, wobei diese aber staatsrechtlich selbstständig
bleiben. Das Gegenteil ist die Realunion.
Nach oben
Pluralismus
liegt vor, wenn in einem
politischen System unterschiedliche politische Interessen, Gruppierungen,
Parteien, Meinungen mit einander legal konkurrieren. Plural = Mehrzahl.
Adjektiv: pluralistisch.
Nach oben
Politik der Stärke
Politik der Aufrüstung und des kalkulierten Zwanges mit dem Ziel, den
Zusammenbruch der kommunistischen Staaten herbeizuführen, aber ohne Krieg.
Nach oben
Präsidialkabinette
Als nach dem
Auseinanderbrechen der Regierung Müller im März 1930 und den
Septemberwahlen 1930 im Reichstag keine Mehrheiten mehr für eine
Regierungsbildung zustande kamen und auch Einigung über wichtige Gesetze
kaum herzustellen war, setzte Reichspräsident Paul von Hindenburg
Reichskanzler ein, die mit den jeweiligen Regierungen, sogenannten Kabinetten, von
ihm abhängig waren und vom Reichstag toleriert, also geduldet wurden. Statt
mit vom Reichstag beschlossenen Gesetzen wurde mit vom Reichspräsidenten
erlassenen Notverordnungen nach Artikel 48 der Weimarer Verfassung
regiert, der Reichstag selbst trat immer seltener zusammen, was eine
enorme Steigerung der Macht der Exekutive bedeutete (vgl.
Gewaltenteilung).
Nach oben
Privilegien
Vorrechte, im Rahmen der Ständeordnung z.B. häufig Steuerfreiheit,
gesonderte Gerichtsbarkeit, usw.
Nach oben
Proklamation
Ausrufung, Bekanntmachung, Verkündigung, z.B. Proklamation des
Kaiserreichs im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles.
Nach oben
Proletariat
proles = lat. Nachkommenschaft. Bei den Römern die armen Leute, deren
Vermögen nicht ausreichte, den Mindeststeuersatz zu zahlen. Bei Marx und
Engels Bezeichnung für die Arbeiterschaft.
Nach oben
Protektionismus
Staat schützt die einheimische Wirtschaft durch Zollmauern wie im
Merkantilismus oder durch Währungsmaßnahmen.
Nach oben
Puddelverfahren
Verfahren zur Stahlherstellung,
1784 in Großbritannien erfunden.
Nach oben
Putsch:
Unrechtmäßiger, meist gewaltsamer Umsturz zur Übernahme der Regierungsgewalt durch eine
Minderheit, oft das Militär.
Nach oben
R
Radikalismus, radikal
Vgl. "Extremismus".
Nach oben
Rassismus
Theorien bzw. Einstellungen, die kulturelle Fähigkeiten und historische
Entwicklungen auf biologische Ursachen zurückführen und im Zusammenhang
damit die Unter- oder Überlegenheit von menschlichen Rassen behaupten.
Das führt in der Praxis zu Herabsetzung und rechtlicher
Minderstellung von ganzen gesellschaftlichen Gruppen und zu rassischer
Verfolgung, die bis zum Völkermord gehen kann.
Bekanntestes Beispiel für
eine rassistische Theorie ist der Antisemitismus.
In der NS-Ideologie wurden auch die Slawen als angeblich "rassisch
minderwertig" zu sogenannten "Untermenschen" erklärt. Aber auch bei der Behandlung farbiger Völker im Zusammenhang mit Imperialismus
und Kolonialismus spielt der Rassismus eine
zentrale Rolle, ebenso in den USA gegenüber den Afroamerikanern
(Sklaverei, dann Segregation bis zur Bürgerrechtsbewegung, mit nachlassender
Tendenz bis heute) und im Apartheidsystem (System der Rassentrennung)
Südafrikas.
Sogenannte "erweiterte" Rassismusbegriffe, die Rassismus mit der Diskriminierung
von Gruppen gleichsetzen, also soziologisch statt biologisch definieren, machen
den Rassismusvorwurf zum politischen Totschlag- Argument gegen jedweden
politischen Gegner. Mit einem solchen Rassismusbegriff werden Kommunisten und
Sozialisten jedweder Richtung zu Rassisten, weil sie die "Kapitalisten" als
"Klassenfeinde" bekämpfen, Männer werden zu Rassisten, wenn sie wegen des
Leistungsprinzip Frauenquoten ablehnen, Frauen und Männer werden zu
Rassisten, wenn sie Quoten für Minderheiten ablehnen, usw., usf. Der
"erweiterte" Rassismusbbegriff stammt aus den Niederungen politischer
Schlammschlachten im Interesse politischer Interessengruppen und taugt für
wissenschaftliche Untersuchungen nicht.
Nach oben
Räte
Siehe Sowjets
Nach oben
Räterepublik
Siehe Diktatur des Proletariats
Nach oben
Realunion
Gemeint ist , dass ein Herrscher mehrere ehemals selbstständige Staaten
nun unter seiner Krone staatsrechtlich zusammenfasst. Gegenteil ist die Personalunion.
Nach oben
Rechte
"Die Rechte" oder "Parteien der Rechten": Konservative, auch rechtsextreme
Parteien. Der Ausdruck kommt von der
Sitzordnung der Parteien im Parlament (vom Parlamentspräsidenten aus gesehen).
Vgl. "Linke" und "Mitte".
Nach oben
Rechtsstaat
Es gelten die Grund- und Menschenrechte. Die Rechte des Bürgers werden gegen
Übergriffe des Staates im Rahmen einer Verfassung
geschützt.
Nach oben
Reformerische
Richtung des Sozialismus
Die
reformerische
Richtung des Sozialismus besteht auf Reformen im Rahmen des
bestehenden Staates. Um diese zu erreichen, fordert sie das
allgemeine
Wahlrecht und versucht mit Hilfe von Arbeiterparteien Einfluss auf die
Gesetzgebung zu nehmen. Dabei geht es z.B. um Sozialversicherungsgesetze,
usw. Das Ziel ist ein Sozialstaat. Ein wichtiger Begründer der
reformerischen Richtung in Deutschland ist Ferdinand Lassalle.
Nach oben
Reichswehr
Die Streitkräfte der Weimarer Republik, im
Nationalsozialismus umgewandelt in die "Wehrmacht".
Nach oben
Reparationen
Kriegsentschädigungen. Das Wort leitet sich ab von lat. reparare = wieder
herstellen, reparieren. Im Versailler Vertrag wurden Deutschland Reparationen
auferlegt, die mit Deutschlands im Vertrag festgeschriebener Kriegsschuld
begründet wurden. Sie waren ein Zentralproblem der Außenpolitik der Weimarer
Republik. Auch die anderen Verlierer des Ersten Weltkrieges bezahlten
Reparationen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zahlte Deutschland wiederum Reparationen, zuerst aus
den Besatzungszonen, dann bezahlten BRD und DDR bis 1954.
Nach oben
Republik
Staat ohne Herrscher an der Spitze. Staatsoberhaupt ist normalerweise ein
Präsident; Gegenbegriff zu Monarchie
Nach oben
Restauration
Wiederherstellung eines früheren Zustandes in identischer oder
abgewandelter Form. Auch Bezeichnung für die Epoche zwischen dem Wiener
Kongress 1815 und der Revolution von 1830, in der die Monarchen mit Hilfe
des "Systems Metternich" ihre
alte Herrschaft, die durch die Französische Revolution und Napoleon
gefährdet waren, wieder aufrichteten. Siehe auch "Heilige
Allianz".
Nach oben
Revolutionäre
Richtung des Sozialismus
Die revolutionäre
Richtung des Sozialismus sieht im Staat ein Mittel der herrschenden
Klasse(n) zur Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeiter. Der Staat sei
nicht reformbereit bzw. -fähig. Hintergrund sind die
konstitutionellen
Monarchien mit ihrem Zensuswahlrecht.
Nur eine sozialistische Revolution
mit dem Ziel, die Macht im Staat zu ergreifen,
eine Diktatur des
Proletariats (=der Arbeiterschaft) zu errichten und die kapitalistischen
"Ausbeuter" zu enteignen, könne den Arbeitern Freiheit und
Wohlstand bringen. Die Klassen würden nach einiger Zeit absterben, statt
eines Staates gebe es dann nur noch eine Selbstverwaltung aller Bürger
und allgemeines Wohlergehen.
Nach oben
Risorgimento
Italienisches Einigungsbestreben im 19. Jh., das zur Gründung des
italienischen Nationalstaats durch eine Reihe von kriegen analog zur
deutschen Einigung führt, vgl. Irredenta.
Nach oben
Roll back:
Politik des "Zurückrollens" des kommunistischen Gebietes, praktiziert
während des Koreakriegs.
Nach oben
Rüstungsbegrenzung:
Begrenzung der Rüstung nach oben, aber keine Abrüstung (siehe oben)
Nach oben
S
SALT:
Strategic Arms Limitation Talks = Gespräche über
die Begrenzung strategischer Waffen. Zwischen 1969 und 1979 zwischen der
Sowjetunion und USA geführte Abrüstungsverhandlungen. SALT 1 (1972)
begrenzte die Anzahl der strategischen Waffen, SALT 2 (1979) legte die
Verminderung des gesamten strategischen Potenzials fest, wurde aber von den USA
wegen des sowjetischen Einmarschs in Afghanistan nicht ratifiziert. Beide
Großmächte hielten sich aber daran.
Nach oben
SEATO:
South East Asian Treaty Organisation = Gegenstück zur NATO in Südostasien 1954
- 1975
Nach oben
Separatismus
von lat. separare = trennen. Bestrebung, Teile eines Staatsgebiets aus
diesem zu lösen.
Nach oben
SLBM:
Sea Launched Ballistic Missile = Seegestützte (Interkontinental)rakete,
also eine Rakete, die von einem U-Boot aus verschossen wird; im Gegensatz zu
einer landgestützten Rakete, die aus einem Bunker oder von einer beweglichen
Lafette aus verschossen wird.
Nach oben
Soldatenräte
Siehe Sowjets
Nach oben
Solidarität
Zusammengehörigkeitsgefühl auf der Grundlage einer gemeinsamen Gesinnung, die
zu gemeinsamem Handeln im gemeinsamen Interesse führt.
Nach oben
Sowjetisierung
Die Einflussnahme dert Sowjetunion auf die Gestaltung der Staaten in ihrem
Einflussgebiet in Osteuropa nach dem II. Weltkrieg
("Satellitenstaaten"). Diese Staaten sollten nach sowjetischem Vorbild
umgestaltet werden. Dieser Prozess konnte langsam und zunächst nicht
vollständig oder rasch und vollständig geschehen.
("Vollsowjetisierung" =
vollständige Sowjetisierung)
Nach oben
Sowjetrepublik
Siehe Diktatur des Proletariats
Nach oben
Sowjets
Der russische Begriff bedeutet "Räte". Gemeint sind Vertretungen von
Arbeitern ("Arbeitersowjet"), Bauern ("Bauernsowjet") und Soldaten
("Soldatensowjet"). Diese beschließen und vollziehen Gesetze, beanspruchen
also staatliche Gewalt.
Zusammensetzung und Stimmrecht sind oft willkürlich, vor allem auf unterer
Ebene. Die Sowjets verstehen sich als politische
Interessenvertretungsorgane der Arbeiter, Bauern und Soldaten.
Dementsprechend sind sie zusammengesetzt. Man findet dort weder sogenannte
"Kapitalisten" noch Großgrundbesitzer noch Geistliche (Im letzteren Falle
sind Ausnahmen selten). Sowjets verstehen sich deshalb oft als Organe der
Diktatur des Proletariats (Arbeiterschaft) und der (kleinen) Bauernschaft.
Im Unterschied zu einem parlamentarisch-demokratischen System besteht
weder Gewaltenteilung noch allgemeines, gleiches und geheimes Wahlrecht
noch Minderheitenschutz. Es kommt ja gerade darauf an, die besitzende(n)
und politisch einflussreiche(n) "herrschende(n) Klasse(n)" zu
unterdrücken, (vgl. das marxistische Staatsverständnis).
Sowjets sind also eine Organisationsform der
Diktatur des Proletariats.
Nach oben
Soziale
Frage
Die sogenannte "Soziale
Frage" gehört in den Bereich der frühen Industrialisierung.
Kennzeichen sind überlange
Arbeitszeiten von 14 - 16 Stunden, extrem niedrige Löhne, Kinderarbeit,
Frauenarbeit, katastrophale Wohnverhältnisse, Alkoholismus und
Krankheiten, keinerlei Versicherungsschutz gegen Unfall oder Krankheit,
keine gesetzliche Altersversicherung, kein Kündigungsschutz, keine
Gewerkschaften, Streikverbot usw.
Erst mit fortschreitender
Industrialisierung entsteht ein Sozialstaat
Nach oben
Sozialisieren
In das Eigentum der Gesellschaft überführen (= vergesellschaften,
verstaatlichen). Gegenteil von privatisieren, vgl. Sozialismus.
Nach oben
Sozialismus
Der Sozialismus entsteht im 19.
Jahrhundert als Reaktion auf die Soziale Frage.
Vorläufer in Deutschland waren die Demokraten von 1848.Der Sozialismus gliedert sich in
eine reformerische Richtung im Anschluss an Ferdinand Lassalle und in eine
revolutionäre Richtung im Anschluss an Karl Marx und Friedrich Engels.
Diese wiederum haben englische und französische Vorläufer.
Nach Marx und Engels ist er die
Gesellschaft, in der die Diktatur des
Proletariats herrsche, der Staat allmählich absterbe und sich der
Kommunismus als Endzustand der Gesellschaft (Jeder nach seinen
Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen, Selbstverwaltung des
Bürgers) entwickle (vergleiche "marxistisches
Staatsverständnis").
Alle Strömungen des Sozialismus treten im Interesse der
Arbeiterschaft auf und geben vor, in deren Interesse zu handeln. Die
unterschiedlichen Strömungen bringen unterschiedliche Arbeiterparteien
hervor, wenn sie nicht im Rahmen einer gemeinsamen Partei auftreten wie in
der SPD im Kaiserreich. In der Weimarer Republik zum Beispiel existiert
die SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) als Organisation des
reformerischen Flügels, die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) als
Organisation des revolutionären Flügels. Es handelte sich dabei in der
Weimarer Republik jeweils um Arbeiterparteien.
Das Symbol der Sozialisten ist die Rote Fahne.
Wie andere politische
Richtungen auch, so sieht sich auch der Sozialismus mit neuen
Verhältnissen konfrontiert, auf die er reagieren muss.
Mit der beginnenden Ablösung der Industrialisierung durch die moderne
Dienstleistungs- Wissens- und Informationsgesellschaft etwa seit den 1980er
Jahren verschwindet auch die klassische Industriearbeiterschaft als
überragend wichtige gesellschaftliche Klasse und wird zunehmend durch Roboter
einerseits und Ingenieure andererseits ersetzt. Damit kommt dem Sozialismus der
Gegenstand seiner politischen Bemühungen, nämlich der Industriearbeiter
klassischen Zuschnitts, abhanden. Er reagiert darauf mit der Ausweitung seines
Einsatzes auf alle denkbaren angeblich oder wirklich unterdrückten Gruppen
dieser Welt und im eigenen Land, was mit der schnellen Globalisierung
zusammenfällt.
Nach oben
Sozialistische bzw. proletarische Revolution
Bei Marx und Engels eine Arbeiterrevolution, die zur Errichtung der
Diktatur des Proletariats führen soll.
Nach oben
Sozialstaat
Ein Staat, in dem es ausgedehnte
soziale Sicherungssysteme wie Unfallschutzgesetze, Unfallversicherung,
gesetzliche Arbeitslosenversicherung, gesetzliche Rentenversicherung, usw.
gibt. In der Bundesrepublik Deutschland existiert z.B. ein ganzes
"Soziales Netz" von Versicherungen und Schutzbestimmungen.
Der Sozialstaat wurde historisch in
erster Linie durch den Kampf der Arbeiterparteien und Gewerkschaften
durchgesetzt, die wiederum auf die Industrialisierung und die
Soziale
Frage reagierten.
Nach oben
Spartakusaufstand
Auch "Spartacusaufstand". Spartacus war der Anführer eines nach
ihm benannten Sklavenaufstands im Alten Rom im 1.Jh. v.Chr. Der
"Spartakusbund" war eine Abspaltung von der SPD während des Ersten
Weltkriegs 1916, aus der sich im Dezember 1918 die KPD (Kommunistische
Partei Deutschlands) entwickelte. Im Januar 1919 führten die Spartakisten
in Berlin den Spartakusaufstand durch, der von Reichswehr und Freikorps in
Zusammenarbeit mit der SPD-geführten Regierung blutig niedergeschlagen
wurde. Die revolutionären Führer des Spartakusbundes, Rosa Luxemburg und
Wilhelm Liebknecht, wurden dabei ermordet.
Nach oben
Sprengkopf:
Die Sprengköpfe richten die Zerstörung an, nicht die Träger; vgl. Träger.
Nach oben
Staatenbund
Mehr oder weniger lockerer Zusammenschluss relativ selbständiger Staaten;
Bsp.: Kaiserreich 1871 - 1918.
Vgl. Bundesstaat und
Föderalismus
Nach oben
Staatsform
Z.B. Republik
oder Monarchie
Nach oben
Stand
In einen Stand wird man hineingeboren, z.B. wird man als Adliger oder als
Angehöriger des Dritten Standes geboren.
Nach oben
Ständeordnung
Im
Mittelalter existieren drei Stände. Der
1. Stand - die Geistlichkeit bzw. der Klerus - ist idealtypisch für das
Beten da. In der frühmittelalterlichen Wirklichkeit stellt die Kirche
aber circa zwei Drittel des deutschen Heeres. Mitglied des 1. Standes wird
man durch die Priesterweihe. Der
2. Stand ist der Adel. Seine Aufgabe ist es (idealtypisch im Sinne einer
Arbeitsteilung) zu kämpfen. Mitglied des 2. Standes wird man durch
Geburt. Der 3.
Stand besteht aus den Bauern, Handwerkern und Händlern und anderen. Mitglied
des 3. Standes wird man ebenfalls durch Geburt. Die
Ständeordnung wird als Spiegelbild der himmlischen Ordnung
gerechtfertigt. An der Spitze steht im Himmel Gott, auf Erden der Monarch.
Den irdischen, übereinander geordneten Ständen entsprechen übereinander
geordneten Gruppierungen von Seligen, Heiligen, verschiedenen Engeln.
Jeder Stand hat unterschiedliche Rechte und Pflichten und ist z.T. sogar
an der Kleidung oder sonstigen Merkmalen kenntlich. Jeder Stand hat v.a.
unterschiedliche Rechte in Politik und vor der Justiz.
Die moderne Auffassung davon, was Gesellschaft ist, entstand mit dem
Zerfall dieser Ordnung.
Nach oben
Stellvertreterkrieg
Von Stellvertreterkriegen spricht man häufig im Zusammenhang mit dem
Kalten Krieg, wenn regionale Konflikte an den Rändern bzw. außerhalb der
eigentlichen Machtblöcke militärisch von feindlichen Gruppierungen
ausgetragen werden, die sich an den gegensätzlichen Machtzentren
(Washington gegen Moskau) ideologisch, politisch, militärisch und
wirtschaftlich orientieren und von diesen jeweils unterstützt werden,
zugleich auch von ihnen abhängig sind.
Nach oben
Strategische Atomwaffen
Atomwaffen mit interkontinentaler Reichweite
Nach oben
Systemgegensatz
Hier: Gegensatz zwischen
parlamentarischer Demokratie und Kommunismus
Nach oben
System
Metternich
Folgende
Prinzipien werden als "System Metternich" bekannt: Monarchische
Legitimität (gegen einen neuen Usurpator im Stile Napoleons),
monarchische Autorität (gegen alle revolutionäre
Bestrebungen, dahinter steht das "monarchische
Prinzip") und die monarchische Solidarität
(
Stabilität in Europa durch das Gleichgewicht der Mächte und
Zusammenhalten gegen revolutionäre Umtriebe).
Nach oben
T
Taktische Atomwaffen:
Atomare Kampfmittel, die auf dem Schlachtfeld im Gefecht eingesetzt werden.
Nach oben
Tarifautonomie
Man spricht von Tarifautonomie, wenn die Vertretungen der Arbeitnehmer
(Gewerkschaften) und Arbeitgeber (Arbeitgeberverbände) Höhe der Löhne
und Gehälter,
Lohngruppen, Arbeitsbedingungen usw. mit bindender Wirkung ohne staatliche
Einwirkung festlegen dürfen.
Nach oben
Terror
Lat. = Schrecken. Man in der Politik spricht von Terror, wenn politische
Ziele durch systematische Gewaltanwendung erreicht werden sollen, z.B.
Terror der Jakobiner, islamistischer Terror, usw.
Nach oben
Theokratie
Staaten, in denen die Religion Grundlage des Staates und der Gesellschaft ist, nennt man Theokratien (Gottesherrschaften). In vielen Lexika wird unter Theokratie nur ein Staat verstanden, dessen Herrscher zugleich Gott oder ein Priester ("Gottkönig", "Priesterkönig") ist. Im christlichen Bereich traf das nicht zu.
Dennoch
kann man auch hier von Theokratie (Gottesherrschaft) im weiteren Sinne sprechen, weil es sich um einen christlichen Staat, eine christliche Gesellschaft und Kultur handelte.
Kehrseite war die Verfolgung oder Diskriminierung von Ketzern, Andersgläubigen
oder Ungläubigen.
Die Besonderheit der
christlichen Theokratien bestand in einer Doppelspitze aus einem weltlichem, aber
chistlichem Herrscher und einem kirchlichem Führer. Es gab drei Varianten:
- Variante 1: Der Herrscher stand über der Kirche und regierte in die Kirche hinein. Diese Variante nennt man "Cäsaropapismus" und wurde zum Beispiel im Byzantinischen Reich verwirklicht.
- Variante 2: Kirche und Staat standen auf gleicher Ebene und ergänzten sich gegenseitig. Der Kirche kam das sogenannte geistliche Schwert zu, der weltlichen Gewalt das weltliche Schwert ("Zwei- Schwerter- Lehre" des Gelasius). Diese Variante galt lange Zeit im Westen und der Mitte Europas im Verhältnis zwischen Kaiser und Papst.
- Variante 3: Bei dieser beansprucht die Kirche, über der weltlichen Gewalt zu stehen. Im Mittelalter wurde diese Lehre von Papst Gregor VII. und anderen Päpsten vertreten, was zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst im Investiturstreit im 11./ 12. Jahrhundert führte.
Nach oben
Totaler Krieg
Ein Krieg, der unter Aufbietung aller materiellen, militärischen,
ideologischen und propagandistischen Reserven durch Mobilisierung
der gesamten Bevölkerung unabhängig von Geschlecht und soweit möglich auch
unabhängig vom Alter geführt wird. Die gesamte Zivilbevölkerung wird für
den Krieg eingespannt, Frauen z.B. für die Rüstungsproduktion. Auf diese
Weise verschwindet auch der Unterschied zwischen Kämpfern und
Nichtkämpfern, was zur rücksichtslosen Kriegführung auch gegen Zivilisten
führt. Der Gegner soll militärisch und moralisch komplett vernichtet
werden. Totale Kriege waren z.B. der Erste und Zweite Weltkrieg.
Nach oben
Totalitarismus
Man spricht von Totalitarismus, wenn
eine diktatorische politische Herrschaft den Menschen vorschreibt, was und wie sie zu denken haben, z.B.
im Nationalsozialismus (sogenannte nationalsozialistische
"Weltanschauung") oder im Kommunismus (Lehre vom "historischen und
dialektischen Materialismus", Lenins Parteitheorie, usw.) oder im
Islamismus (z.B. Iran). Staat,
Gesellschaft und Denken werden gleichgeschaltet, das Individuum dem
Kollektiv untergeordnet. Das Adjektiv
heißt "totalitär" (z.B. "totalitärer Staat" = ein Staat, in dem
Totalitarismus herrscht).
Nach oben
Träger:
(Atomare) Sprengköpfe brauchen Träger, um an weiter gelegene Ziele zu
gelangen. Diese Träger können Flugzeuge, Raketen oder Cruise Missiles sein.
Sprengköpfe können auf kurze Entfernung auch mit Geschützen verschossen
werden. Träger können einen oder mehrere Sprengköpfe gleichzeitig ins Ziel
befördern.
Nach oben
Truchsess
Der Truchsess oder Seneschall war urprünglich Küchenmeister, dem die Aufsicht über die fürstliche Tafel zustand, aber schon in fränkischer Zeit
stieg er zum Leiter der gesamten Hofverwaltung auf.
Truman-Doktrin
Von US-Präsident Truman verkündete Theorie, nach der die Welt in die westliche
Freie und die östliche diktatorisch-kommunistische Welt geteilt sei und das
kommunistische Expansionsstreben (Streben nach Ausbreitung) eingedämmt werden
müsse, z.B. durch wirtschaftliche oder militärische Hilfe.
Nach oben
Trust
„Der Unterschied zwischen Kartell und Trust besteht darin, dass ein Trust eine Zusammenfassung mehrerer Unternehmen zu einem ist, während ein Kartell eine enge Partnerschaft zwischen zwei oder mehreren ist.“ [Wikipedia]
Nach oben
Uunitarisch
Ein einheitlicher, zentral regierter
Staat ist unitarisch (unus = lat. eins, einer), im Unterschied zu einem
föderalistisch organisierten Staat. Vgl.
Zentralstaat
Nach oben
Universalbanksystem
Im Zuge der Industrialisierung bildet sich in Deutschland ein
Universalbanksystem heraus, das heißt, dass Banken nicht nur Geld
verleihen (Kreditwesen), sondern zugleich auch Aktien kaufen und verkaufen
können. Durch Kreditvergabe und Sitze im Aufsichtsrat und über das
Depotstimmrecht werden Banken wirtschaftlich überaus mächtig.
Nach oben
Usurpator
Unrechtmäßiger Herrscher, z.B. Napoleon aus der Sicht der europäischen
Monarchen. Er war weder adlig noch konnte seine Familie die Herrscher in
Frankreich stellen. Die französische Herrscherfamilie waren vor der
Französischen Revolution die Bourbonen.
Nach oben
V
Vasallenstaat
Von einem anderen Staat abhängiger Staat. Ein Vasall ist eigentlich ein
mittelalterlicher Lehensmann.
Nach oben
Verelendungstheorie
Theorie von Marx und Engels, dass die Ausbreitung des Kapitalismus mit der
Ausbreitung von Massenelend einhergehe. Eine dauerhafte Verbesserung der
Situation der Arbeiterschaft im bestehenden Staat des 19. Jahrhunderts
wird bestritten.
Nach oben
Verfassung
Grundgesetz eines Staates mit folgenden Grundsätzen:
Grund- bzw.
Menschenrechte; Gewaltenteilung; (allgemeines) Wahlrecht. Zweck: Schutz
des Bürgers vor Übergriffen des Staates
Nach oben
Vergesellschaftung der
Produktionsmittel
Bei Marx und Engels Überführung der Produktionsmittel (Maschinen,
Fabriken, usw.) in das Eigentum der Gesellschaft, in der Realität
Enteignung und Überführung der Produktionsmittel in die Verfügungsgewalt
der Kommunistischen Partei.
Nach oben
Verlag,
Verlagswesen
Das Verlagswesen ist
eine neue Erscheinung, die neben der traditionellen Werkstatt bedeutend
wird.
Die traditionelle
Werkstatt: Der Handwerker im Mittelalter, z. B. ein Weber, wohnt und
arbeitet im gleichen Hause. Er kauft sich auf dem Markt die Rohstoffe, z.B.
Garn, und verarbeitet sie in seiner Werkstatt auf dem eigenen Webstuhl zur
Fertigware und verkauft diese wiederum in seinem Laden oder auf dem meist
lokalen oder auch regionalen Markt. Als Selbstständiger ist er in der
Zunft organisiert, deren Zunftzwang und Qualitätskontrolle er unterliegt.
Verlagswesen:
Zwischen Markt und Werkstatt des Webers tritt der Verleger. Er kauft auf
dem Markt, der lokal, regional oder Weltmarkt sein kann, Rohstoffe, z.B.
Baumwolle und heimisches Garn, und stellt dieses einem Weber zur
Verarbeitung zur Verfügung. Dieser arbeitet in seinem eigenen Haus an
einem eigenen oder vom Verleger zur Verfügung gestellten Webstuhl. Das
Fertigprodukt liefert er beim Verleger ab, der ihn für seine Arbeit
bezahlt. Der Verleger verkauft nun die Fertigware auf dem Markt.
Da Webstühle auch
auf dem Lande bedient werden konnten und dort ein entsprechende Know How
zur Verfügung stand, konnten über das Verlagswesen auch die städtischen
Zünfte unter Konkurrenzdruck gesetzt werden.
Nach oben
Vernichtungskrieg
Unter
einem Vernichtungskrieg versteht man den kompromisslosen, bewaffneten Krieg
gegen einen Gegner, bis bis dieser geistig intellektueller und/oder körperlich
vernichtet ist. So können im Rahmen eines solchen Krieges ganze
Bevölkerungsgruppen getötet oder vertrieben oder enteignet, ihr Staat und ihre
Kultur vernichtet werden. Verhandlung mit dem Gegner werden abgelehnt, seine
Existenzberechtigung wird bestritten.
Mindestens eine Kriegspartei muss die
Absicht haben, einen Vernichtungskrieg bewusst zu führen, was zu entfesselter
Grausamkeit führt, für die wiederum die Opfer des Vernichtungskrieges
verantwortlich gemacht werden.
Nach oben
Veto(recht)
Recht des Oberhauptes der Exekutive,
also z.B. eines Königs oder Präsidenten, gegen Beschlüsse des
Parlaments Einspruch zu erheben. "Veto" heißt lateinisch
"ich verbiete". Mit einem aufschiebenden (sogenannten
"suspensiven") Veto wird ein Gesetz des Parlaments auf
befristete Zeit am Inkrafttreten gehindert, mit einem "absoluten
Veto" kann das Inkrafttreten eines Gesetzes auf Dauer verhindert
werden.
Nach oben
Vielvölkerstaat
Staat, der viele verschiedene Völker umfasst. Bsp.: Österreich bis 1918;
Osmanisches Reich; Zarenreich.
Gegensatz zum Nationalstaat
Nach oben
Villikation
Großgrundbesitzer
organisieren im Frühmittelalter ihren Landbesitz oft so: Ein Teil des
Landes wird in Eigenregie bewirtschaftet (Salland). Dabei helfen
Pachtbauern im Rahmen ihrer Dienstleistungen z.B. bei der Ernte mit. Der
andere Teil des Landes wird an Pachtbauern vergeben (siehe
Grundherrschaft / bäuerliche Leihe). Der Grundherr profitiert über
Abgaben und Dienste, die Pachtbauern finden ebenfalls ihr Auskommen. Ist
Grundbesitz auf diese Weise organisiert, spricht man von Villikation. Im
Hoch- und Spätmittelalter geht die Tendenz aber dahin, das gesamte
grundherrliche Land zu verleihen und Naturalabgaben in Geldabgaben
umzuwandeln.
Nach oben
Volksdemokratie
Darunter verstand man die politische Organisationsform ehemaliger
sozialistischer Staaten, bei der im Unterschied zur Sowjetunion formal unterschiedliche Parteien bestanden, diese jedoch unter der Führung der kommunistischen Partei
zu ständigen Wahlbündnissen (Nationale Front in der DDR) zusammengeschlossen waren.
Es handelte sich in Wirklichkeit um eine Form der Diktatur
des Proletariats.
Nach oben
Volksfront
Erweiterung der Arbeitereinheitsfront
um bürgerliche Kräfte der Mitte und gemäßigt
konservative Kräfte im Kampf gegen den Faschismus (z.B. den
Nationalsozialismus). Manchmal wird der Begriff aber vereinfachend für
eine Zusammenarbeit von KPD und SPD verwendet (z.B. Volksfrontregierungen
in Sachsen und Thüringen 1923).
Nach oben
Volksrepublik:
Offizielle Bezeichnung einiger kommunistischer Staaten, wobei nach
kommunistischer Sprachregelung mit "Volk" nicht das ganze Volk,
sondern nur die sogenannten "Werktätigen" gemeint sind.
Nach oben
Volkssouveränität
Alle Gewalt geht vom Volke aus.
Nach oben
Vormärz
Historische Epoche von der Julirevolution 1830 oder sogar vom W§iener
Kongress 1815 bis zur europäischen Märzrevolution von 1848.
Nach oben
W
Wahlkaisertum
Im Unterschied zum
Erbkaisertum
werden die Kaiser gewählt, könnte also theoretisch aus unterschiedlichen
Familien stammen. Wer beim Tode eines Kaisers dessen Nachfolger wird, ist
also nicht durch die Erbfolge geregelt.
Nach oben
Ware Arbeitskraft
Nach Marx und Engels besitzt der Arbeiter zur Sicherung seines
Lebensunterhalts nichts als seine Arbeitskraft, die er auf dem Markt
verkaufen müsse, ähnlich wie man Gegenstände kauft und verkauft. Der Lohn
eines Arbeiters richte sich auf lange Sicht nach dem Wert seiner
Arbeitskraft.
Nach oben
Warschauer Pakt
Östliches Gegenstück zur NATO
Ersetzte zweiseitige Militärabkommen zwischen der Sowjetunion und den von
ihr abhängigen Satellitenstaaten.
Nach oben
Weimarer Koalition
In der Weimarer Republik ein Regierungsbündnis aus SPD, Zentrum und DDP.
Alle drei Parteien standen fest zur Weimarer Republik.
Nach oben
Wer zuerst schießt, stirbt als zweiter:
Prinzip, das zur Zeit der Entspannung galt. Die Abschreckung sollte dadurch
gewährleistet werden, dass jede Seite (SU und USA) Zweitschlagskapazitäten
behielt, die die gesicherte gegenseitige Zerstörung gewährleisten
sollten. Damit unvereinbar waren Abwehrraketen, siehe ABM.
Nach oben
Wirtschaftsliberalismus
Die Theorie des
Wirtschaftsliberalismus tritt für Konkurrenz, freies Unternehmertum,
Freihandel und internationale Arbeitsteilung ein und vertraut auf die
Selbstregulierung des Marktes.
Der Staat sollte "Nachtwächterstaat"
sein, d.h. er sollte die Gesellschaft vor Angriffen äußerer Feinde schützen
und im Innern Recht und Ordnung gewährleisten.
Eingriffe in die Wirtschaft, also
Wirtschafts- und Sozialpolitik, sollte der Staat nicht betreiben.
Der Wirtschaftsliberalismus richtete
sich gegen den Merkantilismus des 18.
Jahrhunderts. Da England stärkste Industriemacht war und keine Konkurrenz
zu fürchten hatte, setzte er sich vor allem in England durch.
Nach oben
Z
Zensuswahlrecht
Wahlrecht nach Vermögen. Der
Wähler verfügt über unterschiedlich viele Stimmen. Über wie viele
Stimmen er verfügt, hängt davon ab, wie viele Steuern er bezahlt, ist
also abhängig von seinem Vermögen.
Nach oben
Zentralisation von Kapital
Bei Marx und Engels meint der Begriff den Aufkauf von Konkurrenten
bzw. Konkurrenzbetrieben.
Nach oben
Zentralstaat
Einheitlicher, von einer Zentrale aus regierter Staat; die Ebene der
Bundesstaaten fällt weg. Bsp.: Frankreich mit der Zentrale Paris.
Vgl. auch
unitarisch. Gegensatz föderaler Staat (Föderalismus)
Nach oben
Zensur
Maßnahme des Staates Staates oder einer Gemeinschaft, um unerwünschte
Meinungen und Information in den Medien zu kontrollieren, zu unterdrücken oder im eigenen Sinn zu steuern.
Ziel ist die Kontrolle des politischen und geistigen Lebens.
Nach oben
Zivilgesellschaft
Gesellschaft, deren Mitglieder Demokratie und Menschenrechte
als Werte verinnerlicht haben. Allgemeines
Wahlrecht allein ist keine Garantie für Demokratie, auch nicht in
Verbindung mit Gewaltenteilung, denn eine
gesellschaftliche Mehrheit für eine Diktatur kann über
das allgemeine Wahlrecht die Demokratie abschaffen. Erst eine
Zivilgesellschaft garantiert aus der Gesellschaft heraus die Existenz der
Demokratie.
Nach oben
Zunft/ Zünfte
Das Handwerk in Mittelalter und Neuzeit bis
ins beginnende 19. Jahrhundert war in Zünften organisiert. Diese
garantierten Qualität und Preise. Da Zunftzwang herrschte, man also in
der Zunft organisiert sein musste, wenn man in der Stadt einen Betrieb
eröffnen wollte, gelang es den Zünften, die Zahl der Zulassungen zu
begrenzen und so die Konkurrenz einzuschränken. Die Zünfte waren aber
auch oft an der Regierung der Stadt beteiligt, wirkten an der Verteidigung
mit, beteiligten sich an der Finanzierung und am Bau der Kirche, nahmen an
Prozessionen teil, übernahmen soziale Aufgaben und besaßen Zunfthäuser
oder zumindest Zunftstuben.
Nach oben
Zwei- Klassen- Theorie
Theorie von Marx und Engels, wonach die Entwicklung im Kapitalismus dahin
gehe, dass am Ende der Entwicklung sich nur noch zwei gesellschaftliche
Klassen gegenüberstünden: eine zahlenmäßig verschwindend kleine Klasse von
Kapitalisten, die über die Prodktionsmittel und den Staat verfügten, und
eine übergroße Mehrheit von ausgebeuteten, im Elend lebenden Arbeitern
("Proletariern"). Dieser Zustand werde erst durch die
sozialistische Revolution
abgeschafft.
Nach oben
Zyklische Überproduktionskrise
Überproduktionskrisen werden laut Marx dadurch verursacht, dass einem
Warenangebot eine ungenügende Nachfrage gegenübersteht. Er führt diese auf
die Ausbeutung der Arbeiter zurück. Zyklisch = immer wiederkehrend.
Nach oben
|